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Eintrag #1 vom 08. Dez. 2003 14:55 Uhr Claudia Henn  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Claudia Henn eine Nachricht zu schreiben.

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Bin gerade auf der Suche nach Informationen und Quellen zu Folgenden Themen der Waldwirtschaft:
Hute/ Waldweide,
Laubheu Gewinnung,
Zeideln (Bienenhaltung in Baumhölen).
Beim Huten interessiert mich besonders wie es gemacht wurde. Einfach das Weidevieh in den Wald treiben uns sich selbst überlassen (wohl eher nicht), bzw. mit welchem Vieh wurde das gemacht. Bilder von Schweinen habe ich schon gefunden.
Wie hat sich das Huten auf den Wald ausgewirkt, etwa Auflockerung der Strauch und Krautssphäre oder wenig dichter Baumbestand.
Beim Zeideln, wie wurde es gemacht. Welche Bienen,etwa Arten der Dunklen Biene (Apis mellifera mellifera)?
Hoffe nun nicht zu spezielle und unverständliche Fragen gestellt zu haben.
Claudia Henn

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Eintrag #2 vom 08. Dez. 2003 16:21 Uhr Wolf Zerkowski  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Wolf Zerkowski eine Nachricht zu schreiben.

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Alle Tiere des Dorfes weideten gemeinschaftlich auf der Mark, und jeder Bauer war verpflichtet, sein Vieh dem gemeinsam bestellten Dorfhirten zu übergeben.
Durch strenge Vorschriften suchte die Dorgemeinschaft die Waldmark (Teil der Allmende) zu schützen.
Mit ihren Wald und Weideflächen stellte die Allmende eine unentbehrliche Nutzungsreserve dar,die Tatkräftig vor Zugriffen Außenstehender und vor ßberbeanspruchung geschützt wurde.
Weiteres am besten nachlesen in Bauern im Mittelalter Werner Rösener ISBN3406304486
Gruß Wolf

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Eintrag #3 vom 09. Dez. 2003 10:12 Uhr Claudia Henn  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Claudia Henn eine Nachricht zu schreiben.

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Danke für den Buchtipp.
Die Praxis mit der gemeinschaftlichen Beweidung durch einen Dorfhirten war mir schon klar auch das man natürlich versucht sein Weiderecht zu schützen ist mir einleuchtend.
Mir ging es speziell darum, wie bzw. wann wurde im Wald das Vieh geweidet, war das Jahreszeitlich abhängig.
Wurde alles Dorfvieh in den Wald verbracht? Das interessiert mich aus folgendem Grund, verschiedene Tierarten haben unterschiedlichen Nahrungsanspuch und nehmen durch ihren unterschiedlichen Verbiss auch starken Einfluss auf das Aussehen des Waldes, bzw. sind Futterkonkurenten für das Wild.
Kurz welchen Einfluss hat das Huten auf den Wald.
Claudia Henn

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Eintrag #4 vom 09. Dez. 2003 13:58 Uhr Dirk Jerusalem  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dirk Jerusalem eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht ein paar Buchtipps dazu

Hallo,
ist zwar keines meiner Fachgebiete, aber probiers mal mit:
Der Wald in Mittelalter und Renaissance / Josef Semmler (Hrsg.). - Düsseldorf : Droste, 1991. - 239 S. : Ill.; (dt.) (Studia humaniora ; 17)
ISBN 3-7700-0823-5
Waldnutzung, Waldstreitigkeiten und Waldschutz in Deutschland im hohen Mittelalter : 2. Hälfte 11. Jahrhundert bis ausgehendes 14. Jahrhundert / Siegfried Epperlein. - Stuttgart : Steiner, 1993. - 108 S.; (dt.) (Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte : Beihefte ; 109)
ISBN 3-515-06305-6
Bergbau, Verhüttung und Waldnutzung im Mittelalter : Auswirkungen auf Mensch und Umwelt ; Ergebnisse eines internationalen Workshops (Dillenburg, 11. - 15. Mai 1994, Wirtschaftshistorisches Museum “Villa Grün”) / hrsg. von Albrecht Jockenhövel. - Stuttgart : Steiner, 1996. - 298 S. : Ill., graph. Darst., Kt.; (dt.) (Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte : Beihefte ; 121)
ISBN 3-515-06644-6
Der Sihlwald und sein Umland : {Waldnutzung, Viehzucht und Ackerbau im Albisgebiet von 1400 - 1600} / Margrit Irniger. - Zürich : Rohr, 1991. - 170 S. : Ill., Kt.; (dt.) (Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich ; 58 = Neujahrsbl. 155)
ISBN 3-85865-506-6
Vielleicht hilft Dir das etwas weiter?
Gruß,
Terricus

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Eintrag #5 vom 09. Dez. 2003 15:28 Uhr Claudia Henn  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Claudia Henn eine Nachricht zu schreiben.

