Sorry, hätte nicht gedacht, dass eine harmlose Verständnisfrage, die eigentlich an die vorherigen Threads anknüpfte, so eine Diskussion lostritt… war nicht meine Absicht!
Aber um wieder aufs eigentliche Thema zurück zu kommen - Hier noch ein kleiner Literaturtipp: Mechthild Müller: Die Kleidung nach Quellen des frühen Mittelalters. Textilien und Mode von Karl dem Großen bis Heinrich III. Berlin 2003
Betrifft ganz allgemein Kleidung im frühmittelalterlichen Mitteleuropa, aber eben mit Schwerpunkt auf die Zeit Karls des Großen. In dem ohnehin sehr lesenswerten Buch findet sich auch ein komplettes Kapitel über Färben, Färbemittel und die daraus resultierenden Farben.
Die Diskussion “Leinen vs. Wolle” hatten wir hier doch schon bis zum wundersamen Bluten…
Carina, such doch mal das Forum mit entsprechenden Schlagworten durch, da findest du schon haufenweise Statements und Diskussionen. Vielleicht möchtest du dort dein Wissen offenbaren.
»Als Leinen bezeichnet man Gewebe, die aus Flachs, Hanf, Jute oder Sisal hergestellt und meist in Leinwandbindung verwoben wurden.«
Das ist durchaus richtig, und auch wenn für das MEurop. MA das ganze auf Flachs und Hanf beschränkt ist.
Alex:
“Also ich kenne Leinen nur aus Flachs. sämtliche von dir genannten Stoffe gibt es zwar auch in Leinwandbindung, trotzdem nennt man sie dann nicht Leinen.”
Alex, es stimmt, die Bezeichnung “Leinen” an sich sagt nur bedingt etwas über das Material aus. Es gibt auch Hanfleinen.
“Also ich kenne Leinen nur aus Flachs. sämtliche von dir genannten Stoffe gibt es zwar auch in Leinwandbindung, trotzdem nennt man sie dann nicht Leinen.”
Das mag durchaus so sein, nur hat eben die Archäologie das Problem, dass sich pflanzliche Fasern schwerer erhalten als tierische, und sich (sofern die Stoffe durch die Oxydation von Metall im Rost von ihrer Struktur her noch erkennbar sind) Flachs und Hanf von ihrer inneren Struktur her so weit ähneln, dass sie (besonders wenn nur noch ein Abdruck von ihnen da ist) kaum zu unterscheiden sind. Daher gibt man der Bezeichnung “Leinen” eben mehr Spielraum….obwohl es natürlich korrekter wäre zu schreiben “pflanzliche Faser in Leinwandbindung, vermutlich Flachs oder Hanf”…*g*..aber bekomm das mal in Tabellen unter ;o)
Zu Leinen als Oberbekleidung: da fällt mir spontan auch kein Beispiel ein.
Andererseits, wenn man sich vorstellt, mit einer Wolltunika im August aufs Feld zu müssen…naja, saugfähig sind die Dinger ja *g*
»Als Leinen bezeichnet man Gewebe, die aus Flachs, Hanf, Jute oder Sisal hergestellt und meist in Leinwandbindung verwoben wurden.«
Also ich kenne Leinen nur aus Flachs. sämtliche von dir genannten Stoffe gibt es zwar auch in Leinwandbindung, trotzdem nennt man sie dann nicht Leinen.
Genauso wie Flachsstoff in Köperbindung immer noch als Leinen bezeichnet wird, teilweise ja sogar die Pflanze selbst.
Und zur Frage:
Natürlich zweifelt niemand die Belegbarkeit von Leinen an sich an.
Daß Leinenstoffe verwendet wurde, steht glaube ich außer Frage.
Es geht konkret nur um die Verwendung für bunt gefärbte Oberbekleidung im Frühmittelalter.
Nicht um Unterkleidung, nicht um Futter, nur um Deckstoffe.
Stimmt schon, aber das Thema war glaub ich, ziemlich weit gefasst. Reichte von ßsterreich, über Frankreich, Belgien, mit einem Schwerpunkt im heutigen Deutschland - eben alles was sich in diesem Gebiet über die Reihengräber fassen lässt. Und damit ergibt sich auch die Datierung von (ganz grob) 500-750 n. Chr.
Ich elender “Sauschwob” denk halt bei Frühmittelalter eben immer gleich an Süddeutschland ;o)
“Meines wissens ist das einwandfrei belegt, beispielsweise durch die Studie von Iris Bollbuck (Studien zu meroeingerzeitlichen Textilien. Dissertation Hamburg 1987”
Der Punkt ist halt, für wo und wan genau.
Schweden und Norwegen stehen halt auf einem anderen Blatt als das heutige Deutschland, z.B.
