Würde jetzt mal annehmen, das nicht nur meine Freundin heute sehr unangenehm überrrascht wäre, wenn ich ihr Untergewand als Tisch- und Schneuztuch verwende. Und da auch der MA Mensch nicht so unreinlich war, wie es immer heisst, halte ich diese Sitte für Quatsch. Oder, wenns doch ne Quelle dafür gibt, für mittelalterliche boshafte Satire, mit der bestimmte erwähnte Leute bloßgestellt werden sollten. Doch ohne Quellenangabe wird manns nie erfahren.
Nicht nur der heutige Name Servietten ist französischen Ursprungs, auch der Gebrauch derselben im MA scheint vom Pariser Hof zu stammen.
Jedenfalls vermerkt Ulrich von dem Türlin in seiner Vita Wilhelms des Heiligen, es seien verwandt worden
“Nach der francen site tischlachen wize
Und mannige twehele parisin …”
(Nach der Franken Sitte weiße Tischlaken
und vielerlei Pariser Tücher …)
- zitiert nach: A. Schultz, Das höfische Leben …, I. Bd., S. 314, Anm. 5).
Da an diversen Stellen ausdrücklich die Verwendung des großen Tischtuches zur Säuberung oder als Schnupftuch als kulturlos bemängelt wird, was sich angesichts der oft kostbaren Verzierungen auch verbot, dürften in der Tat die “twehele” genutzt worden sein.
Hier noch die Textbelege:
1. für die Verzierung der gewöhnlich weißen (vgl. Wolfdietrich: “In den palas witen sazt man die tavel breit / wiziu tischlachen spaehe wurden dar uf geleit”) Tischtücher etwa bei Oswald:
“Ein tischtuoch was uf den tisch geleit,
Daz was lanc und dar zuo breit.
Es was also wol beslagen,
Als wir es noch hoeren sagen,
Mit silber und mit guotem golde,
Als ein künic haben solde …
(Ein Tischtuch wurde auf den Tisch gelegt,
Das war lang und zudem breit.
Es war reich bestickt,
Wie wir noch sagen hören werden,
Mit Silber und gutem Gold,
Wie es einem König gebührt …)”.
2. für die Reinhaltung des Tischtuches z.B. im altfrz. “Chastiement des Dames”:
"Gardez que voz iex n’essuez
A cele foiz que vous bevez,
A la nape, ne vostre nez,
Quar blasmée moult en serez …
(Passt auf, dass ihr nicht abwischt,
Dann, wenn ihr euch schneuzt,
Eure Nase am Tischtuch,
Denn dann wäret ihr blamiert …)
Zitiert nach der gleichen Quellensammlung, S. 314 und 336.
Einen Hinweis auf die Verwendung der ominösen Unterröcke zu dem behaupteten Zwecke konnte ich in der Literatur (natürlich?) nicht finden.
In Zeiten, in denen selbst die Füße der Frauen möglichst unter den Kleidern verborgen werden sollten, weil alles andere als unzüchtig galt, sollen die Unterröcke (was für Unterröcke eigentlich???) der Frauen als Servietten benutzt worden sein? Also, ich weiß ja nicht… Schon die praktische Umsetzung wäre schwierig (aber bestimmt lustig)
…wenn ich die bekannten Bildquellen ansehe, dann fällt mir auf, daß die Leute ganz züchtig und gesittet dasitzen, und einander höfisch geziert sich verhalten, daß feinstes Benehmen “in” ist - besonders beim Dienstpersonal- und auch in den ganzen Berichten über höfisches Leben grosser Wert auf gutes Betragen gelegt wird.
Warum sollen die Tischsitten so schlampig sein, wenn im HMA selbst die Art, einander zu begrüssen oder anzureden zutiefst ritualisiert ist, und u.U. über Krieg und Frieden entscheiden kann.
Ich bitte um Entschuldigung, aber “es ist überliefert” ist mir als Belegstelle etwas mager.
