Wegen der im Mittelalter noch ausgeprägt vorhandenen ßhnlichkeit beider Schweinetypen ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zwischen mittelalterlichem Hausschwein und Wildschwein der gekringelte Schwanz, der nur bei der domestizierten Form vorkommt… und die Abbildungsgenauigkeit der mittelalterlichen Quellen ist wirklich toll, die Hausschweinabbildungen zeigen fast durchgängig Ringelschwänzchen.
Nicht nur für Scheine-Interessenten, sondern alle, die sich an einer Fülle von MA-Tierdarstellungen erfreuen wollen, hier noch ein aktueller bibliographischer Hinweis: Das “Bestiarium” des Codex aus der Bodleian Library in Oxford (MS Bodley 764) aus der 1. Hälfte des 13. Jh. ist gerade in einer schönen englischen ßbersetzung mit allen (!) originalen Miniaturen in exzellenter Wiedergabe (in der ßbersetzung und mit guter Einleitung von Richard Barber) ist erschienen in der Boydell Press, Woodbridge 1999, (ISBN 0 85115 753X für die Paperback-Ausgabe) für 19,99 Pfund. Darin finden sich Abbildungen praktisch aller (damals in England) bekannten Tiere mit entsprechendem erklärenden Text der Zeit.
mit besten Grüßen und Wünschen Nikolaj aka Argl. Rhisiart ap Maredudd
Und hier noch ein aktueller Hinweis zur “Schweinerei”: Das “Westfälische Museum für Naturkunde” in Münster (Sentruper Straße 285, 48161 Münster, Tel. 0251/591-05) zeigt ab Ende dieser Woche eine Ausstellung zum Thema: SCHWEIN GEHABT Natur- und Kulturgeschichte des Schweins 28.9.2000 bis 8.7.2001 Nähere Infos unter: www.lwl.org/naturkundemuseum/[ ]/natk-baerenstark.[ ] besten Grüßen und Wünschen Nikolaj aka Argl. Rhisiart ap Maredudd
Vielen Dank euch allen für die prompte und umfangreiche Hilfe. Wenn ich für alle diese Quellen die Nutzungsrechte kriege, habe ich über Jahre ausgesorgt. Das mit dem wildschweinähnlichen Aussehen stimmt allerdings. Aber gerade im Mittelalter kann man die Veränderung durch Züchtung bestens erkennen und man sieht, so meine laienhafte Meinung, auch die merkwürdigen Erscheinungen an heutigen Züchtungen. Besonders interessant wird es im 17. Jh., wo Schweine riesengroß gezüchtet wurden bis zu 2,50 m Länge. Aber das nur mal am Rande.
Hi Marita, hier die angekündigte Literatur zum Thema Schwein im MA, schwerpunktmäßig so in etwa aus Deiner Gegend, also Nord- bzw. Nord-Ost-Deutschland: J. Boessneck (1958): Herkunft und Frühgeschichte unserer mitteleuropäischen landwirtschaftlichen Nutztiere. Züchtungskunde 30, 289-296 J. Müller (1962): Die Säugetierreste aus der burg Berlin-Köpenick nach den Grabungen von 1955-1958. Berlin. H. Enderlein (1930): Die Fauna der wendischen Burg “Poztupimi” (Potsdam). Zeitschr. Säugetierkunde 5, 242-303 J. Requate: Zur Geschichte der Haustiere Schleswig-Holsteins. Davon sind jeweils nur einige Abschnitte zum Schwein interessant (ich könnte bei Bedarf Kopien verschicken). Abbildungen: - Schlachtung eines Schweines. Aus dem Salzburger Calendar, um 818. - Wilder Eber. Bodleian Library, Datierung mir nicht bekannt. - Stundenbuch des Herzog von Berry: Monatsbild November und Predigt des Heiligen Johannes, 15. Jahrhundert. - Adam gibt den Tieren einen Namen, Bestiarium, 12. Jh. - Tafel 74 im Codex Manesse: Wildschweinhatz, frühes 14. Jahrhundert - Diverse Abbildung mit Schweinen aus dem Vokacher Salbuch, spätes 15. Jh. - Schweineschlachtung. Luttrell- Psalter. - Schweinemast. Londoner Marien-Psalter. - Schweineschlachtung. Bridgeman Art Library, 15. Jh. - Hausschlachtung. Bodleian Library, Datierung mir nicht bekannt. - Der heilige Antonius in der Wüste mit Wildschweinen. Luxemburger Stundenbuch, 15. Jh. Scans können bei Bedarf verschickt werden (bin aber jetzt erst mal ein Tage in Polen). Gruß, Ruth
