Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Sterblichkeit, Geburten, Lebenserwartung

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Eintrag #1 vom 23. Jun. 2004 22:16 Uhr Alexander Klenner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Klenner eine Nachricht zu schreiben.

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Ich zieh mal aus dem Damenunterwäschethread rüber, was besser hier reinpaßt.
Gruß, Ivain

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Eintrag #2 vom 17. Jun. 2004 07:03 Uhr C M   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Unterbekleidung der Frauen ???

Gekürzt aufs für diesne Thread wesentliche. (Ivain)
[…]
Ausserdem darf man meiner Meinung nach bei der Diskussion um “Notwendigkeit” der Unterwäsche bei Frauen an bestimmten Tagen auch nicht vergessen, dass a) die Lebenserwartung geringer war, sprich weniger Zeit im “gebärfähigen” Alter verbracht wurde, b) früher geheiratet wurde und Kinder bekommen wurden, c) Stillen und erneute Schwangerschaft die Regel auch verhindern und d) Sterblichkeit im Kindbett ebenfalls recht hoch war, also wie viele Frauen überhaupt eine lange Zykluszeit hatten ist fraglich. Für die paar Male, die es denn dann wirklich nötig war, hat man sich sicherlich irgendwie beholfen.
Aus dem 19ten Jahrhundert , gibt es z.B. gestrickte “Binden” in Norwegen (www.mum.org) Und es gibt ein französisches Gedicht, dass das “Stopfen mit Baumwolle” der betreffenden Region beschreibt (wenn auch in anderem Zusammenhang, (Garin “Le Chevalier Qui Fist Parler les Cons”)
Wie auch immer, da es ausser diesen “fragwürdigen Beweisen” nichts konkret Erhaltenes gibt (es soll ja auch Moos als saugfähige Unterlage verwendet worden sein, das unter Garantie nicht bis heute überlebt hat……) tendiere ich zu der Schlussfolgerung: Frauen trugen generell keine Unterwäsche. Ich trage dementsprechend auch keine, wenn ich mittelalterliche Kleidung trage und kann mich einer Vorrednerin nur anschliessen: keine Probleme irgendwelcher Art.
Hope this helps,
Caithlinn

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Eintrag #3 vom 17. Jun. 2004 11:48 Uhr Alexander Klenner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Klenner eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Nur am Rande....

Cornelia schreibt:
“Ausserdem darf man meiner Meinung nach bei der Diskussion um ”Notwendigkeit“ der Unterwäsche bei Frauen an bestimmten Tagen auch nicht vergessen, dass a) die Lebenserwartung geringer war, sprich weniger Zeit im ”gebärfähigen“ Alter verbracht wurde, b) früher geheiratet wurde und Kinder bekommen wurden, c) Stillen und erneute Schwangerschaft die Regel auch verhindern und d) Sterblichkeit im Kindbett ebenfalls recht hoch war, also wie viele Frauen überhaupt eine lange Zykluszeit hatten ist fraglich. Für die paar Male, die es denn dann wirklich nötig war, hat man sich sicherlich irgendwie beholfen.”
a) Würde ich als Argument rundherum ablehnen. Ad eins war die damalige Lebenserwartung nicht wirklich so gering, wie man gerne durch verzerrende Statistiken annimmt, und zum zweiten heißt eine verringerte Lebenserwartung ja nicht, daß die gesamte körperliche Entwicklung und das Altern schneller verläuft.
b) und c) sehe ich ebenfalls kritisch, ja, die Frauen waren damals häufiger schwanger als heute, aber doch auch nicht immer.
zu d) Nunja, ob sie nun im Kindbett, am plötzlichen Kindstod oder Ertrinken im Fluß stirbt ist für das Thema mal egal, wer gestorben ist, muß sich um Klamotten jeder Art keine Gedanken mehr machen.
Jedenfalls würde ich die Lebenserwartung der Menschen allgemein nicht unterschätzen. (Zitat einer Archäologin aus einem Filmbeitrag des Frankfurter Museums, leider ohne Titel: “Man darf davon ausgehen, daß zu einer beliebigen Zeitpunkt der Frühgeschichte 20% der Bevölkerung über 60 Jahre alt waren”)
Weiter zu anfang wurde mal erwähnt, daß harte körperliche Arbeit und nicht allzugute Versorgung die Blutungen herabsetzen. Das erscheint mir dann eher schlüssig.
Ansonsten würde ich in den Fäöllen, wo man es nicht genau weiß, die nächstliegende Lösung aus vergleichbaren Bereichen nehmen.
Was Jahrhunderte als Windel funktionierte, nämlich ein einfaches entsprechend geknotetes Tuch, das würde ich auch hier mangels Belegen als am wahrscheinlichsten annehmen.
Gruß, Ivain

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Eintrag #4 vom 17. Jun. 2004 12:24 Uhr Ulrich Busse  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ulrich Busse eine Nachricht zu schreiben.

