Spontan sieht das ganze nach einem sehr schönen Seidenstreifen von einem indischen Sari aus, einer Art Borte, die am Rand in die Bahnen eingewebt ist.
Dabei gibt es sehr schöne Stücke, leider jedoch kommt durch den Boom der letzten Jahre nur noch wenig von sehr guter Qualität hier an.
Was das Muster angeht, muß ich zu so speziellen Fragen für Deine Zeitstellung leider passen. Es käme jedoch auf einen genaue ßberprüfung an. (Ich habe vor Jahren mal sehr großes Glück gehabt und ein *Fragment* ergattert, daß unglaublich schön und brauchbar für meine Zwecke war)
Nähseide ist auch oft aus Polyester, und ich kenne auch Brokat, der als solcher verkauft wird, aber mit Plastegoldlahn verarbeitet ist, is auch Seide drinnen, nämlich billigste Abfallprodukte ;)
Seidenbrokat muss also noch nix heissen, das ist so wie mit “reiner Wolle” (erlaubt bis zu 10% irgendwas Anteile).
Dennis, wenn es kein Gold ist, dann fällt er schonmal flach, wenn Du historische Darstellung machen möchtest.
Claus’ Hinweis ist darüber hinaus auch erwägenswert; nach meinem Dafürhalten waren Borten um 1320 nicht mehr so der Bringer.
Mein Rat wäre: schau dir ein paar belegbare Muster aus, besorg Dir Goldlahn oder einfach hübsche Seide (echtes Zeug freilich) und bestick z.B: die ßrmelansätze oder den Hals nett. Belegbar und hübsch.
Da Seidenstoffe Importware waren, auch interessant:
“Byzantinische und orientalische Seidenstoffe - Grabfunde aus der Sepultur der Bamberger Domherren”, Gisela Helmecke, Diözesanmuseum Bamberg 2001, ISBN 3-931432-05-X
Punkto passende Stoffmusterung kann ich die Abegg-Stiftung in Riggisberg Schweiz, die sind spezialisiert auf die Restaurierung alter Textilien.
Die haben auch mehrere Bücher raus gebraucht mit reichlich Erklärungen zu Mustern und verwendetes Stoff bzw. Materialkombinationen, ihre Sammelung fängt in der spät Antike an und geht rein ins 19.Jh.
Punkto Aufwendigestoff würde ich konkret das Buch
“Riggisber Berichte 3 Spuren kostbarer Gewebe” von Mechtild Flury-Lemberg ISBN 3-905014-08-4 empfehlen den da sind viele Stoffe beschreiben und abgebildet aus dem HMA und SMA, so das man recht gut einen Eindruck bekommt wie die Muster damals aussahen.
…der Seidenbrokat auf der Seite ist vermutlich Seidenbrokat ;-)
Hat aber vom Anschauen her keinerlei mittelalterliche Vorbilder, das Muster ist ein Allerweltsmuster, das für Polstermöbel und Vorhänge verwendet wird.
Abgesehen davon, daß es fraglich ist, ob 1320 an einem Surcot - v.a. am Kragen - überhaupt Borten verwendet wurden (aber da kenne ich mich nicht aus), ist eine 10 cm breite, mit modernem Muster gewebte Borte sicherlich historisch nicht korrekt.
“Handgewebt” heißt in dem Zusammenhang im ßbrigen meistens, daß der Jacquardwebstuhl (auf dem werden die Dinger gemacht) mit der Hand eingestellt wurde. Alles andere geht vollautomatisch ;-)
Daß es kein echtes Gold ist halte ich mal für ziemlich sicher, wegen der Seide werde ich mal nachfragen.
Was das Muster allerdings angeht bin ich ein wenig überfragt. Könnte mir da jemand mal ein paar Quellen nennen, die ich durchforsten könnte? Oder vielleicht sogar gleich Belege liefern?
Also im wesentlichen wirst Du alle entscheidungsfindenden Informationen immer nur vom Lieferanten- in dem Falle Lederkram- bekommen können, *aber* halte ich den Preis für ein sehr deutliches Zeichen dafür, dass es entweder kein echtes Gold, keine echte Seide, billige Seide (also Wildseide, Schappseide o.ß, jedenfalls keine glatte, im MA gebräuchliche Maulbeerseide) oder ähnliches ist.
Unabhängig davon rate ich Dir, in deine ßberlegung einzubeziehen, ob das Muster so belegbar ist, denn _irgendein_ Muster selbst mit richtigem Material ist halt genauso “off”.
Also ma besten ganz genau aufschlüsseln lassen, was für Zeug aus welchem Material nach welcher Vorlage(!) das ist.