- fatimidischer (ägyptischer) Bergkristall in Byzanz
- byzantinische Schnallen vom Kecel-Typ in China
- Kettenhemden von Kreuzfahrern in syrischem Besitz
- Beschläge im Stil jener aus dem Minussinser Becken in altungarischen Gräbern
- Steigbügel von Awaren nach Westeuropa gebracht
- Kupferverarbeitung von Nordiran aus in Osteuropa eingeführt
- Zinn (wichtiger Artikel für den Sprung von der Kupfer- zur Bronzezeit) entweder aus dem Kaukasus oder aus dem Altai-Gebirge nach Westsibirien exportiert
- chinesische Seide bei den Alttürken
- Walhaut aus dem indischen Ozean in Ungarn und dem Kaukasus
- iranische Schwertform mit Fingerrasten im Kaukasus
Benutzten Krieger (nicht unbedingt Ritter) auf den Kreuzzügen auch Waffen und Rüstungen ihrer Feinde? Kamen Sarazenische, Mameluckische, ägyptische etc. Waffen und Rüstungen auch in den Europäischen Raum?
In mehreren Büchern fand ich die beiläufige Erwähnung, das die schlecht ausgerüsteten Kreuzzugsteilnehmer Waffen und Rüstung der Getöteten an sich nahmen. Ob das die Waffen der Toten aus den eigenen Reihen waren oder Ausrüstung der Feide vermochte ich nicht exakt zu klären. Die Praxis, den Toten des Feindes Brauchbares abznehmen gab es in allen Kriegen zu jeder Zeit. Auch bei den Kreuzzügen war das wohl nicht Ehrenrührig, da die Gegner zwar Heiden waren, jedoch durchaus als edle, ritterliche Kämpfer angesehen wurden (z.B. Saladin). Des weiteren ist es naheliegend, das ein Kämpfer lieber eine Sarazenenwaffe führt als garkeine, desgleichen dürfte für Rüstungen gelten. Auch die teils schwierige Versorgung der Kreuzritterheere mit Nachschub lässt das warscheinlich erscheinen. Da auch in zeitgenössischen Quellen mit ERstaunen erwähnt wird, daß sich die Kreuzritter in outremer wie die Einheimischen kleiden, wären auch die ßbernahme der (wie die Eroberer leidvoll feststellen mussten) recht wirkungsvollen Waffen der Muslime denkbar.
Gerieten vielleicht sarazenische Waffen und Rüstungen als Souvenir oder Kuriosum in den europäischen Bereich? Gibts da Funde?
Um gleich wieder Diskussionen vorzubeugen: Das ist eine geschichtliche Fragestellung, die nix mit der Darstellung auf Märkten zu tun hat.
Die Münzen des mercischen (grob: heutige Midlands)Königs Offa (+796)wurden auf dem Kontinent “nachgeahmt”. So gibt es eine Münze aus Lucca, die denen Offas aufs Haar gleicht. Die Handelsbeziehungen lassen sich durch Münzfunde von Italien über Norwegen bis nach Rußland belegen. Eine Nachprägung trägt neben dem Namen “OFFA” sogar arabische Schriftzeichen!
Auch Chroniken legten Reiseberichte nieder. So finden sich Beschreibung von Fauna, Flora und Geographie Finnlands im Reisebericht von Ohtere, niedergeschrieben am angelsächsischen Königshof.
Im gesamten fränkischen Siedlungsgebiet finden sich Spuren ausgedehnter Handelsbeziehungen und regen kulturellen Austauschs über ganz Europa.
ßhnliche Dekorstile auf Schmuckaccessoirs (Fibeln, Gürtelbeschläge, etc.) finden sich ziemlich “zeitgleich” von Skandinavien bis Byzanz, von den Asiatischen Steppen bis zum fränkischen Stammland. Grabbeigaben im heutigen Deutschland weisen Importgüter aus dem Mittelmeerraum auf.