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Die scheinbar niedrige statistische Lebenserwartung wurde durch die relativ hohe Kindersterblichkeit geprägt. Wer diese “Risikophase” überstand (und als Frau auch das Risiko des Kindbetttodes), hatte gute Chancen über 50 zu werden.
Das nur zum Wert von Statistiken …
Grüße, Ulli

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Eintrag #5 vom 17. Jun. 2004 15:08 Uhr Karen Thöle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Karen Thöle eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht "Gewisse Tage" und das 19. Jahrhundert

Ich habe letztens in einem Buch über die Geschichte der Hygiene gelesen, daß im 19. Jahrhundert zunächst die Vorstellung vorherrschte, daß die Menstruation der Frau dazu diente, giftige und gefährliche Stoffe auszuscheiden. Dementsprechend galt gerade an diesen Tagen der Grundsatz, daß das Abfließen so wenig wie möglich behindert werden sollte. Als dann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Damenbinde und entsprechende Befestigungsmethoden erfunden und propagiert wurden, hatten die Erfinder es ziemlich schwer, die Frauen und auch die ßrzte vom Sinn dieser Erfindung zu überzeugen.
Für mich hörte sich die Argumentation mit den “giftigen Säften” verdächtig nach der mittelalterlichen Säftelehre an. Kennt sich jemand mit mittelalterlicher Medizin genug aus, um zu sagen, ob es ein ähnliches Argument auch dort gibt?
Bis denn
Karen Thöle

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Eintrag #6 vom 18. Jun. 2004 05:45 Uhr C M   Nachricht

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Hi Ivain,
da Ulrich das schon gesagt hat, kann ich es mir sparen, ich wollte nicht ausdrücken, dass die Lebenserwartung ansich so sehr viel geringer war, die Wahrscheinlichkeit als Frau jedoch ein hohes Alter zu erreichen, war durch eben frühe Schwangerschaften und die Gefahr an Kindbettfieber zu sterben verringert (Männer hatten mit Kriegen und anderem zu kämpfen, ist mir klar). Ausserdem ist durch frühere und häufigere Schwangerschaften auch mit früherer Menopause zu rechnen, was ebenfalls die Zeitspanne in der mit Blutungen gerechnet werden muss, herabsetzt.
Und klar, danke für den Hinweis, an körperliche Arbeit und schlechtere Nahrungsversorgung hatte ich gar nicht mehr gedacht.
Worauf ich eigentlich hinaus wollte, die Notwendigkeit für Unterwäsche, die wir heute mit unseren “modernen” Ansprüchen haben, war vermutlich einfach nicht gegeben. Weder Sitte und Anstand noch körperliche Gegebenheiten haben Unterwäsche bei Frauen notwendig gemacht.
Cheers,
Caithlinn

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Eintrag #7 vom 18. Jun. 2004 11:02 Uhr Wolf Zerkowski  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Wolf Zerkowski eine Nachricht zu schreiben.

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Moin Karen,
ja es gab solche “Gifttheorien” im Mittelalter.
Zum Beispiel Paracelsus (1493-1541) äusserte sich zur Menstruation und beschrieb ein sogenanntes Menstruationsgift namens «Menotoxin», dessen Nichtexistenz erst 1950 bewiesen wurde.
Mit der Vorstellung von «Menotoxin» verbanden sich viele Aberglauben und Vorurteile. So war man der Annahme, dass eine menstruierende Frau Pflanzen und Blumen verwelken lassen könne, Jagdtiere vertreibe, Nahrungsmittel und Ernte vernichte, Hagel und Gewitter verursache und Wein und Bier sauer mache.
Noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts beurlaubte man sogar menstruierende Frauen, die in Weinkellereien und Bierbrauereien arbeiteten während ihrer Menstruation.
Gruß Wolf
Ex-Bauer
www.gewandungen.de

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Eintrag #8 vom 22. Jun. 2004 09:47 Uhr Ranes Haduwolff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ranes Haduwolff eine Nachricht zu schreiben.

