Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Tee im Mittelalter?

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Eintrag #1 vom 04. Mai. 2007 20:47 Uhr Martin (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Martin eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo
Das verschiedene Kräutertees sowie Fruchtaufgüsse schon im Mittelalter bekannt waren, weiß ich aus verschiedenen (Sekundär-)quellen. Doch wird meißtens auch behauptet, diese wurden nur als Heilmittel getrunken, nicht als Alltagsgetränk oder Genussmittel. Eine Aussage, die ich besonders bei Kindern, die ja noch kein Bier, Wein oder Met tranken nicht ganz glauben kann. Wiso sollte man immer nur wasser trinken (Fruchtsaft war ja auch nur einige Wochen im Jahr verfügbar), wenn es doch Tee als Alternative gibt?
Gruß
Martin

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Eintrag #2 vom 05. Mai. 2007 11:28 Uhr Benedikt (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Benedikt eine Nachricht zu schreiben.

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Wer sagt denn, dass Kinder keinen Wein/Bier tranken?
In “Mit Kind und Kegel” (Frank Meier) wird berichtet, dass Kinder teils absichtlich mit Alkohol “gedümmelt” wurden, um keine Erbansprüche stellen zu können; natürlich belegt das nicht den alltagsgenuss von Alkohol durch Kinder.
Wurde Tee nicht importiert und war deßhalb recht teuer und darum nur wohlhabenden Leuten vorbehalten?

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Eintrag #3 vom 05. Mai. 2007 19:20 Uhr Martin (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Martin eine Nachricht zu schreiben.

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Du meinst Wahrscheinlich schwarzen und grünen Tee. Dieser war zwar im Mittelalter schon einigen wenigen (z.B. Marco Polo) bekannt, wurde aber angeblich erst im 17. Jh in größerem Maßstab importiert. Ich spreche allerdings von Kräuter- und Früchtetee. Gerade bekannte Teekräuter wie Minze, Huflattich, Lindenblüten, Brennnessel, … wachsen und wuchsen schon im Ma überall und waren daher sicherlich auch armen Menschen zugänglich. Die Frage ist nur, ob sie auch schon zu Tee verkocht wurden.
Martin

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Eintrag #4 vom 07. Mai. 2007 14:19 Uhr Christoph Bock  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Christoph Bock eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo,
da beispielsweise auch beim deutlich länger bekannten Bierbrauen Pflanzenanteile (Getreide) heiß aufgekocht werden, gehe ich eigentlich davon aus, dass auch andere Pflanzenteile als Heißaufgüsse (Kräuter- oder Früchtetee) zubereitet wurden. Die Frage, die sich aber zu Recht stellt, lautet, bei welcher Gelegenheit wurde dies gemacht. Ich habe bislang keine Textpassage gefunden, die Tee als Alltagsgetränk benennt. Zumal die meisten Pflanzen phytotherapeutische Eigenschaften haben, die zum Großteil schon bekannt waren (siehe Elisabeth von Bingen). Was ich auf jeden Fall lassen würde sind Teemischungen und Teesorten mit Beimischungen der Teepflanze oder des Rooibos.
Grüsse aus Hessen, Christoph

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Eintrag #5 vom 07. Mai. 2007 14:23 Uhr Christoph Bock  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Christoph Bock eine Nachricht zu schreiben.

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Mea culpa,
es muss natürlich “Hildegard von Bingen” heißen.
Grüsse aus Hessen, Christoph

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Eintrag #6 vom 12. Mai. 2007 13:16 Uhr Klaas König  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Klaas König eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo allerseits!
Leider bin ich auf dem Gebiet kein Fachmann - das sei vorweg zugestanden.
Ich habe bisher immer nur gewusst, dass - insbesondere für Stadtbewohner - das Trinken von Wasser gefährlich war, wegen der Keime. Daher wurden meist vergorene Getränke genutzt.
Da es aber im Mittelalter durchaus kluge Leute gab, muss es, zumindest für Kinder, Alternativen gegeben haben. Von einfach nur abgekochtem Wasser hab ich noch nie gehört.
Warum aber nicht tatsächlich Tees aus “harmlosen”
Pflanzen? Gerade Pfefferminze und Kamille sowie Lindenblüten haben ja keine Nebenwirkungen. Das Problem wäre eher, dass sie zu gegebenem Anlass ihre phytotherapeutische Wirkung nicht voll entfalten könnten.
Es wäre gut, wenn hier mal jemand mit archäologischer Ahnung antworten würde.
Gruß
Felslaus

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Eintrag #7 vom 12. Mai. 2007 16:37 Uhr Susan Sziborra-S.  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Susan Sziborra-S. eine Nachricht zu schreiben.

