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Eintrag #1 vom 09. Nov. 2000 20:43 Uhr Udo Brühe   Nachricht

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Wer war der Architekt Violett-le-Duc und welche Rolle spielt er in der Mediävistik?
Udo

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Eintrag #2 vom 09. Nov. 2000 23:42 Uhr Thorsten (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Thorsten eine Nachricht zu schreiben.

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Moin Udo, le Duc war nicht nur Architekt, sonder auch einer der Grundväter der französischen Mediävistik. Er hat sich dabei auf Sachkultur spezialisiert. Berühmt sind seine Werke über Rüstungen und Waffen (die Originaltitel müßte ich bei Bedarf nachsehen, ist bei mir auch schon Urzeiten her, daß ich eines seiner Werke gelesen habe). In seiner Wichitgkeit für die französische Mediävistik kannst Du ihn in etwa mit Boeheim in Deutschland oder Oman in England vergleichen. Viele etwas ältere Bücher berufen sich in ihren Darstellungen auf Le Duc. Bekannt sind Eduard Wagners “Tracht, Wehr und Waffen im späten Mittelalter” von 1956 und der berühmt-berüchtigte Funcken. Die Funckens haben sich z.B. auf seine Werke berufen, als sie schon veraltet waren und unkommentiert eine Menge übernommen. Ein Freund von mir - auch Historiker - bezeichnete ihn als den “Idioten, der Carcassonne verbrochen hat.” Seine Rekonstruktionsversuche der Befestigungswerke Carcassonne sind heutzutage arg umstritten bzw. als Auswüchse der Historismus bezeichnet. Das wär´s, was mir in Kürze dazu einfällt. Bis denn Thorsten

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Eintrag #3 vom 10. Nov. 2000 12:50 Uhr Peter Müller  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Peter Müller eine Nachricht zu schreiben.

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Das hab ich auch noch so in Erinnerung, Thorsten. Ich hab jetzt auf die Schnelle auch keinen Buchtitel parat, aber wenn ich mich recht erinnere, war Le Duc sogar einer der allerersten, die sich speziell mit Waffen und Rüstungen auseinandersetzten. Soweit ich weiß, hat sogar Boeheim 1894 z.T. Handskizzen kritiklos in sein Werk übernommen (in was ja die Funckens ebenso meisterlich sind) - darunter auch eine Zeichnung eines Kübelhelms, der heutzutage verschollen ist. Mehr hab ich momentan auch nicht auf der Pfanne.
Peter

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Eintrag #4 vom 13. Nov. 2000 23:42 Uhr Michael Maucher   Nachricht

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Hallo Leute Der Wälzer heisst : Enzyklopedia Medivale und is hunderte von Seiten schwer und hatt ca. 2000 Zeichnungen des Historismus abgebildet , ist aber toll anzuschauen . Kostet z Zt in Frankreich ca. 1 000 DM Gruss MICHAEL

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Eintrag #5 vom 17. Nov. 2000 20:34 Uhr Nikolaj Thon  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Nikolaj Thon eine Nachricht zu schreiben.

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Noch ein paar biographische Angaben zu Eugène-Emmanuel Viollet (bitte mit zwei “ll”!)-le-Duc: Geboren am 27. Januar 1814 in Paris, gestorben am 17. September 1879 in Lausanne. War sozusagen der “Vater” der Neogotik in Frankreich, sowohl als Architekt wie als Architekturtheoretiker und Autor. Zuerst Schüler von Achille Leclère, hielt er sich 1836 für 16 Monate in Italien auf. Seine erste Arbeit zurück in Frankreich war die Mitwirkung bei der Restauration von St. Germain-l´Auxerrois 1838. 1839 konnte er dann - auch Empfehlung seines Freundes, des Schriftstellers Prosper Mérimée die Magdalenenkirche in Vezelay im neugotischen Stil restaurieren. Es sollen hier nicht alle seine Arbeiten aufgelistet werden, doch sei noch erwähnt, dass er (mit F.-L.-J. Duban) 1840 an der Restaurierung der Sainte Chapelle und 1845 (mit Lassus) an der von Notre-Dame de Paris arbeitete, wo er eine neue Sakristei im neogotischen Stil anfügte. Es folgten zahlreiche weitere, teils recht weitgehende Restaurationsarbeiten in fast ganz Frankreich und eigene Kirchbauten (z.B. in Carcassone). Doch wichtiger war V.-l.-D. wohl als Theoretiker und Dokumentator der Gotik in Frankreich (was ihn übrigens nicht davon abhielt, bei den eigenen Arbeiten, auch den Restaurationen seine Phantasie recht freizügig zu gebrauchen, so dass nach heutigen Gesichtspunkten er oft nicht das Original wiederhergestellt, sondern nur noch mehr verdorben hat; da sieht man, wo man hinkommt, wenn man sich nach dem Motto richtet: Es hätte ja sein können …). Zwei enzyklopädische Werke sollten genannt werden, da sie Grundlage für viele spätere ßbernahmen, die ja z.T. schon in anderen Einträgen genannt worden sind, wurden, und zwar sein 10 (!) bändiges “Dictionnaire raisonné de l´architecture francaise du XIe au XVIe siècle”, erschienen Paris 1854-68, und sodann das “Dictionnaire raisonné du mobilier francaise de l´époque carlovingienne à la Rénaissance” (weitere 6 Bände), Paris 1858-75. Seine Theorien hat er in seinem Buch “Entretiens sur l´architecture” (Paris 1872) veröffentlicht. Das Interesse dieses Mannes war ungewöhnlich weit gespannt: So veröffentlichte er 1877 noch ein Werk zur “L´Art russe”! So, ich denke, das sollte erst mal genügen. Es gibt natürlich noch mehr Detailstudien zu ihm.
mit besten Grüßen und Wünschen Nikolaj aka Argl. Rhisiart ap Maredudd

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Eintrag #6 vom 17. Nov. 2000 20:59 Uhr Ranes Haduwolff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ranes Haduwolff eine Nachricht zu schreiben.

