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Eintrag #1 vom 15. Jul. 1998 11:55 Uhr Lars Braun   Nachricht

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Hallo! Wer kann mir sagen, warum manche Richtschwerter am Ort ein kleines Loch haben? Vielen Dank Lars

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Eintrag #2 vom 02. Aug. 1998 14:36 Uhr Olaf Vohmann   Nachricht

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Hallo Lars, vielleicht kann ich Dir weiterhelfen. Wendelin Boeheim schreibt in Seinem “Handbuch der Waffenkunde” unter anderem : …in der Nähe des Endes findet sich zuweilen ein Loch, welches vorerst dazu diente, das Schwert an der Wand aufzuhängen. Nach Berichten einiger Fachschriftsteller benutzen die Scharfrichter dieses Loch um eine Bleikugel hineinzupressen und dann flachzuschlagen, um die Hiebwucht zu vergrößern. Dieser Gebrauch könnte sich aber erst aus dem 17. Jahrhundert herleiten… so gehabt Euch wohl, es grueßt Euch Herr Dietrich von Volmarstein

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Eintrag #3 vom 13. Nov. 1998 23:00 Uhr Artur Weinoch   Nachricht

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Grüßet Euch! Die Erklärung, die vom Olaf geliefert wurde hat mit sicherheit einen Wahrheitsgehalt, aber ich wage zu bezweifeln, daß dies der einzige Zweck dieses Loches sein soll. Ich werde versuchen mich mal schlau zu machen, und lasse wieder von mir hören… Artur

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Eintrag #4 vom 16. Nov. 1998 16:00 Uhr Oliver Zeuner   Nachricht

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Ich glaube nicht, daß man ein Richtschwert mit viel Aufwand angefertigt hat, um es dann wie ein Küchenmesser an die Wand zu hängen. Ich schau aber mal nach, hab ja zu Haus den passenden Zeitungsartikel. MFG BURG MOOR

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Eintrag #5 vom 17. Nov. 1998 12:08 Uhr Artur Weinoch   Nachricht

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Bin wieder da… Ich bin mit der Nachforschung noch nicht ganz fertig, aber ich habe eine interessante Erklaerung erhalten. Dieses eingearbeitete Loch soll unter anderen als gelenk gedient haben, mit dem man zwei solche Schwerte (oder auch ein Schwert mit einem Spezialwerkzeug) verbinden konnte das hierdurch entstandene soll aehnlich einer Schere funktioniert haben, und ein Instrument der Folter gewesen sein. Diese Hypothese ist einfallsreich und einleuchtend, aber in wifern sie den Tatsachen entspricht bleibt bis auf weiteres dachingestellt. Was mir persoenlich Einfiele ist ein rituelle Charakter, aber diesbezueglich fand ich noch keine Quellen, die dies belegen wuerden. Ich suche weiter, bis auf weiteres… Artur p.s.: Bin gespannt, was Oliver rausfindet!

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Eintrag #6 vom 13. Jun. 1999 22:00 Uhr Ivo Malz (IMMS)  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ivo Malz (IMMS) eine Nachricht zu schreiben.

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Moin! Die Bohrungen am Ort von Richtschwertern wurden meines Wissens nicht angebracht, um das Schwert aufzuhängen, und auch die These mit der “Kombinationsmöglichkeit” ist mir nicht bekannt und meiner Meinung eher beim NVA-Bajonett gegeben, das sich zu einer Drahtschere “ergänzen” läßt. Soweit ich informiert bin, handelt es sich bei den Meist drei Bohrungen um einen Hinweis auf den Zweck dieser Waffe, nämlich den der Hinrichtung, um das “ehrenhafte” Schwert des Kriegers vom “unehrenhaften” des Henkers abzuheben. In den Städten hatte der Scharfrichter in der Gaststube seinen eigenen Sitzplatz in der hintersten Ecke, mit einem separaten Klapptischchen, einem separaten, extra gekennzeichneten Hocker, und einen eigenen Krug, der mit einer Kette an der Wand befestigt war, was seine Ausnahmestellung in der Gesellschaft anzeigt. Der Henker war einerseits eine für die Justiz unentbehrliche Person, andererseits hatte die Bevölkerung eine abergläubische Angst vor ihm, und sein Stand galt als ehrlos. Daher ist es naheliegend, anzunehmen, daß auch das Schwert ein augenfälliges Unterscheidungsmerkmal wie die Bohrungen am Ort hatte. Drei Bohrungen, die mir bekannteste Zahl, wurden auch als Symbol für die heilige Dreieinigkeit gedeutet. Eine weitere Möglichkeit, von der ich weiß, ist, daß an den Bohrungen geflochtener Pechdraht angebracht war, an dessen Ende Bleigewichte entweder die Wucht des Hiebes verstärken oder ein pfeifendes Geräusch erzeugen sollten, daß die abschreckende Wirkung einer öffentlichen Exekution unterstreichen sollte. Wer weiß noch was? Ivo

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Eintrag #7 vom 13. Jun. 1999 23:02 Uhr Christoph Bitter   Nachricht

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Hallo Ivo! Zu Ergänzen ist noch, daß Scharfrichter außerhalb der Stadt wohnten und als Unberührbare galten. Wer einen anfaßte, durfte sich erst mal zig Tage schrubben. Gruß v. Arlen

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Eintrag #8 vom 12. Jul. 1999 21:08 Uhr Lars Braun   Nachricht

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Vielen Dank für die Auskünfte. Wem noch was einfällt - ich sauge jede Info auf. Lars

