Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Städtische Kleidung im MA

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Eintrag #1 vom 14. Sep. 2001 13:48 Uhr Andreas Gellhaus  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Andreas Gellhaus eine Nachricht zu schreiben.

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Moin
Abgesehen von Rittern, Burgfräuleins und Mägden gab es im 13. Jahrhundert schon ein blühendes Städtewesen. Die Kölner Hanse zum Beispiel stand in Ihrer absoluten Blüte.
Mich interessiert nun, wie unterschieden sich diese Leute in Ihrer Kleidung vom Rest der Mittelalterlichen Gesellschaft.
Was trugen wohlhabende Kaufleute, vermutlich versuchten sie ihre Kleidung dem Adel anzugleichen oder ihn sogar zu übertreffen.
Was durften sie an Kleidung benutzen, gab es irgendwelche Verbote?
Kann man Händler auf Bildern irgendwie erkennen wie die Juden an ihrem Hut?
Fragen über Fragen hoffentlich gibt es auch Antworten. Möglichst aber keine Vermutungen sondern Belege und Tipps.
Gott zum Gruße
Andreas

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Eintrag #2 vom 16. Sep. 2001 10:56 Uhr Heike Schlachter  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Heike Schlachter eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Andreas,
wow - Anspruchsvolles Thema und viele Fragen auf einmal. Dieses Thema beschäftigt mich auch schon seit langem und eine umfassende Antwort gibt es nicht, da es große zeitliche und regionale Unterschiede gibt.
Zum Thema Verbote kann man allerding mit etwas Glück eine alte Kleiderordnung erlangen, die es allerorts gab - vor allem im späten Mittelalter - um den Reichtum und Prunk der in den Städten zur Schau getragen wurde etwas zu reglementieren. Daher der Tipp - schau mal ob Du über die Stadt Deines Interesses (ich vermute mal Köln) eine Kleiderordnung ausfindig machen kannst.
In den Kleiderordnungen ist dann genaustens geregelt, was getragen werden darf und was nicht. Die Lübecker Kleiderordnung von 1454 regelt z.B. genau, was die Frauen - in Abhängigkeit des Einkommens des Ehemannes - an Schmuck und Pelzen tragen dürfen. Außerdem sind die Geldstrafen angegeben die bei ßbertretung fällig sind. z.B. “Weiterhin, welche Frau oder junge Frau, die man unterhalb 500 Mark lübsch mitgibt, und der Mann nicht so reich ist, daß sie 1000 Mark lübsch zusammen brächten oder jetzt zur Zeit nicht haben, die Frau darf weder Hermelin noch graues Eichhörnchen tragen und all ihr Metallschmuck, Perlenwerk, Schmuckstücke und fünfziger Korallen-Rosenkranz darf nicht teurer sein als 60 Mark ohne Arglist, aber eine Brosche und Fingerringe darf sie tragen wie es üblich ist. Bei ßbertretung 10 Mark Silber.” (ßbersetzungfehler nicht ausgeschlossen)
Auffallend ist, das der Reichtum vor allem über die Kleidung und Schmuck der Frau gezeigt wurde, und in Folge dessen auch diese Zur-Schaustellung reglementiert wurde.
In Lübeck selbst gab es zwar keinen Adel, aber auch hier wurden bestimmte extravagante Besatzformen der italienisch-burgundischen Adelsmode kopiert. (Textilfunde aus dem 15. Jhd. in Lübeck).
Die Reichsten der Stadt waren die Kaufleute und das stellten sie auch zur Schau. Die Unterschiede zwischen den reichsten Fernhandelskaufleuten und den weniger wohlhabenden Hökerern kam dann in der Kleidung sehr wohl zum Ausdruck. Im Schnitt der Kleidung der Kaufleute gab es - zumindest in Lübeck - keine Unterschiede - allein am verwendeten Material konnte man die Standeszugehörigkeit ablesen.
Das Buch “ Der Lübecker Kaufmann - Aspekte seiner Lebens- und Arbeitswelt vom Mittelalter bis ins 19. Jhd.” sagt hierzu auch:
“Den Angehörigen der Geschlechterfamilien, sofern sie nicht im Rat saßen, waren seidene Mäntel und Obergewänder gestattet, die mit Marderfell und Samt gefüttert und besetzt sein durften; die übrige Kleidung drufte aus allen Arten an Samt, Atlas, Seide und Wolle gefertigt sein. Sie unterscheiden sich damit nur geringfügig von den Angehörigen des nächstunteren Standes, den Mitgliederns der Kaufleutekompanie, die mit Marder gefütterten und besetzen Gewänder lediglich an Sonn- und Feiertage anlegen durften.(…)Für Mäntel und Obergewänder stand den geringeren Kaufleuten kein Seidenstoff und auch kein Marderfell mehr zu, und der teure Samt war nur noch in kleinen Mengen als Besatz zugelassen; Wams und Hosen durften allerdings aus preisgünstigen Seidenstoffen sein wie dem kurzflorigen Tripp oder dem dünnen billigen Florett. Den standesgemäß geringsten Kaufleuten, den Hökern, war dann der Gebrauch von Seidenstoff überhaupt nur noch für die ßrmel am Wams erlaubt. ”
Soweit zu der Kleidung derer, die durch die Stadtluft tatsächlich frei wurden. Diese Reichen stellen aber nur einen Teil der Bevölkerung einer mittelalterlichen Stadt - der weitausgrößere Teil vermutlich konnte es sich gar nicht leisten Samt und Marderfelle zu tragen sondern waren eher danach aus, den Lebensunterhalt für den nächsten Tag zu erwirtschaften.
Ich hoffe dies hilft Dir in der Beantwortung Deiner Fragen etwas weiter.
Gruß, Anneke von Lubeca

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Eintrag #3 vom 17. Sep. 2001 09:47 Uhr Andreas Gellhaus  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Andreas Gellhaus eine Nachricht zu schreiben.

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Moin Heike
Erst mal Danke.
Bei der Menge von Einträgen, ist es scheinbar wirklich schwierig an Informationen zu kommen.
Also mich persönlich interessiert tatsächlich die frühe Blüte der Köllner Hanse so um 1200-1250.
Dabei möchte ich den Thread aber nicht auf diese Zeit beschränken.
Also Interessant ist:
Gibt es Künstlerische Abbildungen in Form von Buchmalereien, Steinmetzearbeiten, o.ä.?
Wo stehen noch Rathhäuser aus der Zeit?
Gibt es Abbildungen im Netz?
Hat es mal Ausstellungen zu dem Thema gegeben? (Museumskataloge sind meist Antiquarisch zu bekommen).
Eventuell kann ja die blechschwingende Abteilung auch was zum Thema beitragen.
Ab wann gab es Stadtwachen und wie waren Sie ausgerüstet? Ab welchem Stand musste ein Kaufmann wie viele Männer ausrüsten?
Das sind ja schon wieder so ein Haufen Fragen.
Langsam werd ich nervig.
Gott zum Gruße
Andreas

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