Lässt sich ein literarischer Fundort festmachen, denn die “Unterröcke” (was ist das im MA?) erscheinen mir nicht ganz wahrscheinlich in der ßffentlichkeit ..
Aber ich will’s gar nicht anzweifeln, wüsste nur gerne, worauf sich die Aussagen gründet.
es ist überliefert, dass bis zum Erscheinen Kath.v. Medici am französischen Hof, mangels Servietten das Tischtuch benutzt wurde, aber nicht das was auf dem Tisch lag, sondern die Tücher wurden über die Schulter gelegt und als Tischtücher bezeichnet-allerdings wurden auch die vielen Unterröcke der jeweiligen Tischdamen zum gleichen Zweck benutzt
was ich erst seit gestern weiß - Löffel immer mit der offenen Seite nach unten ablegen. Sonst setzt sich der Teufel hinein :)
Ansonsten - es wird nicht ins Tischtuch geschneuzt (muß einem ja gesagt werden), wer sein Brotstück in Wein tunkt, muß diesen auch austrinken oder wegschütten, und die schmierigen Finger werden nicht abgeschleckt und auch nicht am Tischtuch gesäubert. “A” werden sie an die eigenen Kleider geschmiert, denn Servietten kannte man wohl auch noch nicht.
Nur sieben Einträge? Bei einem so wichtigen Thema? Ich bin entäuscht…wilde Debatten beim Thema “Brillen im Mittelalter”, tumultartige Ausschreitungen bei so lebenswichtigen Fragen wie ob man rauchen darf oder nicht…aber wenn es mal wirklich ums substanzielle geht, nur sieben Beiträge….Leute, ihr lasst nach!
Moin Barbara, eine gute Quelle ist auch “Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter.” von Joachim Bumke ISBN: 342304442X, ca 40,- DM, das eigentlcih für die höfische Darstellung, bzw. für die Darstellung von HMA schon fast Pflicht ist. Genauso wichtig empfinde ich, um das Idealbild vor Augen zu haben, mal den “Parzival” von Wolfram von Eschenbach oder z.B. die “Eneide” von Heinrich von Veldeke gelesen zu haben, oder die Lieder Neidharts für eine etwas ländlichere Darstellung des Rittertums (wenn´s denn Adel sein muß ;-) Bis denn Thorsten
Vielen Dank, für alle Hinweise und Info´s die ich bis jetzt bekommen habe Jetzt muss ich nur noch eine Zusammenfassung für unseren Verein erstellen Danke nochmals Barbara
Hallo, Bella, schau doch mal nach Andreas´ Korthals “Essen und Trinken im Mittelalter” homepage.ruhr-uni-bochum.de/andreas.korthals/[ ]/m[ ] Darin findest Du Abschnitte zu Eßgewohnheiten und Verbrauchsmengen, das Protokoll der höfischen Mahlzeiten und Tischzuchten. Herzlichen Gruß Sascha
Hallo Zu dem verhalten eines Edelmannes hat Martin Bruns von Furor Normannicus einen Artikel geschrieben. Zu finden unter: /furor/ger/info/hofmann.html
Hallo, ebenfalls zu empfehlen auch wenn es im Großen und Ganzen Frankreich behandelt: Bruno Laurioux Tafelfreuden im Mittelalter Bechtermünz Verlag ISBN 3-8289-0727-X
Gott zum Gruß und allzeit sichere Wege, Arfast Harksen
In einem Buch von Dieter Breuer, Lübbe-Verlag, ist sowas ganz gut dargestellt. Gut geschrieben, nicht zu langweilig über fast alle Themen des MA zu lesen. Titel: Ritter, Mönch und Bauersleut
Hallo, ich habe zwar immer ein paar fragmente zu Tischsitten und höf.Benehmen im 13.Jahrhundert gefunden aber nichts fundiertes und nichts was dieses Thema gesamt abdeckt. Kann jemand bei der Informations Suche helfen