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Eintrag #9 vom 17. Aug. 1999 19:45 Uhr Michael Störmer   Nachricht

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Die drei Löcher am Ort eines Richtschwertes haben, wie Ivo Malz ganz richtig bemerkte, tatsächlich etwas damit zu tun, die “ehrlose” Waffe des Scharfrichters vom Schwert des Ehrenmannes abzugrenzen. Sie sollten nämlich verhindern, daß man das Richtschwert ohne es zu sehr kürzen zu müssen, anspitzen und im Kampf verwenden konnte. Ein weiterer Aberglaube in Bezug auf Richtschwerter besagt, daß sie nach dem 100sten Delinquenten nicht mehr verwendet werden durften und begraben werden mußten, da sie sonst zu blutrünstig werden würden.
Michael Störmer

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Eintrag #10 vom 18. Aug. 1999 08:56 Uhr Ivo Malz (IMMS)  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ivo Malz (IMMS) eine Nachricht zu schreiben.

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Moin! Im Kriminalmuseum in Rothenburg ob der Tauber finden sich einige recht schöne Richtschwerter, wobei ich mir aber mit der Datierung nicht mehr ganz sicher bin. Ist schon ne Weile her, und ich habe mir die Exponate nicht mit der Historikerbrille angeschaut, Asche über mein Haupt. Markantes Detail zur Unterscheidung eines Richtschwertes vom “ehrenhaften” Schwert des “Ehrenmannes” gab es noch in Form von Einlegearbeiten/Eisenschnittarbeiten/Stempelmarken in Form eines Galgens und/oder eines Rades und in Einzelfällen einer recht dekorativen Kombination beider Motive in einem Symbol. Des weiteren gab es noch mehr oder weniger aufwendige Inschriften, die ich persönlich der Renaissance zuordnen würde(Angabe ohne Gewähr!). Diese reichten vom einprägsamen, kurzen und direkten “Ich schone niemand” bis hin zu Versen, die die Seele des Delinquenten der Gnade Gottes und seiner Heiligen unterstellen sollte. So denn, Gruß Ivo

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Eintrag #11 vom 18. Aug. 1999 12:49 Uhr Philipp Klostermann  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Philipp Klostermann eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Michael, ich kann mich irren, aber im Zeughaus in Köln meine ich erfahren zu haben, daß Richtschwerter nur 10 mal benutzt wurden, bevor sie vergraben wurden, nicht 100 mal. Alles Gute, Philipp

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Eintrag #12 vom 19. Aug. 1999 10:25 Uhr Ivo Malz (IMMS)  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ivo Malz (IMMS) eine Nachricht zu schreiben.

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Moin! Das Vergraben von Richtwaffen nach einer bestimmten Anzahl von Exekutionen ist mir auch bekannt, scheint aber nicht allgemein Usus gewesen zu sein. Im ßbrigen wird die entsprechende Anzahl nicht gesetzlich festgelegen haben, sondern sich nach dem Bedarf nach dem Scharfrichter und der individuellen Deutung mittelalterlicher Zahlenmystik, vermischt mit einem aus Unwissen gewachsenen gerüttelt Maß an Aberglauben, orientiert haben. Außerdem habe ich noch erfahren, daß es Richtschwerter gab, die rein zeremonielle Funktionen erfüllten und bei Verhandlungen als Insignien der Gerichtsbarkeit dienten. Gruß Ivo

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Eintrag #13 vom 19. Aug. 1999 10:31 Uhr Dietrich (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Dietrich eine Nachricht zu schreiben.

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Moin. Das waren “Gerichtsschwerter”; diese dienten tatsächlich rein repräsentativen Zwecken, als Abzeichen oder Insignitum der Gerichtsbarkeit. Wird aber heute gern verwechselt; in vielen Museen hängen Gerichtsschwerter, sind aber als Richtschwerter ausgezeichnet. Dietrich

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Eintrag #14 vom 20. Aug. 1999 17:12 Uhr Thomas (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Thomas eine Nachricht zu schreiben.

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Tach! Ein Richtschwert-Reim aus R.o.d.T.: “Wenn ich thu dis Swert erheben, wünsch ich dem Sünder daz ewge Leben” Die Datierung der Schwerte lese ich daheim nach (wenn ich es nicht vergesse).
Mit besten Grüßen, HvE (Thomas)

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Eintrag #15 vom 21. Aug. 1999 01:16 Uhr Michael Störmer   Nachricht

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Noch ein netter Spruch von der klinge eines Richtschwertes: “Wer findt eh´s verloren wird, wer kauft eh´s feil wird, der stirbt eh er alt wird.” Aus meiner Magisterarbeit über Klingeninschriften…
Michael Störmer

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Eintrag #16 vom 21. Aug. 1999 01:41 Uhr Michael Störmer   Nachricht

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Hier noch die fehlende Fußnote für den letzten Spruch: Boeheim, Waffenkunde, S. 267 Na ja, man kann von dem altenWendelin halten was man will, für eine Anekdote ist er alle Mal gut.
Michael Störmer

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Eintrag #17 vom 05. Mrz. 2004 11:58 Uhr Tahir Shaikh  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Tahir Shaikh eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo zusammen!
Ich bin auf der Suche nach Abb. gut erhaltener Richtschwerter und hoffe hier fündig zu werden.
Gruß
M.

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Eintrag #18 vom 13. Mrz. 2004 13:13 Uhr Marcus Jäschke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Marcus Jäschke eine Nachricht zu schreiben.