Ehrlich gesagt, versteh ich nicht, warum ihr Leinen für das Frühmittelalter in Frage stellt. Als Leinen bezeichnet man Gewebe, die aus Flachs, Hanf, Jute oder Sisal hergestellt und meist in Leinwandbindung verwoben wurden. Meines wissens ist das einwandfrei belegt, beispielsweise durch die Studie von Iris Bollbuck (Studien zu meroeingerzeitlichen Textilien. Dissertation Hamburg 1987).
Aber dass Wolle öfters nachgewiesen wurde, liegt wohl daran, dass man Wolle häufiger für die Oberbekleidung verwendet hat und sie sich so durch die Oxydation der auf der Oberbekleidung liegenden Metallteile, welche die Fasern konserviert und ihre Struktur detailgetreu ersetzt, besser erhalten hat, als das darunter liegende Leinen …. oder geht’s grad um was ganz anderes??? *amkopfkratz*
Mit den grellen Farben kann ich mich nur den vorherigen Antworten anschließen: es darf gern sehr bunt zugehen! Man bekommt durch Färberwaid oder Indigo tatsächlich herrlich leuchtendes Blau zustande…aber falls dass deines auch in der Nacht leuchtet, würd ich mir doch Gedanken machen… ;o)
Also ich hatte mir unter dem stoff eigentlich so ne mischung aus 14 und 17 vorgestellt. die farbe kommt auch in etwa hin, nur ist meiner wirklich noch nen gutes stück kräftiger und leuchtender.
Ich werd versuchen nächste woche mal ein bild davon zu machen, der stoff liegt momentan leider bei meiner mutter.
Werde dann wohl sobald die Tunika genäht ist sie bei jedem waschgang mit reinschmeißen und hoffen, dass die farbintensität etwas nachlässt.
Familia ministerialis - www.familia-ministerialis.de - hat unter > “Wissenswertes” > “Farben und Färben” auch zwei Abbildungen von waidgefärbtem Leinen. Nur so zum Vergleich. Geht das Blau von Deinem Stoff ungefähr in die Richtung, oder ist es ganz anders?
Blau erscheint mir noch am plausibelsten bei Leinen.
Mit Waid(Farbstoff Indigo) dürfte man eigentlich ein ordentlich sattes Blau das auch noch ziemlich lichtecht ist, hinbekommen.
Bin ja da auch noch am rätseln.
Hab im Dress im Ireland eine Erwähnung(wenn mich meine miesen Englischkenntnisse nicht täuschen). Das irische Leinenstoffe für ihre leuchtenden(kräftig) bunten Farben berühmt gewesen sein sollen.
Gut, Gelb mit Saffranfärbung, ist mir klar. Aber es wird von einer recht breiten Farbpallette gesprochen.
Wie zur Hölle haben die das hinbekommen!?
*schmunzel* *Kopfzerbrech*
LG
Birgit, die lieber mal Mut zur (Wissens)Lücke hat ;-)
Also blau ist meines wissens nach schon eine authentische Farbe für das Frühmittelalter.
Naturstoffe und Naturgefärbt ist leider nicht ganz so einfach, da die Stoffe erheblich teurer sind und ich als Student nicht unbedingt alzuviel geld habe.
Weiterverkaufen geht auch nicht, da ich den stoff schon gewaschen hab und er an den Seiten etwas ausgefranzt ist. Naja ich werd mich in den nächsten Tagen/Wochen mal hinsetzen und mir die Tunika daraus nähen, dann kann ich ja auch mal ein Bild hier reinstellen und ihr könnt sagen, ob der Stoff zu leuchtend ist.
Hab nun ja schon ein paar Tipps bekommen, wie ich die farbe etwas abschwächen kann.
“Der Stoff ist für eine authentische Darstellung viel zu grell/leuchtend.”
ich habe zwar deinen stoff nicht gesehen, noch halte ich viel von ferndiagnosen, aber eigentlich hat birgit schon alles dazu geschrieben:
wenn du wert auf authentizität legst, dann solltest du eigentlich eh pflanzlich gefärbte stoffe verwenden und die wiederum stellen mitunter jeden modern-chemisch gefärbten stoff in den schatten.
eine weitere frage wäre unter dem gesichtspunkt, ob nun leinen unbedingt blau färben muss/sollte, wenns um eine (früh)mittelalterliche (?) darstellung geht, aber das würde hier den rahmen sprengen.
pauschal - ohne den stoff, seine zusammensetzung und färbung zu kennen - lässt sich kein befriedigender tipp geben.
Ich habe mir über das Internet einen blauen Leinenstoff bestellt um mir daraus eine Tunika zu nähen. Als er hier ankam, war ich etwas enttäuscht/schockiert. Der Stoff ist für eine authentische Darstellung viel zu grell/leuchtend.
Nun wollte ich wissen, wie ich dieses leuchten aus dem Stoff bekomme.