Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Schuhwerk beim einfachen Volk

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Eintrag #1 vom 01. Feb. 2003 12:35 Uhr David Seidlitz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um David Seidlitz eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Schuhe bei Mägden und Knechten?

Hallo zusammen!
Innerhalb unserer Gruppe findet derzeit eine hitzige Debatte zum Thema Schuhwerk bei einfachen Leuten statt. Nach Quellenrecherche einiger Mitglieder gehen unsere Meinungen stark auseinander. Das liegt zum einen an den sehr rar gesäten Beiträgen und ßberkommenem zur einfachen Bevölkerung, und zum anderen daran das selbst die wenigen Quellen sich widersprechen. Wer kann mir also helfen folgende Fragen zu klären:
trugen Mägde und Knechte im späten 13. Jhd. regelmäßig Schuhe, oder sind es Ausnahmen?
Wo finde ich Quellen, Belege, etc.?
Wie waren, wenn welche getragen wurden, die Schuhe beschaffen?
Ist es überhaupt für solche Leute bezahlbar und praktikabel ( Arbeit in nassem Schlamm und auf dem Feld, Stall, etc.) Schuhe zu tragen?
Ich freue mich auf eure Einträge,
David
david seidlitz, aventiure e.v.

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Eintrag #2 vom 02. Feb. 2003 10:45 Uhr Claus Winhard   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Schuhe beim "einfachen" Volk

Hallo David,
die Quellenlage zur Verwendung von Schuhen beim “einfachen” Volk, also den niederen Ständen ist in der Tat nicht berauschend. Allerdings finden sich z.B. in der Kreuzfahrerbibel Abbildungen von Bauern, die nur mit der langen Bruche und Stiefeln bekleidet sind.
Die Schuhfunde aus London (in “Shoes and Pattens” beschrieben) zeigen schon aufgrund der Macharten deutliche Qualitätsunterschiede.
Nach Francis Grew, Autor des o.g. Buches, scheinen Schuhe allgemein in allen Bevölkerungsschichten üblich gewesen zu sein.
Lediglich bei der Feldarbeit wird man wohl eher barfuß unterwegs gewesen sein (auch hier eine Abbildung in der KfB), für den Schlamm der Straßen gab es Trippen, hölzerne Unterschuhe.
Gerade die auf das späte 13. Jh. datierten London-Funde lassen darauf schließen, daß durch eine bessere Lederversorgung durch den damals entstandenen Londoner Rindermarkt die Verfügbarkeit von Schuhen besser wurde.
Gefertigt waren sowohl einfache als auch hochwertige Schuhe ausschließlich in Wendetechnik (s. www.mittelalterschuhe.de), lediglich die Lederqualität und Stärke waren unterschiedlich und einfache Schuhe waren i.d.R. nicht verziert.
Die Abnutzungsspuren der London-Funde wie auch die der Funde von Haithabu (allerdings früher datiert) lassen schließen, daß bei den niederen Ständen eher der Halbstiefel als der Halbschuh verbreitet war, vielleicht wegen der größeren Haltbarkeit.
Ich werde demnächst die London-Funde besichtigen können und auch Francis Grew trefen, dann möchte ich das Thema gerne nochmal mit einem Experten diskutieren.
Bis dahin hoffe ich, daß ich ein wenig helfen konnte.
Liebe Grüße,
Claus
Claudius Pantaleon de Troyers

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Eintrag #3 vom 03. Feb. 2003 09:46 Uhr Alexander Klenner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Klenner eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Alternativen...