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wozu die Durchbrüche in Ortnähe dienten, kann ich auch nicht genau sagen.
Ich gehe aber davon aus, das sie keinen “praktischen” Nutzen hatten, sondern eher der Kennzeichnung dienten, vielleicht auch einen “mythologischen, bzw. religiösen Hintergrund” hatten (die mystische Zahl 3). Diese Durchbrüche finden sich auch keinesfalls auf allen Richtschwertern (habe mir sagen lassen,
das sie vorwiegend bei deutschen Richtschwertern vorkamen, kann aber nicht sagen, wie verlässlich diese Auskunft ist, also nicht überbewerten).
Generell hat sich der sehr spezielle Typ des Richtschwertes wohl erst im ausgehenden 15., bzw frühen 16 Jahrhundert entwickelt. Zuvor hatte man meist andere Hinrichtungsarten bevorzugt.
Die sehr häufigigen Inschriften dienten oft dazu, das blutige Handwerk des Scharfrichters zu rechtfertigen. Beispiel: “Die Herrn steuern dem Unheil, ich exequire Ihr Urtheil” (Quelle: Europäische Hieb-und Stichwaffen. Das Buch wird wohl den meisten Leuten bekannt sein).
weiterhin frohes Schaffen….
Gruß
Marcus

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Eintrag #19 vom 16. Mrz. 2004 10:36 Uhr Joachim Meinicke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Meinicke eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Tahir,
Abbildungen habe ich nicht zu Hand, aber wenn Du Dich mal ins Märkische Museum in Berlin verirrst, wirst Du in den Ausstellungsräumen im Keller eine ganze Sammlung von Richtschwertern finden.
Grüße
Joachim

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Eintrag #20 vom 24. Nov. 2004 10:36 Uhr Stefan Eck   Nachricht

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so seyed gegrüßet…
kennt jemand Abbildungen im Netz von Richtschwertern mit jenen Löchern?
Weder die Richt- und Gerichtsschwerter im Kriminalmuseum (immerhin 11 Stück, ich kenne keine größere Sammlung!), noch die Stücke aus Erfurt, Meiningen, Schweinfurt haben diese Löcher, ich würde denken, das das eher die Ausnahme als die Regel war.
Auf historischen Abbildungen sind sie ebenfalls nicht zu erkennen.
Stefan, Fronbote und Bader

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Eintrag #21 vom 26. Nov. 2004 23:36 Uhr Florian Gysin  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Florian Gysin eine Nachricht zu schreiben.

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Da weiss ich doch mal weiter…
Ich war vor nicht allzu langer Zeit an einer Führung im historischen Museum in Bern - wir wurden in die mittelalterliche Gerichtsbarkeit, und deren Instrumente eingeführt.
Ein dort arbeitender (Waffen-)Historiker erklärte die Löcher seien zum stabilisieren des Schwertes.
Das geschieht folgender massen:
Man nimmt einen Lederbändel an dessen Ende ein Bleigewicht angebracht ist - den Bändel knüpft man in so ein Loch.
Die verhindert ein zu starkes schlingern des Schwertes beim Schwung.
Wurde der Hieb nicht ordentlich ausgeführt konnte das eine rechte sauerei geben - vor allem wenn sich die Henker - was sie erwiesenermassen in gewissen Fällen taten - vorher Mut antranken.
Das mit dem Henker als dringend gebrauchtem aber geächtetem Mann ist ein interessantes Dilemma… Oft führte der Henker ja auch das Bordell einer Stadt - ein Geschäft das ebenso “schmutzig” und trotzdem nötig war.
Ein interessantes Buch hierzu ist z.B. “Der Henker von Bern”. Weiss leider grad den Verlag nicht auswendig, aber da das buch in (schweizer bzw. berner) Dialekt geschrieben ist will wohl eh keiner lesen :-). Sonst Mail an mich, dann find ich den Verlag raus.
In dem Buch ist z.B. beschrieben wie der Henker einmal 3 Schläge brauchte nur um die Wirbelsäule eines Verurteilten zu durchtrennen - ein anderes Mal liess er sein Schwert in des Opfers Schulter fahren, statt in dessen Hals…
MfG Irion

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Eintrag #22 vom 28. Nov. 2004 17:05 Uhr Stefan Eck   Nachricht

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das Richtschwert in Bern hat also jene bewussten Löcher? Hast du da eine Abbildung zur Hand? Auf historischen Abbildungen von Hinrichtungen mit dem Schwert habe ich noch nie einen Lederbeutel an der Spitze des Schwertes festgeknotet gesehen…In der entsprechen Literatur habe ich auch noch nie davon gelesen. Soll nicht heissen, das es das nicht gibt, ich suche halt noch Belege…
Stefan, Fronbote und Bader …demnächst auch Söldner

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Eintrag #23 vom 28. Nov. 2004 21:05 Uhr Florian Gysin  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Florian Gysin eine Nachricht zu schreiben.