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Grüß Euch,
so am Rande, in “Ausgrabungen in Schleswig Bd. 12, Kirche und Gräberfeld des 11.-13.Jhdt…” wird die These dervermehrten Sterblichkeit der Frauen durch Geburt usw. anhand der Erkenntnisse aus dem riesigen Gräberfeld in Frage gestellt, bzw. weitgehend wiederlegt.
Ist ein sehr interessantes, lesenswertes Buch…aber auch ein wenig gruslig.
Ars Militia - Euer Haduwolff

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Eintrag #9 vom 22. Jun. 2004 11:58 Uhr Andre Schramm  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Andre Schramm eine Nachricht zu schreiben.

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Woran wird das festgemacht? An prämortalen Veränderungen des Schambeines? Sind die noch nachweisbar?
Bye
André

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Eintrag #10 vom 22. Jun. 2004 17:58 Uhr Annette Imort  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Annette Imort eine Nachricht zu schreiben.

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@ André
Veränderungen des Beckens durch eine oder mehrere Geburten sind postmortal am Skelett nachweisbar (hat mir gestern ein Anthropologe erzählt). Ich könnte mir vorstellen, daß auch eine gerade stattgefundene Geburt mit direkt anschließendem Tod der Gebärenden andere Spuren in den Knochenfugen hinterläßt als eine weiter zurückliegende Schwangerschaft.
Annette

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Eintrag #11 vom 23. Jun. 2004 09:55 Uhr Andre Schramm  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Andre Schramm eine Nachricht zu schreiben.

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@Annette
Jo. Ich hab’ selbst schon den ein oder anderen Knochen aus der Erde gebuddelt und die Veränderungen als solche sind mir schon bekannt. Ich kann mir auch vorstellen, daß die Schambeinfuge einer kurz nach oder während einer Geburt verstorbenen Frau einfach nicht mehr die Zeit hatte (sozusagen), sich wieder in die “korrekte” Breite zurückzubilden. Wie gesagt, mich würde interessieren welches Verfahren die Autoren bzw. Datenlieferanten im speziellen Falle angewandt haben.
Nun ist auch noch die Frage, wie lange nach der Geburt gilt eine Frau als “im Kindbett verstorben” (aus welchem Grunde auch immer) und in welchem Verhältnis steht das zur Rückbildungskurve der Schambeinfuge?
Und - außerdem - wir hatten bei ( allerdings Frühneuzeitlichen ) Gräbern die Situation, daß sich in Gräbern von Frauen, die bereits geboren hatten, die Knochen von Säuglingen befanden ( der Effekt der postmortalen Geburt ist dabei klar ), wo sich (soweit mir bekannt) anhand der Beckenknochen der Frauen eben nicht bestimmen ließ, ob die Säuglinge bei beim Tod der Mutter noch ungeboren waren, die Geburt tödlich verlaufen war oder ob die Leichname der Säuglinge einfach “nur so” mit ins Grab einer vielleicht nichtmal verwandten Frau gelegt wurden.
Next: Zumindest für die frühe Neuzeit gibt es reichlich Textbelege von Hinterbliebenen, die den Tod der Mutter im Kindbett als zwar harten aber nicht unerwarteten Schicksalsschlag begreifen. Als Literatur dazu (wie gesagt nicht ganz passend in der Zeit): Richard van Dülmen (Hg): Kultur und Alltag in der Frühen Neuzeit, Band 1: Das Haus und seine Bewohner. Seitenzahlen hab’ ich jetzt nicht im Kopf, aber dafür gibts ein Inhaltsverzeichnis :)
Bye erstmal …
André
PS.: Man, was hat das eigentlich noch mit Mittelalterlichen Dessous zu tun??? Ich werd’ also lieber die Klappe halten :)
PPS.: Mir fällt da ein Bild im Stundenbuch des Herzogs von Berry ein, irgendein Wintermonat, auf welchem ein sich wärmendes Bauernpaar vor einem Feuer dargestellt ist. Beide tragen offensichtlich nichts “drunter” …

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Eintrag #12 vom 24. Jun. 2004 12:08 Uhr Nikolaj Thon  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Nikolaj Thon eine Nachricht zu schreiben.