Es muß nicht immer der Lederschuh sein…
Schön zu sehen bei Abbildungen von Steinbrüchen oder Baustellen sind die Fußwickel.
Stoffstreifen ähnlich wie ein Verband mehrfach um den Fuß gewickelt, bis ein dicker Stoffstiefel entsteht.
Wurde meiner Ansicht nach wohl aus Resten gemacht, war ergo recht günstig.
Angenehmer Nebeneffekt, evtl sogar das Ziel:
Die dicken Stofflagen um den Fuß dürften einen gewissen Schutz gegen herabfallende Steine geboten haben.
Ob sowas auch im sonstigen Alltag getragen wurde kann ich nicht sagen, bislang sind mir nur Abbildungen von Steinbrüchen und Baustellen (vielleicht grade wegen dem Schutzwert) bekannt.
Allerdings stelle ich mir sowas plausibel als Ergänzung im Winter vor.
Gruß, Ivain

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Eintrag #4 vom 03. Feb. 2003 10:16 Uhr Monika Weber   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Eine weitere Alternative

dürfte mit Sicherheit der Holzschug gewesen sein. Das Rohmaterial war überall verfügbar und billig.
Wenn die Schuhe verschlissen waren, wurden sie ganz einfach verheizt, deshalb wird man wenig Belege dafür finden.
Schöne Grüße
Hjoerdis_von_Odroerir

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Eintrag #5 vom 03. Feb. 2003 10:56 Uhr Alexander Klenner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Klenner eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Holzschuh nein danke...

Das Thema wird im Holzschuhthread ([Taverne, Thread: Holzschuhe]) schon ziemlich intensiv behandelt.
Und “Wurden verheitzt, deshalb wird man keine Belege finden” sind schlicht und einfach sinnlose Plattheiten, die nichts bringen.
Wenn es garkeine Belege gibt, gehört es nicht in die Darstellung. Basta.
Gruß, Ivain

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Eintrag #6 vom 03. Feb. 2003 10:58 Uhr Ulrich Busse  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ulrich Busse eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht ?

Hallo Monika,
ist das jetzt eine bloße Spekulation oder eine durch Belege gesicherte Erkenntnis von Dir ?
Wir hatten die Holzschuhdiskussion schon, und “mit Sicherheit” war der Holzschuh keine Alternative. Soweit ich mich erinnere, wurden zwar Belege gefunden, die waren aber so rar, dass sie keine Verallgemeinerung zuließen.
Die Verheizungstheorie überzeugt mich überdies nicht, denn es gibt zahlreiche Funde hölzerner Gebrauchsgegenstände, die man auch hätte verheizen können, so dass es bei einer verbreiteten Verwendung von Holzschuhen im (z.B. Hoch-) Mittelalter auch mehr Funde geben müsste.
Oder ?
Gruß,
Ulli

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Eintrag #7 vom 03. Feb. 2003 11:57 Uhr Sylvia Crumbach  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Sylvia Crumbach eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Schuschubididu

Ich glaube ebenfalls nicht an Holzschuhe im Mittelalter, halte z.B. Bastschuhe für denkbar.
Aber: Es gibt einige Funde, die man in diese Richtung interpretieren könnte. Grob schuhförmige (Weich-)Holzobjekte liegen aus verschiedenen Befunden vor, werden aber eindeutig als Leisten angesprochen.
Möglich sind sicher Holzpantienen. Es gibt einen sehr interessanten Beleg für eine Holzsohle aus Sekundärverwendung, die mit einem Oberleder benagelt gewesen sein soll. Das Teil könnte sogar, das legen die Fundumstände nahe, bei der Arbeit verloren worden sein.
Nur so eingeworfen, Literatur reiche ich heute Abend nach. Die Abbildungen gern per Mail.
Sylvia
Projekt Folgari
PS.
Holzschuhe brennen schlecht!