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Ich meinte ein Lederband mit nem Bleigewicht dran, keinen Beutel.
Ich habe grad keine Abbildungen, aber im Berner historischen Museeum haben sie etwa 3-5 Richtschwerter und die haben glaub ich fast alle diese drei Löcher.
MfG Irion

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Eintrag #24 vom 26. Mai. 2013 15:26 Uhr Thomas (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Thomas eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo zusammen,
mir sind auch keine Abbildungen bekannt, bei denen ein “Gewicht” oder ähnliches am Ort des Richtschwertes (das im eigentlichen Sinne keine “Waffe”, sondern lediglich ein Werkzeug“ war) zu erkennen ist.
In der Fachliteratur sprechen tatsächlich mehrere Autoren von der Möglichkeit, Gewichte in den Bohrungen am Ort zu befestigen, um mehr ”Schwungmasse“ in den Enthauptungsvorgang mit zunehmen. Aber Belege liefert leider kein Einziger dazu.
Auch von eigeschlagen Bleigewichten in den Ortbohrungen sind mir keine Belege bekannt. Ein Richtschwert bringt bereits bewusst ein deutlich höheres Gewicht mit, als ein gewöhnliches Schwert mit einer Länge von etwas über einem Meter. Auch 3000g und teilweise mehr sind hier keine Seltenheit.
Wie hier bereits beschrieben, hatten die Bohrungen hauptsächlich den Zweck, dieses Werkzeug zu kennzeichnen. Denn das Schwert war (wie sein Bediener) mit der ”unehre“ behaftet. Dies führte bei einer Berührung durch einen Menschen zu 99,99% dazu, dass derselbige sofort seine ”Ehre“ verlor. Sich mit einem ”Bad“ wieder von dieser Unehre zu reinigen, nützte leider nichts. Wurde die Berührung des Richtschwertes (oder auch die Berührung des Scharfrichters) von anderen Leuten gesehen und wurde dadurch zum ”Dorfgespräch“, führte das fast immer zum Ausschluss aus der Gesellschaft für diese Person! Und das auf ”LEBENSZEIT!
Die “heilige Dreifaltigkeit” wird ebenfalls oft im Zusammenhang mit den Bohrungen erwähnt. Ausserdem sollen die Bohrungen wohl dazu gedient haben, ein schnelles “Spitzschleifen” des Ortes zu verhindern, um aus dem Werkzeug keine Waffe für einen evtl. Kriegs/Kampfeinsatz machen zu können.
Aber auch hier sind mir keine Belege bekannt.
Erwähnen möchte ich noch, dass längst nicht alle Richtschwerter über Bohrungen am Ort verfügten. Oft war der Ort einfach auch nur abgerundet, oder sogar eckig geschliffen.
Für diejenigen, die es interessiert, stelle ich gleich noch meine “Zusammenfassung” aus verschiedensten Werken üder die Todesstrafe des Enthauptens hier in dieses Thema.
Viel Spaß beim lesen.

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Eintrag #25 vom 26. Mai. 2013 14:32 Uhr Thomas (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Thomas eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Das Enthaupten - Teil 1

Der grundlegende Unterschied zwischen der Enthauptung und anderen Tötungsarten wie Hängen, Verbrennen, Ertränken und Lebendigbegraben bestand
darin, dass nicht den Naturkräften die Tötung des Verbrechers überlassen wurde, sondern von menschlicher Kraft und mit handgefertigten und geführten Instrumenten. (Schuhmann,1964:49)
Beim Tod durch den Strang blieb der Delinquent nach Beginn der Hinrichtung noch kurz am Leben. Meist zwar nur für Augenblicke, aber manchmal auch für Minuten. Und wer immer diese Hinrichtung durchführte machte sich wenigstens nicht “blutig”. (Barring,1980:65)
Das Enthaupten, also die Hinrichtung mit “blutiger Hand”, war damals die höchste Bewährungsprobe im Tätigkeitsfeld eines Scharfrichters. Es war nur einem “Meister” gestattet, mit dem Schwert zu richten. Um ein “Meister” zu werden, musste er seine erste Hinrichtung, genannt “Probe”, ohne Komplikationen ablegen. (Pies,2001:46)
“Schwang er das Schwert, dann ruhte der Blick der Menge wie gebannt auf ihm, folgt dem blitzendem Stahl und begleitete den Schwung wohl auch mit einem heimlichen Wunsch schnellen Gelingens, damit der Delinquent nicht Unütz leide. Kein Scharfrichter konnte vorher sagen, ob der Streich gelingen würde, keiner wußte wie der Delinquent sich verhalten würde. Alles hing von der Gunst der Sekunde ab.”
“Das Enthaupten war stets ein vollgütiger, sofortiger für alles Sichtbarer Übergang in den Tod. Das Leben entwich plötzlich und eindrucksvoll, das Schreckniss der Blutfontäne, der Blutlachen und des blutigen Schwertes gab dem ganzen Vorgang jene einzigartige Einprägsamkeit…(Barring,1980:65)
Doch woran oder wietrainierten die Gesellen für ihr ”Meisterstück? Wie konnte man sich alsAnwärter zur damaligen Zeit denn die nötige Fingerfertigkeit aneignen, die einem bei diesem schwierigen Gang die nötige Kraft geben sollte?
Überliefert ist, dass Anwärter zum “Meister” grundlegend ein sehr gutes Nervenkostüm, eine ruhige Hand und einen kräftigen Körperbau aufweisen mussten. Trainiert wurde an Tierkadavern (meist in der Abdeckerrei). Mit Vorliebe an toten Ziegen, da diese besonders starke, von der Konsistenz dem Menschen ähnliche, Nackenwirbel besitzen. (Pies,2001:45ff)
Zum Üben der Treffsicherheit wurden allerdings vorher z.B. zwei Rüben auf einen Faden übereinander aufgezogen. Einige davon angefertigt, wurden sie in leicht unterschiedlichen Höhen auf gehangen. Nun wurde immer und immer wieder versucht, das Schwert zwischen den beiden Rüben hindurch gleiten zu lassen, ohne das sie groß vom Schwert berührt wurden. Derjenige der dies nach vielen Monaten dann endlich beherrschte, konnte auch zwischen zwei Halswirbeln hindurch schlagen. (Pies,2001:97ff)
Hierbei sagte die Verordnung, dass der Verurteilte deutlich in zwei nicht zusammen hängende Stücke gehackt werden musste. Genauer gesagt musste zwischen Kopf und Rumpf eine “sichtbare Straße” entstehen. Überliefert ist auch, dass eine “Wagenradbreite hindurch passen” musste.
“Da soll man zwei Stücke aus ihm machen und soll das Haupt das minderes Stück sein, also das er soll ihm abhauen sein Haupt und aus ihm mit einem Schlag zwei Stücke machen, daß zwischen Haupt uns Leib mag passieren frei ein Wagenrad” (Keller,2007:123)
Da das zum Vollzug der Strafe meistgebrauchte Instrument ein Schwert war, war es sehr schwierig für den Henker, den Deliquenten genau zwischen zwei Halswirbeln zu treffen.
Wie dies “Geübt” wurde, wisst ihr ja bereits. Alle Übung half aber eben nur bedingt. Man konnte nur die eigene Fehlerquote minimieren. Die “große Unbekannte” war der Delinquent, bzw. sein Verhalten kurz bevor ihm der kalte Stahl in seinen Nacken raste.
Man muss sich mal in die Situation eines solchen Menschen hineinversetzen. Er kniete bereits mit verbunden Augen auf dem Blutgerüst…das Herz schlägt bis zum Kopf… jedes Geräusch könnte der finale Schlag sein… er erschrickt…zuckt zusammen…oder wird sogar Ohnmächtig…und schon sitzt der Schwerthieb nicht… geht in einen Wirbel…in den Kopf..oder in die Schulter… und dann fängt das “Elend” an…

