ich habe mir selbst ein Paar wendegenähte Schuhe gefertigt, wobei mir die Seitem mittelalterschuhe.de (vor allem beim Maßnehmen und Schnittmuster erstellen) und wikingerkleidung.de (Nähtechnik und Ausarbeiten der fertigen Schuhe) sehr geholfen haben.
Die Sohle habe ich satt mit Leinölfirniß getränkt und das Oberleder mit Sattelfett bearbeitet. Als Einlage eine dicke Filzsohle. Bis auf grobem Schotter (ich denke, demnächst werde ich mich an ein paar Trippen wagen)tragen sich die Schuhe ganz bequem und sind mir auch noch nicht durchgeweicht.
Also ich habe nun diverse Wendenahtschuhe nach diversen Funden, bei mind. der Hälfte konnte ich sie direkt mit dem Fund vergleichen, und diese waren keinesfalls schlechter/gröber als die Originale.
Ich bin damit nun schon teilweise grössere Strecken (20km+) gelaufen, habe damit gefochten, Freschlachtkloppereien mitgemacht, bin gerannt, durchs Wasser gewatet, habe Rüstung dazu/darauf getragen, Sporen, auf dem Pferd, sie waren verschlammt, verdreckt, nass.
Und keiner meiner Schuhe hatte bislang ein Loch. Mit keinem meiner Ledersohlenschuhe bin ich wirklich (ausser bei sehr blödem Gelände) gerutscht.
Nun trage ich die, wie viele andere, ganz sicher nicht auch nur ansatzweise so häufig, wie das im Mittelalter der Fall war: nämlich 365 Tage im Jahr, 7 Tage die Woche, 24h (oder vlt. 18h) am Stück. Da wären sie sicher schneller kaputt.
Aber das mache ich nicht, daher sind sie es nicht, und das obwohl sie auch mal Asphalt (am WE gerade z.B. 8km davon) aushalten müssen.
Also sehe ich keinen Grund, warum die nach 2 Monaten kaputt sein sollten.
Also, ich habe hier nun vieles über richtige und falsche Besohlung von Schuhen gelesen. Da ich selbst noch immer in unhistorischen Bundschuhen (Marktletten?) rumlatsche, habe ich mich nun nochmal eingehender mit der Thematik befasst.
Dabei ist mir folgendes aufgefallen:
In den Museen gibt es immer mal wieder Vitrinen, mit relativ gut erhaltenen Schuhen verschiedener Epochen.
Was ich aber bei Händlern und auch auf den märkten, selbst von recht guten “Darstellern” gesehen habe (in mittlerweile rund 15 Jahren), SIEHT FAST GRUNDSßTZLICH ANDERS AUS!
Meist sind die Dinger, wenngleich “richtig” genäht und aus dem richtigen Material, zu grob, zu unförmig, schlampig verarbeitet etc. und können sich nicht mit den “echten” messen…
Oder kennt jemand einen auch in diesem Sinne guten Schuhmacher?
Dann das mit der Haltbarkeit:
Wie hier bereits kürzlich erwähnt, halten “a” Schuhe nur wenige wochen bis Monate, je nach Belastung. Nun kosten aber “Wendis” mal mindestens 100.- EUR und sind dann wahrscheinlich noch Ramsch (siehe oben).
Und von der Dichtigkeit her lassen sie meist auch zu wünschen übrig.
Ich habe von Textbelegen gehört, dass sich Schuhe (einfache) im Homi bis Spämi tatsächlich innerhalb kurzer Zeit durchgelaufen haben.
Andererseits kann ich mir irgendwie nicht recht vorstellen, das da nie jemand Abhilfe geschaffen hat (Doppelsohle, Geklebte und damit dichte Nähte etc.)
Was meint Ihr dazu?
Gummisohle, um beim Thema zu bleiben:
Hab´ ich nichts gegen, wenn es so gemacht ist, das man es nicht (kaum) sieht. Es gibt z.B. so 3 bis 4 mm starkes, dunkelbraunes Sohlengummi, das sich von leder nicht unterscheiden lässt, wenn man es “am Mann” sieht. Und das ist Dicht und rutschfest und erhöht die Lebensdauer der teuren Treter ganz erheblich.
Sicher, in Brachialauthentischer Darstellung hat das nichts zu suchen, aber wer macht das schon?
O.K., nur meine Persönliche Meinung. ich bin ja eigentlich selber ein ziemlicher “a”-Freak, aber wenn es darum geht, alle zwei Monate 100.- EUR oder mehr auszugeben, bin ich zu Kompromissen bereit.
Selbernähen:
Habe ich probiert. das Ergebnis sieht besser aus, als vieles von Schuhmacher, was ich schon so gesehen habe. Aber auch hier stimmen einige dinge nicht ganz (siehe oben: Zu Grob, zu unförmig…). das finde ich persönlich schlimmer, als eine “unsichtbare” Gummisohle.
Weder die Arbeiten von Christiane Schnack noch Francis Grew in “Shoes & Pattens” erwähnen irgendwo, daß die für das HMA gefundenen Schuhe geklebte Sohlen oder Fersenverstärkungen hatten.
