Und angeblich auch in England- die Aussage dass die Form gerade dort gewünscht war, kann ich aber nicht verifizieren, das ist wohl auch Aussage des Museums und steht sogar so auf der Tafel, meine ich.
Einen ähnlicher Form kenne ich ad hoc nur von dem Missaglia Teil im KHM Wien, bei dem steht “Bei diesem Helm handelt es sich um eine italienische Exportarbeit, die nach westeuropäischen Geschmack für das franz. oder burgundische Heer angefertigt wurde”.
Markus: Ok, ich wollte das Museum auch nicht schlecht machen dadurch ;)
bzw. zu deren Bläuung..es gibt zwei Beschreibungen, die eine Bläuung vermuten (bzw Reste davon), soweit ich weiß, beide vor 1900.
Den Verlust der etwaigen Bläuung der Museumspflege anzulasten, ist in diesem Fall u.U. nicht gerechtfertigt. Die Rüstungen der Coburg waren m.W. nach während der Bombardements des 2. Weltkrieges nicht ausgelagert, und auf Oberflächenschäden durch Löschwasser- und Brandschäden trifft man bei mehreren Stücken der Sammlung.
Das mit dem Export nach Frankreich oder Belgien wäre mir neu, da hat es mehr de runden Typ der flämischen oder italienischen Exportschaller. Diesen Typ mit spitzer Kalotte kenne ich überhaupt kaum aus Datrstellungen. Als spezifisch würde ich die Form nirgendwo ansehen.
Der Coventry-Schaller wird gemeinhin als in Italien für den Export nach Frankreich, Belgien und Italien in spezifscher Form hergestellter Helm angesehen; die Form lässt sich auch auf niederländischen und burgundischen Bildern nachweisen. Laut Originaler Tafel des Museums stammt der Helm auch aus Belgien. Gemäß der Fotos, die ich von dem Ding habe, ist er stumpf, die Oberfläche relativ rau, aber man sieht keien Hammerspuren, und er hat einen leichten matten Glanz. Farbe erkenne ich da keine. Ohne genauere Informationen würde ich persönlich vermuten, dass er schlicht etwas korrodiert ist, maximal mal gebläut, das ist jedenfalls wenigstens eine Technik, die es bereits im 14ten gibt. Dazu hat er aber polietr sein müssen. Das kann man gut mit der Beckenhaube aus der zw. H. 14tes aus Coburg vergleichen, deren Oebrfläche auch nimmer so toll ist, die war ursprünglich auch gebläut, ist leider durch Museumspflege aber abhanden gekommen. Gegen eine “Schwärzung” im Sinne von Farbe auf gar ungeschlichteter Oberfläche spricht für mich das Nichtvorhandensein von Befestigungen für einen Stoffbezug, die man bei anderen “Grob gelassenen” Helmen sehen kann, und die sich teils in Verordnungen (England, 1322 z.B.) nachweisen lässt; Helme wurden bereits recht früh mit Stoffen bezogen, und diese Verordnung richtete sich dagegen, dies vor dem Verkauf zu tun, weil Händler damit frepariertere und schadhafte Helme vertuscht hatten. Übrigens auch generell eine Erklärung für die farbigen Helme, die man durch die Zeiten in vielen Handschriften sieht.
Ich halte es da wie Andrej, ich täte zu dem greifen, was die Quellen eindeutig eingrenzen lassen: blank.
Das auf dem Bild ist die sogenannte Coventry-Schaller, ein recht ungewöhnlicher Typ.
Wie du ganz richtig schreibst ist es auf Bilder sehr schwer zu sagen ob die schwarze Farbe realistisch ist oder der Maltechnik geschuldet ist. Es gibt auch durchaus Bilder auf denen schwarze und silberne Harnische zusammen dargestellt werden. Da einige dieser schwarzen Harnische dann noch reflektieren wird es endgültig schwer etwas genaues zu sagen.
