Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Soester Fehde 2009 - Sturm auf die Stadt

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Eintrag #9 vom 27. Aug. 2009 10:22 Uhr Georg (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Georg eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht oder anders

Den bisherigen Ausführungen ist zu entnehmen,dass einige Teilnehmer offenbar der Ansicht sind, Soest, die Soester Bürger und die Besucher wären dafür da gewesen, den Teilnehmern ein nettes Wochenende zu ermöglichen.
Das ist ein Irrtum. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: die Teilnehmer waren dazu da, den Besuchern ein nettes Wochenende zu bieten und diese zu bespaßen.
Was nur sehr bedingt gelang.
Die Showeinlagen kosteten extra Eintritt, was viele Besucher davon abhielt, sich diese anzuschauen.
Interaktivität fand nicht statt, die Besucher konnten selber nirgends aktiv werden, was insbesondere für Kinder schnell zu Langeweile führte.
Abgesehen von den extra Shows war die Veranstaltung nicht anders als diverse Mittelaltermärkte: Bier- und Bratwurststände, Leute in Kostümen und ab und zu Musik.

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Eintrag #8 vom 27. Aug. 2009 10:10 Uhr Alexander Klenner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Klenner eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht @Andreas:

Nein, das hat so niemand geschrieben.
Speziell der sehr ausführliche Text von Jens beleuchtet doch Fehler und Stärken auf beiden “Seiten”, mit ist ehrlich nicht klar, wie ich diese Frage danach verstehen soll.

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Eintrag #7 vom 27. Aug. 2009 09:10 Uhr Thorsten Witschen  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Thorsten Witschen eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht fast nix hinzuzufügen

den Ausführungen von Jens bleibt nix hinzuzufügen:
Das beteiligte Orga-Team um Dietrich Pott hat einen klasse Job gemacht. Das einiges anders gelaufen ist als geplant lag sicher nicht an euch sondern daran das die Stadt zum Teil Absprachen nicht eingehalten hat.
Wie schon auch von Jens beschrieben ist das Verkehrsverhalten der Soester allerdings (auch wenn diese am Stadt supernett und interessiert waren) mehr als seltsam:
Ich kann es mir ehrlich nicht erklären das man mit einer Sanitätstasche (leuchtorange mit Eskulap-Symbol) am Rand der Straße stehend von einem Radfahrer beschimpft und bepöbelt wird Platz zu machen. Sowas geht echt gar nicht.
Auch das die Straße im Bereich des Thomäetor nicht gesperrt worden ist um Fußgängern einen sicheren Weg zu geben entzieht sich meinem Verständnis.
Fahrräder UND Autos gehören nicht in eine Gräfte wenn dort eine Veranstaltung läuft.
Von der Verkehrssicherheitseite muss beim nächsten Mal auf jeden Fall etwas getan werden.

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Eintrag #6 vom 27. Aug. 2009 08:23 Uhr Peter Dietl  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Peter Dietl eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht positives Fazit

Zuallererst angemerkt, daß die bislang vorgebrachte Kritik absolut richtig ist. Für uns aus dem Süden Deutschlands von immediati regni ist trotz relativ langer Anfahrt (über 600km) mit der Erkenntnis, daß Hessens Autobahnen scheinbar erst gebaut werden, jedoch trotz der vorgefallenen negativen Dinge ein letztendlich sehr positives Fazit zu ziehen, Vieleicht auch bedingt durch die Lage innerhalb tohopesate mit deutlich kürzeren Wegen und der sehr geringen “Riddadichte” (die wurden offensichtlich in dem Militärlager aufgehalten und schafften es nicht mehr über die Straße…), war es für uns ein Wochenende zum Geniesen. Nette, äußerste hilfsbereite Leute, deren Ausstattung zum größten Teil (m.E.) sehr gut war, aufgeschlossene Soester, die so ganz anders waren als ich bislang von Publikum gewohnt war, interessiert, freundlich, geduldig, höfflich…Prädikat “sehr wertvoll”. Viel gesehen, manches gekauft, einiges Mitgenommen zum Verbessern oder Angleichen…ich hoffe nur, daß wir als Gruppe im Aufbau nicht zu sehr das Niveau gedrückt haben und nicht zu negativ aufgefallen sind.
Gut wäre es , wenn die Veranstaltung in 2Jahresmodus ablaufen könnte, bis dahin könnte man einiges ausräumen, und dann wir dsie richtig gut….