Eine eingeklebte Hinterkappe ist für Schleswig für einen Fund aus dem 15./16. Jh. nachzuweisen (Sekundäreinbringung) und bezieht sich auf einen rahmengenähten Schuh. Die Rahmennaht ist nach Goubitz erst um 1500 entstanden, weshalb dieser Schuh auch für das SMA ausfällt.
Ein sonstiger Beleg für geklebte Laufsohlen ist mir nicht bekannt.
Literatur:
Francis Grew/Margarethe de Neergard (+), “Shoes and Pattens”, London 1988/2001, ISBN 0 85115 838 2
Goubitz, 1979: Een snipper is ook een schoen. Over archeologische ledervondsten en hun behandeling. Westerheem 28, Den Haag
Nur zur Vorabklärung, ich stelle sowohl im HMA als auch im SMA dar.
Mehrfachsohlen gibt es einmal als Innensohle (ab 1200 und als Außensohle (ab dem 15. Jahrhundert).
Fersenverstärkung zum Schutz der besonderen Verschleißstelle fallen ebenfalls ab 1200 auf.
Beschrieben sind die Dinger z.B. unter:
Christiane SCHNACK: “Die Mittelalterlichen Schuhe aus Schleswig, Ausgrabungen Schild 1971-1975”, in: Ausgrabungen in Schleswig, Berichte und Studien Nr. 10, Archäologisches Landesmuseum der Christian-Albrechts Universität, 1992.
Gut zu lesen dazu ist auch:
Christiane SCHNACK: “Mittelalterliche Schuhfunde aus Konstanz (Grabung Fischmarkt)”, In: Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg Heft 26, Landesdenkmalamt Baden-Württemberg , Suttgart 1994.
Um meine ßbersohlen aufzubringen, hatte ich die Wahl zwischen Aufnähen und Aufkleben. Ich habe die Aufklebmethode gewählt und gebe das immer bei einem Schuhmacher in Auftrag, der noch mit Knochenleim arbeiten kann.
Eines vorweg, damit ich nicht falsch verstanden werde:
Ich trage ebenfalls “Wendis” und immer noch das erste Paar seit 1998, als viele der sich heute Vollautisten nennende noch in BW-Tretern herumstiefelten.
Aaaaber:
1. Tragekomfort
Nein, man kann Wendis nicht mit heutigen Schuhen
vergleichen. Die Sohle ist immer dünner, als das, was man durch cm-dicke Gummisohlen an Polsterung gewohnt ist. Gerade eine Wanderung über Schotter macht mit Wendis wirklich nur wenig Freude auf Dauer.
2. Nässeschutz
Nein, auch da kann man Wendis nicht mit den vollverklebten Schuhen von heute vergleichen. Man kann auch fetten oder sogar wachsen, soviel man will, nach einen ordentlichen Regenguß hat man nasse Füße und sollte ein 2. Paar zur Hand haben.
3. Haltbarkeit
Forget it. Es kommt zwar auf den Untergrund und deine Lauftechnik (schlurf ich oder schlurf ich nicht) an, aber nach 2-3 Monaten neigen Wendis zum Durchlatschen und dann beginnt die Flickerei.
Meine Meinung bzw. Tips:
Schaffe dir einmal gute Wendis nach Belegen an. Verwende hier ruhig Zeit, denn Oberleder und Schaft des Schuhs werden dich Jahre begleiten.
Daher dicke Socken beim Anprobieren anziehen.
Bei empfindlichen Sohlen lege dir entweder eine Lage Schafswolle hinein (noch MIT Wollfett), die nimmt nach und nach ein Fußbett an. Alternativ, aber für einige sicherlich “bäh”, ist eine Einlage aus luftgeschäumtem Material auch nicht zu verachten (gerade bei längeren Wandertouren).
Um die Wendisohle zu schonen, empfiehlt es sich, eine ßbersohle aufkleben zu lassen (selbst oder beim guten Schuhmacher). Ich laufe inzwischen auf der xten ßbersohle, die eigentliche Sohle ist noch unbenutzt.
Für tiefe Matsche empfehlen sich 2 Dinge:
Barfuß (wenn möglich) oder
Trippen (die können aber die Knöchel arg belasten).
Was die Verwendung von Gummisohlen angeht, so akzeptiere ich medizinische Indikationen uneingeschränkt (!), da es Fälle gibt, wo das auch partieller Nässestau übel sein kann. Für diesen Umstand sollte man aber eine Gummisohle nehmen, die farblich angepasst ist (gibbet im Fachhandel). Möglich ist auch eine Sandwhichbauweise, mit Lederübersohle und Gummizwischenschicht auf der Wendisohle aufgebracht.
Ich bin bisher erst einmal mitn “MA”-Schuhen richtig gerutscht udn das waren Markttreter mit Gummisohle. Am Wochenende bin ich mal auf sandigen Boden gerutscht, aber das lag nicht an der Sohle. Das ist ein Gerücht. Wer nicht mit Wendeschuhen kämpfen kann, sollte das Schwert weglegen und laufen lernen.
