Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) "Ritterliche" Ausstattungsarten

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Eintrag #8 vom 24. Mai. 2002 13:59 Uhr Joachim Dittrich  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Dittrich eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Rüstung auftragen

tagchen,
Finanziell minderbemittelte Ritter trugen, sofern sie sich keine moderne Rüstung leiten konnten, gelegentlich die Asrüstung ihres Vaters auf. Ein schönes beispiel dafür ist Dietrich III. v. Bickenbach zu Hohenberg/Wern (seit 1413 genannt). Er war stets in geldnot, hatte ein lausiges Burglehen (Schildeck/Rhön) und starb um 1447. Sein Grabepitaph zeigt ihn in einer Rüstung, die für das späte 14. Jh./Anfang 15. Jh. modern gewesen sein mag, aber nicht mehr dem Standart um 1440 entsprach.
Beispiele gibt es auch in zeitgenössischen Ritterepen.
Aber vorsicht: Dies ist kein Freischein zum benutzen eines Wiki-schwertes im HoMi nach dem motrto “mein Urururopa war abba Wikinger un´das Schwärd is´noch gut…”.
Da das kriegswesen das handwerk eines ritters war, sah er zu, sich die zu seiner Zeit moderne Ausstattung zuzulegen, man wollte ja schließlich vor Mann wie Frau gut dahstehen. Man berücksichtige bei der Frage des Rüstungsstandarts auch das ritterliche Selbstbewußtsein jener Zeit.
“geharnischte” Grüße
Achim v. Hohenberg gen. de Clavis

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Eintrag #7 vom 24. Mai. 2002 11:07 Uhr Ulrich Scheunemann  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ulrich Scheunemann eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Bewaffnung

Gott zum Grusse !
Für die Frage wie eine minimum Bewaffnung eines “Ritters” aussah sollte man eine Primärquelle hinzuziehen. Der Sachsenspiegel und die damit resulttierende Heerschildordnung gibt darüber Auskunft. Es gibt dort eine Stelle (Im Kapitel Lehensrecht) die sich mit der zu stellenden Bewaffnung eines Lehensmannes befasst. Ich meine mich erinnern zu das dort aufgeführt wird was genau an Ausrüstung zu stellen ist. Habe die Quelle leider nicht im Büro. Werde aber mal in nächster Zeit reinschauen. Was eine Verschuldung betrifft ist meiner Meinung nach auch im Sachsenspiegel geregelt.
Ulrich Scheunemann

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Eintrag #6 vom 24. Mai. 2002 08:53 Uhr Uli Gasper  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Uli Gasper eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Finanzsystem?

Moin!
Wie funktionierte denn das anscheinend vorhandene Verschuldungssystem? Als Geldgeber kommen doch eigentlich nur Landesherren oder Juden in Frage. Letztere dürften wohl Sicherheiten verlangt haben, gesetzt den Fall der Ritter wird in der Schlacht zum Totalabschreibungsobjekt.
was die Rüstteile betrifft- im Funcken wird beschrieben, das sich Soldaten oft mit umgearbeiteten veralteten Rüstzeug behalfen, über Ritter speziell stand dort meines Wissens nur bedingt was.
Was Ausrüstung angeht- gabs nicht schon recht früh bei Heeresaushebungen Richtlinien was der einzelne Kämpfer mitzubringen hatte?
gruß, uli

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Eintrag #5 vom 24. Mai. 2002 08:31 Uhr   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Verschuldung ? im HMA ?

Lieber Joachim,
Deinen Einlassungen kann ich nur zustimmen aber nicht für das HMA. Die von Dir beschriebenen Zustände beziehn sich auf das SMA. Von einer großflächig einsetzenden Verschuldung kann man meines Erachtens erst ab der großen Lebensmittelkrise Mitte des 14.Jh. sprechen, als die Einnahmen aus den Naturalgeschäften dramatisch einbrachen. Die städtischen Profite stiegen in dieser Zeit ungleich stärker als die Jahrzehnte zuvor. Vorallem der Verfall der Fleischpreise war dramatisch. Erst dadurch setzt eine Verschuldung beim ministralen Adel ein.
Tschüß, Olaf

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Eintrag #4 vom 24. Mai. 2002 08:11 Uhr Joachim Meinicke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Meinicke eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Verschuldung? - Na klar!