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Eintrag #5 vom 27. Aug. 2009 00:34 Uhr Andreas Pilz   Nachricht

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Wenn ich das so lese, hört sich das so an, als wäre alles ausser des SpäMi- Lagers stark verbesserungswürdig gewesen. Oder trügt mich da mein Eindruck?

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Eintrag #4 vom 26. Aug. 2009 17:51 Uhr Wolfgang Ritter  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Wolfgang Ritter eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Dito.....

was Jens und Alex geschrieben haben, sowohl pro als auch contra.
Mit folgender Einschränkung: (Zitat) “Mancher „Gefallener“, der in schwerer Rüstung auf dem Boden des Schlachtfeldes lag, wünschte sich angesichts der Ankündigung, die letzte Strophe nochmalig zu intonieren, den wirklichen Tod.”
AUf keinen Fall. Aber: sollte ich - z.B. durchaus in zwei Jahren wieder - nochmal teilnehmen, kann Dietrich noch so sehr auf’s Einhalten des Drehbuchs drängen, bevor ich nochmal dieses beschissen geschriebene und mit dem Esprit abgestandenen Leitungswassers vorgetragene Lied erdulde, stürme ich die Stadt und fackel sie ab. Notfalls allein im Berserkermodus. Und mit dem Kopf des Barden auf der Stangenwaffe.

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Eintrag #3 vom 26. Aug. 2009 15:37 Uhr Alexander Klenner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Klenner eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Kurz (naja, fast)...

Was soll man da noch schreiben, die meisten wesentlichen Punkt sind angesprochen worden, dem meisten kann ich schlicht zustimmen.
Daher mein Fazit, mit nur wenig Ergänzungen:
Ich fand es insgesamt eine schöne Veranstaltung, der man die immense Vorarbeit vieler Leute angemerkt hat.
Ich würde auch gerne bei einer Wiederholung dabei sein, wenn diese auch nicht grade gleich nächstes Jahr sein sollte. Vorbild Landshut, alle vier Jahre, dafür richtig groß, wäre sicher besser als jedes Jahr und nur halbgar.
Hier wurde, trotz der sicherlich richtigen Kritikpunkte, eine Leistung hingelegt, die so in dieser Form eine Ausnahmeerscheinung ist.
Ich kenne kein weiteres Beispiel einer Varstaltung dieser Art, die von Null auf ein vergleichbares Ergebnis erreicht hätte. Selbst die positiven großen Vorbilder sind in der Regel langsamer gewachsen.
Nun gilt es, dieses Potential zielgerichtet in die Zukunft zu investieren.
Damit komme ich auch zu den zwei Punkten, die mich am meisten schmerzen, und die ich der Kritik ergänzen möchte:
- Wenn wir positiv von Motivation und Energie reden, dann ist es um so bedauerlicher, wenn man sieht, wie viel dieser Energie ziellos oder gar gegenläufig verschwendet wurde.
Etwas weniger Politikum, etwas mehr Agitation im Sinne der Sache, Konsequenz beim einhalten von Zusagen, das hätte aus der gleichen Menge investierter Energie noch weitaus mehr herausholen können.
- Geschichte vs. Folklore.
Ich möchte nun beileibe weder den strapazierten Bildungsauftrag bemühen, noch den Soestern ihr Recht auf Regionalpatriotismus absprechen, aber ich sehe mein Hobby eigentlich grade konträr zu den Klischeebildern über das Mittelalter. Daher bekomme ich deutliches Bauchweh, wenn eine Darbietung wie der Sturm erwachsene (!) Leute zu der Frage bringt “Gehören Sie zu den Guten oder zu den Bösen?”, und dies nicht nur vereinzelt.
Ich möchte nun keine genaue moralische Analyse der einzelnen Standpunkte der damaligen Beteiligten, aber ein plattes Böser Herrscher, armes geknechtetes Volk, strahlender selbstloser Held, das war es mit Sicherheit nicht. Ein Schaustück, das dies aber so vermittelt, das passt vielleicht als Braveheart in die Kinos, hier finde ich es fehl am Platz.
Vor allem vor dem Hintergrund, daß es ja ein gesondertes Theaterstück, das sich - trotz sehenswerter Ausrüstung - explizit auf die unterhaltsame Seite stürzen kann, gibt.
Zuletzt bleibt auch mir nur noch, Danke zu sagen.
Danke denen, die immer vorne dabei waren, wenn es etwas zu tun oder zu organisieren gab, aber auch der Unzahl von Helfern, wenn es grade “mal schnell” darum ging, etwa Bierfässer, Holz oder Werkzeug zu transportieren, Dinge zu reparieren oder sonstwas. Nie stieß man auf taube Ohren, immer war irgendjemand da, der half.

