Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Pechsieder/ Picher im HMA

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Eintrag #1 vom 08. Mrz. 2008 01:30 Uhr Christian Sebening  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Christian Sebening eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Zunftzeichen der Picher

Hallo an alle Mittelalterfreunde.
Seit einiger Zeit bin ich, wie alle hier,
sehr am Leben im Mittelalter ( 1250 - 1300)
interessiert. Nach einigen Besuchen auf
Mittelaltermärkten und dem Grünewälder Strief
( erst ohne, später mit Gewandung) schwebt
mir eine Rolle vor, die ich gerne übernehmen
möchte, zu der ich schon fleißig
Informationen sammle aber doch noch einiges
fehlt. Es ist die Rolle des
“Pechers” (Pechsieder, Picher….).
Was mir noch fehlt, sind Informationen über
Pechsieder in Siegen-Wittgenstein und vor
allem deren Zunftzeichen. Das einzige, was
ich herausbekommen konnte, war, dass eine
Dexel (Dechsel, Dassel) darin vorkommt.
Nun zu meiner Frage: Kann mir jemand von Euch
weiterhelfen? Mit direkten Infos, Links oder
ähnlichem?!
( Gegooglet habe ich bereits, habe auch schon an die Handwerkskammer Südwestfalen geschrieben,…ohne Erfolg, und diverse Foren und Internetseiten zu diesem Thema besucht.)
Für Antworten bin ich jetzt schon dankbar.
Christian,…der Pechsieder

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Eintrag #2 vom 11. Mrz. 2008 08:51 Uhr Ulrich Busse  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ulrich Busse eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Christian,
ich habe gewisse Zweifel, ob die Pechsiederei in dem von Dir gewählten Zeitraum überhaupt (schon) zunftorganisiertes Handwerk war. Die Pechsiederei gehörte zu den weniger angesehenen Berufen und wurde in der Regel gar nicht in der Stadt ausgeübt, sondern - ähnlich wie die Köhlerei - dort, wo der Rohstoff war, nämlich im Wald.
Ich kann natürlich mit einiger Gewissheit nur für meine “Baustelle” sprechen, nämlich die Mark Brandenburg, Deine Gegend ist mir wenig bekannt. Gleichwohl gehe ich aufgrund der Rahmenbedingungen davon aus, dass es auch in den Städten im Westen des Reichs im 13. Jhd. kaum Pecher-Zünfte gab.
Quellen, die das Gegenteil belegen, würden mich auch interessieren. Claudia? Thorsten?
Gruß, Ulli

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Eintrag #3 vom 20. Apr. 2008 17:23 Uhr Christian Sebening  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Christian Sebening eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Pechsiederei

Hallo Ulli,
danke erst mal für deine Antwort. Meine Recherchen kommen nur schleppend voran,aber immerhin habe ich “schon” herausgefunden, daß die Pechsiederei auf jeden Fall zum Zunftwesen gehörte. Allerdings habe ich erst Hinweise darauf ab dem 16 ten Jh. Aus meiner Zeit konnte ich noch nichts in Erfahrung bringen. Nach Aussage eines noch lebenden Pichers aus ßsterreich werde ich da auch nicht viel Erfolg haben, da seiner Meinung nach die Pechsiederei von Generation zu Generation weitergegeben und praktisch in jeder Familie “betrieben” wurde.
Aber das kann mich nicht abschrecken,…werde w´mich weiter mit diesem Thema beschäftigen.
Wenn ich was Neues erfahre, dann melde ich mich wieder.
Christian, jetzt erst recht Pechsieder!*lach

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Eintrag #4 vom 01. Mai. 2008 21:15 Uhr Roman Grabolle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Roman Grabolle eine Nachricht zu schreiben.

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Neulich hab ich irgendwo einen Vortrag über die Ausgrabungen der Wüstung Pagram bei Frankfurt/Oder gehört, auf der auch Pechsiederei nachgewiesen ist. Leider fand ich auf die Schnelle speziell dazu nichts im www.
Zu Pagram allgemein:
www.geschichte.hu-berlin.de/default.aspx?tabid=3795
und Freund google
Auf die Seiten von Dueppel bist Du sicherlich schon selbst gestossen:
Holzteer
Autoren: Dieter Todtenhaupt und Andreas Kurzweil
www.dueppel.de/index.php?id=62
www.dueppel.de/index.php?id=44
Kennst Du:
Oettel, Gunter, Die mittelalterliche Pechsiederei im Südosten der DDR. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 33, 1989, 227“287. ???
Reste einer Schmierenbrennerei des 11./12. Jh in Plauen-Kleinfriesen:
Richter, Johannes, Eine neue slawische Fundstelle im Vogtland. Ausgrabungen und Funde 1, 1956, 85”87.
Oettel ebd.
Irgendwann fiel mir auch was neueres zur Pechsiederei in die Hände, aber wann und wo das war …???
Nachtrag: Hier war´s:
Felix Biermann, Teererzeugungsgruben als Quelle zur mittelalterlichen Technik- und Wirtschaftsgeschichte im westslawischen Siedlungsraum. Ethnogr.-Archäol. Zeitschr. 39, 1998, 161-187.
Nicht ganz Deine Zeit und Ecke, aber von hier aus kann man sich weiterhangeln.