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Eintrag #26 vom 26. Mai. 2013 14:35 Uhr Thomas (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Thomas eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Das Enthaupten - Teil 2

Und so kam es häufig vor, dass noch ein zweites Mal nachgeschlagen werden musste, was dem Verurteilten natürlich besondere Qualen bescherte.
Und um eine “zweites Nachschlagen” (was oft auch nicht ausreichte) zu verhindern, musste man sich etwas einfallen lassen um den Delinquenten auf dem Blutgerüst zu “stabilisieren”.
In den meisten Fällen wurde der Delinquent in einer knieenden Körperhaltung gerichtet:
i39.tinypic.com/s4cprc.jpg
Da dies oft dazu führte, dass der Delinquent sich vor dem tödlichen Streich zu sehr bewegte, wurde ihm ein stabiles Holzbrett zum Abstützen gegeben:
i41.tinypic.com/975xk8.jpg
Es gab auch noch die Möglichkeit einem Delinquenten den Kopf zu halten. Das machte meist ein Geselle:
i44.tinypic.com/35bfac0.jpg
Später wurden die Delinquenten dann auf einen Richtstuhl gesetzt und fixiert. Zusätzlich wurde oft noch der Kopf gehalten:
i40.tinypic.com/28ckhg9.jpg
Aus der Schweiz ist bekannt, dass geschwächte Delinquenten auch Kopfüber hängend gerichtet wurden:
i41.tinypic.com/nmc7k2.jpg
Oder man war listig, wusste sich zu helfen und Enthauptete den armen Sünder “im Stehen”!
In Österreich war ein Delinquent ebenfalls sehr unruhig. er stand auf dem Blutgerüst und wollte sich nicht vom Scharfrichter auf den Richtstuhl platzieren lassen. Dies sollte (er war ein Graf) einer seiner Bediensteten übernehmen, damit die Ehrlosigkeit des Scharfrichters ihn und seine Familie nicht “befleckt”. Der Bedienstete hatte ihm bereits die Augenbinde angelegt….
Da sprang der Scharfrichter vom Blutgerüst… die Menge raunte, schrie und staunte…WAS jetzt!
Der Graf erstarrte im stehen (!) und hörte schweißgebadet der grölenden Masse zu… er Verstand nur, dass der Scharfrichter weg sei…
Ob er verschont würde?
Der Scharfrichter aber schlich sich von hinten wieder auf das Blutgerüst und nutzte den Moment aus. Er schlug dem immer noch erstarrten im stehen sein gräfliches Haupt vom Rumpf… und erwischte durch die Wucht noch die Daumen und Zeigefinger der betenden Hände… auch das Holzkreuz, dass der Graf in seinen Händen hielt, wurde dabei zerteilt.
Die Hinrichtung war geglückt… Ohne “gebutzt” zu haben! (Scheffknecht,1995:32ff)
Leider kam es trotzdem zu immer mehr „Fehlrichtungen“! Warum?
Nun, zum einen lag es sicherlich daran, dass die Enthauptungen zunahmen! Vor 1600 starben von 100 Gerichteten 40 am Galgen und nur 25 durch Enthaupten. Denn im Mittelalter und am Anfang der frühen Neuzeit war oft das Enthaupten nur dem Adel vorbehalten. Aber nach 1600 wurden noch rund 20 Delinquenten gehängt und 70 enthauptet. (Pies,2001:97)
Diese Veränderung erklärt sich dadurch, dass die meisten Verurteilten die zum Ertänken, vierteilen, zum Rädern, den Galgen oder zum Feuer bestraft wurden waren, zum Schwert “begnadigt” wurden. (Pies;2001:97)
Auch der “normale Mensch” wurde nun enthauptet. Es war zu der Zeit die “humanste” Art des Tötens. Oft wurde aber nach dem Enthaupten noch gerädert oder der Leichnam wurde dem Feuer übergeben oder noch gevierteilt .
Eine weitere Ursache sehe ich persönlich darin, dass „Neuerungen“ zum Thema „Enthauptung“ nicht eingeführt wurden. „Christian Ulrich Grupen“ (er war Strafrechtslehrer) forderte folgendes in die Ausbildung der Scharfrichter einfließen zu lassen:
„1. liegt der Vorteil des Scharfrichters darin, das er den Schwertstreich seitwärts, noch besser aber vorwärts vollführe:
2. weil er sodann die Arteriam asperam und die Venen, auch die sehr spongieus seyende corpora vertelarum, ohne in allen diesen Teilen Resistenz zu finden, auf einmal durchschlagen kann,
3. und zugleich verhütet wird, daß sich der Kopf vorn nicht niedersencke, welches, wenn er von hinten hauet, zu besorgen, und auf solchen Fall, die sehr compact auf einander liegende und in ihrer Substanz sehr hart seyende Processus spinosus der vertelrarum colli erst durchzuhauen hat, ehe er die nobleren Theile berühret und durchschneidet.“ (Pies,2001:46ff)
Aber wie bereits angedeutet, wurde diese „Neuerung“ abgelehnt und nicht eingeführt. Da also weiterhin von hinten gerichtet wurde und somit erst die Nackenwirbelsäule sauber durchtrennt werden musste (was sehr sehr schwer war), bevor es an die lebenswichtigen Adern und Röhren ging, die einen schnellen Tod des Delinquenten herbei geführt hätten.