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Eintrag #2 vom 26. Aug. 2009 14:43 Uhr Jens (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Jens eine Nachricht zu schreiben.

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Die Nachstellung der Soester Fehde war eine rundum schöne Veranstaltung. Abwechslungsreich, für die Darsteller nicht zu stressig, und mit vielen schönen Momenten.
Hierfür möchte ich gleich zu Anfang der Orga auf Seiten der Darsteller, bzw. des Reichsaufgebotes, insbesondere aber nicht nur von Anno 1476 danken, den fleissigen Steineattrappenbastlern, Dietrich, der x-mal vorher vor Ort war und einen waren Klärungsmarathon hingelegt hat, Laura, die vor Ort trotz der Widrigkeiten immer freundlich war, natürlich auch Andrej, der sich angestrengt hat, viele Hinweise zur Qualitätssteigerung einzubringen, aber auch viele, viele andere.
Natürlich aber auch denen auf Seiten der Soester Bevölkerung, die uns unterstützt haben, unter anderem Dirk Hülsemann, der viel Vermittlung geleistet hat, aber auch den vielen freiwilligen Helfern.
Die Veranstaltung fing für viele des Vorrauskommandos bereits eine Woche vorher an, wir waren ab Mittwoch abend vor Ort. Die Gräfte, ein Graben zwischen der eigentlichen Stadtmauer, die sehr gut erhalten ist, und einer Vormauer, war trotz der teilweisen Hanglage ein atmosphärischer Lagerplatz, und die Lager zogen sich einen Kilometer um die Stadt, was sich im Abschluss der Veranstaltung mit platten Füssen bemerkbar machte. Bedauerlicherweise fehlten ettliche Darsteller, was sich in einigen Lücken bemerkbar machte.
Die Sanitären Anlagen waren trotz anfänglicher Schwierigkeiten als gut zu bewerten, es gab mehrere Toilettenwägen, die auch gereinigt wurden, wie auch Duschmöglichkeiten in einem Duschcontainer, Schule etc.
Die Versorgung mit Lebensmitteln klappte durch zentrale Verteilung und Ausgabe über gemeinsame Küchen trotz einiger Problem doch recht gut.
Am Freitag fanden die ersten Proben, sowie abends die Generalaufführung des Stückes „Sturm auf die Stadt“ statt, auf das ich im folgenden näher eingehen möchte.
Gleich vorweg: es hat viel Spaß gemacht, mit jeder Aufführung mehr. Es nötigte den Beteiligten aber eine dicke Portion Geduld ab. Das began zunächst einmal mit dem Sprecher, der sich wirklich redlich Mühe gab, aber dabei manches Mal arg übers Ziel hinausschoss, und die Einführung grell überzeichnete. Weiterhin war die Hinergrundmusik- von einer Mitdarstellerin als Hintergrundmusik des Computerspiels „Anno 1603“ erkannt- zu Beginn noch einigermaßen dramatisch, driftete dann aber in nervenzerrendes Gedudel ab, des Anlasses unwürdig. Die nächsten Kröten äusserten sich in Form ettlicher hundsmiserabel ausgestatteter Darsteller, die trotz anderslauternder Beteuerungen vor der Veranstaltung auf Seiten der Soester dennoch- wohl aus politischen Gründen- eingesetzt wurden, und einen abscheulichen Schaukampf ablieferten. Die auch von Zuschauern kritisierten Längen des Stückes waren aus Sicht der ohnehin häufig wartenden Darsteller noch erträglich, nicht aber die teils wirklich dumpfsinnigen Dialoge beispielsweise der beiden „Stadtwachen“, die in ihrer Form, wie ein Mitdarsteller anmerkte, an Dick und Doof erinnerten. Gekrönt wurde das ganze neben absolut überflüssigen und schlecht gesprochenen Einspielern („wir brauchen was zu fressen“) schliesslich durch den absolut unsäglichen Sänger, der die Nerven der Darsteller nicht nur zu Beginn der Prozession, sondern leider vor allem zum Schluss mit grauenhaftem Marktgeleiere nervte. Mancher „Gefallener“, der in schwerer Rüstung auf dem Boden des Schlachtfeldes lag, wünschte sich angesichts der Ankündigung, die letzte Strophe nochmalig zu intonieren, den wirklichen Tod.
