Moin zusammen, daß mit nicht belegbar stimmt so nicht. Der Begriff des Cuir Boilli (gekochtes oder gehärtetes Leder - die behandlungsart ist immer noch unklar) ist im ganzen Hochmittelalter nachweisbar. Auch ist es eher eine Frage der Zeit und der Gegend, ob jetzt Lederrüstungsteile eingesetzt wurden. Eine nette Site, die Lederrüstungen behandelt ist folgende:
heaven.gofast.net/~lucifer/armor/leather_armour Für den HMA-Bereich gibt es ab der zweiten Hälfte des 13. Jhdts. (einzelne Nachweise auch schon früher, z.B. in Verbindung mit Richard I.) den Begriff der “Curie”, der wohl auch mit dem Cuir Boilli zusammenhängt und aus dem sich das spätere “Küraß” entwickelt hat. Die Curie war zu diesem Zeitpunkt eine Verstärkung der Kettenrüstung und ähnelte einem Lederponcho, der an den Seiten geschlossen wurde. `Ne nette Abbildung findet man z.B. im Italian Militiaman von Osprey. Wenn man das Ding dann noch mit Metallspangen verstärkt: Voila, ein Wisby! Weiterhin gibt es in verschiedenen Handschriften den Hinweis auf Verstärkungen aus Leder, speziell Unterarme, Ellenbogen, Schienbeine und Knie. Ich erinnere mich an einen Absatz in der St. Olafsaga (afaik frühes 12. Jhdt.), wo von mit Rentierhäuten belegten Gambesons gesprochen wird. Speziell im italienischen Bereich finden sich auch einige Hinweise, die auf Verwendung von Cuir Boilli bei verschiedensten Rüstugnsteilen im13. und 14. Jhdt. hinweisen, wo sie oft auch noch durch Punzierungen verschönert wurden. Vermutlich waren diese Rüstungsformen in Italien so beliebt, weil sie weniger Hitze leiteten, wie metallene Rüstungsteile. Das Problem mit Lederschutzkleidung ist halt, daß sie im Gegensatz zu Eisen, sich lange nicht so gut hält. Z.B. ist bei den Wisbyfunden leider nicht das Leder (oder - um exakt zu sein - nur ein paar Reste) übrig geblieben. Leder wurde übrigens auch noch in späterer Zeit zu Rüstugnen verwendet. Von den Lederkollern des 30-jährigen Krieges und der Cromwell-ßra bis zu Feuerwehrhelmen des 18. Jhdts. In der oben genannten Site ist übrigens ncoh interessanterweise ein eglisches Stück Pferdepanzerung vom Ende des 15. Jhdts. aus Cuir Boilli abgebildet. Bis dann Thorsten