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Eintrag #8 vom 03. Feb. 2003 20:34 Uhr Sylvia Crumbach  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Sylvia Crumbach eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Nachtrag

Die Schuhleisten sind beschreiben und abgebildet in “Die Lederfunde aus Haitabu” (hat mein Mann in Beschlag, deshalb keine ISBN)
“eine Holzpantiene aus Tannenholz (Abb. 145), eine Fußbekleidung, die einerseits im feuchten Gelände gegenüber dem gewöhnlichen Schuh mit Ledersohle ihre Vorzüge besaß, andererseits aber auch bequemer war als ihr Vorläufer, die aufgestelzte mittelalterliche Trippe. Das Oberleder war leider vor dem Verlust entfernt worden, doch sind die Nagellöcher noch gut sichtbar. Auch zeigen deutliche Abnutzungsspuren, daß die Pantine längere Zeit getragen wurde. Bemerkenswert ist das Material Tannenholz, denn die Tanne zählte damals nicht zu den einheimischen Gewächsen. Allerdings nutzte man Tannenholz schon in römischer Zeit gern zur Herstellung von Fässern…….Das Material Tannenholz wie auch die einfache Form legen daher die Annahme nahe, daß als Material kein frisches Holz verwendet wurde, sondern entweder eine alte Faßdaube oder eine Bodendiele”
Datierung: 16. Jahrh.
Lit. Meliorationsspuren des 16. Jahrh. in Linn
Christoph Reichmann
in Archäologie im Rheinland 1999
Sylvia
Projekt Folgari

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Eintrag #9 vom 04. Feb. 2003 09:14 Uhr Monika Weber   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Ups!

Da habe ich mich wohl in ein Wespennest gesetzt!?
MeineMeinung vom Holzschuh als Kleidungsstück des einfachen Menschen im Mittelalter sollte den Holzschuhthread, den ich bis dato nicht gelesen hatte, keineswegs auf diese Stelle importieren.
ich habe lediglich getan, was meine “Vorredner” auch getan haben: ich habe auf einenAnfrage hin meine Meinung geäußert.
Belege dafür werden im o.g. Tread von Angharad angegeben, deshalb erspare ich mir und euch eine Wiederholung (Hozschuhtread Nr. 21 und 23). Es handelt sich also keineswegs um reine Spekulation.
Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass Holzschuhe in jedweder form zur Kleidung der einfachen Leute gehört haben. Was ist platt daran anzunehmen, dass ein kaputter Schuh verfeuert wurde? Dass man keine gefunden hat? Zu sagen, das hat man nicht gefunden, deshalb gab es das auch nicht, wenn es aber Darstellungen davon gibt, heißt meiner Ansicht nach, sich auf dünnes Eis zu begeben. Andere Ansichten mit einem “basta” abzutun, ist auch platt. Das bedeutet nämlich, sich diskussionen zu entziehen oder sie erst gar nicht aufkommen zu lassen. Warum eigentlich?
ßbrigens brennen Holzschuhe gar nicht so schlecht, wenn man Feuer machen kann. Sie müssen nur trocken sein.
Weitere Diskussionen zu dem Thema führe ich gern im Holzschuhthread weiter, da gehören sie nämlich hin.
Hjoerdis_von_Odroerir

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Eintrag #10 vom 04. Feb. 2003 09:48 Uhr Alexander Klenner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Klenner eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Nur kurz...

Ich habe geschrieben “Wenn es keine QUELLEN gibt, gehört es nicht in die DARSTELLUNG” !
Legt mir nichts in den Mund, was ich nicht gesagt habe.
Das als letztes hier, weil es um Textverständnis, nicht um die Holzschuhe geht.
Den Rest gerne im Holzschuhthread.
Gruß, Ivain

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Eintrag #11 vom 05. Feb. 2003 06:57 Uhr Olaf Vieweg   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht die Kombination machts