An dem eigentlichen Gefecht mit einigen zwischen Darstellern abgesprochenen Sequenzen nahmen erfreulicherweise mit jeder Aufführung mehr Darsteller teil, und insgesamt war der Verlauf durch den Einsatz von Sturmleitern, mehreren Blöcken, Steinattrappen, Schützen, Kanonen und einem Belagerungsgerät mit Rammbock („Katze“) kurzweilig.
Insgesamt schien das Publikum aber begeistert gewesen zu sein, was sicherlich auch durch den letztgenannten Umstand gefördert war, trotz der Längen im Stück.
Der Samstägliche Umzug in brennender Sonne verlief im wesentlichen ohne nennenswerte Besonderheiten, sieht man mal davon ab, dass sich die Stadt auch hier wieder nicht an ihre- sogar noch auf der Webseite zu lesenden- großartigen Ankündigungen hielt, und prompt unhistorisch gekleidete verschiedenster Kategorien mitmachten, allen voran zwei Damen im Rahmen einer Spielgruppe, die vor dem durchmarschierenden Heer von 300 spätmittelalterlichen Darstellern in gruseligen Leibchenkleidern pseudofehnhaft herumtanzten, und damit nicht nur gehörig an den Nerven der vorderen Reihen der Darsteller feilten, sondern auch einen hohen Grad an Respektlosigkeit vor dem Hobby dieser bewiesen. Positiv war auch hier die begeisterte Reaktion des Publikums, die den Durchmarsch des Heeres mit spontanem Applaus bedachte.
Die Darstellung der aus aller Welt angereisten Hobbyisten innerhalb der Gräfte war teils sehr gut. Im Anschluss an das langgezogene Militärlager zeigten Darsteller, die sich in dem Verbund „vruntlike tohopesate“ organisiert hatten, Handwerk des Zeitrahmens in einer nachgestellten Straßenführung von Soest, dokumentiert mit Hinweisschildern, die einen Bezug zur deren Lage und Bedeutung in der Stadt im dargestellten Zeitrahmen herstellten. Die Darstellung war vielfältig, und ettliche Händler, insbesondere aus Osteuropa, luden auch Darsteller vor Ort, aber auch angereiste Hobbyisten zum häufigen Einkaufsbummel ein. Ein Umstand, der, wie ich finde, durchaus eine gute Idee war, da sich hier auch teils die Soester Bevölkerung eindecken konnte.
Diese wiederum zeigte sich unauffällig. Was gleichzeitig erstaunlich wie Kompliment ist, denn teilweise waren Bürger der Stadt, die sich im Vorfeld mit Hilfe der Kleiderschneiderei in Soest, die wiederum von Darstellern mit Informationen versorgt wurde, mit Kleidung eingedeckt hatten, wenig bis gar nicht von Darstellern des Reichsaufgebotes und der „vruntlike tohopesate“ unterscheidbar, so gut umgesetzt war diese. An dieser Stelle ein hohes Maß an Respekt an diese Personen. Auch wenn man kaum diese im Detail betrachten konnte, und gerade bei den Männern sich die Umsetzung auf eine oberflächliche Optik, sowie Material und äußere Details beschränkte (kein Wams, sondern eine zur Tunnelzughose umgebaute spätmittelalterliche Strumpfhose), war der äußere Eindruck bemerkenswert.
Das Militärlager selbst bot keine wesentlichen Überraschungen, die Qualität der Darsteller schwankte von sehr gut bis gerade so erträglich., war in seiner Größe jedoch beeindruckend.
