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Eintrag #1 vom 29. Okt. 2005 00:12 Uhr Jürgen Löber  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Jürgen Löber eine Nachricht zu schreiben.

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Ich habe von Mechthild Müller \“Kleidung im frühen Mittelalter\” durchgearbeitet. (Ich weiß, es gibt grundsätzliche Vorbehalte gegen ihre Arbeiten.) Wenn ich sie richtig verstanden habe, ist sie der Meinung, daß es nebeneinander sowohl die weiten Schnitte ohne Geere, als auch die auf Körperform gearbeiteten Schnitte mit Geeren gegeben hat. Sie bezieht sich auf Inga Häggs und vertritt die These, daß es die Wikingerschnitte auch im Frankenreich gab. Sie wirft auch die Möglichkeit in den Raum, daß es diese \“Schürzenkleider\” auch bei den Franken gab. (Wo sind dann aber die Schalenfibeln geblieben???)
Das steht in meinen Augen im Widerspruch zu den allseits bekannten Buchmalereien (also Stuttgarter Spalter, St. Gallen usw.) und den auch der Interpretation hier in der Bibliothek (\“Karls Franken\” /admin/index.php?subsection=view&id=24§ion=bibliothek_view§ionid=1 ). Die Kleider dort erinnern eher an XL-Schwangerschaftsmode, als an körperbetont.
Mich hat das etwas verunsichert. Oder irre ich mich einfach nur?
Letztlich würde es nämlich bedeuten, daß man wohl die Funde aus Birka, Haithabu usw. als repräsentativ für den gesamten fränkischen und vielleicht sogar slawischen Herrschaftsbereich ansehen könnte.
Für die (West-)Slawen im 9./10. Jh. habe ich an anderer Stelle (die ich auf Wunsch gern nachreiche - habe die Lit. jetzt leider nicht zu Hand) gefunden, daß diese möglicherweise skandinavisch beeinflußte Kleidung trugen und sich überhaupt nur in Teilen(!) des Schmuckes vom skandinavischen Raum unterschieden.
Gruß, Jürgen

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Eintrag #2 vom 30. Okt. 2005 14:14 Uhr Sylvia Crumbach  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Sylvia Crumbach eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Jürgen,
die Literatur-Angabe zur slawischen Kleidung würde mich sehr interessieren.

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Eintrag #3 vom 30. Okt. 2005 16:45 Uhr Jürgen Löber  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Jürgen Löber eine Nachricht zu schreiben.

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Sebasian Brather, Archäologie der westlichen Slawen, 2001 (Inhaltsverzeichnis hier: www.hoops.uni-goettingen.de/Ergaenzungsband_30.htm ), genau gesagt die Kapitel “Kleidung” (S. 227ff.) und “Schmuck” (s. 279ff.) Noch genauer habe ichs mir nicht aufgeschrieben.
Gruß, Jürgen

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Eintrag #4 vom 30. Okt. 2005 18:30 Uhr Sylvia Crumbach  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Sylvia Crumbach eine Nachricht zu schreiben.

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Ah, ich hätte es mir denken können. Diese Veröffentlichung wird ähnlich kontrovers diskutiert wie das Buch von M. Müller.
Ich möchte dazu anmerken, daß dazu eigentlich zu wenige Metallbestandteile “skandinavischer” Machart in Körpergräbern mit Grabbeigaben aus Metall vorkommen ….
Wei auch immer, eigentlich geht es in diesem Thread um die “fränkische”, in der Literatur, kontinetale Tracht.

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Eintrag #5 vom 31. Okt. 2005 21:27 Uhr Jürgen Löber  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Jürgen Löber eine Nachricht zu schreiben.

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Sylvia,
wer es möchte kann beide Veröffentlichungen als “Strohhalm” für die durchaus Theorie einer “Einheitsmode” ansehen. Persönlich halte ich diesen Standpunkt für durchaus vertretbar. Für die spätere Zeit, für die dann bessere Quellen vorliegen, ist ja dann ein gewisser Grundkanon in der europäischen Mode durchaus vorhanden. Hmm, jetzt spekuliere ich wohl zu sehr. Was soll man auch machen, wenn es keine eindetige Quellenlage gibt. Nackt mit Schmuck, Gürtel und Waffen wollen wir wohl eher nicht herumlaufen. ;)
Noch eine generelle Frage bezüglich der Merowinger Frauentunika (stellvertretend für meine Frau gestellt): Wie groß muß erfahrungsgemäß die Saumweite mindestens sein, um sich darin bequem bewegen zu können? - Auf den Abbildungen in den diversen Codicies wirken die Tuniken im Unterschenkelbereich sehr eng geschnitten…
Bisher haben wir nur spätere Epochen dargestellt und konnten durch die Verschlüsse paßgenau nähen?
Gruß, Jürgen

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Eintrag #6 vom 27. Okt. 2007 13:38 Uhr Thorsten Seifert   Nachricht

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Hallo
Obwoll der Thread schon älter ist möchte ich mich nun auch einschalten.
1. Zu den Keilen: Fast alle Abbildungen Karolingischer Männertuniken schließen durch die Art der Besatzstücke und Schlitzung sowie der abgebildeten Borten ( Vivian Bibel) einen Einsatz von Keilen aus. Der Schnitt ist entweder komplett gerade oder oder leicht Schräg nach unten mit einer Naht an den zwei Seiten. Diese Naht ist häufig die Letzten ca. 10cm nicht vernäht.
2.Zu der Saumweite: Ich hab vor Jahren ein Frauenkleid nach Belegen dieser Zeit genäht. Die Dame konnte sich bei einer unteren Saumlänge von 2,8m sehr gut bewegen.
3. Zu der Theorie von der Einheitsbekleidung: Wir haben keine großartigen Funde von Dose oder Schildkrötenfibeln im Kontinetal Europa des 9. Jhr. (es gibt einige vereinzelte aus Frankreich). Auch ist mir keine einzige Abbildung eines Hängerockes oder Schürzenkleid in einer Karolingischen Handschrift bekannt. Das übliche Oberkleid im Fränkischen Reich war ein Schlupfkleid, das häufig mit reichlich anderstfarbigen Zierstreifen ( Clavi) bestetzt war. Gelegendlich sieht man auch das die ßrmel diese Kleides etwas kürzer waren als die des Unterkleides.
Thorsten (Dagobert, Ministrie et Miles Karls des Großen)

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