Ich denke, man darf grade für die Zeit vor 1350 die Fußbekleidung nicht isolliert sehn. Man findet grade dort wo man es eher nicht vermuten würde, nähmlich im Arbeitsbereich sehr viele Darstellungen von “Barfüßlern”. Grade in den kälteren Jahreszeiten Frühjahr und Herbst hat sich das barfußlaufen bei mir erstaunlich bewährt. Wichtig ist, daß die Kleidung in der Gesammtheit stimmt. Also gefütterte Tunika, bis zu denEllbogen reichende Wollgugel, Gürtel und Wadenschläuche oder Wickel, daß langt mindestens bis zum ersten Schnee (danach habe ich´s auch noch nicht probiert). Für mich haben sich die entsprechenden Darstellungen deutlich bewiesen, da ich den Eindruck hatte, mit klammen Beinlingen und Schuhen entscheident mehr zu frieren.
Zu den Schuhen allgemein gibt es sehr wohl gute und ausführliche Literatur. Das Landesmuseum in Schleswig hat da eine tolle und sauteure Reihe. Eines der Bücher geht nur über mittelalterliche Schuhfunde. Vielleicht hat ja jemand den Titel und die ISBN für eine Fernleihe.
Olaf

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Eintrag #12 vom 05. Feb. 2003 07:20 Uhr Martin Opitz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Martin Opitz eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Schleswiger Schuhfunde

bitteschön:
Schnack, Christiane
Die mittelalterlichen Schuhe aus Schleswig
Ausgrabungen in Schleswig/ Berichte und Studien 10
Neumünster, Wachholtz Verlag 1992,
ISBN 3 529 01460 5,
und wen die ganze Reihe interessiert der
schaue unter www.wachholtz.de ins Buchprogramm. Das gibts übrigens auch die Haithabu-Bücher u.a. mehr.
Grüße
Martin

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Eintrag #13 vom 05. Feb. 2003 19:49 Uhr Joachim Dittrich  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Dittrich eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Schuhe?

Grüß Euch,
Bauern trugen Schuhe? (Persönlich glaube ich das natürlich, keine Bange), so werfe ich mal ohne weiteren Kommentar ein Zitat einer Studierten ein: “Das Volk ging entweder barfuß oder wickelte sich Lumpen um die Füße” aus: pax et gaudium 9/2002, S.87
Möge das “Volk” gut beschuht sein Dasein fristen
Achim v. Hohenberg gen. de Clavis

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Eintrag #14 vom 06. Feb. 2003 07:56 Uhr Olaf Vieweg   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Cliché

Da ich den Artikel aus “Pax & Gaudium” nicht gelesen habe, kann ich nur diesen Satz beurteilen. Wenn er hier also nicht aus dem Zusammenhang gerissen wurde, ist er so wie er da steht absoluter Schwachsinn. In allen mittelalterlichen Darstellungen des “Volkes” sind die Schuhträger prozentuall gesehen weit in der Mehrzahl. Davon kann sich jeder überzeugen, indem er einen Blick in ein jegliches Buch mit MA Abbildungen wirft.
Wie kommt man eigentlich zu so einer Aussage ? Oder war es den ma.Künstler einfach nur zu viel, neben den Fingern auch noch die Zehen malen zu müssen und deshalb…
Olaf

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Eintrag #15 vom 06. Feb. 2003 11:22 Uhr Sylvia Crumbach  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Sylvia Crumbach eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Bilder