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Eintrag #5 vom 04. Mai. 2008 20:23 Uhr Roman Grabolle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Roman Grabolle eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Teer- und Pechherstellung

Man kann sich dem ganzen natürlich auch von nicht ganz so alt her nähern:
Klaus Sippel, Wirtschaftsarchäologische Geländeforschungen zum neuzeitlichen Bergbau und Hüttenwesen in Nordhessen. Ein ßberblick über den Stand der Forschung zu Herstellungs- und Gewinnungsorten von Glas, Kupfer, Eisen, Alaun, Sand und Teer. Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters 33, 2005, 103-122.
Band mit Beiträgen des Kongress´ zur Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit “Neue Wege ins alte Hessen” 2004 in Marburg:
dialnet.unirioja.es/servlet/listaarticulos?[…]
Zu Teerhütten S. 122.
“Das Gewerbe wurde in Hessen nachweislich spätestens seit dem 16. Jahrhundert betrieben, vermutlich aber schon seit dem 14. Jahrhundert und in anderer Form wohl auch schon früher, und zwar in einzelnen forstbiologisch prädestinierten alten Nadelholzbeständen, meist kleine Kiefernwälder.
Die seit der frühen Neuzeit für die Produktion verwendeten Teeröfen waren gemauerte doppelwandige ßfen … . Durch Verkochen von Teer konnte in einem weiteren Arbeitsgang wirkliches Pech gewonnen werden, ebenso durch Verkochen von Harz, das aus dem angerissenen Stamm direkt gewonnen worden war. Teer und Pech waren Schmier- Dichtungs-, Klebe und Heilmittel.
Zur Terminologie ist mit Wetterau festzustellen, dass es sich in Hessen wohl stets um Teeröfen handelt, auch wenn in den zeitgenössischen Nennungen in älterer Zeit immer von Pech die Rede ist, denn in Hessen wurden Teeröfen vor dem 19. Jahrhundert als Schmer- oder Pechöfen bezeichnet. … Ob an unseren Standorten auch Pech hergestellt worden ist, in welchem der beiden Verfahren auch immer, ist nicht zu klären.”
An neuerer Literatur wird genannt:
Ferdinand Wetterau, Der Teerofen von Blankenbach bei Sontra aus dem frühen 17. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Geschichte der Teer- und Pechproduktion in Hessen. ZVHessG 84, 1989, 227-270.
Alfred Schneider, Teerhändler, Teerträger und Teerschweler in den ehemals mainzischen Gebieten um Amöneburg und Neustadt. Amöneburger Blätter 16, 2002, H. 1/2, 1-16.
Ausserhessische Literatur zur Teer- und Pechproduktion bei:
Klaus Sippel, Mittelalterliche und frühneuzeitliche Glashütten im Kaufunger Wald und im Reinhardswald. Ergebnisse archäologischer Geländeforschungen zur älteren Glasproduktion in Nordhessen. In: Ingrid Baumgärtner / Winfried Schich (Hrsg.), Nordhessen im Mittelalter. Probleme von Identität und überregionaler Integration (Marburg 2001) 231-302, hierzu Anm. 168.
Dazu ergänzend:
Andreas Kurzweil/Dieter Todtenhaupt, Teer-, Pech-, Schme(e)r- oder Salbe-ßfen. In: Mittelalterliche ßfen und Feuerungsanlagen. Beiträge des 3. Kolloquiums des Arbeitskreises zur archäologischen Erforschung des mittelalterlichen Handwerks. Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg 62 (Stuttgart 2002) 191-206.

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Eintrag #6 vom 04. Mai. 2008 20:34 Uhr Roman Grabolle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Roman Grabolle eine Nachricht zu schreiben.

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Ach ja, das gab´s ja auch noch. Findest Du in jeder UFG-Bibliothek:
Acta Praehistorica et Archaeologica 23, 1992.
www.vml.de/d/inhalt.php?ISBN=978-3-89646-719-5
Darin u.a.:
Andreas Kurzweil / Dieter Todtenhaupt, Gewinnung und Nutzung von Teer von den Anfängen bis in heutige Zeit. Das 1. Symposium zum Thema “Holzteer” vom 16.-17.6.1990 im Museumsdorf Düppel, Berlin. S. 7-9
Rolf Voß, Slawische Teersiedekeramik in Mecklenburg und Vorpommern [Bezirke Rostock, Schwerin und Neubrandenburg]. S 21-31.
Gunter Oettel, Bolschwitz und Nennewitz.
Zur Entwicklung der Teer- und Pechsiederei zwischen Saale und Neiße. S. 33-38.
Andreas Kurzweil / Dieter Todtenhaupt,
Technologie der Holzteergewinnung. S. 63-91.
Gudrun Böttcher / Gunther Böttcher, Herstellung von Replikaten mittelalterlicher Teersiedekeramik. S. 93-95.

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