Warum sollte den der Ritter wenn er einen Markt besucht (ohne Gefolge) in Rüstung dort auftauchen?
Also auch wenn ich die Rüstung hätte, würde ich damit nicht morgens die Brötchen kaufen gehen. Und ich glaube das hat der ‘Ritter’ auch nicht. Ergo kannst du auf dem Markt einen Ritter treffen ohne es zu bemerken *g*.
um es einmal klar zu formulieren: im Moment versuche ich mir eine zivile Rolle aufzubauen, die ich den Großteil der Zeit übernehmen will.
Meine erste Idee war, dass diese Rolle auch gleichzeitíg meine später hinzukommende Kämpfer-Rolle sein sollte, deshalb die Frage nach der zivilen Kleidung eines Ritters.
Beide Rollen sollen im Moment nur für “one-shots”, also einmalige Auftritte auf Events sein. Ich weiß nicht, ob es selbst für einen Ritter bei einem eintägigen Marktbesuch ein Gefolge sein muss.
Nachdem ich aber jetzt die Posts gelesen habe, bin ich am überlegen, diese beiden Rollen zu trennen.
Vielleicht sollte ich die Idee mit dem Koch, die mir seit einiger Zeit im Kopf herumspukt mal näher in Betracht ziehen.
Aber ich hatte doch eigentlich gar nicht anderes gesagt, oder?
ßbrigens, bei reisenden Ordensbrüdern tut es wirklich schon die “Minimalbesatzung” von zwei. Kann man sowohl im Regelwerk vom Hospital, vom Tempel als auch von den Deutschherren nachlesen…
Es sei denn, man ist vermessen genug, gleich einen Komtur oder etwas noch Höheres darstellen zu wollen!
Ordensritter sind keine einfacheren Ritter. Ordensritter sind schwerere Ritter. Als ob Ritter nicht schon schwer genug wäre, musst Du die strenge Geistlichkeit hier auch noch Rüberbringen und sämmtliche Regeln kennen und beachten.
Alle andere Anforderungen wie Pferde, Klamotte, Gefolge, gelten weiterhin.
Insofern ist imho Ritter Wahnsinn, Ordensritter ausschweifender Wahnsinn.
2.) Um mit dem Schwert zu Kämpfen muss man es nicht in der Darstellung
3.) Ein Ritter kämpft primär mit der Lanze, und nicht mit dem Schwert. Also hinkt die Konsequenz, wegen Schwertkampfs Ritter sein zu wollen/müssen,
4.) Bei Marktbesuchen, bei gescheiten Veranstaltungen, und bei sonstwelchen Anlässen braucht man keine Rüstung
5.) Diese braucht man ca. 1% der Zeit.
6.) in diesen 1%, selbst wenn man nur drauf aus ist, Gefechtsbiwak oder so zu machen, kann man nicht die komplette Rüstung eines Ritters tragen. Weil die dafür ungeeignet ist, weil die für den Kampf zu Pferd ausgelegt ist; man wird 10-20% der für eine Riterdarstellung benötigten Rüstung garnicht nutzen können, Beispiele Stechhelm,Beinpanzerung.
Aus diesen Punkten ergibt sich eine Konsequenz: Willst Du was darstellen, und dich ab und an kloppen, mach was ziviles und klopp dich davon unabhängig (in bestimmten Zeiten, HMA eher nicht, passt das sogar gut zusammen).
Will Du was darstellen ung dich in dieser Rolle kloppen, mach nen Fusskämpfer. Stadtmiliz z.B.
Willst Du dich selbst kasteien, sauviel Geld ausgeben, und von jedem für wahnsinnig erklärt werden, und hast Du nen ganz speziellen Grund, dann mach Ritter.
Ersteinmal vielen Dank für die rasche und umfassende Hilfe und die vielen Links.
Mir ist klar, dass ich zur Darstellung eines Ritters, der sich für längere Zeit an einem Ort aufhält, ein Gefolge u. ß. benötige. Mein Ziel für den Anfang geht aber dahin, dass ich bei meinen Besuchen auf Märkten oder bei anderen “one shot” Gelegenheiten eine passende Gewandung habe.
Erst im Laufe der Zeit (wahrscheinlich Jahre) werde ich die militärische Ausrüstung zusammenstellen. Es ist meine Hoffnung, dass ich bis dahin eine für mich passende MA-Gruppe gefunden habe. Das kann natürlich auch bedeuten, dass ich meine Rolle bis dahin noch überdenken muss.
Das, was mich so sehr am Kämpfer mit der obigen Ausrüstung interessiert ist der Schaukampf. Ich möchte lernen mit einem europäischen Schwert umzugehen, bevor ich mich in die japanische Schwertkunst (Iaido, Kendo und in den höheren Graden des Aikido) vertiefe.
