Und dann gibt es ja nun nicht nur die Darstellung von Religion durch Darsteller von Geistlichen usw., sondern halt auch von Handwerkern, Söldnern usw. Auch da herrscht Nachholbedarf! Wie Fritz plädiere ich auch dort für kleine Schritte. Vielleicht sich für die nächste Veranstaltung mal die oft angesprochene Sache mit dem bekreuzigen vornehmen. Geht das dann mal quasi automatisch, beim nächsten mal dann vielleicht schon ein Tischgebet oder der Verzicht auf Fleisch am Freitag. So kann sich eigentlich jeder allmählich der Sache nähern. Oder?
Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, daß “Gruppenzwang” der Sache durchaus dienlich ist. Aber dazu muß halt erst mal der Wille und das Verständnis da sein.
1997 habe ich eine HmA, höfische Trauungszeremonie konzipiert und zweimal aufgeführt.
Wir können davon ausgehen, daß es im HmA/ bis zum 13. Jahrhundert, eine kirchliche Eheschließung im heutigen Sinne, noch nicht überall und immer gegeben hat. Obwohl die Kirche, spätestens ab dem 9. Jahrhundert es forderte, hatte sich die Konsensehe (Braut und Bräutigam stimmen dem, von den Eltern geschlossenen Ehevertrag zu) gegenüber der althergebrachten Muntehe (der Ehevertrag wird zwischen den Eltern geschlossen und ist nicht “zustimmungspflichtig” durch das Brautpaar), nicht voll durchgesetzt. So gab es häufig keine kirchliche Ehezeremonie, wie wir sie heute kennen, sondern eher eine kirchliche Segnung der - nach juristischen Leitlinien geschlossenen - Ehe.
Wenn jemand an dem Skipt interessiert sein sollte, versuche ich gerne, es noch mal zusammen zu stellen.
Für einen Auftritt in Querfurt habe ich eine “Kommentierte Messe”, mit einem Kommentatitonstext und einer Abhandlung über die Struktur der mittelalterlichen Messe verfaßt.
InteressentInnen schicke ich letzteres gerne per E-Mail zu.
“Ehrlich gesagt, ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand, der in keiner Weise religiös ist, wirklich
überzeugend religiöse Handlungen darstellen kann … ”
Hmm, ich glaube nicht. Bzw. ich glaube schon dass man das kann. Man muß lediglich genügend Kenntnis und denn Willen es ernsthaft zu tun mitbringen. Wenn man das nicht auf die Reihe kriegt, oder kriegen will, dann soll mans lassen. Ansonsten könnte es, wie du schon erwähnt hattest, karrikativ und beleidigend werden. Sowas muß j nicht sein.
Ich stimme dir zu, dass es in der Szene erbärmlich wenige gibt, die sich nur im Ansatz mit mittelalterlicher Religion auskennen (wollen). Das ist wirklich jämmerlich. Aus dem Grund kann man auch nur klein anfangen, das stelle ich ja auch nicht in Frage. Ich sagte ja schon, dass man nicht ständig Taufen oder Hochzeiten darstellen muß. Mir ging es lediglich um den Willen und die Bereitschaft IRGENDWANN einmal so etwas zu tun.
Alle fangen irgendwann klein an, aber hauptsache es wird mal angefangen und nicht nur gejammert das man den gläubigen Menschen mit seiner Darstellung auf den Schlips treten könnte.
“Was die sakramentalen Handlungen angeht, so sollte man damit m.E. sehr behutsam und ehrfrüchtig umgehen bzw. sie auch umgehen, wenn sie nicht von der Dramaturgie der Darstellung her unbedingt
notwendig sind (in die Darstellung einer Fürstenhochzeit z.B. gehört natürlich auch die Trauzeremonie), denn wir leisten uns in der sog. ”MA-Darstellung“ auf den sog. ”MA-Märkten“ schon genug an unhistorischer, ja anti-historischer Geschichtsklitterei (ich denke an den Ablauf der meisten Turniere und Schlachtdarstellungen, die Marktstände und vieles andere mehr): Da muss nicht auch noch die Religion verfälscht und zum Show-Geck degradiert werden; es ist schon schlimm genug, wenn das Sterben und Leiden von Menschen hier zur Belustigung des Publikums in einer Weise herhalten muss, dass der Unterschied zu römischen Gladiatorenkämpfen nur darin besteht, dass kein echtes Blut fließt (wenigstens zumeist nicht), aber in der Mentalität kaum ein Unterschied besteht!”
Hmm, wie jeder für sich damit umgeht ist doch eigentlich egal, sofern man die ganze Sache nicht lächerlich macht. Ein Haufen Ernsthaftigkeit gehört in jedem Fall dazu, sonst wirds murks.
Ich bin auch dagegen, irgendwelche Formen der Darstellung als “Showeffekt” zu mißbrauchen, weil das dann den ernsthaften Charakter der Sache kaputt macht.
ßber die “Darstellung” auf den Standard-Märkten braucht man sich hoffentlich nicht mehr die Lippen fusselig zu diskutieren. Die ist in den allermeisten Fällen mist und wirds auch bleiben.
Schlachten und sonstige Metzeleien sind auch noch weit davon entfernt ansatzweise ernsthaft betrieben zu werden (jedenfalls in der HMA-Szene. Wenn ich da an die 18-Jh-Reenacter denke, die gehen schon in die richtige Richtung) aber das steht hier auch nicht zur Debatte. Ich glaube Religion kann man wesentlich einfacher “realistisch” darstellen als ein Scharmützel, man muß es nur wollen und die entsprechende Mühe in diesen Aspekt der Darstellung investieren. Aber wer schon seine Unterhose mit der Hand näht, sollte vor sowas auch nicht zurückschrecken.
Alles in allem bin ich mit dir einer Meinung. Auf jeden Fall klein anfangen, denn je aufwendiger das Ritual, desto mehr Fehler tauchen auf (zumindest am Anfang). Deshalb sind die meisten, die mit einer Ritterdarstellung anfangen entweder schlecht oder immer noch nicht fertig :o)
Wie gesagt, Klein anfangen, dafür aber kompromißlos.
wenn ich die Diskusion richtig verstanden habe, dann herscht weitgehende Einigkeit darüber, daß die MA-Religion und der MA-Glaube kaum ernsthaft authentisch dargestellt wird.
Das wir aber - wenigstens soweit uns das möglich ist - i.d.R. eine gute Darstellung anstreben bitte ich darum …
1. Gebt Berichte von Veranstaltungen mit hist.-rel. Charakter.
2. Wer einzelheiten über hist.-rel. Gebräuche gefunden hat, der stelle sie bitte hier zur Verfügung.
3. Wer gute Literatur zu dem Thema gefunden hat gebe sie bitte an.
4. Wer aufgeschlossene und kompetente Ansprechpartner findet bringe sie in das Forum.
Danke an alle über das “Kopfzerbrechen” und Rechergieren …
Gibt es denn MA-Gottesdienste, dargestellt von MA-Gruppen, die auf Rekonstruktionen beruhen und möglichst “a” sind? Wenn ja, würde ich keine Mühen und Entfernungen scheuen um mir so einen Gottesdienst mal anzuschauen. Hat irgenwer eine Gruppe oder eine Festivität parat, die er nennen könnte?
Gottes Grusz für Euch, Markus von Bokouwe (zu Hernen)