Hallo freier Frank, sicher interessierts den “Ecki von nebenan” nicht ob es nun historisch korreckt ist oder nicht, aber wenn “alles” historisch korrekt dargestellt würde, wäre besagter Ecki wenigstens nicht fehlinformiert. Halte ich für wertvoll diese Unterscheidung… Zum Thema künstlerische freiheiten - in meiner Sparte (Musik) gehts nunmal nicht ohne, aber es gibt schon gewisse Möglichkeiten der Recherche die man m.E. nutzen sollte. Und bei so einem teuren Riesenprojekt wie einem Film fällt es doch nicht ins Gewicht, wenn ich z.B. “historisch korrekte” Kleidung nehme, statt Fantasy-Kostüme. Das sollte in den meisten fällen nicht schlechter aussehen UND ist “hk” UND ich habe die Leute nicht fehlinformiert. (Ok, ok, manchmal kann man dann die tolle Figur der Schauspielerinnen nicht so gut zeigen… *g*) Vielleicht sollte man mal einen Aufruf an die Filmemacher schicken.. *kicher*
Hallo! Ihr kommt mir vor wie lauter alte verbohrte Greise. Obwohl ich euch irgendwie recht geben muss. Aber eine Frage: Wie sollte es auf MA-Märkten oder sonstwo eurer MEinung nach hergehen. Wie sollten denn die Schaukämpfe aussehen die das Publikum unterhalten aber auch über die Vergangenheit belehren sollen? Wenn man es sich überlegt kommt doch eh nur der gemeine Pöbel zum MA-Markt. Meint ihr dem Ecki von neben an interessiert es wirklich ob es nun historisch korrekt oder nicht ist was ihr so treibt. Die Perfektion ist doch eigentlich nur oim Kreise gleichgesinnter zu erreichen, weshalb ein Apell an die breite Masse meiner Meinung nach, unwirksam ist. Gerade weil die Masse von besagten Medien ihr eigenes Bild hat, könnten nur diese Medien das geschaffene Bild verändern. Tun sie aber nicht weil “Im Name der Rose” nicht so tolle Metzelszenen hat wie “Gladiator” oder “Bravehaert”. Und daran ändert sich bestimmt nix. Was die “MA-Karnevalisten” betrifft. Ok Turnschuh unteer der so teuer gekauften Gewandund und Plaste-Schwerter find ich auch ätzend. Aber mal ein Beispiel: Ich könnte wetten es gab nie einen Wickinger mit Dreadlocks. Trotzdem will ich einen darstellen ohne meine Haarpracht zu verlieren. Jetz sehen Leute wie ihr mich auf nem MA-Markt oder so und denken “Glotz dir den Idie mal an der hat ja gaa keine Peilung….”. Obwohl der Rest an mir stimmt bin ich doch unten durch weil ich historisch nicht korrekt aussehe oder was? So geht es bestimmt vielen die es echt versuchen aber an irgendwelchen Dingen “scheitern” und dann von fanatischen Randgruppen(nich so ernst nehmen ;) ) angepöbelt werden, welche dieses “Pöbeln” wiederum als historische Verantwortung deklarieren und sich vollkommen im Recht finden. So jetz reichts Frank
Hallo zusammen, guter versuch die verantwortung der filmemacher ggü. der geschichtlichen darstellung einzuklagen. aber wie thurid sagte: das ist eine industrie. und glaubt ihr wirklich, daß auch nur ein wort, welches hier geschrieben wird überhaupt bis in die filmindustrie vordringen wird? geschweige denn bedacht wird?! wenn nicht mal junkelmann da einen fuß auf den boden kriegt?! und alles was ein schwert halten kann wird engagiert - klar, das publikum findet´s ja toll (armes publikum, das mit so wenig zufriedenzustellen ist, fällt mir dazu nur noch ein). natürlich kommen dann wieder die marktbesucher und sagen: aber ich habe das im film doch so gesehen (merke: was im fernsehen/kino vorgeführt wird IST so). und dann kann der marktdarsteller wahlweise frustriert in kettenhemd, schwert o.ä. beißen (achtung, das freut letztendlich nur den zahnarzt, weil der dann wieder teure kronen verkaufen kann *g*) oder zähneknirschend die realität hinnehmen, daß publikumswirksame filme eben mehr breitenwirkung haben als eine noch so gut recherchierte und dargestellte ma-figur. wieviel leute sehen gladiator - robin hood - excalibur… und wievielen leuten kannst du auf dem markt eine richtiggestellte version erzählen? eben. was die verschiedenen grade an historischen genauigkeit in der ma-szene angeht, so wurde das ja schon weidlich in anderen threads diskutiert. ich möchte hier nur nochmal die frage aufwerfen, ob denn überhaupt ein allgemeinverbindlicher maßstab, wieviel a es nun sein soll/muß/kann aufgestellt werden kann. mir scheint, als ob viele leute mit unterschiedlichen zielsetzungen unterwegs sind. und die kann man eben nicht alle auf ein einheitliches ziel einschwören. wohlgemerkt: fantasy-darstellungen, die als ma verkauft werden bringen mich auch auf die palme. aber mir kommt es so vor, als ob hier leute die fantasy machen mit ma-maßstab gemessen werden. korrigiert mich wenn ich was falsches sage.
