Eintrag #3 vom 12. Nov. 2008 09:07 Uhr
Lars-Christoph Klein
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Ich würde eher “nein” sagen, denn es gibt in der Literatur des MA einige recht detaillierte Hinweise darauf, zum Beispiel bei Parzivals erstem Besuch in der Gralsburg: Er kommt an, ihm wird beim Ablegen der Rüstung geholfen, Rüstung und Schwert werden weggebracht (aber nicht weggeschlossen, sondern in den für ihn als Gemach hergerichteten Raum verbracht), er bekommt neue Kleider und Wasser, um sich die Rostspuren der Rüstung von Gesicht und Händen zu waschen. Später fühlt er sich vom Narren der Burg beleidigt und bedauert, sein Schwert nicht bei sich zu haben. Für mich klingt das nach dem, was wir aus heutigen Hotels als Gepäckservice kennen, und es umfasst auch das Schwert.
Darüber hinaus gelten Burgen als Friedensbezirke, es würde vermutlich als latente Bedrohung dieses Friedens angesehen, wenn die Leute permanent mit einem Schwert rumliefen (vgl. in Wolframs “Willehalm” das Auftreten Willehalms am Hoftag, als er voll gerüstet reinplatzt - und vor allem die Reaktionen der Anderen).
Andererseits gibt es Hinweise darauf, dass Ritter im Rahmen höfischer Feste durchaus auch z.B. Waffenpflege betrieben (zu Beginn des “Iwein”), die Schwerter also durchauus verfügbar waren.
Ich würde daraus ableiten, dass man nicht dauernd mit dem Schwert rumlief, weil es unpraktisch und auch nicht gerade friedenssichernd ist, dass die Schwerter aber auch nicht eingezogen und verwahrt wurden, sondern bei den anderen persönlichen Dingen des Besitzers lagerten.
Schau dir dich einfach mal ein paar Abbildungen (z.B. Buchmalerei) an und prüfe sie darauf, in welchen Situationen Schwerter dargestellt sind und ich welchen nicht. Wenn z.B. beim Essen alle ohne Schwert dasitzen, würde ich es unbedingt auch weglassen. Natürlich sind Abbildungen MIT Schwert kein sicherer Hinweis, da der Maler damit auch den Stand des Dargestellten betonen kann, aber zumindest als Ausschlussverfahren sollte sich die Methode eignen.
LG
Samarkand
