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Eintrag #1 vom 21. Aug. 2000 08:36 Uhr Jürgen Kautz   Nachricht

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Hallo und guten Tag, hat irgend jemand da draußen vielleicht ein klein wenig Ahnung, wie sich die Sitzordnung der jeweiligen Stammfamilie (Herrschergeschlecht, Fürstenfamilie, etc.) bei offiziellen Anlässen gestaltete? Mich interessiert insbesondere die Konstellation Patriarch-Gattin-Thronfolger (wer saß rechts, wer links vom Patriarchen?). PS: Diese Frage hat keinen chauvinistischen Hintergrund!!!
Liebe Grüße Chevalier de la Chouette de Portusse

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Eintrag #2 vom 21. Aug. 2000 12:51 Uhr Andre Ruck  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Andre Ruck eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Jürgen, bin bisher nur über folgenden HMA Sitten gestolpert: - Der Gastgeber sitzt mit den Ranghöchsten am Kopfende der Tafel. - Von Kopfende weg sinkt der Rang der Anwesenden. - Selten werden einige Personen durch Bestuhlung geehrt, sonst nur Bänke. - Auf den Tischen stehen Salzfässer. Eines bzw. ,bei Tischen in U-Form, zwei davon sind sehr prachtvoll gestaltet. In der Rangordnung stellt dieses Salzfaß auf dem Tisch eine Art Grenze zwischen hohem Volke und niederem dar. Diese Infos beziehen sich auf die Zeiten, wo es noch üblich war mit allen Angehörigen im Pallas zu speisen. So war es auch üblich Reisende an die Tafel zu bitten, in der Regel natürlich am unterem Ende …
Ein hinter seinem Herren, am Kopfende, stehender Herold

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Eintrag #3 vom 21. Aug. 2000 19:04 Uhr Nikolaj Thon  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Nikolaj Thon eine Nachricht zu schreiben.

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Ein sehr detailliertes Beispiel einer Sitzordnung bei Hofe findet sich im Gesetzbuch des walisischen Fürsten Hywel des Guten (H. Dda), der 949 oder 950 gestorben ist, dessen Code uns aber nur in Manuskripten des 13. Jahrhunderts überliefert ist. Ich zitiere einige Passagen nach der jüngsten und auch wissenschaftlich am besten bearbeiteten, übersetzten und kommentierten Ausgabe: Dafydd Jenkins, The Law of Hywel Dda, 3. Aufl., Llandysul 2000, 7 ff.: Dabei erlaube ich mir, einige Amtsbezeichnungen nicht etymologisch korrekt, sondern dem Sinn nach wiederzugeben; so ist der “penteilu” ganz wörtlich zu übersetzen als “Haupt der Hausgemeinschaft”, meint aber den Kommandierenden der Leibgarde (= teilu = “Familie” des Fürsten). “Die Ordnung am Hofe. Es sind vierzehn, die einen Sitz am Hofe haben, vier davon innerhalb der Absperrung (corf) und zehn davor. Der erste ist der Fürst (tywysog): Es ist sein Recht, als nächster zu der Trennwand zu sitzen, dann als nächster zu ihm der Kanzler (cynghellor), dann der ”Osb“, dann der Thronerbe (gwrthrychiad), dann der oberste Falkner (penhebogydd) und sein Fußhalter (troedig) ihm gegenüber auf der anderen Tischseite und der Arzt (meddyg vom lat. Medicus) am Fuß der Säule gegenüber dem Feuer. Nächst der anderen Wand sitzt der Priester des Haushalts, damit er die Speise segne und das Vaterunser singe; an der Säule dort ist der Platz des Türhüters, als nächster kommt der Hofrichter (brawdwr llys); nächst zu ihm sitzt der inthronisierte Barde; der Hofschmied aber sitzt am Ende der Tafel, bei den Knien des Priesters. Es ist das Recht des Kommandanten der Leibgarde (penteilu) am unteren Ende der Halle zu sitzen, zu seiner Linken zur Ausgangstür, mit denen von der Leibgarde, die er will, neben ihm und den anderen an der anderen Seite der Tür. Der Barde des Haushalts sitzt auf seiner Seite, der Leibdiener an der Wand dem Fürsten gegenüber; der Jägermeister aber an der Wand dem Priester gegenüber. … ” Zum Verständnis einiger Einzelheiten: Offensichtlich handelt es sich nicht um den eigenen Hof des Fürsten, sondern eine Ordnung für einen Besuch des Herrschers in einem anderen Herrenhaus. Wie alle walisischen Hallen hat auch die hier gemeinte “ideale” drei Joche, die auf Säulen ruhten, wobei das Feuer in der Mitte war - und demzufolge auch der Fürst dort saß. Zwischen den Säulen erstreckte sich offenbar eine Trennwand (celfi, wörtlich: Ausstattung, Möblierung), die wohl auch vor Zug schützte und eben den herausgehobenen Platz darstellte. Der “Osb” (vom latein. Hospes) kann einen “Gast” meinen, aber wohl eher den lokalen Lord als denjenigen, der den Fürsten beherbergt, also den “Gastgeber”. Der “Kanzler” des mittelalterlichen Wales ist - obwohl sein walisischer Name wohl vom latein. Cancellarius abgeleitet sein mag, kein “Kanzler” im modernen englischen oder auch deutschen Sinne des Wortes, sondern eher das, was im normannischen England der Sheriff ist, also der oberste fürstliche Verwaltungsbeamte eines Bezirkes (commod). Dies möge als kleine Anschauung genügen. Die Sitzordnung wird dann auch noch einmal wiederaufgenommen bei der Beschreibung der Funktionen und Rechte der einzelnen Personen, wobei diese teilweise der vorstehend zitierten wiederspricht - vermutlich deshalb, weil sie sich nun auf den eigenen Hof des Fürsten bezieht. Diese Beschreibungen zeigen auch, dass nicht nur die Sitzordnung beim Mahl, sondern vieles andere genau determiniert war. So heißt es beispielsweise über den Richter: “Der fünfte (der Rangordnung) ist der Hofrichter. Er hat das Recht auf freies Land und ein Pferd zu seiner ständigen Verfügung und bekommt wollene Kleidung vom Fürsten und seine leinene von der Fürstin. Sein Platz ist dem Fürsten und dem Feuer gegenüber, neben dem Priester des Haushalts. Seine Unterkunft ist das königliche Gemach, in dem er schläft mit einer Decke von der Fürstin und einem Laken und einem (Kopf-)Kissen für seinen Kopf bei Nacht, und zwar dem Kissen, auf dem der Fürst bei Tage gesessen. … Sein Pferd hat das Recht, zwischen dem Pferd des Fürsten und der Wand zu stehen und zwei Maß Futter zu erhalten. … Er hat das Recht auf einen goldenen Ring von der Fürstin und einen anderen vom Barden des Haushalts … Er hat das Recht, dass der Kammerdiener sein Pferd ausstattet vom ersten Nagel an bis zum letzten und es aufzäumt und es aufgezäumt zu ihm bringt, wenn er reiten will. Er hat das Recht, dass ihm der Pförtner das große Tor öffnet, wenn er an den Hof kommt und von ihm kommt, und dass er ihn nicht durch die kleine Pforte schickt, wenn er kommt oder geht. … Er hat das Recht auf einen trainierten Sperber oder ein Falkenmännchen vom Oberfalkner”. Das soll nun aber wirklich genügen.
mit besten Grüßen und Wünschen Nikolaj aka Argl. Rhisiart ap Maredudd

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