Die Paläobotanik fand nördlich der Alpen Lebensmittelimporte aus dem Mittelmeerraum: Mandeln, Datteln, Feigen, Pistazien, Reis, Kichererbsen, Koriander, Kümmel, Oliven(öl).
Grundlegende Quellen mit Angaben der weiterführenden Literatur:
Gemeinhin nimmt man das Ende des Mittelalters, und damit auch des Spätmittelalters um 1500 an, die (in Deutschland!) darauf folgende Epoche der Renaissance rechnet man normalerweise der Neuzeit zu!
Christoph Columbus entdeckt 1492 die Insel Guanahani , aber noch nicht den Kontinent, 1494 Teilt der Papst die westliche Welt in zwei Teile, je einen für Spanien und Portugal von der aber zu der Zeit noch niemand weiß was sich dort befindet, erst so um das Jahr 1500 herum dürfte der erste Europäer die Gebiete in denen die Kartoffel vorkam vorgedrungen sein, für den Tabak gilt ßhnliches.
Bis nun die ersten Entdecker Kartoffeln und Tabak nach Europa brachten, dürfte wohl noch einige Zeit vergangen sein….. und das war dann schon in der Neuzeit, und nicht mehr im Mittelalter. Ganz zu schweigen davon, wann sich diese Entdeckungen in Europa verbreiteten. Das mit der Kartoffel jedenfalls verdanken wir dem (mittel-)alten Fritz! ;O)
Lasst euch die Pommes trotzdem schmecken, und schädigt eure Gesundheit möglichst nicht mit dem Konsum von Tabak!
Aber bitte denkt daran, BEIDES hat NICHTS mit Mittelalter zu tun und darum nichts in der Darstellung zu suchen (auch nicht im SMA)!
besonders zum Handel gibt es sehr viele und interessante Veröffentlichungen. Wie schon erwähnt: die meißten Ausstellungkataloge (Die Franken, 799 Paderborn etc.) gehen auf dies Thema ausführlich ein.
Es gibt aus sehr viel spezeillere Quellen, die Literaturangaben lassen sich den eher allgemein gehaltenen Ausstellungskatalogen meißt entnehmen.
Was mir eben im Regal in die Hände gefallen ist als Tip:
Herbert Jankuhn, Die Ausgrabungen in Haithabu und ihre Bedeutung für die Handelsgeschichte des frühen Mittelalters
Arbeitsgemeinschaft f. Forschung des Landes NRW Heft 59
Da wir uns im Projekt Folgari speziell mit dem Ostseehandel um 1000 befassen, kann ich gern per Mail weitere Literaturangaben schicken oder versuchen bei besonderen Fragen zu helfen, aber für nur FMA….. ;-))
Es geht hier definitiv nicht darum Ausreden für irgendwelche Sammelsurien zu finden, sondern nur darum rauszufinden wie sich Handelsbeziehungen und ähnliches kulturell ausgewirkt haben.
Beispiel: Wir wissen, das Kartoffeln und Tabak im SMA nach Europa kamen. Wie war die Reaktion in Europa darauf? Wie entwickelte sich der Handel und der Anbau dann weiter… Bringt zwar für mich als Hochmittelalterdarsteller nix, ist aber trotzdem interessant. Ausserdem- man kann doch auch einfach mal aus historischem Interesse recherchieren ohne daß das in die Darstellung einfließt, oder?
In Haithabu wurde zwar viel gefunden, aber definitiv keine Buddha Statue. Die wurde auf der Insel Helgö (vor Stockholm) gefunden. Die Statue ist im 5. Jhr. entstanden und nach einer reise von mehr als 7500 Km in den Besitz eines Wikingers geraten. Was aber kein Beweis dafür ist, das die Wikinger in Indien waren.
um nur fürs 12./13. Jhdt. zu sprechen, war -bei aller Regionalität- die damalige Handelswelt eben eine ganze Welt. Bei Betrachtung der Fundstücke hatte zumindest der Mittelstand und Adel kein Problem, Mittelalter-Weltweit hergestellte Waren einzukaufen.