Anschliessen möchte ich eine Liste an positiven Aspekten, wie Kritikpunkten und Hinweisen zur Verbesserung, die teilweise auch bereits im Text aufgegriffen wurden.
Positiv
• Die Organisation auf Seiten des Reichsaufgebotes war teilweise wirklich hervorragend. Man kümmerte sich, und trotz des erheblichen Stresses liess man sich wenig davon anmerken. Respekt.
• Ich kann gar nicht genug betonen, wie sehr insbesondere Dietrichs Geduld mit vielen Missständen mir Respekt abfordert. Ich hoffe, alle Darsteller wissen, was sie an jemanden haben, der gleichzeitig so viel Arbeit in die Darstellung eines Feldhauptmannes investiert, Veranstaltungen organisiert, und alle Widrigkeiten mit einem Lächeln quittiert.
• Viele Soester haben sich wirklich sichtlich Mühe mit ihrer Kleidung gegeben
• Insbesondere einige Darstellergruppen aus Schweden, Polen und Holland vielen mit ihrer Motivation und Durchhaltevermögen auf, selbst bei heißestem Wetter nicht auf schwere Rüstung zu verzichten, und immer pünktlich zur Stelle zu sein
• Die Darstellung der „vruntlike tohopesate“ war eine schöne Ergänzung zum Militärlager
• Die Essensversorgung liess in der Menge keine Wünsche offen
• Die ganze Veranstaltung über gab es eine Versorgung mit kühlem kostenlosen Bier (natürlich keine großflächige Ausgabe vor der Schlachtdarstellung). Und es war kein Warsteiner ;)
• Die Tavernencrew hat wirklich tolle Arbeit geleistet, und eine Darstellertaverne aus dem Nichts gezaubert, und geduldig bis spät in die Nacht ausgeschenkt. Dank dafür!
• Die Soester haben sich viel Mühe gegeben, die unvermeidlichen Fressbuden optisch anzupassen. Die Sitzmöbel an der „Besuchertaverne“ waren erstaunlich.
• Der Zeitplan war gut einzuhalten (auch wenn es dennoch nicht immer klappte), es kam kein Stress auf, es gab genug Pausen und Zeit, sich z.B. das Angebot der Stände anzusehen
• Die Darstellung der anwesenden Reiter war hervorragend, großer Lob für das teilweise sehr gut umgesetzte Zaum-und Sattelzeug. Zusätzlich wurden Karren u.ä: aufgeboten, die noch viel mehr Leben ins Lager brachten.
Verbesserungspotential
• Das Theaterstück „Sturm auf die Stadt“ war stellenweise zu langatmig, die Dialoge hölzern bis unfreiwillig komisch, der Sprecher übertrieb grob, die Schauspieler wirkten wie Marionetten. Die Musik war grauenerregend, sowohl die im Hintergrund, als auch die „Live“ gespielte. Insbesondere zum Schluss liessen sich mehr und mehr Marktelemente („Jubel“) beobachten, und es wurden entgegen der Versprechungen der Soester doch falsch gekleidete Personen eingebunden.
• Die Stadt Soest bzw. die Verantwortlichen haben schlicht ettliche Versprechen nicht eingehalten. Das fängt mit der Teilnahme am Umzug an, bei dem angeblich nur passend gekleidete Darsteller hätten mitlaufen sollen, geht mit einigen Punkten der Versorgung (Rosinenbrötchen am So: es waren 3(!) für 60 Leute, kalte Hähnchenschlegel anstatt halbe Hähnchen etc.). Nun ist es nicht so, dass wir verhungert wären, wirklich nicht. Aber entweder man verspricht etwas, dann muss man es auch halten, oder man lässt es. Sonst macht man sich lächerlich. Und für 300 Darsteller Rosinenbrötchen hätte die Stadt sicher nicht ruiniert…. Schwerer wiegen aber solche Dinge, wie etwa die Einbindung der miserable gekleideten Leute der Partnerstadt.