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Eintrag #27 vom 26. Mai. 2013 14:39 Uhr Thomas (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Thomas eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Das Enthaupten - Teil 3

Da also, wie bereits weiter oben erwähnt, die Enthauptung mit dem Schwert, und somit die “Fehlerquote”, stark anstiegen (man nannte einen Fehlschlag einen “Butzen” [auch “Putzen”] machen), und wie wir gerade Erfahren haben, an der „Methode zu Enthaupten nichts geändert wurde, führte man in manchen Landesteilen das Beil zum Enthaupten ein. Das war schlicht und ergreifend für alle Beteiligten eine „sicherere“ Methode!
Dies wurde in einer Einhändigen und Zweihändigen Ausführung nun auch zum Enthaupten verwendet. Für die Enthauptung mittels eines Beiles war keine Jahrelange Ausbildung und nötig. Mit etwas Übung beherrschte der Henker dieses Werkzeug sehr „präzise“.
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In einigen Landesteilen (es wird vor allem der Osten erwähnt), enthauptete man schön seit längerem mit „Maschinen“! Dies sollten allesamt zum Vorläufer der Guillotine werden. Diese „Enthauptungsmaschinen“ sind bereits sei dem 12. Und 13. Jhdt. bekannt und benötigten keinen ausgebildeten Scharfrichter! Sie konnten von jedem „Laien“ bedient werden.
Hier zum Beispiel wurde mit „Bartel & Schlegel“ enthauptet. Diese Methode ist mir aus Nürnberg bekannt:
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Die “Dille” oder auch “Diele” genannt ist ebenfalls eine Enthauptungsmaschine die bereits im 15. Jhdt. in unseren Breitengraden im Einsatz war. Hier ein Bsp. aus dem 16 Jhdt.
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Aus England ist die “Halifax Machine” bekannt und auch in Schottland gab es einen Vorläufer. Die “Scottisch Maiden”. Sie sahen sich beide sehr ähnlich und waren frühe Vorläufer der Guillotine.
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Auch aus Italien ist eine “Enthauptungsmaschine bekannt. Sie hieß ”Mannaia“ = Hackbeil und mit ihr wurden Adelige enthauptet. davon hab ich leider kein Bild gefunden.
Ja und über die eigentliche Guillotine werde ich euch jetzt (noch) nichts zu erzählen. Ich stell die ”Geschichte“ dazu nochmal genauer vor, wenn meine eigene Guillotine fertig ist!
Und eines möchte ich auf diesem Wege auch noch kurz klarstellen! Es wird immer und immer wieder von ”Kollegen“ auf Veranstaltungen berrichtet, ”dass es absoluter Quatsch sei, wenn man davon erzähle, dass Hinrichtungen “blutige Szenarien” waren“. ”Es stimme einfach nicht, wer das erzählt, hat keine Ahnung!“ Es wurde ja kaum enthauptet”…und überhaupt…hab ich gehört…bla..bla…und bla…“
Nun, dass kann ich so nicht stehen lassen. Warum? Weil es, gerade ab dem Beginn der frühen Neuzeit (aber auch schon davor), für viele Gegenden eindeutig anders belegt ist. Sicherlich war nicht jeder Richttag ”blutig“, aber es wurde ja auch nicht immer ”mit blutiger“ oder ”nasser“ Hand gerichtet. Klar das bei ”Tod durch den Strang“ (fast) kein Blut floss… Bei z.b. Enthauptungen sah das (leider) anders aus. Erst recht wenn an einem Richttag (einem ”großen Richten“) mehrere arme Sünder ihren ”kopf herunter“ bekamen.
Alleine in der kleinen Markgrafschaft Ansbach (bei Nürnberg) wurden von 1575 bis 1503 genau 474 Menschen hingerichtet. In Hamburg wurden im gleichen Zeitraum jeweils viermal an verschiedenen Tagen mehr als 70 Männer enthauptet. Sieben mal waren es mehr als 25 Männer an einem Tag, die ihren Kopf verloren. In Lübeck zählte man von 1371 bis 1450 genau 411 Hinrichtungen.
1444 enthauptete in Bern der Scharfrichter an einem Tag nacheinander 72 Männer der ”Züricher Besatzung vom Greifensee“! Aus Nürnberg direkt ist überliefert, dass alleine von 1501 bis 1525 sage und schreibe 1159 Todesurteile vollstreckt wurden… Ich könnte jetzt hier noch 5 Seiten lang so weiter machen… (Hinckeldey,1989: 286ff)
Also, eindeutig ganz klar. Es wurde ”gerichtet“ und mancher Orts sogar ”wie der Teufel“!
Abschließen möchte ich mit folgendem Gedicht zum Scharfrichter Rosenveld (der Störtebecker und seine Crew enthauptete):
”Der Henker, der hieß Roesenveld,
er hieb so manchen stolzen Held
mit gar so frischen Mute,
er stund in seinen geschnürten Schuhen
bis zu den Senkeln in dem Blute“
(Keller,2007:133)
Vielen Dank für euer Interesse! Man liest sich…
Quelle dieser Zusammenfassung:
- Götterspruch und Henkershand, von Ludwig Barring.
- Henker/Blutvogt/Carnifex - Der Scharfrichter in der deutschen Kulturgeschichte, von Albrecht Keller
- Der Scharfichter, von Dr. Helmuth Schumann
- Justiz in alter Zeit, von Ch. Hinckeldey
- Scharfrichter- und Schindersippen, von Eike Pies
- Scharfichter- Eine Randgruppe im frühneutzeitlichen Vorarlberg, von Wollgang Scheffkencht
- Die Bilder findet man auch über Google : ”Enthaupten“, ”Hinrichtung" u.a.

