Meine Kappa habe ich im Prinzip aus einem großen Rechteck geschnitten, dessen untere Kanten abgerundet sind. Die Endbreite ist so bemessen, dass bei seitlich ausgestreckten Armen die Hände frei bleiben.
Das Kopfloch ist Mittig eingeschnitten und mit Kapuze versehen.
Um den damaligen Stoffbreiten Rechnung zu tragen, habe ich mittig eine Naht eingefügt, diese ist aber konstruktionsbedingt bei einem 150cm breiten Stoff nicht nötig; der Schnitt ist so angelegt, dass auf den Schultern keine Nähte liegen, ich habe den Eindruck, dass hilft bei Sauwetter.
wenn ich mich nicht völlig irre, sind die von dir angesprochenen Kleidungsstücke einerseits ein Rechteckmantel und andererseits eine Cuculle/Kappa. Die Cuculle/Kappa entspricht einer verlängerten Gugel, der Rechteckmantel zwei aneinandergenähten Stoffstücken, wie es eigentlich auch bei Ruth beschrieben ist.
Die Ganache ist ein Reisemantel, typisch für das 14. Jahrhundert und ebenfalls typisch mit zwei kleinen Läppchen am Kragen, die auch durchaus aus Hermelin bestehen durften, wohingegen der Gardecorps ein Reisemantel ist, den es auch im 13. Jahrhundert gab.
Ein weiteres, ähnlich geartetes Kleidungsstück ist die Esclavine.
Meine Versionen von Gardecorps und Esclavine (www.civitas-medievalis.net/control.php?[ ]), dort zu finden unter “Textiles”. Sorry, die Seite ist überholungsbedürftig, aber mir fehlt die nötige Zeit.
Bei vielen deutschen Quellen wird es dann dünn, da mehr Gugeln zu sehen sind, oder einfach nur Tuche, die nur bis zur Hüfte gehen und um die Schultern gelegt, geschlungen werden. Beispiel Monatsblätter des Elisabeth Psalters Oktober.
Dazu gibt es ein paar Abbildungen im Goslarer und Brandenburger Evangeliar.
Der Pilger im Mainzer Evangeliar trägt den Überwurf allerdings ohne Kapuze.
Ich habe die jeweiligen Schriften nur als Buch und nicht digital. Aber, hier ein herzliches Dankeschön, hat Ruth Hirschberg von Brandenburgensis 1260 eine gute Abhandlung geschrieben und die Bilder angehängt.
Oder großes Rechteck? Gerundet? Und ein Loch für den Kopf geschnitten an dem ich dann die Kapuze annähe?
Kann mir da jemand helfen, gibt es Quellen oder muss ich improvisieren?
Ich würde zwei ca 50 cm breite Rechtecke in der Mitte zusammen nähen, ein Kopfloch lassen, das ganze vorne kürzer (bis etwa Gürtel bzw. Bruche) hinten bis über den Hintern. Was die Breite angeht, müsste ich mal messen, faktisch sollte es im stehen bis Mitte Unterarm gehen.
hat schon mal jemand eine Garnache (für’s späte 14. Jh.) mit “Lätzen” am Kragen genäht? Ich frage mich, ob diese Teile extra angenäht werden (wenn Vorder- und Rückenteil aus einem Stück bestehen, ohne Schulternaht), oder ob mit einer “Mittelnaht” gearbeitet wird, so dass man die Lätze gleich mit am geteilten Vorderteil hat. Möglich wäre auch die Variante, wenn man es alles aus einem Stück schneiden möchte, dass man die Lätze aus dem “Kragenloch” schneidet. Dann könnte man sie aber nicht so schräg und so lang schneiden, wie auf verschiedenen Abbildungen zu sehen.
Ich beziehe mich z.B. auf die Abbildungen im Lehnart Kleidung und Waffen der Spätgotik I 1320-1470.
Bin da momentan etwas ratlos, vielleicht kann mir jemand einen Schubs in die richtige Richtung geben…
Da ich nunmer Zeit und Stand gewechselt habe, aber - falls möglich - meine Garnache weiter verwenden will suche ich nun Belege für diese Mantelform für um das Jahr 1320 in SW-Deutschland.
Im Codex Manesse sind ja ein paar Kleidungsstücke zu finden, die ich als Garnache oder abarten auffassen würde, nur leider ist das eben schon Schweiz. Ebenfalls aus der Schweiz (Abteikirche Königsfelden) stammt eine Glasmalerei um 1325/30, die bei einem König (Hl. Drei Könige) eine mir vorher unbekannte Garnacheabart zeigt: Ohne Kapuze, seitlich offen, etwas über knielang, pelzgefüttert, über 3/4 der Brust rechts mit 7 Knöpfen geknöpft. Farbe in der Abbildung ist ein helles rotbraun, darunter wird ein etwa Knöchelanges Gewand getragen.
Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand eine Quelle für ein ähnliches Gewand (oder die gemeinhin bekannte seitlich geschlossene oder nur geschlitzte Garnache) im deutschen Raum liefern könnte!
Ich habe mich inzwischen doch für die Garnache entschieden und bin bislang sehr zufrieden damit - ist eine recht praktische (und warm-/trockenhaltende) Sache.
ich habe eure diskussion über reisemäntel geleses und finde gerade eine Garnache sehr praktisch wenn das Wetter einfach einmal schlecht und kalt ist. Flinkhand schreibt jedoch, daß es ausschließlich ein Herrengewand war, ist das so richtig, oder weis einer vo euch vielleicht auch eine Quelle für die Verwendung bei Frauen?
…zur althergebrachten Methode, Halbkreis-oder Rechtecksmantel, in deinem Fall, und Gugel. geschlossen mit Fibel oder Tassel-/Nestelband. Wärmt ausgezeichnet.
Cucullus ist zwar fein, aber wärmt die Beine eben nicht.
Mir kommt leider sowohl dieser “Cucullus” als auch die Garnache etwas zugig vor, bei dem einen wegen mangelnder Länge, beim anderen wegen offener Seiten.
Wäre es (historisch) in Ordnung, wenn ich mir einen längeren Mantel mit oder ohne Kapuze schneidere, der vorne geschlossen wird (Fibel, Knöpfe, etc.)? Oder sollte ich mir doch einen anderen Stand oder Zeit für sowas aussuchen? Bisher habe ich sonst ohnehin erst die Unterkleidung…
ein rechts geknöpfter Mantel, so wie Du ihn beschreibst hat es um 1350 gegeben. Er wird auch - in Anlehnung an ein antikes Kleidungsstück - als Chlamys oder im Deutschen als Heuke bezeichnet. In den mittelalterlichen Rechnungsbücher ist sie oft mit Pelz gefüttert. 3/4 Kreis ist eher ungewöhnlich, normalerweise würde dafür ein voller Kreis verwendet. Für einen einfachen Bauern oder Handwerker ist das aber nichts, da dies meines Wissens nach ein Kleidungsstück aus dem ritterlichen Bereich ist.
Ich würde für einen Bauern/Handwerker - wenn er sich denn dieses zusätzliche Kleidungsstück leisten konnte, eher auf die praktischere Garnache zurückgreifen. Hier ein Schnittbeispiel: www.flinkhand.de/Handarbeiten/Nahen/[ ]/garnache.h[ ]. Diese gibt es mit und ohne Kapuze, es wird wenn keine da ist auch gelegentlich mit Gugel getragen. ßber Fütterungen weiß ich ad hoc nichts, doch denke ich, daß dei üblichen Varianten (Wolle, Leinen, Felle etc.) möglich wären. Auch hier würde ich den Stand der Darstellung im Auge behalten.
Weiterhin gibt es noch ein ponchoartiges ßbergewand, das im englischen - um die Verwirrung zu vervollständigen - auch gelegentlich Heuke oder Huk genannt. Beide Formen der ßberkleidung sind unter anderem im Luttrell Psalter (ca. 1330 - 1340) abgebildet, dort spezifisch im bäuerlichem Umfeld.
Ich bin gerade dabei, mir einen Mantel anzufertigen (grauer Lodenstoff, 3/4-Kreis, rechts geknöpft). Allerdings bin ich etwas ratlos, was eine Kapuze angeht - alles, was ich aus diesem Zeitraum im Internet gefunden deutet darauf hin, daß ein solcher Kapuzenmantel nur vom Klerus getragen wurde. Allerdings dauerte meine Suche auch nur ein paar Stunden. ;-)
Sollte/kann ich dem Mantel eine Kapuze geben, oder sollte ich eher meine Gugel darauf tragen, falls es mal kalt wird?
Ach ja: Ich habe mich selbst noch nicht 100%ig geeinigt, was ich darstellen will, aber entweder einen Bauern oder einfachen Handwerker in Deutschland um 1350 (sollte ja ständisch nicht so weit voneinander entfernt sein?)
Und gleich noch eine Frage: Kommt ein Füttern des Mantels finanziell für mich in Frage? Und falls ja, mit was? Eher Wolle oder eher Leinen?