• Das Lager der Partnerstadt „Riddar van der Insel“ (oder so) in der Gräfte, dass sich gottlob in einigem Abstand zum Reichsaufgebotslager befand. Ich habe schon _wirklich_ viel gesehen, aber was man dort sah, war fast unbeschreiblich. An einem Punkt stand eine moderne Theke mit Waschbecken und Zapfanlage, darum waren Strohballen gruppiert- im Lager! Die Darsteller eigneten sich zwar vor dem Publikum prima als „wie ist es falsch“ Beispiel, nur Besucher, die aus der Richtung des Lagers kamen, musste man erstmal alle die Klischees, die sie dort erfuren („Kettenhemd mit 26kg“) austreiben. Schlimm. Einfach schlimm.
• Die unklare Definition der Grenzen. In der Stadt fand der übliche Mittelaltermarkt statt. Soweit, so fern. Leider marschierten nicht nur Leute von dort beim Umzug mit, sondern kamen sowohl nicht umhin, doch das Bild im Militärlager zu verfälschen, als sie auch von der Presse gerne mit dem Lager in der Gräfte zusammen in einen Topf geworfen wurden, und als Beispiel für „15tes Jahrhundert“ genommen wurden. Das geht nicht. Man gibt sich nicht Mühe, den Leuten ein Bild der Zeit zu vermitteln, nur damit dann Leute, denen das offenkundig wurst ist, wie es wirklich war, auf der Titelseite mit Überschrift „so sahen sie im 15ten Jahrhundert aus“ erscheinen.
• Die Gräfte war nicht gesperrt. Ergo liefen Jogger, Radfahrer etc. weiterhin fröhlich quer durchs Lager, und pochten teils mit lautstarkem Geklingele auf ihr Recht. Selbst wenn gerade ein komplettes spätmittelalterliches Heer auf sie zulief. Zuschauer- na klar. Jogger und Radfahrer- nein.
• Die Orga hatte teils nichts besseres zu tun, als 20m mit Auto mitten ins Lager zu fahren- warum? Keine Ahnung.
• Die Security war erst sehr spät vor Ort, und war Sonntags weg, was zur Folge hatte, dass Darsteller, die zum Vorrauskommando gehörten, oder noch länger blieben, ständig Sorge um ihre Zelte haben durften. Insbesondere, weil irgendein Irrer bei Darstellern in der Gräfte Stunk machte, und scheinbar in Irrglauben, alle gehörten zusammen, in der Stadt ein Zelt anzündete. Neben dem in einem anderen Kinder schliefen.
• Bei dem Aufbau der Taverne bzw. der Anlieferung der Zapfanlage herrschte Chaos, so dass die Taverne erst am Donnerstag ihren Betrieb aufnehmen konnte. Ein Toilettenwagen wurde erst gar nicht angeschlossen, später das Abwasser schlicht auf ein Gulligitter geleitet, was natürlich unbeschreibbare Zustände hervorgerufen hätte, wenn es nicht durch mehrmaliges Nachhaken (wieder Dank an die Geduld der Orga) korregiert worden wäre. Diese beiden Fälle sollen als Beispiel für teils wirklich durch bloßes Nachdenken vermeidbare Fälle seitens der Soester Orga dienen. Muss nicht sein.
• Auch auf Seiten des Reichsaufgebotes gibt es Kritikpunkte: es ist klar, dass ob der notwendigen Masse Abstriche gemacht werden mussten, aber bei vielen Gruppen herrscht immer noch der Stand der Umsetzung von vor 10 Jahren. Labrige Wämser, schlecht sitzende Hosen. Schecken werden selten getragen. Unpassende Keramik, völlig falsches Glas. Hierbei mein Aufruf, endlich mal etwas mehr Verve in die Sache zu bringen. Das Spätmittelalter ist die Zeit mit der besten Quelllage, nutzt sie!
• Die Disziplin: trotz einiger positiver Beispiele kann es nicht sein, wenn zum Zeitpunkt, als der Aufmarsch zum Umzug schon seit 10 min hätte beginnen müssen, noch viel in ihren Lagern sitzen, und einige zu diskutieren anfangen, ob man denn danach (2h und mehr!) noch Zeit hätte, die Kanonen für die Sturmvorführung aufzubauen. Entweder man stellt Militär dar, dann muss man auch mal seinen Hintern bewegen, oder man sollte gemütlich im Stand werkeln (was das keineswegs abwerten soll). Aber alle, auch die motivierten und pünktlichen Truppen durch miserables Timing lächerlich zu machen ist einfach daneben. Also reisst euch mal am Riemen!