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…Ich gehe nicht davond aus, daß die Gefährlichkeit des Alkohols (besonders für Kinder) allgemein in dem Maße bekannt war, wie heute, zumal es ja deutlich an Möglichkeiten fehlte, den Alkoholgehalt von Getränken überhaupt festzustellen. S. Shahar beschreibt in “Kindheit im Mittelalter” (1990 Tel Aviv), daß Kinder nach der Stillzeit mit Wasser, Honigwasser und in nördlichen Ländern auch mit Bier substituiert wurden, außerem wird als breiige Speise nach der Entwöhnung unter anderem in Wein eingeweichtes Brot empfohlen. Zwar wird im medizinischen Schrifttum vor Wein (nicht aber vor Bier!) zur Ernährung von Kindern gewarnt, weil der Alkohol der Gesundheit des Heranwachsenden abträglich sei, allein diese Ausführung führt aber im Zusammenhang mit oben genannnten schriftlich niedergelegten “Ernährungstipps” durchaus zu der Annahme, daß Wein und (wo regional verbreitet) Bier zu den alltäglichen Getränken ALLER Altersschichten gehörten. (Siehe auch LexMa; Bier und Brauwesen, III. Bierverbrauch) Zu beachten ist aber, daß sowohl der Alkoholgehalt des Alltagsbieres (auch heute noch: Dünn- oder Schankbier), als auch der des Weines (evtl. verdünnt) niedriger war, als heute und mit dem regelmäßigen Genuss alkoholischer Getränke auch ein Gewöhnungseffekt eintritt.
Zum Thema Tee: Schon aus Byzanz sind aus dem klösterlichen Umfeld warme Aufgüsse aus Wasser und Gewürzen (Kümmel, Pfeffer, Anis) als nicht-therapeutisches Getränk bekannt, aber nach meinen Informationen verließen diese Gebräue die Klostermauern nicht und wären für den Durchschnittsmenschen (um den es ja ohne konkret andere Nachfrage immer geht) schon allein wegen der Preise der Ingredenzien nicht erschwinglich gewesen. Tee als Alltagsgetränke klingt für uns vielleicht logisch (ja, die ganzen schicken Kräuter, die an jeder Ecke wuchsen…) - Aber es ist wie immer so, daß nicht alles, was theoretisch möglich gewesen wäre, tatsächlich üblich war.
(Zum weiterlesen: Shulamith Shakar, Kindheit im Mittelalter, Tel Aviv 1990; Lexikon des Mittelalters, Verlag J.B. Metzler, 2000)
gruß suse

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Eintrag #8 vom 12. Mai. 2007 17:03 Uhr Susan Sziborra-S.  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Susan Sziborra-S. eine Nachricht zu schreiben.

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Die Herkunft und das Alter der echten Pfefferminze (Mentha x piperita) sind umstritten, aber allgemein geht man heute davon aus, daß diese Kulturform erst im späten 17. Jahrhundert als spontane Kreuzung von Wasserminze (Mentha aquatica) und ßhrenminze (Menta spicata L. - taucht schon im Landgüterverzeichnis Karls des Großen auf) entstanden ist. Es gab zwar gesichert schon sehr lange verschiedene Minze-Formen, aber Pfefferminztee wird ,dieser verbreiteten These folgend, keinesfalls im Mittelalter getrunken worden sein. Zudem ist Kräutertee - selbst Pfefferminztee - eben nicht so absolut und für jeden harmlos, wie mancher annimmt. Für Menschen mit Magengeschwüren, Gallensteinen (reizend) und für Schwangere (milchhemmend) ist Pfefferminztee durchaus problematisch, auch Kinder sollten eigentlich nicht allzuviel davon trinken. Kamillentee kann bei dauerhaftem Konsum zu Schwindel und Unruhe führen.
Ich will hiermit keinesfalls vom Kräuterteegenuss abraten, aber die verbreitete Meinung natürlich=prima für mich - ist eben ein Irrglaube (Fingerhut ist auch natürlich) und bei allen auf den Körper positiv wirksamen Anwendungen ist eben (wenn auch manchmal nur minimal)auch mit Nebenwirkungen zu rechnen.
gruß suse

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Eintrag #9 vom 18. Mai. 2007 10:21 Uhr Gundra Siepermann  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Gundra Siepermann eine Nachricht zu schreiben.

