Ich verfolge mit Interesse die Diskussion um den Namen Büttel in Ortsnamen. Die norddeutschen Erklärungen “buddeln” treffen für Süddeutschland nicht zu. Hier ist entweder die Verbindung mit der Amtsbezeichnung “Büttel” zutreffend oder die Herkunft vom fränkischen Vornamen “Buto”, abzuleiten. In Hohenlohe gibt es 3 Dörfer mit dem Namen Büttelbronn (bzw. Bittelbronn). Dörfer wurden oftmals mit dem Namen des Sippenältesten bezeichnet. Näheres auf der Büttelbronner Homepage:
www.buettelbronn.de/chr3.html
Der Duden Band 7 (Herkunftswörterbuch) ISBN 3-411-04ß73-4 schreibt dazu folgendes: "Beziehungen innerhalb der Familie, die durch Wiederverheiratung eines Elternteils entstanden sind drücken die germanischen Sprachen durch Zusammensetzungen aus. Deren Bestimmungswort (mittelhochdeutsch)STIEF-, (althochdeutsch) STIUF- oder STIOF-, (niederländisch) STIEF-, (englisch) STEP-, (schwedisch) STYV-, (altisländisch)STJUPR = Stiefsohn, bedeutet wohl ursprünglich >abgestutzt, beraubt, verwaistberauben(der Eltern oder Kinder) berauben
Herico, Getreuer des Johannes v. Siglingen, Geleit des Adalbert v. Enzenhardt
Wer kann mir bitte mitteilen, woher der Begriff STIEF ( kind mutter vater etc ) kommt. Habe alle mir zur Verfügung stehenden Lexika gewälzt aber leider nichts gefunden. Vielen lieben Dank im voraus.
Zum 2. Teil der Frage habe ich was aus den 60ern gefunden bei:
Laur, Wolfgang:
Die Ortsnamen in Schleswig-Holstein mit Einschluß der nordelbischen Teile von Groß-Hamburg und der Vierlande. - Schleswig: Schloß Gottorf, 1960. - (Gottorfer Schriften zur Landeskunde Schleswig-Holsteins ; 6)
Da heißt es im Kapitel 22:
Die Namen auf -Büttel, -Borstel und -Buren
Die 3 genannten Namentypen gehören der Ausbauperiode in der ersten Hälfte des Mittelalters an. Es handelt sich bei ihnen um Bildungen zur Wurzel *bhu - “wohnen”..
… Es hnadelt sich … in der Hauptsache um einen Ortsnamentyp des (nieder)-sächsischen Bereiches.
Unser Grundwort - as. -gibutli/gibudli oder -butli, mnd. -butle/botle, nnd. -büttel, auch -bötel, ae *-gebytle (Nom. Plur. gebytlu) ist eine Zusammensetzung der genannten Wurzel *bhu- mit dem Suffix germ. -pla (vgl. slaw. bydlo - “Wohnung”), germ. *bupla/bopla.
…
Bei den büttel-Namen handelt es sich meist um kleinere Dörfer und Ausbauten. Die urkundlichen Erwähnungen beginnen im 9. Jh. …
Nach Fiesels siedlungs- und ortsnamenkundlichen Untersuchungen ist Büttel eine Modewort der Rodungstätigkeit des 10. - 13. Jh. Seiner Ansicht nach ist dieser Ortsnamentyp südlich der Elbe entstanden und hat sich auch nach Holstein ausgebreitet. Es hat seiner Ansicht nach oft enge Beziehungen zur Grundherrschaft. … Dies trifft nicht für Holstein zu.
Inwieweit dieser Text in der Fachwelt noch gültig ist, kann ich als Laie natürlich nicht beurteilen.
zum Namenszusatz “büttel” bei Orten soviel: Der Begriff ist verwandt mit unserem “Buddeln” und ist ein Hinweis darauf, dass zur Gründung des Ortes diverse Entwässerungsmassnahmen notwendig waren (“Buddeln” von Entwässerungsgräben in Sumpflandschaften etc.).
Zitiert zum Stichwort Büttel (in Originalorthographie und -interpunktion) aus:
Adelung, Johann Christoph: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart : mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen / von Johann Christoph Adelung. Mit D. W. Soltau’s Beyträgen . - Rev. und berichtiget von Franz Xaver Schönberger . - Wien : Hrsg. , 1808 Erschienen: Th. 1 - 4
“(…) Am häufigsten wurde der Frohnbothe, oder der Gerichtsbediente Büttel genannt. Im Schwab.Spieg. heißt es von diesen Frohnbohten Kap. 109: Etuua heizzent si gebutel, etuua Rihter, etuua anders, d.i. an einigen Orten heißet man sie Gebütel, an anderen Orten Richter, an andern anders. Die wahrscheinlichste Ableitung ist von dem verbo biethen oder gebiethen, weil sie im Rahmen des Richters gebiethen mußten, … (…)
Das Nieders. Bödel, Böel, das Engl. Beadle, das Angels. Bydel, das Schwed. Bödel, das Isländ. Bodul, das Dänische Boddel, bedeuten alle entweder einen Bothen, oder einen Gerichtsdiener oder auch den Henker. (…)”
Auszug aus dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen, dtv-Verlag:
Büttel: … ahd. “butil” Diener des Königs, Gerichtsdiener, mhd. “bütel” Bote, Diener … bezeugen die westgerm. Verbreitung des zu “bieten” gehörenden Nomen agentis auf “-ila”
… bedeutet eigentlich “der den Willen .. der Obrigkeit Bekanntmachende”
(ahd. = althochdeutsch (ca. 750 bis 1050), mhd. = mittelhochdeutsch (ca. 1050 bis 1350))
Lohnt sich bei Interesse an alten Begriffen immer, ein Herkunftswörterbuch im Schrank zu haben! :-)))
Wer kann mir sagen, woher das Wort “Büttel” für einen Beamten kommt und was es ursprünglich bedeutet, also wieso die Erfüllungsgehilfen staatlicher Gewalt so genannt wurden.
Im anderen Zusammenhang bedeutet die Endung “büttel” auch auf altdeutsch Wohnort, so z.B. heute noch Barsbüttel, Osterbüttel usw. Hat das auch etwas mit dem Begriff für den Staatsdiener zu tun?