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Eintrag #28 vom 22. Jul. 2013 22:15 Uhr Thomas (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Thomas eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Richtschwert...

Diese Replik zeigt das Zweitschwert der Stadt Schwäbisch Gmünd (um 1610). Der Scharfrichter war Matthäus Kaufmann. Das Original hängt heute im “Museum zum Prediger”. Das Erste Richtschwert der Stadt befindet sich in Holländischer Sammlerhand.
Dieses Stück meiner Sammlung ist beidseitig geätzt und mit einer Scheide, die drei Gebrauchsmesser beinhaltet, ausgestattet.
Hier ein paar Bilder:
Schwert und Messer in der Scheide:
oi45.tinypic.com/35lral3.jpg
Ätzung 1:
oi48.tinypic.com/2jadlsi.jpg
Ätzung 2:
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Schwert solo:
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Schwert neben Scheide:
oi47.tinypic.com/302yolg.jpg
Schwert in Scheide:
oi49.tinypic.com/xelseo.jpg
Man liest sich, Thomas :-)

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Eintrag #29 vom 23. Jul. 2013 09:19 Uhr Constantin (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Constantin eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Beimesser?

Ich kenne mich ja da nicht so aus, aber ein Richtschwert mit Beimessern? Wozu sollen die sein? Waidbesteck (in dem Zusammenhang igittigitt) oder Tafelmesser (in dem Zusammenhang auch igittigitt)?

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Eintrag #30 vom 23. Jul. 2013 09:57 Uhr Jens (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Jens eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht theoretisch...

…zum durchschneiden von Stricken, Riemen, Nesteln, stutzen des Bartes oder der Haare vor dem Richten… könnte ich mir vorstellen(!).

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Eintrag #31 vom 23. Jul. 2013 10:43 Uhr Alexander Klenner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Klenner eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Skeptisch...

Zugegeben, ich bin kein Fachmann für Richtschwerter oder den Henkersberuf an sich.
Allerdings kenne ich mich doch genug mit mittelalterlichen Waffen und der dazugehörigen - damaligen - Rechtsauffassung aus, um hier ein Stück weit skeptisch zu sein.
Ein gegürtet getragenes Schwert ist neben dem Statussymbol gemeinhin ein Zeichen von Kampfbereitschaft, teils sogar soweit, daß es als Friedensbruch gewertet wird, während ein mitgeführtes - also nicht zugriffsbereit gegürtetes - Schwert nur als Statussymbol gilt. In manchen Verordnungen wird das Tragen von Schwertern weiter reglementiert, sei es über den Stand des Trägers, sei es über den Anlass.
Ein Richtschwert hingegen ist ein “Werkzeug”, keine Waffe, und es wurden nicht zuletzt in der Form Bestrebungen unternommen, es von einer Waffe abzugrenzen und als solche möglichst untauglich zu machen. Dazu kommt der Stand des Henkers, der zwar auch Änderungen unterliegt, aber sich doch deutlich von einem Bürger und dessen Rechten - nach “unten” hin - unterscheidet, was die Verwendung als Statussymbol vollkommen unmöglich macht.
Erschwerend kommt hinzu, daß das Henkersschwert ja nur einen einzigen Zweck hat, der ja ob des zuvor stattgefunden Prozesses und des öffentlichen Interesses nicht “plötzlich” eintritt, und so den Bedarf eines Führens des Schwertes obsolet macht. Nicht zu vergessen, daß viele Henker die Berührung mit der Klinge nachweislich scheuten, was sich ja auch in den Sprüchen auf der Klinge niederschlägt.
All das läßt mich nun deutlich daran zweifeln, ob ein Richtschwert in einer Tragescheide mit Alltagsutensilien wie den Beimessern wirklich ein stimmiges Bild ergibt. Für mich widerspricht das dem, was ich über Standes- und Rechtsauffassung der damaligen Zeit weiß. Es mag sein, daß ich mich da irre, weil Henkerswesen wie gesagt nicht mein Fokus ist, in diesem Falle wäre ich sehr dankbar für konkrete Quellen.