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Immer wieder wird in der (vor allem populärwissenschaftlichen) Literatur gerne auf die niedrige Lebenserwartung im MA verwiesen - eine Behauptung, die so aber sehr zu hinterfragen bzw. zu relativieren ist (vgl. dazu z.b: www.asn-ibk.ac.at/bildung/faecher/[…]/mittelalter.[…],
Mit freundl. Gruß Nikolaj

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Eintrag #13 vom 27. Jun. 2004 11:52 Uhr Sina Klausnitz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Sina Klausnitz eine Nachricht zu schreiben.

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Eine Anmerkung zum Thema Lebenserwartung, Kindersterblichkeit. Aus meiner eigenen Ahnenforschung bekannt ist mir das Phänomen, daß in einigen Familien sehr viele Kinder zur Welt kamen, von denen nur wenige das Erwachsenenalter erreichten (12 Geburten - 2 Kindsheiraten). In anderen Familien konnten zum Beispiel alle acht Kinder wieder heiraten und für Nachkommen sorgen. In anderen Familien sind nur zwei Kinder geboren, die auch beide wieder heirateten. Es ist interessant, daß sich die VEranlagung zu diesen Erscheinungen in den Familien “weitervererbt”. Eine Verallgemeinerung einer hohen Kindssterblichkeit würde ich auf Grund dieser Ergebnisse ablehnen. Ich habe vor allem Männer und wenige Frauen, die weit über 60, manche sogar 85 Jahre alt wurden. Vor allem Frauen erreichten oftmals mindestens 60-70 Jahre, wobei der überwiegende Teil zwischen 50 und 60 verstarb. Die Sterberate im Kindbett ist relativ gering, wesentlich häufiger tritt die Todesursache “an Entkräftung” bei über 40jährigen Frauen auf - zu viele Geburten?
Die Daten meiner Familienforschung konzentrieren sich hauptsächlich auf das 16.-19.Jahrhundert, teilweise auch bis ins 14.Jahrhundert.
Wie gesagt, ich würde sehr vor Pauschalisierungen in diesem Zusammenhang warnen.
Mit vielen Grüßen, Sina

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Eintrag #14 vom 27. Jun. 2004 13:22 Uhr Sina Klausnitz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Sina Klausnitz eine Nachricht zu schreiben.

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Korrektur zu “Vor allem Frauen erreichten oftmals mindestens 60-70 Jahre, wobei der überwiegende Teil zwischen 50 und 60 verstarb.”:
Manche Frauen erlebten auch 60-70 Jahre, die meisten Frauen jedoch nur 50 - 60 Jahre.
Der erste Satz ist mehr als seltsam und mißverständlich - bitte überlesen.
Mit vielen Grüßen, Sina

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Eintrag #15 vom 19. Jul. 2004 12:44 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

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- die Menopause wird durch ein Erlöschen der Tätigkeit der Eierstöcke bedingt. Die dürfte im Mittelalter nicht anders gewesen sein als heute. Altersbedingte Veränderungen an der Gebärmutter können jedoch zu herabgesetzter Fruchtbarkeit führen, da die Einnistung des Embryos nicht optimal verläuft.
- die Symphysenfuge verknöchert physiologisch im Alter von circa 24 Jahren. ßstrogene um die Geburt herum bewirken eine Wassereinlagerung in den Bandapparat des Beckens. Diese Faktoren bestimmen unter anderem die Symphysenfugenbreite.
- ein Teil der erhöhten Kindersterblichkeit im Mittelalter war durch Unfälle im Haushalt bedingt. Kinder wurden im Schlaf erdrückt, verbrannten sich am Feuer oder Inhalt umgerissener Töpfe, Schweine wurden auch in der Stadt gehalten und Schweine sind Allesfresser mit stark ausgeprägten Hauern, die Zugang zum Haus hatten…
- Kindbetfieber ist eine relativ neumodische Erscheinung. Die Hebammen des Mittelalters hatten die Auflage, sich die Hände zu waschen. Anders sah das aus, als die Geburten mehr und mehr institutionalisiert wurden, die (ärmeren) Frauen in den Hospitälern gebaren, mit Hilfe der Studenten, die vorher im Anatomiesaal (oder bei einer Abszessspaltung) waren und die Streptokokken fröhlich weiterverteilten. Der Grund, warum die weissen Kittel aufkamen - es wurde ersichtlicher als bei den dunklen Anzügen, wer gerade in der Pathologie gemetzelt und sich nicht gewaschen hatte, bevor er zu den Kranken oder Gebärenden kam. Es gab sicher Kindbettfieber im Mittelalter, aber nicht in der Häufung wie in späteren Jahrhunderten.
- Säftelehre: Menstruation war im Sinne der mittelalterlichen Säftelehre, da sie den Frauen half, sich des “schlechten” Blutes zu entledigen. Da dieses Phänomen bei Männern nicht auftritt, wurde diese mehr zur Ader gelassen. Blutende Hämorrhiden der Männer wurden allerdings als ein menstruationsähnlicher und positiver Selbstreinigungsprozess angesehen und begrüsst.
Nic