Ein gutes Bild nach einem Holzschnitt von Dürer findest Du in Ferdinand Seibt “Glanz und Elend des Mittelalters”. Weiteres wenn ich meine Literatur gesichtet habe und - wenn es nicht allzu eilig ist - im nächsten Karfunkel [selbst geschrieben] ;-) Grüße Frank
Laudetur Iesus Christus, in eternam, Amen. Frater Hermann de Monasterium
Hallo zusammen, ich weiß zwar nicht ob Euch das interessiert, aber in Mauritius gibt es noch Nachkommen von Schweinen, die, die Portugiesen im 16. Jhd. als lebende Bordverpflegung dabeihatten und die sich (wahrscheinlich) aus dem Staub machten. Diese sehen aus wie unsere heutigen Wildschweine, die Eber mit großen Stoßzähnen und die Biester, sind selbst im Zoo, recht agressiev. Gehabt Euch wohl
Hallo Marita, ich habe einige Artikel zur Zucht- und Nutzungsgeschichte des Schweines - allerdings zu Hause. Ich werde Dich diesbezüglich noch mal anmailen und könnte Dir auch Kopien zukommen lassen. Da habe ich sicherlich auch noch die eine oder andere Bildquelle. Eine gute Adresse für diese Fragestellung ist auch die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V (GEH)/Witzenhausen. Sie haben eine eigene Webpage, die man sicher über eine Suchmaschine finden kann (ich habe nämlich die URL gerade verbummelt). Außerdem könntest Du Dich noch an das Museumsdorf Düppel wenden, dort wird seit vielen Jahren ein inzwischen erfolgreicher Rückzüchtungsversuch zum mittelalterlichen Weideschwein unternommen. URL: www.dueppel.de. Ach ja, und falls Du es noch nicht gesehen hast, findet sich auch in der Bibliothek ein KURZER Hinweis zur “Vita” des Schweines im MA, mit einigen Literaturhinweisen. Ruth
Was das MA-keltische bzw. walisische Recht angeht: Im Gesetzbuch des Huywel Dda findet sich ein Abschnitt ueber Schweine und sogar eine schoene Schweineabbildung (in diesem Falle der lateinischen Fassung vom Anfang des 12. Jahrhunderts, Codex Peniaerth 28, derzeit in der Nationalbibliothek von Wales in Aberystwyth). Die Abbildungen sind enthalten in einem schoenen und spottbilligen (£ 1,50!) Heftchen, dass die Bibliothek vor einigen Jahren publiziert hat. Bei Interesse kann ich eins mitbringen, da ich z.Zt. sowie regelmaessig dort in der Bibliothek arbeite.
Cyfarchion o Gymru (Gruesse aus Wales) Nikolaj aka Rhisiart ap Maredudd
Im Wolfenbütteler Sachsenspiegel gibt es einige gute Schweine- und sonstige Viehbilder. Die Schweine müssen demnach seinerzeit wirklich noch ziemlich wild ausgesehen haben. Danke auch noch für den Kindertip. Gruß, Michael
Was? Ruth hat noch nichts dazu geschrieben, da muß sie wirklich viel zu tun haben. Mir fällt spontan das berühmte Stundenbuch des Herzogs von Berry (SMA) ein, darin eine der 12 Monatsbilder, jedenfalls Herbst. Dort sieht man, wie die halbwilden (?) Schweine zum mästen in den Wald getrieben werden. Joachim - I.G. Hospitalis
Liebe MA-Gemeinde, seit Jahren bearbeite ich den Mecklenburger Schweinezuchtkatalog und schmücke sein Titelbild mit Darstellungen von Schweinehaltung und -zucht im Laufe der Jahrhunderte. Nun erschöpfen sich allmählich meine Quellen. Außerdem würde ich gern einen Artikel über die Geschichte der Zucht unterbringen. Wer weiß also bescheid über Tier- und speziell Schweinehaltung vom MA bis heute und kann mir Quellen nennen?