Doch Carsten! Eine Verschuldung, nur um die “Standart”-Ausrüstung zu erhalten scheint Dir zwar unlogisch, ist aber üblich gewesen.
Aber: Rüstung ist ja nicht gleich Rüstung. Auch damals gab es teure und günstige Angebote verschiedener Qualität, genau so, wie Du heute, um Dich von A nach B zu bewegen, einen Porsche, aber halt auch einen gebrachten Lada kaufen kannst.
Teure Rüstungen wurden aber nicht nur wegen der besseren Schutzwirkung angeschafft, es ging damals fast mehr als heute, darum, zu protzen und zu glänzen. Duby beschreibt sehr schön, daß es für einen Ritter nicht wichtig (und ehrenvoll) war, möglichst viel Geld anzusammeln. Viel wichtiger war es, die Kröten möglichst schnell unters Volk zu bringen, z.B., indem man seine Freunde aushielt. Dadurch mehrte sich der Ruhm. Um es kurz zu machen: Ritter konnten in der Regel nicht wirklich mit Geld umgehen, würde man heute sagen.
Aber zum Rüstungsstandard. Darüber habe ich auch schon oft und lange nachgedacht und recherchiert. Leider fallen mir für das HMA momentan keine detaillierten Auflistungen ein, wie sie im SMA ja schon üblich waren, wo man sehr schön nachlesen kann, wer was trug (und zu tragen hatte!!!). Persönlich gehe ich z.B. davon aus, daß (trotz Verschuldung) ein kleiner märkischer Ministerialer (auch Ritter) im HMA nicht die gleiche Rüstung wie ein Adliger besessen haben dürfte. Ich weiß aber nicht, ob der Unterschied z.B. in fehlenden Kettenbeinlingen oder nur in unterschiedlicher Qualität festzumachen ist. Vielleicht trug man ja auch etwas veraltete, zumindest umgearbeitete Rüstteile? Es gibt z.B. viele Stimmen auch unter Archaologen, die behaupten, daß man ein falsches Bild liefern würde, wenn man eine Schlacht im Jahre X nachstellt und alle Ausrüstung vom Jahre X tragen würden. Realistischer wäre X- ca. 10-20 Jahre. Hier muß noch geforscht werden.
Aber, der Ritter hatte wehrtechnisch Verpflichtung gegenüber seinem Lehnsherren. Dazu zählte m.E. nach auch das gerüstete Erscheinen im Ernstfall. Ohne Rüstung ist jedenfalls nicht.
Schönes Thema für einen Thread übrigens. Gefällt mir.
Grüße
Joachim
Marca brandenburgensis AD 1260

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Eintrag #3 vom 24. Mai. 2002 06:02 Uhr   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Vorsicht mit Begriffen

Wir sollten mit Begriffen wie Ritter oder Adel sehr vorsichtig um gehen. Diese sind nur als pauschale Hilfswörter zusehen, um in der Historie gesammte Zusammenhänge darzustellen. Von einer erblichen Klasse der Ritter und des Adels im ministralen Bereich kann eigentlich erst ab der frühen Neuzeit gesprochen werden mit der Organisation der Ritterschaften und der Installation der ritterschaftlichen Kantone ab dem späten 15./frühen 16.Jh. Erste Entwicklungen in diese Richtungen sind erst mit der Verleihung des sogenannten Lehensartikels ab der Mitte des 14.Jh. zu erkennen. Dieser mündete dann in vielen Fällen später in einer Adelsbestättigung.
Die Person des Ritters im HMA ist untrennbar in Zusammenhang mit dem Lehen als wirtschafliche Grundlage zusehn. Besonders die Einführung des Ligischen Lehens (Land gegen Waffendienst) machte die Entstehung der ministralen Ritterschaft erst möglich. Die Aufgaben die sich aus der Lehensannahme ergaben waren klar umrissen. Aus dieser Pflicht ergab sich ein logischer Zwang zur Rüstung um den Waffendienst beim Lehensherr nachzukommen. Die fiskalischen Pfründe ergaben sich aus dem Lehen.
Fazit: nix Rüstung nix “Ritter” (zumindest im HMA)
Tschüß, Olaf

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Eintrag #2 vom 24. Mai. 2002 01:04 Uhr Jonas Radtke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Jonas Radtke eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht "armer ritter"? ...mnjam

hallo carsten,
glaube kaum, daß das tragen der rüstung viel mit “pflicht” oder “sitte” zu tun hat.
du mußt bedenken, daß der kettenpanzer nicht als dekorations- oder statussymbol getragen wurde, sondern als schutz im kampf. die rüstung eines ritters ist quasi seine lebensversicherung.
und wenn jener nur ein fünkchen verstand hat, wird er es tunlichst vermeiden ohne diesen schutz (kette) in die schlacht gegen schwer gepanzerte gegner zu reiten, andernfalls wird er sofort geschnetzelt wie ne currywurst.
die bewaffnung und ausrüstung eines ritters war für diesen oberste priorität. jeder wird darauf bedacht gewesen sein, diese möglichst auf dem militärisch aktuellstem stand zu halten um im kampf nicht zu unterliegen, ist doch logisch.
wer arm wie ne kirchenmaus war, konnte normalerweise auch kein ritter werden, allein die langwierige ausbildung kostete schon ne menge geld… und das mit der verschuldung war sicherlich damals wie heute gang und gebe.
fazit: ein ritter ohne besitz an bewaffnung und ausrüstung ist kein ritter!
semper fîdelîs - immer treu!
jonas
www.semper-fidelis.net

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Eintrag #1 vom 23. Mai. 2002 19:11 Uhr Carsten Scheffer  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Carsten Scheffer eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Verschuldet nur der Sitte wegen?

Hm,irgendwie verwirrt mich das Thema Ritter und Ihre Ausstattung.
War es zu Pflicht als Ritter der Zeit um 1220 Vollkette (Mantel/Angearbeitete Haube/Beinlinge etc.)zu tragen oder gab es auch “Arme” Ritter die diesem Schema nicht entsprachen.
Wir hatten letztlich dieses Thema in unserer Stammtaverne.Ich kann mir schlecht vorstellen,das jeder,wirklich jeder,Ritter in Vollkette bei Kriegszwecken rumlief.
Nun,die meisten Abbildungen sprechen dagegen.Es sind aber meistens Adelige etc. Was ist jedoch mit dem niederen Rittern ???
Eine Verschuldung,nur um die “Standart”-Ausrüstung zu erhalten scheint mir unlogisch.
Herr Hagen von Scutemere

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