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Eintrag #16 vom 19. Jul. 2004 14:02 Uhr Mercedes Di Clemente  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Mercedes Di Clemente eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Nicole,
es passt nicht ganz in ein geschichtliches Forum, aber irgendwas beängstigt mich an Deiner Aussage zur Symphysenfuge bei der Frau. Ist es denn schlimm wenn sie verknöchert bzw. erhärtet und man bis dahin keine Kinder bekommen hat?
Viele Grüsse, Mercedes

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Eintrag #17 vom 19. Jul. 2004 15:46 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

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Nein, nein, keine Panik, lass Dir Zeit, tu’ ich auch ;-).
Als der Prof uns den Sachverhalt in Anatomie? Physiologie? mitteilte, trieb’s der ein oder anderen den Angstschweiss auf die Stirn (schliesslich sind’s mehr als 70 % Frauen bei den Vetis), deshalb konnte ich mir die Zahl merken…aber keine Sorge, es gibt jede Menge Bänder, die mit im Spiel sind - wohl auch an dem hübsch-hässlichen Entengang beteiligt …
Nic

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Eintrag #18 vom 17. Aug. 2004 11:16 Uhr Ingo Ludwig  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ingo Ludwig eine Nachricht zu schreiben.

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Ist es nicht ein wenig verwunderlich in einem Thema über Sterblichkeit und Lebenserwartung zu schreiben:
“Nein, nein, keine Panik, lass Dir Zeit, tu’ ich auch ;-).” ?
(Kleiner Scherz am Rande)
Gruß, Ingo

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Eintrag #19 vom 17. Aug. 2004 12:21 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

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Plausch zurück
naja, weiss nicht, denke aber, eigene Kinder kriegt man auch heute noch am besten vor der eigenen Menopause, zumindest als Frau ;-).
Ingo, bring mich nicht durcheinander: Gibt es ein Leben vor dem Tod?
Nicole

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Eintrag #20 vom 22. Sep. 2004 18:46 Uhr Kurt Scholz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Kurt Scholz eine Nachricht zu schreiben.

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“Nach diversen historischen Untersuchungen starb im Mittelalter eines von zwei geborenen Kindern bereits im ersten Lebensjahr. Auch in guten Zeiten starb jedes fünfte Kind, bevor es zwei Jahre alt werden konnte. Viele starben zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr, häufig wohl an akut verlaufenden Infektionskrankheiten Erst bei den über siebenjährigen Kindern sank die Sterblichkeit. Das Jugendalter war ebenfalls risikoärmer. Von den 20 Kindern einer mittelalterlichen Mutter erreichten somit letztendlich nicht mehr als 1-2 Kinder das Heiratsalter. So lebten beispielsweise von den 18 Kindern der Barbara Holper um 1502 nur noch der 31-jährige Albrecht Dürer jun. und seine zwei Brüder, der 18-jährige Endres und der 12-jährige Hans.. ”
Ich habe Zweifel an der Aussage. Die Bevölkerung schrumpft, wenn weniger als 2 Kinder pro Frau geboren werden.
Hassan al Rammah

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Eintrag #21 vom 22. Sep. 2004 18:49 Uhr Kurt Scholz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Kurt Scholz eine Nachricht zu schreiben.

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Korrektur, wenn weniger als 2 Kinder sich fortpflanzen…
Hassan al Rammah

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Eintrag #22 vom 23. Sep. 2004 10:10 Uhr Jens (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Jens eine Nachricht zu schreiben.

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halte ich auch für zu pauschal; “20 Kinder” ist eher übertrieben, vergl. Arno Borst zur Untersuchung spätmittelalterlicher Bürgerfamilien: diese waren eher Kleinfamilien, Riesensippen sind eher etwas des FMA.
Gruss, Jens

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Eintrag #23 vom 23. Sep. 2004 18:12 Uhr Claudia (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Claudia eine Nachricht zu schreiben.