Ich bin sehr für den steten Tropfen, in dem “WIR” unser knwo how dagegen halten, es als UNSERE Aufgabe ansehen und UNSERE Arbeit tun. Ohne uns darüber zu verzetteln, ob Künstler für oder wider unseren Vorstellungen handeln. Ivo … es ist schwer!
Oh, a propos “künstlerische Freiheit”. Da gabs doch neulich diese monströse, mehrteilige Fernsehverfilmung von “Les Miserables”. Von diesem Streifen wurden zwei Versionen gedreht. Für Europa eine “sozialkritische” und für Amerika eine “romantischere”. Soviel dazu.
Hm… Guter Einwand, Carsten, und das meine ich ohne Häme. Ausdrücklich. Jetzt befürchte ich nur, daß diese Steilvorlage von der üblichen Zielgruppe hergenommen wird nach dem Motto “Was wollt Ihr denn, ich bin doch Künstler…”. Ja, ich bin ein Schwarzseher und Kulturpessimist. Aus Erfahrung. Zum Unverständnis des Geschichtsbegriffs trägt ja auch unsere Medienlandschaft bei. Alle Ritterschinken, Sandalenfilme und ähnliche Unterhaltungsmedien laufen ja unter “Historienfilme”. Historia ist lateinisch und heißt “Geschichte”, also wirds wohl so sein. Daß sich eine Firma dann noch “Historia Aktiv” nennt und weite Kreise vom “Historienhobby” reden oder vom “historischen Hobby”, ist nur die logische Fortsetzung. Auch im Printbereich läßt sich ähnliches feststellen. Eine Buchhandelskette richtete neben den Rubriken “Fantasy” und “Science Fiction” eine eigene Rubrik mit dem Namen “History” ein. Da findet sich dann die Neuheitenflut, von Noah Gordon bis Peter Berling, von Ken Follet bis… History ist englisch und heißt “Geschichte”, also wirds wohl so sein. Fazit: Ein Begriff ist, genau wie “Mittelalter”, beliebig geworden, eine leere Hülse, die man mit allem füllen kann, was irgendwie urig ist und nicht aus Plastik, Alu oder Kartoffeln besteht. Den Rest besorgt Denkfaulheit und Bequemlichkeit. Mittlerweile wird alles, was ein Schwert sein eigen nennt, auf “historischen Themenfesten” gebucht. Es gibt Gage, beschwert hat sich auch keiner, und Spaß hat man gehabt- und gut ist. Why try harder? Historische Tatsachen? Warum denn? Wir haben unseren Spaß und lassen uns den auch von den drei, vier vereinzelt auftretenden Mäklern nicht verderben. Wir leben schließlich in einer Demokratie, warum sollte sich die Mehrheit von einer winzigen, verkopften, intoleranten Minderheit vorschreiben lassen, was Mittelalter ist? Das ist ein Hobby, das ist Freizeit, und kein Beruf!!! Und außerdem machen andere das schon seit Jahren so, und das sind unglaublich nette, hilfsbereite Menschen, und auf einmal soll ich die scheiße finden? Wo die mir so nett gezeigt haben, wie ich mein Schwert auf den Rücken binden UND noch ziehen kann? Wo mir früher über Jahre hinweg einhellig versichert wurde, Baumwolle und Springerstiefel seien völlig okay, weil man ja mangels rückgezüchteter Schafe Kompromisse machen muß- und plötzlich ist das alles nicht mehr wahr? Wem kann man überhaupt noch glauben??? Außerdem- wer sagt mir, daß diese Besserwisser mir nicht auch völligen Mist erzählen? Dann lass ich lieber alles so, wie es ist. Und auch Wissenschaftler irren und widersprechen sich, also darf ich doch wohl auch falsch liegen, oder? Weil, historische Tatsachen gibt es nicht, solange es keine in Granit gemeißelten Aussagen gibt und sich die Wissenschaftler dauernd widersprechen! Wie soll man da Verantwortung übernehmen oder verantwortlich handeln? Uff. Ich schließe mich Nikolaj an in der Hoffnung auf den steten Tropfen. Es lebe die Geschichte, auch im “historischen Hobby”. Gruß Ivo
Auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt ausgebuht werde: Ich halte Schauspieler oder besser gesagt Filmemacher nicht für Künstler. Wenn Schauspieler eine Rolle spielen, die neu ist, eine fiktive Person, dann sind sie nur insofern Künstler, als sie der Rolle ihre persönliche NOte aufdrücken können/sollen/werden. Ansonsten folgen sie nur den Anweisungen und Vorstellungen derjenigen, die den Film konzipiert haben. Das mag anstrengend sein - aber es ist keine Kunst, sondern meiner persönlichen Definition nach ein Handwerk. Ich möchte hier zwischen Beruf und Berufung unterscheiden. Nein, zerreißt mich nicht: Ich schließe nicht aus, dass es überall Menschen gibt, die sich besonders hervortun/-taten. Aber ich denke nicht, dass das heutige Filmbusiness noch viel mit Künstlerischem Schaffen zu tun hat. Es ist eine Industrie. Und wenn es sich ein Teil dieser Industrie zur Aufgabe macht, ein historisches Thema aufzugreifen, dann denke ich nicht, dass hier viel künstlerische Freiheit herrschen sollte - es sei denn, man ist bereit, das ganze als “Fantasie” zu bezeichnen. Tut man das nicht, sondern will wirklich ein historisches Thema darstellen, hat man eine gewisse Verantwortung. Will man dieser entgehen, soll man es nicht historisch nennen! Spielen Schauspieler eine - wenn auch fiktive - historische Rolle, dann sind sie keine Künstler, sonder einfach Leute, die etwas so gut wie möglich kopieren sollten, dass schon einmal Realität war. Wie auch immer sie das nun anstellen, ist ihre Sache. Aber mit Kunst hat das nicht zu tun. Die Kunst ist, wenn es in einer Szene heißt “Er ist traurig”, diese Traurigkeit auszudrücken. Eine andere künstlerische Freiheit gibt es bei dieser Materie meiner Meinung nach nicht.
Hedwig Swende von Weinheim, Freie Ritterschaft Odenwald
Ich bin ßBERHAUPT nicht der Auffassung, daß jemand, der als KßNSTLER etwas “historisches” darstellt, sich an historische Tatsachen zu halten hat! Ich bin ein Mensch des zwanzigsten - nein, inzwischen sogar des 21. Jahrhunderts. Und mir ist die Freiheit der Kust ein wichtiger Wert! Jeder Künstler hat das Recht - und sogar die Pflicht -, mit einem (auch und immer wieder gerne genommenen, historischen) Stoff, das zu tun, was ihm damit beliebt! Gottfried von Straßburg hat “geschichtliche” Stoffe verwendet um Geschichte darzustellen, und hat gleichzeitig Aussagen zur (damaligen) Gegenwart gemacht. Shakespeare hat, mit Hilfe historischer Stoffe soziale und politische Gegenwartssituationen reflektiert und individuelle Geschichtsinterpretationen geliefert. Lessing, Schiller und Goethe haben es getan. Thomas und Heinrich Mann … alle Künstler taten und tun es. Und sie DßRFEN es! Und wenn ich einen Film drehe, in dem Karl der Große an einem PC sitzt und seine Feldherren via E-mail instruiert, dann darf ich (als KßNSTLER) das! Ich darf nur nicht behaupten, es wäre wissenschaftlich erwiesen, Karl der Große habe einen Internet - Anschluß gehabt … *g*! Ich, als jemand, der erklärt, er möchte ein Stück Geschichte erlebbar und erfahrbar machen, der muß sich auch daran halten. Von einer/m RegisseurIn, SchauspielerIn, SchriftstellerIn oder einem anderen Künstler/ respektive Künstlerin, dürfen wir die “authentische Geschichtsdarstellung” erst dann erwarten, wenn er sie auch explizit ankündigt. - Und dann gilt natürlich - wie bei WissenschaftlerInnen: Wie gut ist die Recherche. Ein Künstler willund MUß schaffen. Und verkaufen. Um zu “künden” und um zu leben. Der von Junckelmann postulierte Bildungsauftrag, besteht für Filmschaffende m.E. nur bedingt. Künstler haben viele andere Aufträge … sind an viele Verpflichtugen und Bedingungen gebunden! Sicher darf man all den Verantwortlichen für Filme wie ´Excalibur´, ´Robin - Hood, König der Diebe´, ´Der erste Ritter´, ´Braveheart´ usw. usf., den Vorwurf machen, zu einer verfälschten Geschichtswahrnehmung beizutragen. Das ärgert mich auch. Wir können allerdings nur versuchen, unsere Geschichtsauffassung dorthin zu tragen. Aber wie bereits gesagt, die authentische Geschichtsdarstellung ist im Grunde nicht die Aufgabe der Kunst, auch nicht des Kinos. “Unsere” Aufgabe, als Akteure der lebendigen Geschichtsdarstellung aber sehr wohl.