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Erst nachdem aus China schwarzer und grüner Tee nach Europa gekommen ist entstand in Europa das Zeremoniell des Tee aufbrühens - "5 o´clock tea in England z.B.
Da Tee ähnlich wie Kaffe und Kakao erst in der wohlhabenden Schicht verbreitet war, suchte die einfache Bevölkerung nach Alternativen - und fand sie im Kräutertee. Erst ab diesem Zeitpunkt trank man Kräutertees nicht nur weil man es aus medizienischen Gründen verordnet bekommen hatte.
Gundra IG Volkelîn

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Eintrag #10 vom 24. Jun. 2007 16:08 Uhr Harald Sill  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Harald Sill eine Nachricht zu schreiben.

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Zu guter letzt sollte nicht vergessen werden dass das Aufbrühen von Tee Feuer erfordert wofür man wieder Holz benötigt.
Das muss herangeschafft werden.
Das wiederum ist mit ordentlich Arbeit und Rechten verbunden.
Harwalt von Biberach

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Eintrag #11 vom 25. Jun. 2007 12:18 Uhr Anna (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Anna eine Nachricht zu schreiben.

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Das würde für das unten erwähnte Abkochen des Wassers aber auch gelten.
Liebe Grüße, Anna

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Eintrag #12 vom 02. Jul. 2007 15:23 Uhr Alexandra Krug  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexandra Krug eine Nachricht zu schreiben.

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Ich habe auch noch mal in “Essen und Trinken im Mittelalter” von Ernst Schubert nachgelesen. Im Kapitel Zwei übers Trinken wird im Einleitungstext “Was kann man im Mittelalter überhaupt trinken?” erwähnt, daß das Wasser aus den Brunnen voller Krankheitskeime steckte. Da wurde drin Kleidung und Hände gewaschen und auch teilweise eklige Sachen entsorgt. Zum Beispiel wurde in Schaffhausen 1421 die gängige Praxis verboten, daß die Metzger die “bottertentz”, die Tierexkremente einfach in den Brunnen schütteten. Das Verbot mußte 1472 erneuert werden. Soviel zum Thema Wasser. Es wird auch mit Quellennachweis erwähnt, daß selbst beim Kochen lieber mit Wein als mit Wasser gesotten wurde, wer es sich leisten konnte. Alkohol galt als keimabtötend und wurde überall beigemischt. Hauptsächlich trank man verdünnten Wein und Dünnbier.
Milch sei als Kindernahrung unverzichtlich, aber kein gewöhnliches Getränk der Erwachsenen. Allenfalls Buttermilch als Zwischenmahlzeit.
Man trank wohl auch recht viel Beerenmoste. Apfel- und Birnenmost nicht so viel, weil dieses Obst nicht so sehr verbreitet war “Nur in wenigen Landschaften konnte ein Massenprodukt aus dem Obst gepreßt werden. Beeren haben wohl dominiert.” und die Apfel- und Birnensorten wohl auch ziemlich unschmackhaft waren. Man sprach von Holzäpfel und -birnen. Holzbirnen dörrte man und machte sie zur Fastenzeit zu Süßmost.
Tee wird in den Quellen- außer in medizinischer Hinsicht- gar nicht erwähnt. Sicherlich schon deshalb, weil man dazu erstmal ein sauberes Wasser brauchte.
Fakt ist, daß man selbst bei uns auf dem Lande vor 30 Jahren kein Wasser blank getrunken hatte. Mineralwasser war überhaupt nicht üblich. Saftschorlen auch nicht. Es gab für die Kinder Jungbier (also mit sehr wenig Alkohol), Milch, Getreidekaffee und Limo. Letztere gab es freilich nicht im Mittelalter. Aber nur mal so erwähnt, daß unsere heutigen Ernährungsgewohnheiten auch noch nicht seit Ewigkeiten Bestand haben.
Viele Grüsse,Alexandra