Dann fettet euer Leder besser! Feuchtigkeit zieht eh meißt durch die Nähte ein.
Wegen des Laufkomforts?
Zieht öfter mal die Turnschuh und Birkies aus und lauft natürlicher, sprich barfuß. Dann erkenn jeder, das Wendeschuhe nicht wirklich so unbequem sind.
Es rutscht auf aus feuchter Wiese?
Klaro, für Kämpfer ein Problem. Für alle anderen nicht wirklich! Und wer unbedingt Profiel unter den Füßen braucht, kann Eisennägel (wie bei den “ßme”) einschlagen, oder Lederstreifen unternähen. Ist z.T. auch nicht “A”, jedoch stimmiger und akzeptabler als “Gummi” mit Pattex geklebt zu verwenden!
Und nicht zuletzt …
Schuhe sind nun mal Verschleißmaterialien! Wenn die Sohle durch ist, dann kommt da halt eine neue drunter!
Es kann und darf nicht sein, das man auf Materialien zurück greift die es im MA noch nicht gab. Dies ist nicht nur falsch, sondern auch faul!
Also, entweder so nah wie möglich ans Original (hier das MA) oder ganz sein lassen. Alles andere ist Mumpitz und ist indiskutabel.
Sehr zu empfehlen sind die Schuhe von Stefan von der Heide. Die kann man sich entweder fertig bestellen oder günstig als Schuhbausatz, komplett mit Anleitungs-Video und benötigtem Werkzeug.
Wenn Ihr es schafft, mehrere Leute zusammenzutrommeln , könnt Ihr auch ein Schunähseminar bei ihm buchen (vorrausgesetzt, er hat noch Termine frei…), das geht ein Wochenende und in der Zeit mit seiner Anleitung und Hilfe schafft es JEDER, ein Paar einfache und gute Schuhe zu nähen (auch wenn er 2 linke Hände voller Daumen hat…). Preis ist derselbe wie beim Schubausatz.
Sie sind nicht die Bohne historisch (und bedingen sogar meist eine falsche Naehtechnik beim Schuh), fallen auf und sehen einfach baeh aus.
Manche Leute muessen in richtigen Wendeschuhen mit der natuergemaess duenneren Sohle erst mal laufen lernen, ich selbst habe allerdings keine Schwierigkeiten gehabt. Bei nassem Wetter sind sie schneller mal feucht, aber wenn man ein halbwegs dickes Leder als Sohle hat (meine Knoechelschuhe haben so 4 mm Sohlenleder), die Schuhe immer gut fettet und sich evtl. noch eine Filzsohle reinlegt, ist das auch nicht so schlimm. Bei Naesse muss man auf Gras, Laub oder Holz etwas aufpassen nicht auszurutschen, aber das ist schon alles.
Steinchen finde ich im allgemeinen auch nicht so das Problem. Ist natuerlich nicht zu vergleichen mit den dicken Stollen moderner Schuhe, aber nur bei sehr duennen Sohlen merkt man deutlich was.
Kurz und gut: Lass die Finger von dem Gummizeugs (und auch von den Schuhen mit Holznaegeln in den Sohlen, die sind genauso un-a) und lege Dir was Historisches zu.
zum Anfang solltest du dir selbst darüber im klaren sein, was du wie und was darstellen möchtest. Genügt dir eine oberflächliche Darstellung, die historisch unkorrekt ist. Oder möchtest du so weit wie möglich(100 Prozent sind nie möglich, sollten dann aber angestrebt werden) historisch korrekt und auf “Archäologischen Fundgut” u. bildlichen Darstellungen basierender Kleidung und Ausrüstung zurückgreifen? Bei diesem Anspruch musst du dich von dem Gedanken “Praktisch” verabschieden. Dann gibt es nur noch das praktische, was dem Menschen damals auch zur Verfügung stand. Im allgemeinen vertrete ich die Meinung, dass auf Gummisohlen unbedingt verzichtet werden sollte. Bei einer guten Schuhrekonstruktion , wirst du diese ohnehin nicht finden.
da ich mir nach jahrelangen Besuchen als Touri auf MA-Märkten nun auch endlich eine passende Gewandung zulegen möchte und natürlich auch Schuhe dazu brauche, frage ich mich, was für Schuhe es denn sein sollen. Ich werde mich gemäß Anfang 13. Jh. kleiden.
Nun stolpere ich immer wieder über Mittelalterliche Schuhe mit Gummisohle. Sie sind zwar nicht so ganz authentisch, aber wohl praktischer, oder? Fällt das sehr unangenehm auf, wenn da eine leichte Gummisohle dran ist? Werde ich gesteinigt, wenn ich damit auf einem MA-Markt auftauche? :-) Und wenn keine Gummisohle dran ist, wie ist der Tragekomfort, spüre ich da jedes Steinchen, werden sie schnell nass und durchgefeuchtet, wenn es mal regnet, oder total fleckig? Kann ich damit auch länger laufen, oder tuen mir dann die Füße weh? So viele Fragen…