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Eintrag #32 vom 23. Jul. 2013 13:11 Uhr Thomas (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Thomas eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht So ist es...

Diese sogenannten “Gebrauchsmesser” fanden am Richtplatz für alle anfallenden Arbeiten am/um den Delinquenten Verwendung.
Zudem sind die Messerklingen nicht gleich ausgeführt. Die Klingen haben (auch im Original) unterschiedliche Formen/Stärken und sind unterschiedlich ausgeschliffen (einseitg/beidseitig).
Allerdings war längst nicht jede Scheide mit Messern bestückt. Meine vorliegenden Kupferstich- und Fotoquellen zeigen Richtschwertscheiden meist ohne Messer, gelegentlich mit einem oder zwei uns selten (so wie diese) sogar mit drei Messern.
Die mir bekannten Trageweisen sind mit Trageriemen (zum über die Schulter hängen), am Gürtel hängend, mit den Händen tragend, oder auf einem Wagen/Karren der mit zur Richtstätte gefahren wurde.
Ich vermute, dass die “Ausstattung” der Scheide und deren Trageweise den “Vorlieben” des jeweiligen “Werkzeugbedieners” angepasst wurde. Kupferstiche zeigen den Scharfrichter teilweise ohne Schwertscheide, teilweise aber auch mit Schwertscheide am Mann auf dem Richtplatz bei der Arbeit.
Das Richtschwert war - genau wie z.B. das Gerichtsschwert beim Prozess und beim herausführen auf die Richtstätte optisch anwesend war - ein sichtbarer Teil der Gerichtsbarkeit.
Eine “Angst” des Scharfrichters vor der “eigenen” Richtschwertklinge kann ich persönlich auch eher nicht bestätigen. Sicher wird es dem einen, oder dem anderen mit dem Schwert in der Hand “unwohl” gewesen sein, aber der Scharfrichter pflegte diese Klinge, er übte regelmässig mit ihr und kam somit zwangsläufig häufiger mit ihr in Berührung. Diese kostbaren Richtwerkzeuge wurden sogar teilweise in den eigenen Wohnräumen gelagert. Es wurde daher häufiger berührt/angefasst.
Ein Richtschwert zu bedienen/tragen, war nur einem “Meister” nach langer und erfolgreich abgeschlossener Ausbildung gestattet (siehe mein Beitrag 25). Das tragen eines solchen kann also in seines Kreisen durchaus auch als “Statussymbol” verstanden werden.
Scharfrichter hatten (laut meiner Quellenlage) wohl eher Angst vor der “Schuld des Tötens”, der letzten unheimlichen Blicke des Delinquenten, oder vor dem Enthauptungsprozess ansich, weniger an der Klinge selbst. “Ehrlos” konnte eine Berührung der Klinge (wie bei ehrlichen Menschen üblich) ihn auch nicht mehr machen. Diese Angst musste er also auch nicht haben.
Zudem sind viele Richtschwertklingen auch mit Sinnessprüchen versehen, die diese Last vom Bediener entfernen sollten, bzw, die Schuld nicht auf ihn überspringen lassen sollten und deshalb die Last des Tötens/bzw. den Tötungsvorgang “höheren Mächten” zuschrieben.
Was die “Bevölkerung” einem Richtschwert für “Mythen und Kräfte” zusprach und überlieferte, und wie sich diesen Aberglaube das Henkersgewerbe zu nutzen machte, steht natürlich auf einem anderen Blatt und könnte weitere, sehr viele, Seiten füllen.
Bildquellen für Scheiden mit Messeraufnahemn und der Trageweise am Körper gibt es recht viele. Nur ganz schnell, da gerade wenig Zeit, ein paar Bildquellen aus dem Internet (bei Bedarf gerne mehr davon, wenn ich daheim wieder Zugang auf meine eigene Bibiothek habe):
Die hier zusehende Richtschwertscheide hat ebenfalls drei Aufnahmen für Gebrauchsmesser in der Scheide.
www.notthafft.de/aktuelles/richtschwert.jpg
(Bildquelle: www.notthafft.de)
Richtschwertscheide mit der Aufnahme für ein Gebrauchsmesser:
www.historica-arma.de/[…]/Richtschwert-mit-Scheide[…]
(Bildquelle: historica-arma.de)
Richtschwert mit Riemen:
www.zeitzeugnisse.ch/[…]/1283170840_1733_politik_t[…]
(Bildquelle: www.zeitzeugnisse.ch)
Trageweise Richtschwert:
www.pictokon.net/[…]/24-mittelalter-strafen-strfvo[…]
(Bildquelle: www.pictokon.net)
4.bp.blogspot.com/--vG2MRTFjhw/[…]/Enthaupten.jpg
(Bildquelle: www.found-places.blogspot.com)
Schwertscheide auf Blutgerüst abgelegt:
i41.tinypic.com/975xk8.jpg
(Bildquelle: Mittelalterforum.com)

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