Nun, da du ja selber Goldschmied bist, wirst du ja wissen, diese alten Techniken werden nur noch selten gelernt, da viele leider denken sie seien unwirtschaftlich. Da diese alten Techniken recht zeitaufwendig sind, wie du ja schon fest gestellt hast, aber wie soll man so was verkaufen? Der normale Kunde ist ja meist mit einem dicken Stein und ein bißchen Fassung zufrieden. Auch gibt es viele die einfach abgießen, das geht viel schneller als wenn man etwas, wie das original von hand treibt, und mit einem Boden versieht, so das es plastisch ist, aber trotz dem schön leicht.
In meinem Jahrgang in Wiebaden glaube ich, war ich der einzigste der diese alten Techniken gezeigt bekommen hat. Andere hatten echtes Pech, muß an eine denken die drei ein halb Jahre nur Kettchen gelötet hat, das ist doch keine Ausbildung?
Ich persönlich bin sehr glücklich das ich diese alten Techniken lernen durfte, somit kann ich mich an Sachen ran trauen, die andere nur in der Museumsvitrine bestaunen dürfen.
Es wäre schade, das diese Handwerkskunst verloren ginge.
Aber schaut man in den Auslagen vieler Goldschmiede, so fragt man sich wo ist das besondere? Vieles sieht sehr ähnlich aus, bis auf wenige Ausnahmen. Aber das ist es gerade, zum Goldschmied geht man doch wenn man was besonderes haben möchte und nicht den 08/15 Industrieschmuck. Das haben scheinbar einige vergessen.
Es ist aber schön das es noch andere gibt die sich gerne an diese kniffeligen alten Sachen sich ran trauen möchten.
Vielleicht nicht 100%ig on topic, aber sowohl schöne Schmuckstücke an denen Gewinde vorkommen wie auch technisch sehr, sehr beeindruckende Analyse/Vermessungen von diesen (und anderen) Werkstücken finden sich in:
Die Schraube zwischen Macht und Pracht. Das Gewinde in der Antike.
Barbara Deppert, Astrid Schürmann, Barbara Theune-Großkopf (Herausgeber)
Der Grundstock dürfte, vom Material, Details im Design und der Fertigungsgenauigkeit abgesehen, wohl der selbe gewesen sein. Vieles davon ist, wie gesagt eben viel zu filigran, um die Zeiten zu überstehen.
“Aber schon der Vergleich der löttechniken ist erstaunlich … wir arbeiten heute mit Lasern, Wasserstoffflammen, und bekommen einige Sachen einfach nicht hin.”
Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Wenn man sich historische Schmuckstücke aus der Zeit vor Bunsenbrenner und Co anschaut, fallen einem bei allem Drang zur Perfektion immer wieder gößere oder kleinere Mängel und Ungenauigkeiten auf, die meines Erachtens teilweise auch darin zu suchen sind, dass es schwieriger ist mit einem Kohlestück eine Punktlötung durchzuführen, als mit einem Gasbrenner. Dort liegt die wahre Kunst: nicht das Filigran oder die Granulation an sich zu beherrschen (das ist schon schwierig genug) sondern es auch noch mit aus heutiger Sicht ungeeigneten Mitteln zu erzielen. Da dürfte viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl zu gehört haben.
In der Meisterprüfung wurden wir halt durch Kunst- und Kulturgeschichte gepaukt, und mir fiel immer auf, wie genial und filigran manche Stücke gearbeitet waren.
Das hat jetzt nichts mit dem heute kaum noch zu bezahlenden Arbeitsaufwand zu tun … nur noch selten gibt es heute Goldschmiede, die sich an solche Arbeiten herantrauen.
Liegt das an der mangelnden Ausbildung?
Das ist sicherlich von Fall zu Fall verschieden ;)
Unsere Werkzeuge sind heute sicherlich besser - auch wenn die Grundform gleich geblieben ist.
Aber schon der Vergleich der löttechniken ist erstaunlich … wir arbeiten heute mit Lasern, Wasserstoffflammen, und bekommen einige Sachen einfach nicht hin.
Was ich damit sagen will:
gehen wir davon aus, dass das Fachwissen und das handwerkliche Können gleich ist (nur angenommen!) … was müssen die Goldschmiede vor 2000 - 1500 Jahren für werkzeuge gehabt haben!?
Sicherlich mehr als einen Hammer, eine Schere und einen Ambos!
Bei Sägeblättern dürften auch nur die robusteren überlebt haben. Dünne drahtartige Feinsägeblätter, wie sie von heutigen Goldschmieden verwendet werden muß es ähnlich auch gegeben haben, aber die rosten leider komplett weg und sind nicht mehr nachweisbar.
Meine Freundin hat mal einige Grabfunde unter die Lupe genommen. Es ist auffällig, dass überproportional viele Handwerker der Ur- und Frühgeschichte heute als Eisengrob- oder feinschmiede identifiziert werden. Da in solchen Gräbern aber auch öfter Ambosssteine auftauchen, könnte es sich bei einigen auch um Goldschmiedegräber handeln. Das Feinwerkzeug, das einen Eisenfeinschmied vom Goldschmied unterscheidet könnte dort aufgrund seiner Filigranheit schon vergangen sein.
gegeben hat es die auf jeden Fall in den unterschiedlichsten Größen. Doch vor allem die oft sehr filigranen Nadelfeilen werden nur recht selten korrekt angesprochen. Nach einigen Jahrhunderten ist leider vom Hieb nicht mehr viel zu erkennen und die verrosteten Relikte solcher Feilen dürften allzu oft als Nägel oder unidentifizierbare Objekte angesprochen werden. Vom Runden Berg bei Urach soll es einige gut erhaltenen Nadelfeilen geben, die allerdings scheints recht schwer zu datieren sind und eher in die Völkerwanderungszeit oder das Frühmittelalter gehören. Aber dir als Handwerker erzähle ich sicher nichts neues, dass Werkzeugformen meist sehr langlebig sind.
In den online Anleitungen findest du neben einigen moderneren Goldschmiedetechniken auch eine Bilderreihe über den Guß mit Ossa Sepia oder dem Wachsausschmelzungsverfahren.
römischen Schmuck kann man landauf,landab in vielen Museen bewundern. Es sind viele tolle Sachen dabei. Mit heutiger Technik kein Problem. Mich interessiert mit welchen Werkzeugen und Mitteln/Techniken das damals hergestellt wurde. Hat jemand Infos zur Goldschmiede / Technik / Werkzeuge ! / Versilbern/ Vergolden in der Römischen Zeit. Speziell “Sägen, Feilen, Trennen”
Bitte nicht bei Adam und Eva anfangen, bin vom Fach. Mein Ziel ist, ein Schmuckstück möglichst authentisch nachzuproduzieren (nicht nur zu kopieren). Dank für jede info!