Kleiner Einwand zum Thema “Liturgische Kleidung”. Die Kukulle wird zwar heute bei den Benediktinern - so sie ihre feierliche Profess haben - vorwiegend bei den “Großen Horen” getragen, also Laudes, Vesper und Komplet, sowie als Nichtpriester bei der Messe, aber ursprünglich war die Kukulle das ganz normale Mönchsgewand, ohne primär liturgischen Bezug. Vor allem, da eigentlich erst mit Cluny die “Klerikalisierung” der Benediktiner einsetzt und vorher Mönche im Regelfall keine Priester waren. Noch heute unterscheidet man zwischen der Chorkleidung - bei Weltpriestern und Kanonikern Talar und Rochett, bei Ordensleuten der Habit, teilweise dann auch mit Rochett (weißer Chorrock) - und der liturgischen Kleidung als solches, also die Albe als Untergewand für alle und für Priester die Casel und für Diakone die Dalamtik als Obergwand. Für die Sakramentenspendung außerhalb der Messe und beim Vorsitz bei feierlichen Liturgien, die keine Messe sind, wie einer Vesper, wird der Chormantel getragen, alles in den liturgischen Farben, versteht sich. Daran hat sich eigentlich seit der frühen Kirche nicht viel geändert, höchstens der Schnitt der Gewänder. Die Kukulle ist in diesem Sinne kein liturgisches Gewand, auch wenn ihre frühen Formen ßhnlichkeit mit einer Dalmatik haben. In diesem Sinne herzliche Grüße aus Düsseldorf, Carsten
Habe aufgrund eines Kälteproblems auf Tannenberg nun ein Belegproblem:
Habe mir einen Vierecksmantel genäht während des Lagers in Tannenberg, weils schnell geht und einfach ist und mir einfach kalt war. Hab mir gedacht, den Beleg such ich mir dann “mal eben schnell” zu Hause raus, aber Pustekuchen, für meine Zeit (ca. 1380) find ich einfach nix mehr dazu. Hat jemand einen Tipp für mich, damit ich das (saubequeme, liebgewonnene)Teil nicht wieder auftrennen muß???
Vielen Dank für die großartige Hilfe und die zahlreichen Literatur- und Recherchetipps. Die Darstellungen aus Füssen sind wirklich interessant. Ich habe aber immernoch meine Zweifel, ob die Columbansregel, wenn sie die Kleidung der Mönche auf Tunika, Kukulle und Sandalen festlegt (sprich auf die nötigste Kleidung), mit Cucullus das liturgische Gewand der benediktinischen Tradition meint.
Rein aus dem Zusammenhang und der Tatsache, dass die Mönche Columbans Wandermissionare waren, erscheint mir ein Wetterschutz (sprich ein irgendwie geartetet Mantel) wahrscheinlicher.
Ich werde mich jetzt mal an die genannte Literatur machen und vielleicht kann ich auch auf meiner Reise nach Irland nächste Woche noch etwas ausfindig machen. Falls ich Ergebnisse zu Tage fördere, werde ich sie hier veröffentlichen.
Marc
PS: Die “keltische” Tonsur ist mir durchaus bekannt, ich weiß jedoch nicht, ob ich mich tatsächlich dazu durchringen kann, den halben Schädel zu rasieren. Mal sehen, was es sonst noch für Wege gibt…
Habe mir die Bilder aus Füssen im Bildindex einmal angeschaut. Man kommt über Füssen, Benediktinerkloster dahin. Wie mir scheint, zeigt das Bild tatsächlich eine Kukulle, wie sie in der Karolingerzeit üblich war. D.h. ein halblanges Obergewand mit Kapuze, das über der Tunika getragen wurde. Es scheint, als wären die ßrmel ebenfalls nur halblang gewesen. Die Abbildung deckt sich mit einer Abbildung in Peter Hawel, Das Mönchtum im Abendland, S. 88, die Hrabanus Maurus darstellt und von ca. 835 ist. Womit wir aber immer noch im benediktinischen Mönchtum nach der Reform unter Benedikt von Aniane wären und nicht bei irischen Wandermissionaren. Eine Beschreibung eines irischen Wandermönches findet sich bei Hawel, S. 106. Ich vermute, dass eine Suche in der irischen Literatur hier tatsächlich weiter führen kann. Grüße aus Düsseldorf
Etwas weniger aussagekräftig: Die Bamberger Götzen im Museum neben dem Dom in Bamberg. Wenn man genau wüßte, was sie darstellen… Aber eine Deutung sind frühe irische Prediger. Genaue Datierung der Steine fehlt latürnich.
