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Eintrag #1 vom 12. Aug. 2003 11:33 Uhr Ulrich Busse  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ulrich Busse eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Wer weiß etwas ?

Bei meinen Recherchen zur Berliner Stadtgeschichte bin ich auf den Begriff “Scharren” gestoßen.
So gab es in Berlin “Brodscharren”, das waren Verkaufsstände für Brot.
Mit dem ältesten erhaltenen Statut der Berliner Fleischer-Innung vom 25. April 1311 räumen die Berliner Ratsherren den Knochenhauern und ihren Nachfahren den Besitz der “Fleischscharren” gegen Zahlung eines vierteljährlichen Erbzinses von sechs Schilling und fünf Pfennig ein. “Fleischscharren waren einfache, offene Verkaufsstände der Knochenhauer, wie die Fleischer damals genannt wurden, die aus einem Holztisch oder einem Bretterverschlag bestanden, ähnlich den heutigen Marktbuden auf den Wochenmärkten” (v.d. HP der bln. Fleischer-Innung). “Da die Anzahl der Verkaufsstände (die Scharren der Schlächter, die Bänke der Bäcker und Schuster sowie anderer Zünfte) festgelegt war - nur selten scheinen in dieser Zeit neue Verkaufsanlagen eingerichtet worden zu sein -, stellte das Recht auf einen Verkaufsstand eines der wertvollsten Familienvermögen dar.” (v.d. HP des Luisenstädtischen Bildungsvereins)
Erstes Fazit ist, dass es sich bei Scharren wohl um Verkaufsstände oder -buden handelt, in denen Fleischer und Bäcker die Waren, die sie in ihren “Werkstätten” hergestellt haben, an festen Plätzen (Märkten) auf der Straße verkaufen konnten. Für andere Gewerke hießen diese Stände “Bänke”.
Ich spiele mit dem Gedanken, solch einen “Stand” für mein Handwerk (Schuhmacherei)zu bauen, leider habe ich noch keine Vorstellung, wie so ein Ding aussehen könnte.
Kennt jemand Beschreibungen von “Scharren” oder “Bänken” aus anderen Stadtchroniken, vielleicht sogar eine Abbildung ?
Ich wäre für jeden Quellenhinweis dankbar.
Grüße von der Spree
Ulli

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Eintrag #2 vom 16. Sep. 2003 08:23 Uhr Ulrich Busse  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ulrich Busse eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Nun ?

Moin,
hat sich denn noch niemand damit beschäftigt, wie es auf einem Markt im Mittelalter WIRKLICH aussah ??? ;-)
Ich suche immer noch zeitgenössische Abbildungen von Marktszenen. Ich weiß, dass die Quellenlage für das HMA dürftig ist, ich wäre auch für Hinweise aus dem SMA dankbar.
Wie sahen Marktbuden und -stände aus ?
Grüße von der Spree
Ulli

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Eintrag #3 vom 16. Sep. 2003 08:36 Uhr Jens (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Jens eine Nachricht zu schreiben.

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Tja, die Quellen sind wohl rar, so wie es scheint, Lui jammert auch immer…in Paris soll angeblich so ein Stand erhalten sind, aber ich habe leider keine Infos drüber; im Stadtluft Hirsebrei und Bettelmönch ist eine Marktszene abgebildet, ist eine moderne Malerei auf Basis aller Erkenntnisse, aber _woraus_ diese Erkenntnisse bestehen, keine Ahnung.
Gruss, Esca

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Eintrag #4 vom 17. Sep. 2003 08:03 Uhr Joachim Meinicke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Meinicke eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Adriaan von Müller vielleicht

Ich weiß nicht genau, aber hat nicht der Adriaan von Müller kurz was dazu geschrieben? Mir ist so. Den Schmöcker übers alte Berlin hast DU doch bestimmt.
Gruß von und nach Berlin
Joachim
von
Marca brandenburgensis AD 1260
Märkisches Leben zur Zeit der Askanier www.brandenburg1260.de
Edelmann… Bürger, Bauer, Bettelmann - Berlin im Mittelalter. Adriaan von Müller. Hauder & Spenersche Verlagsbuchhandlung, Berlin, 1979

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Eintrag #5 vom 17. Sep. 2003 08:19 Uhr Ulrich Busse  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ulrich Busse eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht abgekupfert

Joachim, klar habe ich den Schmöker. Müllers Ausführungen entsprechen aber in etwa denen der Online-Veröffentlichung des Luisenstädtischen Bildungsvereins (und beschränken sich leider auch auf sie). Wer hat da wohl von wem abgekupfert … ?!
Ich hatte gehofft, etwas über Quellen vielleicht aus den wirklich bedeutenden deutschen Städten des HMA zu erfahren …
Wer sich für die Geschichte Berlins interessiert erhält online einen guten ßberblick hier: www.luise-berlin.de/index.html
Im ßbrigen ist das von Joachim genannte Buch ein MUSS.
Aber das nur am Rande. Ich würde mich weiterhin über Input zu mittelalterlichen Marktständen interessieren …
Grüße von der Spree
Ulli

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Eintrag #6 vom 17. Sep. 2003 09:20 Uhr Ruth (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ruth eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Literatur

Sorry, Ulli, Deine Frage ist bei mir irgendwo verloren gegangen…
in meinem Bücherregal stehen so schöne Werke wie ‘Handwerk und Handel in der Mark Brandenburg im Mittelalter’ und ‘Einzelhandel im Mittelalter’ - leider im Moment noch zum größten Teil ungelesen, aber ich werde schnellst möglich mal nachgucken, ob ich da was für Dich finde.
Gruß,
Ruth

