ist das jetzt eine bloße Spekulation oder eine durch Belege gesicherte Erkenntnis von Dir ?
Wir hatten die Holzschuhdiskussion schon, und “mit Sicherheit” war der Holzschuh keine Alternative. Soweit ich mich erinnere, wurden zwar Belege gefunden, die waren aber so rar, dass sie keine Verallgemeinerung zuließen.
Die Verheizungstheorie überzeugt mich überdies nicht, denn es gibt zahlreiche Funde hölzerner Gebrauchsgegenstände, die man auch hätte verheizen können, so dass es bei einer verbreiteten Verwendung von Holzschuhen im (z.B. Hoch-) Mittelalter auch mehr Funde geben müsste.
Schön zu sehen bei Abbildungen von Steinbrüchen oder Baustellen sind die Fußwickel.
Stoffstreifen ähnlich wie ein Verband mehrfach um den Fuß gewickelt, bis ein dicker Stoffstiefel entsteht.
Wurde meiner Ansicht nach wohl aus Resten gemacht, war ergo recht günstig.
Angenehmer Nebeneffekt, evtl sogar das Ziel:
Die dicken Stofflagen um den Fuß dürften einen gewissen Schutz gegen herabfallende Steine geboten haben.
Ob sowas auch im sonstigen Alltag getragen wurde kann ich nicht sagen, bislang sind mir nur Abbildungen von Steinbrüchen und Baustellen (vielleicht grade wegen dem Schutzwert) bekannt.
Allerdings stelle ich mir sowas plausibel als Ergänzung im Winter vor.
die Quellenlage zur Verwendung von Schuhen beim “einfachen” Volk, also den niederen Ständen ist in der Tat nicht berauschend. Allerdings finden sich z.B. in der Kreuzfahrerbibel Abbildungen von Bauern, die nur mit der langen Bruche und Stiefeln bekleidet sind.
Die Schuhfunde aus London (in “Shoes and Pattens” beschrieben) zeigen schon aufgrund der Macharten deutliche Qualitätsunterschiede.
Nach Francis Grew, Autor des o.g. Buches, scheinen Schuhe allgemein in allen Bevölkerungsschichten üblich gewesen zu sein.
Lediglich bei der Feldarbeit wird man wohl eher barfuß unterwegs gewesen sein (auch hier eine Abbildung in der KfB), für den Schlamm der Straßen gab es Trippen, hölzerne Unterschuhe.
Gerade die auf das späte 13. Jh. datierten London-Funde lassen darauf schließen, daß durch eine bessere Lederversorgung durch den damals entstandenen Londoner Rindermarkt die Verfügbarkeit von Schuhen besser wurde.
Gefertigt waren sowohl einfache als auch hochwertige Schuhe ausschließlich in Wendetechnik (s. www.mittelalterschuhe.de), lediglich die Lederqualität und Stärke waren unterschiedlich und einfache Schuhe waren i.d.R. nicht verziert.
Die Abnutzungsspuren der London-Funde wie auch die der Funde von Haithabu (allerdings früher datiert) lassen schließen, daß bei den niederen Ständen eher der Halbstiefel als der Halbschuh verbreitet war, vielleicht wegen der größeren Haltbarkeit.
Ich werde demnächst die London-Funde besichtigen können und auch Francis Grew trefen, dann möchte ich das Thema gerne nochmal mit einem Experten diskutieren.
Bis dahin hoffe ich, daß ich ein wenig helfen konnte.
Innerhalb unserer Gruppe findet derzeit eine hitzige Debatte zum Thema Schuhwerk bei einfachen Leuten statt. Nach Quellenrecherche einiger Mitglieder gehen unsere Meinungen stark auseinander. Das liegt zum einen an den sehr rar gesäten Beiträgen und ßberkommenem zur einfachen Bevölkerung, und zum anderen daran das selbst die wenigen Quellen sich widersprechen. Wer kann mir also helfen folgende Fragen zu klären:
trugen Mägde und Knechte im späten 13. Jhd. regelmäßig Schuhe, oder sind es Ausnahmen?
Wo finde ich Quellen, Belege, etc.?
Wie waren, wenn welche getragen wurden, die Schuhe beschaffen?
Ist es überhaupt für solche Leute bezahlbar und praktikabel ( Arbeit in nassem Schlamm und auf dem Feld, Stall, etc.) Schuhe zu tragen?