Ansonsten: Warum nicht an der Quelle - sprich Irland - forschen?
Cardonagh: Steinfigur mit Glocke, Buch und Stab
Insel White, Grafschaft Fermanagh: Stufenträgerpaare einer Kanzel (na ja, vermutlich). Die beiden größten würde ich vorsichtigst in die geistliche Schiene einordnen: Einmal Stab mit Glocke, einmal vorne rasiert?
Killadeas, Grafschaft Fermanagh: Pilger mit Stab und Glocke.
Um solche Sachen wie Abb auf Hochkreuzen und in Büchern habbe ich mich jetzt nicht gekümmert.
Zum Irischen Mönchtum ist ganz informativ: Arnold Angenendt, Das Frühmittelalter, Stuttgart 1990, S. 205-223. Falls du dir eine Tonsur zulegen willst: Irische Mönche trugen diese quer, d.h. die vordere Hälfte des Kopfes war rasiert. Sieht sicher interessant aus. Ansonsten ist die monastische Bekleidung in der von dir gewählten Zeit sicher noch nicht allzu einheitlich. Den Begriff der Kukulle kenne ich auch hauptsichtlich aus dem benediktinischen Mönchtum - im frühen 7. Jh. gibt es ja auch eine Mischregel aus der benediktinischen und columbanischen Regel - und dort scheint weniger eine Kappa, d.h ein Mantel, als ein weites ßbergewand gemeint zu sein, das ßhnlichkeiten mit einer Kasel hat, dem weit geschnittenen, ovalen Messgewand. Bin mir aber auch nicht sicher. Kenne auch keine Darstellung eines irischen Wandermönches aus dieser Zeit. Aus dem 11. Jh. kenne ich eine Handschrift mit vielen Darstellungen zum Leben des Hl. Benedikt, in der man recht gut dessen Gewand erkennen kann. Die Abbildungen habe ich unter anderem gefunden in: L. von Matt, Benediktus. Leben und Werk, Würzburg 1960. Ansonsten noch zum irofränkischen Mönchtum: F. Prinz, Frühes Mönchtum im Frankenreich, Darmstadt 1988. Vielleicht hilft es dir ja weiter. Grüße aus Düsseldorf
Vielen Dank für eure Beiträge und hilfreichen Tipps!
Ich sehe ein, dass ich mit meiner Nachfrage etwas unpräzise gewesen bin, was den Zeitraum und den Kontext angeht, in dem sich meine Frage bewegt.
Also versuche ich es noch einmal etwas präziser:
Ich suche das Schnittmuster bzw. eine Rekonstruktionsanleitung einer Kukulle, wie sie im Frühmittelalter verbreitet war.
Ich weiß, dass das Bild, das ich geposted habe, eine Kukulle aus dem 13. Jahrhundert zeigt, aber da es sehr einfach geschnitten aussieht und unter dem Bild stand, dass die Ursprünge noch auf die Antike zurückgehen, dachte ich, dass sei schon in Ordnung. Nochmals entschuldigung für meine mangelnde Professionalität. Ich gelobe Besserung!
Worum es geht:
Ich spiele mit dem Gedanken der (zugegeben ungewöhnlichen) Darstellung eines iroschottischen Wandermissionars nach Vorbild und Regel des Heiligen Columban des Jüngeren (ca.543-615).
Zeitraum der Darstellung: Frühes 7. Jahrhundert.
Die Mönchsregel “Regula Monachorum” des Hl. Columban habe ich mir schon besorgt.
