Ich habe gerade mal etwas durch diverse Stundenbüchern gewühlt und verglichen.
Ergebnis: die erste Spalte weist jeweils sehr starke übereinstimmung auf. Es muß also auch was mit dem Kalender selbst zu tun haben, nicht mit dem jeweiligen Buch.
Leider habe ich mehr noch nicht gefunden.
Kennt und hat jemand das Buch “Das Stundenbuch des Mittelalters” von Franz Unterkircher? Ich habs leider nicht, aber da drin könnte die Antwort stehen.
Das von Nikolaj verlinkte Kalendar bestätigt meine Vermutung, daß es sich in der vorletzten Zeile um die Abkürzung für “Kalenden” handeln muß. Hier haben wir den kompletten Monat, und deshalb haben wir in den ersten Zeilen eine Abkürzung für “Nonas”, dann “id” für die Iden, und schließlich “kl” für die Kalenden.
Für die 1. Spalte weiß ich immer noch nichts. Ich hatte ein bißchen spekuliert, ob es Hinweise auf Seitenzahlen (bzw. Folio-Zahlen) innerhalb des Buchs sein könnten, aber dazu wirken sie mir doch etwas zu zerstreut.
Hieraus zitiere ich zu den Sonntagsbuchstaben, die wir auch in den Kalendern finden:
“Sonntagsbuchstabe (litera dominicalis). Man bezeichnete die 365 Tage des Jahres so mit je einem der 7 Buchstaben A bis G, dass man vom 1. Jan. mit A beginnend, den zweiten mit B, den dritten mit C und so fort, den siebten mit G, den achten wieder mit A bezeichnete. Die den einzelnen Tagen fest zugewiesenen Buchstaben sind die Tagesbuchstaben. Derjenige dieser 7 Buchstaben, auf welchen der erste Sonntag des Jahres fällt, ist der Sonntagsbuchstabe des betreffenden Jahres (97), d.h. wenn man weiterzählend alle Tage des Jahres mit den Buchstaben A bis G bezeichnet, so sind alle Tage, auf welche der bestimmte Jahresbuchstabe trifft, Sonntage. Da man hierbei Römisch-Julianische Kalendarien zu Grunde legte, die auf das bissextum, den Schalttag, keine Rücksicht nahmen, so half man sich im Schaltjahre dadurch, dass man sowohl a. d. VI. kal. Mart., als auch a. d. bis VI. kal. Mart. mit F bezeichnete. Das Schaltjahr bedarf deshalb zweier Sonntagsbuchstaben, deren erster (bei römischen Datirungen) bis zum 24. Febr., deren zweiter vom 25. Febr. ab gilt (98). Diese Sonntagsbuchstaben verknüpfte man nun dergestalt mit den Zahlen des Sonnencyclus (dessen Jahr 1 als Schaltjahr mit einem Montag begann), dass man dieses Jahr mit den Buchstaben GF, und in der Reihe der Buchstaben rückwärtsschreitend das Jahr 2 mit E, 3 mit D bezeichnete, bis man mit 28 = A den Cyclus schloss.”
Aber das weitere kann ja jeder selbst nachlesen: Es gibt wohl kaum eine Frage zum Kalender, die sich im “großen Grotefend” nicht beantworten lässt …
- Römischer Kalender: Der Zieltag selbst wird mitgezählt. Deswegen ist auch in der verlinkten Stundenbuch-Abbildung am 31.12 (Papst Silvester) eine römische II (zwei Tage vor den Kalenden des Januar)
- 4. Spalte: Ich hatte beim ersten Blick in die Handschrift in dieser Spalte ein “k” gelesen; da ich damit nichts anfangen konnte, dachte ich, es könnte eine aus zwei Buchstaben zusammengefügte Abkürzung sein, der erste Buchstabe ein “s”. Erst später fiel mir ein, daß “k” durchaus doch einen Sinn ergibt - als Abkürzung für “Kalenden”. Dann müßte logischerweise aber auf anderen Seiten dieses Kalendars ein “n” oder ein “i” stehen. Gibt es davon auch Abbildungen im Netz? Ich bin aus dem Aufbau der entsprechenden Seiten nicht schlau geworden…
Schade, daß sich die Seite nur einmal vergrößern läßt, manches kann ich so leider auch nicht lesen.
Der Monat, der auf der Seite abgebildet ist, muß der Dezember sein, denn in der zehnten Zeile von oben liest man “Nativitas dni” (= “Nativitas domini”=Weihnachten).
Die römischen Zahlen zwei Spalten davor sind, wie Du bemerken wirst, rückwärts gezählt. Das geht zurück auf den römischen Kalender, der in jedem Monat drei Fixpunkte hatte, nämlich die Kalenden (1. Tag des Monats), die Nonas (Mannomann, lang ist der Lateinunterricht her, deswegen weiß ich auch aus dem Kopf nicht mehr, welcher Tag das in welchem Monat war, steht aber zumindest in meinem Latein-Wörterbuch) und die Iden (wenn ich mich recht erinnere, in manchen Monaten der 13., in anderen der 15. des Monats). Von diesen Tagen aus wurde rückwärts gezählt, also z.B. “3 Tage vor den Iden des März” = 12. März. Vor der Angabe “Nativitas domini” steht eine römische 8: Also 8 Tage vor den Kalenden des Januar. Kommt hin. Die Zählung des gelinkten Kalendars weist übrigens darauf hin, daß hier nicht etwa Tage, zu denen es keine Heiligen gibt, ausgelassen wurden, sondern daß die erste Monatshälfte auf der vorhergehenden Seite stehen muß.
Mehr könnte ich jetzt ohne Hilfsmittel und ohne Mutmaßungen nicht dazu sagen. Hast Du das Zeichen aus der 4. Spalte schonmal im folgenden Buch nachgeschaut?
“Dizionario di abbreviature latine ed italiane” von Adriano Cappelli
Vielleicht ist es eine Abkürzung für “sanctus/sancta”…