Hallo Indy und Ullrich, zu Eurem Beitrag kann ich nur sagen: STIMMT! Ihr (bzw. Junkelmann) habt 1. recht 2. mir völlig aus dem Herzen gesprochen! Ich befürchte nur, leider gilt auch der folgende Punkt 3. wahrscheinlich keine Wirkung auf die breite Masse der “MA-Karnevaisten”, die immer wieder versuchen, ihre Fantasie-Welt als MA zu verkaufen und damit die Szene der weitaus meisten Märkte und ähnlicher Veranstaltungen prägen. Trotzdem: Gut, dass es wieder einmal gesagt wurde - es gibt da ja so ein Sprichwort vom steten Tropfen ….
mit besten Grüßen und Wünschen Nikolaj aka Argl. Rhisiart ap Maredudd
Aus aktuellem Anlaß (Römerthread 998): Zu dem Thema Filmdarstellung und historische Wirklichkeit, v.a. in Bezug auf “GLADIATOR”, hat auch Junkelmann in seinem neuesten Buch Stellung genommen, dem man nur 100% zustimmen kann: Marcus Junkelmann: Das Spiel mit dem Tod: so kämpften Roms Gladiatoren, Mainz: von Zabern 2000, ISBN 3-8053-2563-0 “Das Vergnügen ist, wie fast durchgehend in diesem Werk, ein sehr gespaltenes. Es ist nicht zu bestreiten, daß es gelungen ist, eine technisch brilliante Illusionswirkung (…) zu erzeugen. Leider stehen dieser glänzenden Leistung eine große Menge höchst überflüssiger Fehler zur Seite, wobei man sich immer wieder fragt, ob sie auf einer geradezu verblüffenden Ignoranz beruhen oder auf der bewußten Entscheidung, Phantasieschöpfungen den Vorzug zu geben vor authentischen Lösungen, da man die letzteren aus mir unbegreiflichen Gründen für weniger publikumswirksam hält. Man darf dabei nicht übersehen, daß Spielfilme zu den wichtigsten Informationsquellen gehören, aus denen die Allgemeinheit ihr Wissen über vergangene Epochen schöpft(…).Insofern übernehmen die Filmemacher auch eine nicht zu unterschätzende Verantwortung für die Bildung des populären Geschichtsbewußtseins. …”Was sich in Ridley Scotts Arena tut, hat nichts, aber auch rein gar nichts mit der römischen Gladiatur zu tun.“ Junkelmann zitiert auch aus Interviews mit den Filmemachern: Ridley Scott und Mitarbeiter:”…Deshalb war es für mich wichtiger, den Geist dieser Zeit darzustellen, als an den möglichen Fakten zu kleben.“ Gleich darauf verkündet Scott dann aber doch den großen Anspruch: ”Die Kostüme waren authentisch…“. ”Ich schaute in Büchern nach, die sich mit Waffen dieser Zeit befassen, aber es war nicht viel zu finden. … Wir mußten Tausende (!M.J.) von Büchern wälzen und besuchten Dutzende von Museen und Galerien. Wir wurden inspiriert von den Werken von Künstlern…“(Maler des 17.-19.-Jh, Anm. der Red.) Eigentlich schade, wenn man bedenkt, daß Scott durchaus schon bewiesen hat, daß er durchaus in der Lage ist, einen bis ins Detail WIRKLICH authentischen Historienfilm zu drehen, der dennoch äußerst publikumswirksam ist (”Die Duellisten“). Eine ähnliche Verantwortung wie die der Filmemacher hat auch jeder von uns, der in der ßffentlichkeit von sich behauptet, eine vergangene Epoche darzustellen. Leider erinnern die ßußerungen von Scott et al. frappierend an gewisse apologetische Erklärungsversuche diverser ”MA"-Darsteller. Wer etwas Historisches darstellen will, sei es nun im Film oder in einer anderen Form, hat die Pflicht, sich an historische Tatsachen zu halten!!! (There is a fine line between genius and madness!)