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Eintrag #7 vom 17. Sep. 2003 10:30 Uhr Claudia (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Claudia eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Ulli,
im Einleitungskapitel von Ilse Fingerlins Guertelbuch (hab jetzt den genauen Titel nicht da) ist eine Abbildung eines Marktstandes aus dem 15. Jh.
Aus welcher Handschrift das Bild stammt, weiss ich leider nicht.
Gruss, Claudia

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Eintrag #8 vom 17. Sep. 2003 10:49 Uhr Martin Opitz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Martin Opitz eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo,
da ist wenigstens ein Hinweis:
www.ueckermuende.de/pdf/ausgrabung_markt.pdf
Grüße
Martin

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Eintrag #9 vom 17. Sep. 2003 11:30 Uhr Ulrich Busse  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ulrich Busse eine Nachricht zu schreiben.

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Sehr interessanter Link, Danke Martin.
Nicht nur zu Marktbuden, auch zur Methodik (und zu Latrinen …;-))
Grüße von der Spree
Ulli

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Eintrag #10 vom 17. Sep. 2003 22:04 Uhr Claudia (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Claudia eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Ulli,
die Abbildung, die ich meine, ist in Ilse Fingerlin, “Gürtel des hohen und späten Mittelalters”, Seite 35.
Es handelt sich um einen zerlegbaren Stand, der im Prinzip nur aus einer Rückwand und einem Pultdach besteht.
In Schweden habe ich im Sommer zwei Nachbauten dieses Typs besichtigen dürfen. Fotos kann ich Dir bei Bedarf zumailen.
Gruß, Claudia

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Eintrag #11 vom 19. Sep. 2003 15:21 Uhr Ruth (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ruth eine Nachricht zu schreiben.

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Hi Ulli,
Einige Abbildungen von Verkaufsstätten, sowohl feste als auch mobile, allerdings hauptsächlich aus dem italienischen/französischen Raum und Spätmittelalter, findest Du in dem Buch: Bruno Laurioux. Tafelfreuden im Mittelalter. Die Eßkultur der Ritter, Bürger und Bauersleut. Bechtermünz Verlag, 1992 (besonders interessant: pp. 66/67, 52, 24, 12)
Anbei noch etwas aum Thema aus ‘Einzelhandel im Mittelalter’, ein paar Berliner/Brandenburger Spezifitäten und vor allem etwas zur Verkaufspraxis der Berliner Schuster schicke ich Dir per mail, da hier off-topic.
Der Warenverkauf:
Was zunächst die räumliche Bestimmung der Verkaufsstelle angeht, so vollzieht sich der Kleinhandel besonders in der Frühzeit zahlreicher Städte als Markthandel, oft in Form des Marktzwanges, d.h. die Verpflichtung aller Handel- und Gewerbetreibenden, lediglich auf dem Markt, nicht am Ort, d. h. im Hause der Erzeugung, die Produkte zum Verkauf zu stellen. Aber ebenso gibt es Städte, in denen schon der Frühzeit der Kleinabsatz keineswegs an den gewöhnlichen Mittelpunkt des Ortes, an den Markt gebunden ist. -(Als Beispiele werden Krämerbrücken/pons rerum venalium, Krämergassen/platea cramistarum etc. genannt.)- Anzeichen einer Lockerung des Markthandels und des Marktzwanges machen sich teils frühzeitig, teils aber auch erst im 14. Jh. bemerkbar.
Aus Ulmer Urkunden aus dem frühen 14. Jahrhundert geht hervor, dass es nur einigen wenigen Handelsleuten erlaubt war, ihre Kramläden in ihren eigenen Häusern zu haben, alle anderen durften nur dann einen offenen Laden haben, wenn sie eine öffentliche Krämerwerkstätte oder Krämerbank besaßen. Damit ist der ßbergang vom Markthandel zum Verkauf im eigenen Hause schon sichtbar.
ßber das Aussehen der Krämerbuden berichten die Urkunden in Rostock, dass sie mit einem -fenestra- oder -lit- versehen sind; es wird heruntergeklappt, als Verkaufstisch benutzt und dient als -Fenster- im verschlossenen Zustand. Die Buden der Erfurter Krämer sind offen und werden durch zwei Klappen verschlossen, von denen die eine, heruntergelassen, als Ladentisch, die andere, halb aufgeklappt, als Dach verwendet wird; der Ladentisch darf nur fünfviertel Ellen breit sein. Sobald die ursprünglich im öffentlichen oder im Eigentum der -Gründerfamilien- befindlichen Buden in den Privatbesitz der Krämer übergehen, beginnt ihr Ausbau durch Unterkellerung und Aufsetzen eines Obergeschosses für Wohnzwecke. In anderen Städten, wie z.B. Magdeburg springt das obere Stockwerk, gestützt durch Säulen, über das untere vor; es entstehen die sogenannten Lauben und Laubengänge
Aus: Erich Köhler: Einzelhandel im Mittelalter. Beiträge zur betriebs- und sozialwirtschaftlichen Struktur der mittelalterlichen Krämerei. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart-Berlin, 1938, Kapitel 6: der Warenverkauf S. 103-117
Dieses Buch ist überhaupt eine interessante Quellenstudie mit einer Vielzahl von Details, z.B. Ladenöffnungszeiten etc.
Ruth

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