Hallo Olaf,
(leider) sind zeitgenössische Abbildungen (zumindest die frühen, nicht die späteren Stundenbücher) kein einem Photo vergleichbares Abbild historischer Realität. In der Fachliteratur steht dafür der Begriff “Ikonografie”. Klar, die Abbildungen sind wertvolle Recherche-Möglichkeiten und bieten prima Details. Aber man sollte so einiges noch mal gegenprüfen.
Beispiel: Der Katalog zur Karolinger-Ausstellung beinhaltet sehr viele zeitgen. Abbildungen. Besonders interessant ist eine: Hier nähert sich ein Mann dem Kaiser, mit Wadenbinden und ohne Schuhe. Draus folgt nicht, das der Mann zwar ein Schwert, aber keine Schuhe besaß. Die Kleidung ist allerdings recht genau wiedergegeben und war so auch eine der Grundlagen für die Modenschau mit Karolingischer Kleidung 1999 in Paderborn (es gibt einen Thread dazu: Karls Franken - von der Scene vergessen). Zu dieser Kleidung gehören auch Schuhe!
Ich denke man sollte zwischen Zeitstellungen und besonderen regionalen Begebenheit (versuchen) zu unterscheiden. Ein Bauer in der Karoliger-Zeit hatte nicht die gleichen Bedingungen wie ein Bauer der Stauferzeit. (Das hat auch gesellschaftspolitische Ursachen). Dazu kommt, das sich die Schuhe zur späteren Zeit hin deutlich verändert haben, das macht auch Vergleiche zur bäuerlichen Lebenswelt in der frühen Neuzeit schwierig (Info Museum Kommern).
Ich war davon aus gegangen, dass die einfachen Leute (Westslawen, 10/11. Jahr.) im Sommer hauptsächlich barfuss gingen. Aber Fabian Peise (Museumsdorf Riewend) hat mir entschieden widersprochen. Insbesondere mit den Hinweis auf die Aussage des Reisenden Ibrahim Jacub, er hätte bei den Slawen keine Armen gesehen. Außerdem sind die Schuhe in dieser Zeit (außer Spitzenmodellen) sehr primitiv, als einfache Wendeschuhe. Und auch von diesen Schuhen gibt es so einfache und grobschlächtige Modelle, das man vermuten könnte, außer bei ganz krassen Fällen heruntergekommener Personen, könnten Schuhe etwas sehr verbreitetes gewesen sein. Leider kann ich für die Bastschuhe nur Vergleiche mit Werkzeugen, die bis in die frühe Neuzeit zur Herstellung benutzt worden sind , bringen. (Knochenpfrieme mit Gebauchspolitur). (Die Welt der Slawen, J. Herrmann)
Ein besonders interessante zu gute Quelle zu Schuhen (durch verschiedene Zeiten) ist das Buch “Primitive Schoes” vom Magarete Hald. Leider nur auf Englisch erhältlich, gibt es einen ausführlichen ßberblick über alle Ausführungsvarianten, auch einfacher Schuhe.
Ich denke, das es auch darauf ankommt, welche Kleidung und Fußbekleidung getragen wird um überzeugend zu wirken.
Sylvia
Projekte zur lebendigen Geschichte

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Eintrag #16 vom 06. Feb. 2003 12:11 Uhr Karen Thöle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Karen Thöle eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Franziskaner

Die Franziskaner werden ja auch als die Barfüßer bezeichnet. Das wäre doch ein Ansatz, um etwas über das Barfußgehen auch bei anderen gesellschaftlichen Gruppen zu erfahren.
Weiß irgend jemand etwas über die Begründung dieses Barfußgehens? Weiß jemand, ob es vielleicht irgendwo einen Kommentar zur Regel des Ordens geben könnte, in dem entweder gesagt wird, man wolle sich auch darin den Armen angleichen? Oder daß das Barfußgehen ein Akt der Buße ist? (Auch zum Büßer gehört das Barfußgehen.)
Ich weiß es auch nicht. Aber vielleicht einer von Euch…
Bis denn
Karen Thöle

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Eintrag #17 vom 06. Feb. 2003 15:41 Uhr Olaf Vieweg   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht der Zusammenhang...

Hallo Sylvia,
mir scheint, der Artikel war von Dir. Ich habe extra betont, daß ich ihn in seiner Gesamtheit nicht kenne, aber so wie der Satz “da” steht ist er eben nicht korrekt und führt zu Fehlinterpretationen. Zum barfußgehen ansich, lies doch noch mal meinen Eintrag No.11.
Tschüß Olaf

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Eintrag #18 vom 06. Feb. 2003 16:13 Uhr Sylvia Crumbach  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Sylvia Crumbach eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht ????????