Die Möglichkeiten sind halt das es sich um die Art der Darsdtellung handelt oder aber um schwärzung wie man sie teilweise von Repliken kennt oder eben eine polierte Oberfläche die dann noch geschwärzt wird.
Was in meinen Augen dagegen spricht ist schon jetzt das Mißverhältnis von geschwärzten Stücken in der Szene. Ich persönlich halte es für wichtig im allgemeinen das normale darzustellen und das sehe ich bei blanken Rüstungsteilen.
Also ich kenne die sogenannten oder auch “schwarzen” Schaller primär von später datierten Darstellungen, auch ob der Form, und die weisen i.d.R. auch Löcher für die Anbringung eines Bezuges auf. Für eine Darstellung pre-1480 halte ich die für ungeeignet.
Ich habe im Internet ein Bild von einem englischen Schaller gefunden, der auf ca. 1450 datiert ist. Ist dieser Schaller eurer Meinung nach geschwärtzt, oder kommt die schwarze Farbe nur vom Rost?
Ich überlege mir, für 1470-1480 Darstellung meinen schmiederauhen Schaller zu schwärzen, bin mir aber noch nicht im Klaren, ob es solche damals schon gab. In den Bildern, auf denen schwarze Rüstungen zu sehen sind, sind meistens auch die Waffen schwarz abgebildet, deshalb glaube ich nicht, dass dies die tatsächliche Farbe ist. Im bayerischen Nationalmuseum bin ich vor einigen Wochen auf ein Bild gestoßen (1490, also etwas später), auf dem ein Söldner mit schwarzem Schaller und Rüstung dargestellt ist. Die Waffen hingegen sind ungeschwärtzt. Hat hier die schwarze Rüstung nur eine symbolische Bedeutung, da es sich um einen römischen Soldaten handelt, oder kann man diesen Söldner objektiv betrachten..
Sind euch geschwärzte Schaller von ungefähr 1470-1480 bekannt?
Nichts gegen das Buch oder gar gegen die dort vorgestellte befreundete Gruppe, aber zum Studium dieses Helmtyps würde ich mich eher an Primärquellen halten.
z.B. befinden sich 3 erhaltene Exemplare im Zeughaus Berlin (Deutsches Historisches Museum).
Nur Sehschlitz, spitzauslaufender langer Nackenschutz, über Glocke verläuft ein flacher Kamm, Helmrand umgebördelt
Inv.-Nr. W1019a
Landshut um 1475 - 1485
Höhe 21 cm
Gewicht 2650 g
Gehört zu passendem Harnisch, Kamm auf Glocke
Ferner:
Italienischer Schaller
Inv.-Nr. W616
Norditalienisch 1460 - 1480
Höhe 24 cm
Gewicht 2510 g
Eng am Kopf liegende, tief zum Nacken herabgezogene Helmglocke, Gesichtsausschnitt in hochrechteckiger Form (anscheinend konnte davor ein Visier befestigt werden, fehlt hier aber, Kamm auf Glocke, Nackenschutz verläuft eher rund, nicht so spitz wie bei den dt. Modellen.
Und schließlich noch 2 Eisenhüte, deutsch um 1450 - 1460
Inv.-Nr. W613
Höhe 24,5 cm
Länge: 37,8 cm
Gewicht 3345 g
Ziernieten
Inv.-Nr. W623
Höhe: 25,3 cm
Länge 36,8 cm
Gewicht 3000 g
Beide Modelle besitzen eine weit ins Gesicht gezogene Krempe mit Sehschlitz sowie ausgeprägten Kamm auf der Glocke
Erinnern schon an o.g. Schaller
So, das war EIN Museum. Und schon mehr als genug Modelle für Recherche / Nachbau.
“Schaller in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts aus dem Eisenhut entstandener stromlinienförmiger spätgotischer Helmtypus mit Visier oder eingeschnittenem Sehschlitz.”
ßber das genaue Datum (Jahrzehnt würde schon reichen) schweigt sich der Autor aber aus.