• Die teils hervorragend ausgerüsteten Reiterdarsteller des Reichsaufgebotes konnten im Theaterstück kaum wirklich eingesetzt werden, weil dies diese nicht berücksichtigte. Wer kein Pferd hat, kann sich nicht vorstellen, welch ein Akt es ist, solche vor Ort zu bringen, inklusive passender Ausrüstung. Wenn also schon die Chance besteht, dass solche die Gesamtdarstellung bereichern, sollte man das auch unterstützen, und nutzen.
• Das Lager war zu gestreckt, teilweise mussten Lager, die 500m voneinander entfernt waren, gemeinsam die gleiche Küche nutzen. Sowas kann passieren, muss aber nicht.
• Mehr Disziplin bei der Anmeldung (Darsteller). Wenn ihr nicht wirklich schwerwiegende Gründe habt, dann kommt auch. Es verlassen sich Mitmenschen auf euch. Und wenn ihr aufgefordert werdet, einen Anmeldebogen zurückzuschicken, dann macht das nicht erst 2 Tage vor der VA. Die Orga hätte viel mehr Sinn für wichtige Dinge, wenn sich einige Leute mal auch hier am Riemen reißen würden.
Konkrete Vorschläge für eine potentielle Widerholung
• Theaterstück überarbeiten: ernstere Dialoge, Darsteller mit mehr Übung einsetzen. Bessere Musik. Besseres Timing. Abstimmung mit der tatsächliche Situation (Andrej erwähnte die Diskrepanz zwischen Dialog: „Pfeilen“ und Realität: Büchsenbeschuss). Alle Middelaldermarktelemente streichen. Erzähler etwas bremsen. Nur Leute mit guter Kleidung einsetzen. Kurz: einfach ein besseres Stück schreiben. Wenn der Bürgermeister der Stadt (übrigens auch der reale Bürgermeister; natürlich erwarte ich von diesem keine tollen Schauspielerqualitäten, aber etwas mehr hätte es schon sein können) im schrecklichen Pseudogambeson, flankiert von den Wachen Marke „Stanley und Laurel“ intoniert „wir geben unsere Stadt nicht kampflos auf“, dann stelle ich mir vor, was man da alles daraus hätte machen können…
• Orga straffen und besser koordinieren
• Nichts versprechen, was man nicht hält
• Gräfte für Radfahrer und Jogger Sperren. Keine nächtliche Spaziergänge mit Hund, wenn da Leute schlafen, die sich fragen müssen, ob gleich der Hund an ihr Zelt pinkelt (was tagsüber desöfteren verhindert werden muss), oder schlimmer, man aufwacht, und einen frischen Hudnehaufen vorm Zelt findet Bzw. einfach bessere Security
Abschließend möchte ich noch mal betonen: trotz aller Kritikpunkte hat es Spaß gemacht, und war eine sehre gelungene Veranstaltung. Ob diese sich wiederholt, hängt wohl nicht nur von der Stadt ab, sondern auch von deren Willen, das nächste Mal ihre Versprechen den Darstellern gegenüber einzuhalten, die teils 2000km fahren, und immense eigene Kosten haben, nur um einer Kleinstadt in Deutschland eine schöne Veranstaltung zu bereiten. Und davon, ob einige Darsteller mal sich Gedanken machen, ob sie nicht die Orga dahingehend unterstützen wollen, etwas mehr Disziplin zu zeigen, damit diese sich auf die wesentlichen Dinge konzentrieren kann, und nach der VA noch Nerven für eine Widerholung hat.
Btw.:
Wäre schön, wenn sich hier möglichst viele melden täten. Ich würde das auch gern zum Anlass nehmen, darüber nachzudenken, ob man ein Reichsaufgebots-Forum machen sollte. Wenn ihr eine Meinung dazu habt, gebt mir Bescheid.