Hallo Olaf,
ich schreibe zwar viel, aber nicht für die Pax & Gaudium.
Ich habe Deinen Beitrag gelesen, deshalb meine Eintrag an Dich gerichtet. Sollte ich was nicht begriffen haben, entschuldige bitte.
Sylvia
Projekte zur lebendigen Geschichte

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Eintrag #19 vom 06. Feb. 2003 19:01 Uhr Joachim Dittrich  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Dittrich eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Pax..

Olaf, Sylvia, beruhigt euch mal wieder..
@Olaf, der Satz ist nicht aus dem Zusammenhang gerissenDer Satz davor ist auch recht amüsant: “Die Schuhe der Herrschaften waren aus feinstem Leder gearbeitet und oft so dünn, daß man Holzpantinen darunter tragen mußte.” Hierauf folgt der weiter oben zitierte Satz. Die Schöpferin ist eine Gewandschneiderin und hat dieses Fach auch studiert, versicherte mir die Redaktion. Den Namen von der guten Frau setze ich allerdings hier nicht ein. Eins ist aber sicher: Sylvia ist es 100%ig nicht ;o)
@Sylvia, danke für den Buchtip.
Beste Grüße
Achim v. Hohenberg gen. de Clavis

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Eintrag #20 vom 06. Feb. 2003 20:54 Uhr Dr. Frank Dierkes  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Frank Dierkes eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Franziskaner und Schuhe

Hier ein Auszug aus dem Buch “Klosterleben im Mittelalter” Insel Taschenbuch 1135
“Die Kleidung soll nach den Generalstatuten durchaus arm sein. Die Minderbrüder dürfen nur zwei Tuniken haben, davon kann eine ohne Kapuze sein. Dazu kommen noch Beinkleider, ein Strick um den Leib und ein kleines Mäntelchen. Die Farbe der Tuniken ist kastanienbraun. Als FUSSBEKLEIDUNG darf nichts als offene Sandalen getragen werden. Nur Brüdern, die es unbedingt nötig haben, kann der Gebrauch von Hemden und SCHUHEN gestattet werden.”
Aaalso: Fransiskaner trugen z.Z. der Erstellung der Statuten zwar i.d.R. keine Schuhe (außer in Ausnahmefällen), dafür aber offene Sandalen, deren Art sich - nach Auskunft eines Minoriten, den ich dazu mal gesprochen habe - kaum seitdem verändert haben. Ich will hier keine Werbung machen, aber die Firma Manufaktum lässt noch heute nach diesen Vorlagen von Franziskanern in Frankreich diese Sandalen anfertigen (heute allerdings mit einer Gummiuntersohle).
Somit war auch diesen Brüdern zumind. die Fußsohle geschützt, wohingegen die Oberseite des Fußes nackt war. Ab dem Knöchel fingen aber die Beinkleider an, was alles in allem nach der Beschreibung von Olaf klingt (schön, mal wieder von dir zu hören, Bruder).
MfG
Frank
+Pax. Frater Hermann ab Monastre, Cellerar minor zu Werden

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Eintrag #21 vom 06. Feb. 2003 22:47 Uhr Uli Gasper  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Uli Gasper eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Fundstück

Moin!
Ich habe beim durchblättern alter Fotobücher ein Foto eines Mädchens in offensichtlich ländlicher Umgebung gefunden, die an den Füßen Schuhe aus einem Flechtmaterial trägt. Die Form der Schuhe ähnelt dem holländischen Holzschuh. das Bild ist um 1920 datiert, ansonsten fehlen aber Informationen.
Prinzipiell könnten diese Schuhe aus Bast, Rinden- oder Holzstreifen geflochten sein, eine Technik, die im Prinzip im MA auch möglich gewesen wäre. Weiß jemand mehr über derartiges Schuhwerk?
Bilder maile ich gern zu.
P.S.: Natürlich ist ein Foto von 1920 kein Beleg fürs Ma…
gruß, uli

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Eintrag #22 vom 07. Feb. 2003 08:49 Uhr Ameli (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ameli eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Bastschuhe