Um eben nicht in die Verlegenheit zu kommen, mit einer brauchbaren Kampfausrüstung auf ein Lager geladen zu werden und dann keinerlei “Zivilrolle” zu haben, und weil ich denke, dass ich diesen Winter die Zeit und Energie aufbringen kann meine Gewandung selbst zu erstellen möchte ich mit der “normalen” Kleidung anfangen.
@Timo: Die Idee mit dem Ordensritter hatte ich auch schon. Ich habe mich auch schon über die Armen Ritter vom Tempel Salomons informiert, einschliesslich ihrer Ordensstatuten. Das wäre natürlich eine weitere Möglichkeit.
Wenn irgendjemand Ideen in dieser Richtung hat, oder ein Ordensritter bzw. eine Komturei hier in der Nähe ist zwecks Kontaktaufnahme, meldet Euch bitte. Am meisten interessiere ich mich für die Templer und die Deutschritter (zu letzteren leider noch kaum Material gefunden)
grundsätzlich kann ich nur zustimmen, einen Ausflug zum Magdeburger Dom zu unternehmen, allerdings bin ich bei der angesprochenen Figur des Hl.Mauritius bezüglich der Datierung vorsichtig. Es gibt da einige Details, die eher auf Ende 13.Jh. hinweisen.
Nun zur Darstellung: sehr gut finde ich, daß Du bereits im Vorfeld viel Arbeit in die Recherche steckst und bei der “normalen” Kleidung anfangen willst. Damit vermeidest Du fehlerhafte Wege, die viele andere (ich auch) anfangs beschritten haben.
Wenn Du aber wirklich an einer eher militärisch angehauchten Darstellung interessiert bist, so sehe ich folgende Auswege, wenn denn der Ritter zu aufwendig ist (da müssen nämlich wirklich zusätzliche Bewaffnete und zumindest einiges an Gesinde her):
1. Du legst Deine Darstellung eher in Richtung eines bewaffneten Knechtes - der ist zumeist ein Fußkämpfer, und damit sparst Du Dir vorsorglich die Auseinandersetzungen um die Pferde-Diskussion… ;o)
Für eine glaubwürdige Darstellung wäre es dann das Einfachste, sich einer “besseren” Gruppe anzuschließen, wo es bereits das angesprochene Gefüge Adel/Gefolge/Gesinde gibt.
2. Wenn Dich auch die Ritterorden interessieren bzw. faszinieren, so kannst Du Deine Darstellung natürlich in Richtung Ordensritter bzw. Ritterbruder entwickeln. Da gibt es natürlich dann einiges an zusätzlicher Recherche, weil dies vom Weltlichen doch abweicht (Bekleidungsvorschriften und -verbote, mönchischer Alltag etc.). Außerdem solltest Du dann für die Zukunft auch darauf achten, daß die Brüder eigentlich immer wenigstens zu zweit unterwegs waren - auch das war Vorschrift!!! Das heißt praktisch natürlich Suche mindestens eines “Gesinnungsgenossen”…
BTW: Bin selber Darsteller eines Johanniterbruders aus Outremer bzw. der Kommende Würzburg (Fränkische Grüße! ;o))
Falls Du Interesse an einer solchen “Ordenslaufbahn” hast, kannst Du mich gern zurückfragen (am besten per Mail).
Das Lehnhardt-Buch sollte mit Vorsicht genossen werden. Zur konkreten Anfertigung lieber das Buch von Wolf Zerkowski verwenden.
Fuer eigene Recherchen zu Kleidung und ihren Details bietet sich auch ein Ausflug nach Magdeburg an. Im dortigen Dom gibt es die sogenannte “Paradiesvorhalle”. In diesem kleinen Anbau sind die 8 Figuren der “klugen und toerichten Jungfrauen” (ziemlich genau auf 1240 datiert). Die Kleidung, aber insbesondere Details wie Guertel und Fibeln sind sehr genau dargestellt.
Dann gibt es im Dom noch die Figur des Heiligen Mauritius (datiert 1250), die fuer die Herren der Schoepfung interessanter sein duerfte :-)
Auf dem Markt steht ausserdem noch die Kopie des Magdeburger Reiters mit seinen zwei Begleiterinnen (Datierung etwa 1250). Da gibts auch einiges zu sehen. Das Original ist im Kulturhistorischen Museum vor Ort, man kommt dort noch naeher ran als auf dem Markt.