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Grüß Euch, ..dann schaut mal in den Lehnart..der hat auch brav dort abgekupfert.
Euer Haduwolff

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Eintrag #7 vom 17. Nov. 2000 21:02 Uhr Ranes Haduwolff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ranes Haduwolff eine Nachricht zu schreiben.

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Grüß Euch, dennoch hat V.l.D. seine Verdienste. Das Problem, daß sich hoffnungsvolle Architekten an alter Bausubstanz vergehen hats doch überall gegeben, siehe z.B. Hochkönigsburg im Elsass. Das eigentliche Problem beim Funcken ist doch, daß es keinen einzigen Quellennachweis gibt.
Euer Haduwolff

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Eintrag #8 vom 22. Nov. 2000 14:59 Uhr Philippe Delgal   Nachricht

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Diese Encyklopedia kann mann kaufen in Frankreich für weniger als 200DM.-
L´Ost de Montjoie

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Eintrag #9 vom 09. Dez. 2001 17:06 Uhr Ingo Kammeier  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ingo Kammeier eine Nachricht zu schreiben.

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Stimmt…
es gibt in Frankreich das Original in zwei Bänden
für weniger als 200 DM. Ich habe sie mir damals gekauft (bzw nur den zweiten Teil). Ist recht hübsch anzusehen, aber außer ein paar netten Zeichnungen wenig informativ.
Gruß Ingo

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Eintrag #10 vom 14. Jan. 2002 20:56 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

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Bin kein Historiker, aber kenne Leute, die Französisch sprechen, was mich in die glückliche Situation bringt, im Viollet-le-Duc etwas anderes als ein auf DIN A 3,5, 500 Seiten aufgeblasenes, auf bibelseitenstarkes Papier gedrucktes Bilderbuch zu sehen.
Zum Thema Kette: Kein Wunder, dass bei den ganzen Abbildungen, wo die Kette an die Pferde gehängt wird, nix mehr für die armen Ritter übrig bleibt (und der war jetzt sehr ironisch).
Nicole

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Eintrag #11 vom 15. Jan. 2002 15:23 Uhr Götz Finger  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Götz Finger eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Viollett und seine Verdienste - Hohkönigsburg

Hallo Haduwolf,
ob die Sanierung der Hohkönigsburg nun ein Verdienst ist, ist für mich sehr zweifelhaft. Ich stelle mich mit meiner Meinug auf die Seite des anerkannten Burgenforschers Otto Piper und seinem Nachfahren, dem Dr. Joachim Zeune.
Deren Grundthese lautet - “konservieren statt restaurieren”. Gerade im Zusammenhang mit den Katastophen in der Burgensanierung, die in den 70iger und 80iger Jahren stattgefunden haben, ist dieser Ausspruch wichtiger den je.
Viollett und dessen Nachamer machten gerade aus Burgen wie die Hohkönigsburg Phantasieobjekte, die mit der hist. Wirklichkeit überhaupt nichts zu tun hatte. Man sollte diese Sanierungen, zu denen auch die Burg Bentheim, die Hohenzollernburg und die Hohenschwangau gehöhren, als absolute Negativbeispiele der Denkmalpflege sehen. Ein Denkmalpfleger, der zeitgleich mit Violett gelebt hat, - Georg Dehio - , hat mal folgenden Spruch losgelassen. “Gott schütze die Denkmäler vor genialen Sanierern”. Und damit hat er vollkommen recht.
Götz Finger

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Eintrag #12 vom 15. Jan. 2002 19:01 Uhr Ranes Haduwolff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ranes Haduwolff eine Nachricht zu schreiben.

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Grüß Euch,
Götz, lies mal mein Posting nochmals durch: Ich habe die Hochkönigsburg nicht gelobt, sondern die Leistung V.l.D’s.
Gemeint war, daß sich auch andere Architekten dieser Welle an katastrophalen romantisierenden Rekonstruktionsdesastern ebenso damals vergangen haben, immerhin war das damals Zeitgeist!
Euer Haduwolff

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Eintrag #13 vom 21. Jan. 2002 16:42 Uhr Götz Finger  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Götz Finger eine Nachricht zu schreiben.

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Ist mir klar. Die einzigen Verdienste Viollets sind eindeutig im Bereich der Skizierung von Denkmälern. Wobei gerade die moderne Burgenforschung mit diesen Skizen Probleme hat. Gerade die ßberdimensionierung der Burgen bereitet dem heutigen Denkmalpfleger Probleme. Denn ist leider schwer dieses Denken aus den Köpfen der Leute herauszubekommen.
Götz Finger

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