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Eintrag #13 vom 03. Jul. 2007 23:34 Uhr Martin Fischer  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Martin Fischer eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo,
da hier (wie leider komischerweise immer öfter)mal wieder Ernst Schuberts seltsame Ansichten verbreitet werden, fühl’ ich mich genötigt einige Anmerkungen zur Wassertrinkerei im Mittelalter zu machen:
Wasser wurde im Mittelalter getrunken - und zwar nicht zu knapp aus Flüssen, Brunnen, Tümpeln, Seen und manchmal wohl auch aus Pfützen…
Schuberts These von der Trinkwasserabstinenz des mittelalterlichen Menschen kann sehr leicht durch zeitgenössische Quellen entkräftet werden -so gibt es etwa eine ganze Reihe von Bildquellen, auf denen Menschen ganz selbstverständlich z.B. aus Brunnen trinken.
Was die Verordnungen über die Abfallentsorgung in öffentlichen Brunnen angeht, kann man diese ja auch so interpretieren, dass man um die Reinhaltung des Brunnenwassers besorgt gewesen ist, weil es eben Trinkwasser(!) war - auch so wird ein Schuh daraus (und der trägt sich angesichts der Quellenlage wesentlich bequemer…). Warum sollte sonst auch z.B. die Brunnenvergiftung (neben Hostienschändung und Kinderschlachten ein damals gängiges antisemitisches Vorurteil) ein schweres Verbrechen gewesen sein?
Dass sich damals (wie heute) der Mensch lieber Wein und Bier statt des schnöden Kranebergers einverleibt hat, dürfte nicht allzu sehr verwundern. Allerdings konnte sich das wohl auch nicht jeder immer leisten - und wenn man bedenkt, dass der Großteil der damaligen Gesellschaft in zumindest relativer Armut vor sich hin vegetieren musste, dürfte Wasser getränkemäßig wohl der Standart gewesen sein.
Dass das Nass äußerst keimbelastet (und wohl nicht nur das…) gewesen ist, dürfte auch selbstverständlich sein. Und von daher gehörten Magen- und Darmprobleme wohl auch zum Alltag des mittelalterlichen Menschen wie das Amen zum Gottesdienst.
Das ist übrigens in vielen Teilen der Welt auch noch heute so und erklärt u.a. damals wie heute die immens hohe Kindersterblichkeit…
Bevor ich mir jetzt noch ‘nen Wolf schreibe:
Prost an alle Bier-, Wein- und Wasserfreunde!
Mätes

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Eintrag #14 vom 04. Jul. 2007 12:42 Uhr Joachim Dittrich  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Dittrich eine Nachricht zu schreiben.

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Schubert schrieb in seinem Buch “Essen und Trinken im Mittelalter” lediglich von dem Wasserkonsum in Städten. Daß in solchen Ballungsräumen von Menschen unwissentlich oder mutwillig das Wasser verseucht wurde (und wird), liegt auf der Hand. Daraus läßt sich allerdings nicht pauschal eine allgemeines Meiden von Wasser als Getränk in allen Regionen der mittelalterlichen Landschaft ableiten. Klare Bähce und Flüße gab es noch zur Genüge.
Hier läßt sich wohl eher sagen: In Städten und Ansammlungen von Handwerksbetrieben wurde Wasser wegen der Verunreinigung möglichst nicht getrunken, in ländlichen Gegegenden dagegen schon.
Achim v. Hohenberg gen. de Clavis oder Wernhard oder Groschi

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Eintrag #15 vom 04. Jul. 2007 14:29 Uhr Martin Fischer  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Martin Fischer eine Nachricht zu schreiben.