Wenn Dir jetzt angesichts von Claus’ Liste und der veranschlagten Menge Geldes das Herz in die Hose gerutscht ist und das arme Portemonnaie Kraempfe bekommen hat , empfehle ich Dir folgendes:
- Leg den Ritter erstmal auf Eis und traeume nur in mondhellen Naechten davon ;-)
- Such Dir eine Darstellung eines etwas niedrigeren Standes
- Wenn es denn partout was militaerisches sein soll, gibts da auch Moeglichkeiten bei niedrigerem Stand (da ueberlasse ich die Beratung allerdings lieber denjenigen, die was davon verstehen)
Dann kommst Du bei der Kleidung mit mittelguten Wollstoffen und Leinen aus. Und wenn Du dann mal das Gefuehl hast “komplett” zu sein, kann ja der Ateliche immer noch ins Auge gefasst werden…
Wichtig ist hierbei, dass die heutige Vorstellung, hoehere Staende haetten hoehere Schuhe/Stiefel getragen, nicht korrekt ist. Zumindest im Zivilleben zeigten Leute hoeheren Standes gerne, dass man nicht darauf angewiesen ist, viel zu Fuss zu gehen und sich deshalb feine Halbschuhe, eventuell sogar mit Durchbruchsmuster, leisten kann.
Wer nicht so betucht war, beschuhte sich eher praktisch (vereinfacht gesagt).
ich finde es schon ‘mal toll, daß Du Dich erkundigst, bevor Du anfängst, Dir Deine Ausrüstung zuzulegen, das ist eher selten ;-)
Von der Rüstungs-/Waffenseite wäre Deine Darstellung ganz klar eine Adels-/Ritter- oder Ministerialendarstellung. Adel bedeutet aber auch Pferde (ein Ritter ohne Pferd ist eher lächerlich ;-), Gefolge, feinste Stoffe etc., d.h. Du handelst Dir damit jede Menge zusätzliche Arbeit und vor allem Kosten ein, wenn Du eine historisch korrekte Ausstattung willst.
Wenn Du Dir das trotzdem antun willst, solltest Du Deine Rüstung/Waffen noch um einen Eisenhut (auf dem Boden wurde nicht mit Topfhelm gekämpft) und eine Lanze ergänzen (die Hauptwaffe zu Pferd). Der Schild sollte abgerundete Dreiecksform haben (bei Dignitas Equestris gibt’s eine ganz gute Einführung: www.dignitas-equestris.de/deq/schildhist.html
Eine kleine Ergänzung, um Nachfragen zu vermeiden:
Ich möchte nicht unbedingt mit 100% “A”-Ausrüstung anfangen. d.h. Es soll für MA-Märkte ausreichen und keine eindeutig falschen Sachen (z.B. Trinkhorn am Gürtel o. ß.) enthalten.
Zuerst möchte ich mich in diesem Kreise kurz vorstellen. Mein Name ist Sebastian und ich bin ein 24-jähriger (Noch-)Student aus Oberfranken. Ich interessiere mich schon seit geraumer Zeit für alles mögliche aus dem Breich Mittelalter (und wie ich zu meiner Schande zugeben muss auch Fantasy und SF *schäm*). Wor allem die verschiedenen Ritterorden zur Zeit der Kreuzzüge (Deutschritter, Hospitaliter, Tempelritter,-) haben mich immer sehr interessiert.
Nach den Besuchen einiger Mittelaltermärkte in meiner Umgebung (z.B. Rabenstein) habe ich mich jetzt endlich dazu entschlossen, mir selbst eine Gewandung zuzulegen. Nach einiger Recherche bin ich darauf gekommen, dass die Zeit um 1250 (+/- 30 Jahre) für mich die interessanteste ist.
Als Region kommen für mich Franken, genauer Nürnberg, Bamberg oder die Fränkische Schweiz, Bayern, hier besonders die Herzogenstadt Ingolstadt, oder das Sauerland, hier besonders Iserlohn (in der Mark Arenberg?) in Frage.
Ich bin noch ohne jegliche Ausrüstung, habe aber schon eine gewisse Vorstellung, wie das “Endprodukt” aussehen soll. Ich möchte gerne einen Kämpfer darstellen, mit Kettenrüstung, Kettenbeinlingen, Topfhelm, Gambeson, Waffenrock, Dolch, Schild und Schwert als Kampausrüstung. Das soll allerdings erst später kommen und jetzt nur helfen die Stellung zu definieren, die dieser Charakter gehabt haben muss.
Bei der Zivilkleidung sind von meiner Seite bisher Bruche, Leibhemd, Beinlinge, Cotte, (Tassel-)Mantel, Bundhaube oder Gugel und Schuhe, sowie evtl Surcotte geplant. Dazu Almosenbeutel und Gürteltasche.
Und hier liegt mein Problem. Welche gesellschaftliche Stellung müsste dieser Charakter innehaben um sich die oben angeführte Kämpferausrüstung leisten zu können? Welches Material bzw. welche Farben kämen für seine Zivilkleidung in betracht? Welche Schuhform wäre für Zeit und Stand angemessen? Und welche Schwert- und Schildform passt zu dieser Rolle? Und ist es authentisch, das Schwert auch zur Zivilkleidung zu tragen?
Ich denke das Hauptproblem bei mir liegt im sozailen Stand meines Charakters, da dadurch sehr viel anderes definiert wird.
Ich danke allen, die dieses lange Post gelesen haben und freue mich schon, auf Eure guten Ratschläge.