Hallo Uli,
solche Bastschuhe hat, wenn ich mich richtig erinneren, auch der allseits als “ßtzi” bekannte Mann getragen.
Schuhe aus Rindenbast oder Binsen kenne ich auch aus dem Baltikum (bis ins frühe 20. Jhdt.). Genaue Belege müßte ich daheim nachsehen, im Buch “Färbetechniken der alten Letten” (vergriffen, auch antiquarisch bei den bekannten Adressen nicht zu kriegen).
Für die hiesige Region muß ich passen und würde spekulieren.
Gruß
Ameli / Elisabeth von Tannenberg

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Eintrag #23 vom 07. Feb. 2003 09:23 Uhr Alexander Klenner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Klenner eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Fraziskaner Sandalen

Mal eine Frage zu den Sandalen:
Waren die rein franziskanerspezifisch, oder wurden die auch von anderen Leuten verwendet ?
Die Vorstellung, daß etwas eindeutig funktionierendes, günstig zu produzierendes wie die Sandalen sich nicht auch durch andere Bevölkerungsschichten verbreitet hat, will mir nicht so ganz eingehen.
Ich will hier nichts reindiskutieren, mich würde nur intressieren, ob jemand belegbare Gründe für eine Beschränkung auf den Orden, oder andersrum gar Belege für die verbreitete Verwendung kennt.
Gruß, Ivain

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Eintrag #24 vom 07. Feb. 2003 10:01 Uhr Ameli (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ameli eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Estnische Pantinen

Hallo,
in Estland gibt es sandalenähnliche Pantinen, aber leider fehlt hier die Zeitangabe:
www.klompenmuseum.nl/en-fotos.shtml
Wie beschrieben ist man hier eher mitsamt den Schuhen/Socken o.ä. reingeschlüpft.
Gruß
Ameli / Elisabeth von Tannenberg

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Eintrag #25 vom 08. Feb. 2003 11:05 Uhr Dr. Frank Dierkes  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Frank Dierkes eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Sandalenträger

Ich kenne mich nun - naturgemäß - eher weniger mit der Kleidung der “Weltlichen” aus, habe aber mal in einer Ausführung zu den Trachten der männlichen/weiblichen Orden nachgesehen.
Sandalen trugen dem zufolge:
1. die cassianisch-orientalischen Mönche des 4.

 Jahrhunderts,

2. die barfüßige Untergruppierung der deutschen

 Augustiner,

3. die Cäsariner (Orden des hl. Cäsarius), die nur

 Holzsandalen trugen (im 13. Jahrhundert),

4. die im 14. Jahrhundert tätigen Einsiedler des

 seligen Angelus von Corsica,

5. die Einsiedler des Hl. Johannes des Täufers,
6. die Kamaldulenser (auch Einsiedler von St.

 Romuald genannt), die Holzschuhe trugen,

7. desweiteren sämtliche Unterordnungen der

 Franziskaner (zumind. im ausgehenden HMA bzw.

 frühen SMA).

Für die weiblichen Vertreter der o.g. Orden - wobei die Vielfalt der weiblichen Orden den Server sprengen würde - kann man ebenfalls Sandalen verzeichnen. Darüber hinaus zeigen die meisten weiblichen Varianten sowiso strengere Auslegungen der Ordensregeln.
Das nur hierzu.
MfG
Frank
+Pax. Frater Hermann ab Monastre, Cellerar minor zu Werden

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Eintrag #26 vom 24. Nov. 2003 09:16 Uhr Ruth (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ruth eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht einfaches Schuhwerk im ländlichen Raum

Hallo zusammen,
Nach den vielen Anregungen hier und anderswo habe ich zu diesem Thema ein bißchen weiter recherchiert, und das Ergebnis kann nun unter
www.brandenburg1260.de/schuhwerk.pdf
eingesehen werden. Wegen der vielen Abbildungen ist die Ladezeit allerdings vielleicht etwas lang… ;-)
Ruth

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