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Auch auf die Gefahr hin, dass wir uns jetzt etwas vom Tee-Thema entfernen:
Wasser wurde ebenso in den mittelalterlichen Städten konsumiert.
Man hat sicher offensichtlich verschmutztes Wasser vermieden (von Keimen wusste man ja noch nichts…) und eben darum Sorge getragen, dass es nicht verschmutzt wurde. U.a. aus diesem Grund hatten viele Häuser ihre eigenen Brunnen, die auf Grund ihrer Nähe zu den Senkgruben aber trotzdem oft verjaucht waren. Zuweilen haben wohl auch die angrenzenden Bestattungen der proppenvollen Friedhöfe, die bis in die Neuzeit noch mitten in den Städten lagen (erst da hat man sie - und zwar u.a. genau aus diesem Grund - an Orte außerhalb der Stadt verlegt), die Trinkwasserqualität beeinträchtigt.
Natürlich hat man an bzw. in den Brunnen auch gewaschen - dies gilt wohl v.a. für die öffentlichen Brunnen innerhalb der Städte, die meist auf dem Marktplätzen lagen. Hier nutzte man das Wasser als Trink- wie auch als Waschwasser. Aus diesem Grund dürfte es sich bei der Mehrzahl dieser öffentlichen Einrichtungen, für deren Rein- und Instandhaltung meist ein sog. “Brunnenmeister” verantwortlich war, um sog. “Zulaufbrunnen” gehandelt haben, bei denen das Wasser - oft per Holz- bzw. Tonleitungen zugeführt wurde und aus einer Leitung in ein Becken plätscherte. Eine sehr schöne Darstellung dieses Brunnentyps findet sich z.B. auf einem Regensburger Tafelbildes aus den 1470er Jahren, dass einen Hostienfrevel zeigt und im Nürnberger Nationalmuseum besichtigt werden kann. Und wie’s der Zufall will, befinden sich an diesem Brunnen drei Personen: eine Frau, die offensichtlich mit ihrem Krug gerade Wasser abfüllen will, ein Mann der anscheinend gerade aus der Leitung getrunken hat und ein anderer, der noch aus der Leitung trinkt.
Gewaschen wurde also allenfalls im Brunnenbecken - und um diese Becken möglichst sauber zu halten, erließen die Städte im Spätmittelalter zunehmend Verordnungen, die das Verunreinigen unterbinden sollten.
Da aber auch das z.B. aus dem Oberflächenwasser naher Wasserläufe zugeleitete Wasser meist nicht sauber war (das Bild “sauberer” Flüsse und Bäche im Mittelalter halte ich - zumindest in der Nähe menschlicher Ansiedlungen bzw. Viehweiden - für ein romantisches Märchen…), hat man zur Trinkwassergewinnung wohl auch Regenwasser aufgefangen. Hierzu sind, auch was den Wasserkonsum der städtischen Armen angeht, z.B. die Memoiren des Kölner Bürgers Hermann Weinsberg eine recht aufschlussreiche Quelle .
Dieser berichtet für das Jahr 1458 von seinem Großvater:
“[…] da er sich von den acht Hellern [der Lohn für seine Arbeit als Knecht] kein Bier kaufen konnte, so kaufte er Brot und trank Wasser […]. Es stand nämlich ein Steinsarg mit Regenwasser im Haus, daraus pflegte er zu trinken; im Sommer waren manchmal Kaulquappen darin, hatte er dann Durst, so pustete er ins Wasser, dann gingen die Kaulquappen auf den Grund und er konnte trinken.”
[J. Häßlin (Hg.): Das Buch Weinsberg, Köln 1997, S.8]
Das wär’s für’s Erste - wer weiter über das Wassertrinken diskutieren mag, kann das gern tun. Aber hier ging’s ja eigentlich um den Tee - und genau den geh’ ich mir jetzt aufgießen…
Ich hoffe, man verzeiht mir meine Klugscheißerei.
Mätes

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Eintrag #16 vom 04. Jul. 2007 15:06 Uhr David Seidlitz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um David Seidlitz eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo,
es gab in Städten auch sog. “Abzuchten”. Hier wurde Wasser aus den Bächen bereits vor der Stadt auf ein bspw. hölzernes Aquädukt über den Bach geleitet. In Goslar ist sowas heute noch zu bestaunen (hier vornehmlich für die Trinkwassergewinnung zur Brauerei des sog. Gosebieres).
Dennoch halte ich einen Wasserkonsum, wie er quantitativ heute vorherrscht, für fragwürdig.
Gruß,
David
www.familia-ministerialis.de

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Eintrag #17 vom 04. Jul. 2007 17:33 Uhr Anna (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Anna eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo,
Ist Brunnenwasser nicht Grundwasser? Grundwasser nimmt man heute auch noch zum Trinken - gut, natürlich gefiltert.
Und wegen der Keime (und um auf das Thema zurückzukommen ;-):
Abgekochtes Wasser mit Kräutern, also Tee, wirkt doch ebenso wie die alkoholisierten Getränke.
Liebe Grüße, Anna

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Eintrag #18 vom 04. Jul. 2007 17:34 Uhr Anna (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Anna eine Nachricht zu schreiben.

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keimabtötend - Abgekochtes Wasser mit Kräutern, also Tee, wirkt doch ebenso wie die alkoholisierten Getränke keimabtötend.
Sorry!
Liebe Grüße, Anna

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Eintrag #19 vom 04. Jul. 2007 18:28 Uhr David Seidlitz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um David Seidlitz eine Nachricht zu schreiben.

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Na und? Wenn ein Brunnen durch direkte oder indirekte Verschmutzung verseucht wurde, ist es Essig mit dem sauberen Grundwasser…
Ansonsten ist gekochtes Wasser mit Kräutern eben “Tee”, und dafür wurde hier in diesem Thread nach Belegen gesucht :o)
David

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