Eintrag #4 vom 01. Jun. 2002 12:40 Uhr
Thorsten
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Moin Carsten,
der einzige aus dieser Zeit übergebliebene Schild, den ich kenne ist der sogenannte “Seedorfer-Schild”, der meines Wissens nach in der Schweiz gerade neu untersucht wird.
Die von Hadu genannte Maciejowski-Bibel stammt etwa aus der Mitte des 13. Jhdts. und ist imho etwas zu “modern”. Ich würde vielleicht eher als Bildquellen die etwas ältere (gegen 1200) Eneide des Heinrich von Veldeke nehmen oder sogar für etwas altmodische Ausrüstung (die sicher noch getagen wurde) die Chroniken des Petrus de Eboli.
Konkret heißt das in Schildformen: die abgeflachte Normannenform - sprich mandelförmig mit abgeflachtem Kopf - wird noch in Gebuch gewesen sein. Vermutlich werden die Infanteristen diese Form noch bevorzugt aben, da sie besser die Beine schützt. Die klassische Heaterform (“Wappenschidlform”), wie sie ab Mitte des 13. Jhdts. dominant ist ist noch nicht soweit entwickelt und hat in en meisten mir bekannten Bildquellen abgerundete Ecken. Für Reiter scheint eine Länge von der Schulter bis zum Oberschenkel üblich gewesen zu sein, für Infanteristen ca. Schulter bis knapp unter Knie.
Was die Konstuktion angeht, so scheint für Schilde Linde die erste Wahl gewesen zu sein, Pappel die zweite. Von der Konstruktion her waren es zumeist mehrlagige Sperrholzkonstruktionen, die im Schnitt ca. 12 mmm dick waren. Alle bekannten Schilde haben einen Lederüberzug - teilweise auf beiden Seiten. Die in der Szene beliebten Rohhautränder lassen sich nirgendwo nachweisen. Weiterhin gibt es bis 1200 noch Hinweise auf Metallbeschläge, die aber wohl nach und nach durch die verbesserte Rüstung obsolet wurden.
Die Riemenkonstruktionen konnten stark variieren, waren wohl auch zum großen Teil nach individuellen Vorlieben angefertigt. Was mir aber aufgefallen ist, ist, daß die Schildfesseln nicht sehr eng getragen wurden, vermutlich um schnell aus dem Schild herauszukommen, um flexibel zu bleiben (ähnlich wie die modernen Polizeischilde. Befestigt wurden sie entweder mit traditionellen Nieten, es gibt aber auch einige Funde, bei denen Nägel einfach umgeschlagen wurden.
Bemalt waren sie oft beidseitig, genaueres findest Du dazu im Thread Schidbau.
Zwei gute Bücher, die Dich bei diesem Thema unterstützen können: “Arms & Armour of the Crusading Era” von David Nicolle, als eine riesige Sammlung an umgezeichnetem Bildmaterial und - das kriegst Du nur noch über die Fernleihe - die Dissertation “Der mittelalterliche Reiterschild des Abendlandes” von Helmut Nickel.
Hoffe etwas helfen zu können
Bis denn
Thorsten