Vom Zimt über sizilische Seide, Baumwolle aus dem Nahen Osten, Schnitzereien und mechanische “Spielzeuge” aus Italien und dem Orient, Weine aus Spanien, Italien und Frankreich, Rohstoffe aus allen Ecken…es gab fast nichts, mit dem nicht gehandelt wurde.
Ein Blick in die Ausstellungskataloge eröffnet ein unglaublich vielfältiges Bild, das mit der Scheuklappensicht so mancher nicht vereinbar ist.
Aber auch aus unserem Land wurde massiv exportiert. So angefangen bei Waffen aus dem rheinischen Raum…oder, was Christoph unten genannt hat.
Auch ist die grosse Bewegung durch Pilgerfahrten und Kriegszüge nicht zu unterschätzen.
Auf dem Weg nach Santjago kauft man sich halt neue Latschen unterwegs, oder Klamotten, Andenken usw.
Konkreter waren auch Truppenkontingente teilweise jahrelang in anderen Ländern stationiert, so waren z.B. im Reich Friedrichs II. deutsche Truppen über lange Zeiträume in Italien stationiert. Oder die Belgier in England…die Provencalen in Nordfrankreich…die Spanier und Franzosen in Italien…und…und…Da vermischte sich schon manches.
All das ist aber kein Argument, buntgescheckt rumzulaufen mit einem Sammelsurium aus allen Ecken. Das muss schon fundiert sein.
Der Deutsche Orden hatte das Bernsteinlegal, d.h. als einziger das Recht, Bernsteinhandel zu betreiben. Sogar der Erzbischof von Riga war gezwungen, den auf seinem Land gefundenen Bernstein an den Orden zu verkaufen. Der Orden hatte hier also eine Monopolstellung.
Der richtige Handel mit dem Bernstein wurde jedoch nicht in Preußen betrieben, sondern von den beauftragten Händlern des Ordens in Rotterdam. Von dort aus konnte er überall hinkommen.
Auch hatte der Orden noch drei andere Güter, mit denen stark Handel betrieben wurde:
Zunächst mal Holz, Holz und nochmal Holz. Das Ordensland hatte durch die großen Seen den Vorteil, das diese Ware auf dem Schiffahrtswege tief nach Polen und Livland gebracht werden konnte. Wachs und Bärenfang(Met) waren ebenfalls übliche Handelsgüter aus dem Ordensland. Die berühmten masurischen Teppische spielten zu unserer Zeit allerdings noch keine Rolle.
Da ich bisher keinen entsprechenden Thread gefunden hab, mach ich ihn selber auf: Hier soll es darum gehen, welche Erfindungen, Produkte, Land- und Viehwirtschaftlichen ERzeugnisse wann wohin kamen und wie sie sich ausbreiteten.
Es geht also um Fragen wie:
Wie entstand und verbreitete sich die metallurgischen Fähigkeiten im MA (Erz schmelzen, legieren, damaszieren).
Wann kamen welche Nutzpflanzen in den europäischen Raum und wie wurden sie von der Bevölkerung akzeptiert?
Was brachten die Kreuzfahrer aus outre mer zurück nach Europa? Bekannt ist, das sie mit den Einheimischen Handel trieben, ihre ßrzte konsultierten und sich (zumindest in outre mer) auch ähnlich wie die Einheimischen kleideten. Gab es auch auf anderen Gebieten (z.B. Waffen- und Rüsttechnik einen Austausch?
Hatte Byzanz kulturell Einfluß auf Europa?
Was brachten die Wikinger von ihren Reisen mit…?
Soweit ich weiß wurde in einer Wikinger Siedlung (ich meine, es wäre Haithabu gewesen) sogar eine Buddhastatue gefunden.
Alles in allem eigentlich spannend, wie sich die Welt durch Handelsbetiehungen entwickelt hat, daher hoffe ich auf rege Mithilfe.