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Eintrag #1 vom 26. Aug. 2009 10:25 Uhr Andrej Pfeiffer-Perkuhn  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Andrej Pfeiffer-Perkuhn eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Soester Fehde 2009

Vom 21. bis 23. August 2009 wurde in Soest im Rahmen der Veranstaltungen zur Soester Fehde die Stadtmauern berannt und ein Heerlager mit Handwerkermarkt abgehalten. Unter Federführung des Reichsaufgebotes kamen Gruppen aus halb Europa zusammen, insgesamt über 300 Leute, die in den alten Wehranlagen der Stadt -der Gräfte- ein über einen km langes Lager belebten. Der Markt wurde von der Vruntlike Tohopesate organisiert und übertraf das übliche Angebot “mittelalterlicher Märkte” qualitativ bei weitem.
Täglich wurde an einem eigens abgesperrten Mauerabschnitt die Belagerung vorgeführt, mit Pyrotechnik, 7 Geschützen, Leitern, Belagerungsgerät und sicher 200 Bewaffneten. Hier gab es zwar einige Ärgernisse durch die Soester Organisation wie völlig unpassend gekleidete Reiter die zudem teilweise ihre Pferde nicht recht zu beherrschen schienen. Dennoch waren die Teilnehmer und Zuschauer mit denen ich gesprochen habe sehr angetan.
Auch im Lager gab es Dinge die schlicht ärgerlich waren wie die Unmenge gewandeter Besucher die völlig unkontrolliert durchs Gelände stapften und Soester Organisatoren die der Meinung waren mit ihrem Auto die schmalen Wege in der Gräfte befahren zu müssen.
Das Niveau der Kleidung und Ausrüstung war generell hoch, einige Außreißer gab es natürlich, bei der Größe schwer zu vermeiden aber in Zukunft sicher noch ausbaufähig. Ich bin jedenfalls von meinem ersten wirklichen Reenactment begeistert und freue mich auf künftige vergleichbare Veranstaltungen.
Videos, Bilder und Presseberichte werden hier gesammelt: www.reichsaufgebot.de/soest/pressespiegel/?[…]
Vielen Dank an alle Beteiligten und vor allem die Organisatoren.
Andrej Pfeiffer-Perkuhn

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