Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Slawische Frauengewandung ???

Einträge 1 bis 2 (von insgesamt 2 Einträgen)
Eintrag #1 vom 18. Sep. 2002 17:02 Uhr Kornelius Kusch  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Kornelius Kusch eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht mal eine frage an euch...

hallo
hier ist ne frage von mir im namen meiner schwester
sie will sich eine slawische frauengewandung also
kleid + dazugehörige schürze
zusammenschustern (1000-1150 / bistum meißen / bauernstand aber nicht ganz mittellos) nur braucht sie dazu ein paar infos.
was wäre da für ein schnitt am besten hat da jemand ahnung
soll sie sich da wegen des schnittes in richtung wikinger
orientieren oder hat da jemand was spezielles
was wären für verzierungen angebracht??? (allerdings nicht zu prunkvoll)
falls jemand was hat könnt ihr es mir ja mal in ´ner mail zusenden….
MANGE TAK Kornelius

Bewertung:
Durchschnittlich 0 Sterne
Durchschnittlich 0 Sterne
Durchschnittlich 0 Sterne
Durchschnittlich 0 Sterne
Durchschnittlich 0 Sterne
Avatar
Eintrag #2 vom 19. Sep. 2002 13:00 Uhr Sylvia Crumbach  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Sylvia Crumbach eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Gaaanz kurz dazu.....

Hallo Kornelius,
da hat sich Deine Schwester ein interessantes, aber nicht wirklich einfaches Thema ausgesucht. Schon Vorab - nicht wie die Wikinger!
Leider ist über die Bekleidung der Slawinnen nicht viel bekannt. Erst in jungslawischer (und unter christlichen Einfluss) kommen Körperbestattungen auf. Vorher verbrannte man die Toten und stellte die Urnen auf kleine Hügel. Hier gibt es allerdings starke regionale Unterschiede!
Vorab ist es wichtig die Zeitstellung recht genau einzugrenzen und zu prüfen ob die gewählte Gegend unter den Einfluss des dänischen/deutschen oder polnischen Staats gefallen ist. Das hatte meist die ßbernahme des christlichen Glaubens zur Folge und damit eine ßbernahme der Trachtsitten. (Kopfbedeckungen für Frauen etc.)
Allerdings unterschieden sich die Slawen in Tracht, Sprache und Gebräuchen noch bis ins HMA und in manchen Gegenden noch länger deutlich von den deutschen Nachbarn. Das dokumentiert auch der Sachsenspiegel. Durch Hort-, Siedlungs- und vereinzelte Grabinventare ist zum Schmuck bzw. den Trachtbestandteilen aus Metall einiges bekannt. (Siehe den Thread “Schläfenringe” weiter unten.)
Die Bekleidung der Frauen ist ein Problem - die Männerkleidung ist besser nachgewiesen.
Klar kann ich Dir eine die Tracht beschreiben, die ich recherchiert und entworfen habe. Oder Du siehst Dir die Zeichnung auf der Eingangsseite vom Museum Riewend (von Fabian Peise) an.
ABER
Das sind nur die jeweiligen Vorstellung und Ergebnisse, von mir, von Fabian Peise oder von anderen Leuten (es gibt sicher noch mehr, die sich an diesem Thema versuchen)!
Für das 11. Jahrhundert gehe ich von zwei verschiedenen Varianten für die Frauentracht aus:
Kombination Rock und Bluse
Kleid und Mantelkleid (für mich wahrscheinlicher)
Unter dem eigentlichen Kleid könnte ein Unterkleid aus Leinen getragen werden. Für Kleid gehe ich von köper- oder leinenbindigen Wollstoff aus. Darüber wird ein vorne offenes Mantelkleid getragen. Dies sollte aus Wollstoff sein, eventuell mit Leinen gefüttert. Alle Kleider haben keine angeschnittenen Schultern, alle Zuschnitte sind grade bis auf die an den Seiten eingesetzten Keile. Das ganze ist im Sommer recht warm, aber ich glaube für mich ein Wolle! An der Menge der Kleidungsstücke ist ersichtlich, dass die Trägerin so ganz arm nicht ist. Eine Alternative für den Sommer ist die Kombination Rock, Bluse und Schürze aus Leinen (hier bin ich bei der Materialwahl unsicher).
Alle Kleider werden gegürtet getragen. Am Gürtel ist eventuell ein Beutelchen und Messer befestigt. Die relativ typischen rechteckigen Messerscheiden bzw. Messerscheidenbeschläge sollte man bei einer einfachen Darstellung eher nicht verwenden - die Bedeutung als “Rangabzeichen” ist nicht wirklich klar.
In der Wappenrolle sind zwei Foto´s von mir in slawischer Tracht, wobei das eine allerdings etwas sehr edel (bzw. adelig ist).
Schuhe sind im Fundgut häufig und gut dokumentiert. Es sind meist einfache Wendeschuhe als Kalb- oder Ziegenleder, oft mit einer Naht auf dem Spann. Bestickte Schuhe sind relativ häufig.
Da aus verschieden Befunden Webkärtchen vorliegen sind webte Gürtel oder Bordüre anzunehmen. Stickerein sind ebenfalls denkbar. Bei den Verziehrungen könnte man sich an den Mustern von Keramik- oder Metallgegenständen orientieren.
Falls Du weitere Fragen hast helfe ich gern weiter. Eine Literaturliste kann ich Dir gern per Mail zukommen lassen, das führt hier zu weit. Es gibt zu der Tracht und Kultur der Nordslawen auch eine Broschüre, die mein Mann und ich zusammengestellt haben.
Falls Du Gelegenheit hast am kommende WE das Fest im Freilichtmuseum Oerlinghausen bei Bielefeld zu besuchen: Bei der großen hist. Modenschau wird es mehrere, auch einfache slawische Kleider zu sehen geben. (Bitte nicht in Tracht/Gewandung/ hist. Kostüm kommen!)
Sylvia
Projekt Folgari

Bewertung:
Durchschnittlich 0 Sterne
Durchschnittlich 0 Sterne
Durchschnittlich 0 Sterne
Durchschnittlich 0 Sterne
Durchschnittlich 0 Sterne