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Ich glaube, bei den “20 Kindern” sind auch alle Fehl- und Totgeburten mitgerechnet. Allerdings koennen nur 1-2 ueberlebende Kinder auch nicht der Durchschnitt gewesen sein. Das haut nicht hin.
Gruss, Claudia

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Eintrag #24 vom 23. Sep. 2004 19:30 Uhr Susan Sziborra-S.  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Susan Sziborra-S. eine Nachricht zu schreiben.

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ein beispiel aus neuerer zeit. in berlin liegt auf dem dorotheenstädtischen friedhof (wo auch schinkel, brecht, heartfield u.a. liegen) das grab einer industriellenfamilie, das zum ende das 19. jhd. angelegt wurde. dort liegen der vater, die mutter und vierzehn kinder, von denen 11 innerhalb von 15 monaten (im alter zwischen wenigen monaten und etwa 10 jahren) an den masern verstarben. tragisch wegen der zeitlichen nähe, aber gerade bei großer kinderzahl sicher kein einzelfall. allein um das überleben einer familie zu sichern, muss eine frau vor einführung der impfungen gegen epidemisch auftretende kinderkrankheiten im regelfall sicher mehr als zehn schwangerschaften gehabt haben…
gruß suse
fm

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Eintrag #25 vom 12. Jun. 2005 16:43 Uhr Johannes Kulick  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Johannes Kulick eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo!
Ich frage mich seit einiger Zeit, wie alt “man” denn eigentlich so im Mittelalter (von 9. bis 15, Jhdrt.) wurde und ob es da eine signifikante Entwicklung gab (vermutlich wurde man zu Pestzeiten durchschnittlich nicht so alt…).
Prof. Dr. Johannes Fried sagt folgendes dazu:
“Sie konnten so alt werden, wie wir heute. Doch war die Klippe der Geburt, eine Sechsjahresgrenze und eine Zehnjahresgrenze zu überwinden. Die Kindersterblichkeit betrug etwa 50 Prozent. Das senkt das Durchschnittsalter auf etwas 30 Jahre. Frauen starben früher als Männer, oft in den Vierzigern.”
( www.zdf.de/ZDFde/inhalt/19/0,1872,2118355,00.html )
Das man schon mit 30 an sein Grab denken musste glaub ich auch nicht, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass man bei der medizinischen Versorgung im MA 90 (heutzutage ja keine seltenheit mehr) Jahre werden konnte. Zumal diese Menschen auch heute - ich will keinem zu Nahe treten - meist irgendwelche Medikamente bekommen.
Stimmt die AUssage Frieds, dass man so mit 50 alt war? Gibts da irgendwelche Statistiken oder einzelquellen?
Danke
Johannes

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Eintrag #26 vom 12. Jun. 2005 17:25 Uhr David Seidlitz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um David Seidlitz eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo,
spannende Literatur dazu (wenn man sich auf so ein morbides Thema einlassen möchte ;o) )
Vogel, Volker Hrsg. Kirche und Gräberfeld des 11.- 13. Jhd. unter dem Rathausmarkt von Schleswig (Ausgrabungen in Schleswig. Berichte und Studien 12). Neumünster, 1997.
David

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Eintrag #27 vom 17. Jun. 2005 22:29 Uhr Atir Kerroum  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Atir Kerroum eine Nachricht zu schreiben.

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Fried hat recht. Einige berühmte Persönlichkeiten, deren Lebensdaten überliefert sind, beweisen es:
- Enrico Dandolo, Strippenzieher des 4. Kreuzzugs, soll 1193 mit 85 Doge von Venedig geworden sein. Für 11 Jahre…
- Michelangelo (1475 - 1564) wurde 89 Jahre alt
- Tizian (1477 - 1576) 99 Jahre, die Lebensdaten werden angezweifelt, aber Tizian hat mindestens 70 Jahre lang gemalt.
- der von Albrecht Dürer porträtierte “93-jährige Alte”
Dieses Alter wurde häufig bei guter Gesundheit und (natürlich) ohne Intensivmedizin erreicht.
Anmerken möchte ich noch, daß ich einen Zusammenhang zwischen Lebensweise und Alterserwartung glaube. Es ist auffällig, daß die Lebenserwartung eines griechischen Philosophen im Schnitt genauso hoch war wie die eines heute lebenden Menschen. Die wurden ohne Probleme 70 - 90 Jahre oder älter.
Dagegen hatten die Römer bei vergleichbarer medizinischer Versorgung oft ihre liebe Mühe, die 60 zu knacken.
Gruß

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