Zur Bekleidung der frühmittelalterlichen irischen Mönche habe ich folgenden Hinweis gefunden:
“Ihre Kleidung sollte einfach sein und nur aus einem Untergewand, tunica, einem Mantel, cuculla, und Sandalen für die Arbeit im Freien und für Reisen bestehen.” (Gudrun Gleba: Klosterleben im Mittelalter, S. 48)
Daher bin ich nun auf der Suche nach einem Rekonstruktionsvorschlag bzw. einem Schnittmuster des Kleidungsstückes, das man im 7. Jahrhundert als Kukulle bezeichnet hat und das ein irischer Mönch auf Reisen vermutlich trug.
Für alle Hinweise in diese Richtung, und generell für Tipps bezüglich der Ausrüstung und Darstellung eines solchen iroschottischen “Peregrino pro Christo” bin ich euch sehr dankbar!
eine wunderbare Arbeit über die Entwicklung der Gugeln, Cappae, Schulterschurze etc. findet sich übrigens hier (vor allem Teil 1):
Purrucker, Barbara
Vom Körperschutz zum Kleiderschutz.
Teil1: Anfänge der Schürze, In: Waffen- und Kostümkunde, Zeitschrift der Gesellschaft für Historische Waffen- und Kostümkunde 1993, Heft 1+2, S. 107 - 133
Teil 2: Zur Geschichte der Schürze, In: Waffen- und Kostümkunde, Zeitschrift der Gesellschaft für Historische Waffen- und Kostümkunde 1995, Heft 1+2, S. 93 - 120
eine kurze Zusammenfassung zu den verschiedenen Formen der Kurzmäntel, Schulterschurze, Cappae, Gugeln, Haubenmäntel (oder wie auch immer, die Terminologie ist alles andere als einheitlich…)und deren kostümhistorischen Einordnung nebst Schnittvorschlag für Paenula und Cuculle findest Du zum Beispiel hier:
Gugel & Kappe - Reste antiker Arbeits- und Wetterkleidung im Mittelalter. Andreas Sturm. Karfunkel 50, 101-104
Der tatsächliche Schnitt ist eine Interpretation auf Basis von Statuen, Bildern etc., da leider kein Cucullus, Cappa, oder Haubenmantel (von mir gewählte generische Bezeichnung) erhalten ist, jedenfalls ist mir kein Fund bekannt.
Meine persönliche Beobachtung ist die, dass Mitte des 13ten hierzulande die Form, die auf der von mir verlinkten Seite beschrieben wird, vorzuherrschen schien, und mit rundem Mantel eher dem französischen Raum zuzurechnen war. Etwas später kann ich diese Form auch hierzulande nachweisen, aber eben nicht vorher.
Es ist also die Frage, was Du machen willst;
willst Du per se ein Kleidungsstück machen, dass eine Art vorne halblanger, und hinten längerer Mantel mit Kaputze, oder auch eine Art grössere Gugel zu sein scheint, ich nenne es mal “haubenmantel”, andere sagen “Rechtecksmantel” (obwohl ich die bezeichnung eher auf eine andere Art Mantel ohne kaputze beziehen würde, der früher getragen wurde), und mit einem Schnitt und plausibler Stoffbreite die gewünschte, auf Statuen und Bildern wiedergekehrende Optik im deutschen Raum um 1250 erreichen (Zeitfenster gibst Du ja leider keines an), oder per se diese Art Kleidungsstück mit rundem Umhang?
vielen Dank für das Schnittmuster des Haubenmantels. Ich glaube aber, dass der Schnitt eines Cucullus etwas davon abweicht. Irgendwo meine ich gelesen zu haben, dass der Cucullus aus einem ovalen Stück Stoff gefertigt sei.
Vielleicht kann hier jemand klärend eingreifen oder eine ovale Variante des Cucullus vorstellen.
Vielleicht ist das eine ja auch eine zeitlich spätere Entwicklung des anderen, wobei beide Kleidungsstücke auf den jeweiligen Internetseiten dem 13. Jahrhundert zugerechnet werden.
Besonders würde ich mich über online verfügbare Schnittmuster, Nähanleitungen o.ä. freuen, aber auch für Hinweise auf Zeitschriften und dergleichen, die ein Schnittmuster enthalten, bin ich dankbar.