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Danke für die Literaturangaben, da forste ich mich jetzt mal durch.
Eine Rezession zu
Waldnutzung, Waldstreitigkeiten und Waldschutz in Deutschland im hohen Mittelalter
habe ich schon gefunden und denke es könnte interessant werde.
Wenigsten stand da was von, man habe keine Schafe in den Wald getrieben und das man wohl besonders ertragreiche Eichen vor Abholzung schütze. Wohl um die Eicheln zur Schweinemast nutzen zu können.
Claudia

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Eintrag #6 vom 10. Dez. 2003 13:28 Uhr Andreas Friedmann  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Andreas Friedmann eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Verwirrung

Leider hab ich dieses Thema immer nur am Rande behandelt in der Literatur (speziell hier für Mittelbaden) gefunden. Was mir dabei aber aufgefallen ist, ist gerade beim Wald der umstand, dass da sehr große Unterschiede von Ort zu Ort gemacht wurden. Selbst Regionen, die dem selben Kloster unterstellt waren unterlagen unterschiedlichen Gesetzgebungen und Weisungen. Mir fällt da gerade ein Beispiel ein, wo im einen Ort der Wald dem Kloster gehörte und die Lehenmänner fast alles machen durften was sie wollten und das krasse Gegenteil, das Wald dem Freihof als Besitztum angerechnet wurde, aber die Nutzung detailiert und quantitativ vorgeschriebn war. Von dem her finde ich das ein sehr sehr verwirrendes Thema.

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Eintrag #7 vom 10. Dez. 2003 15:53 Uhr Florian Voigt  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Florian Voigt eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Waldbild

Hallo Claudia,
Wie ich sehe ist der Threat schon viel besucht, ich werde noch mal meine allgemeine Einleitung zum Waldbild vom Jagt-Threat wiederholen und dann auf die speziellen Fragen in einzelnen Einträgen eingehen, damit´s übersichtlich bleibt.
Also, im Gegensatz zur landläufigen Vorstellung ist der Wald im Mittelalter kein undurchdringlicher Urwald, sondern besteht zum einen aus einem parkartigen Weidewald mit wenigen starken Eichen und vergrasten Boden, zum anderen aus einem Energiewald (z.g. Niederwald) zur Brennholzgewinnung mit 20 - 30 jähriger Umtriebszeit (also dichtes Stangenholz).
Der Waldboden war wie aufgeräumt, den alles Totholz wurde zu feuern genutzt, das Unterholz fraß das Vieh und selbst das Laub wurde zusammengerecht und als Stalleinstreu benutzt.
Natürlich war diese Entwicklung nicht überall gleichschnell gleichweit fortgeschritten und in Unbesiedelten Gebieten gab es immer noch Urwald, aber im Unkreis von Mehreren Kilometern um jede Siedlung (also meist Flächendeckend) herrschte dieser Zustand.
Tamnek

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Eintrag #8 vom 10. Dez. 2003 16:40 Uhr Florian Voigt  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Florian Voigt eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Feld, Wald, Wiese

Um das mittelalterliche Dorf erstreckten sich die Ackerflächen, die in Dreifelderwirtschaft bewirtschaftet wurden.
Daneben gab es einige wenige Wiesen, auf denen das wenige Heu was für den Winter benötigt wurde wuchs. Für die Heugewinnung wurde auch die Brache (drittes Jahr der Dreifelderwirtschaft) genutzt.
Man brauchte nur wenig Heu, da der Tierbestand vor dem Winter drastisch zurückgefahren wurde (was schlachten bedeutet). Außerdem wurden die Tiere so lange wie möglich in den Wald und auf die Stoppelfelder getrieben.
Der Rest der Dorfgemarkung bestand aus Wald. Aus diesem brauchte man vor allem Bennholz (Niederwald) und er wurde als Weide genutzt.
In den Wald wurden alle Tiere der Dorfgemeinschaft getrieben. Schweine, Schafe, Kühe, Gänse und Ziegen (die besonderen Schaden anrichteten). Für den Schweinetrieb war die Eichelmast (Fruchtabwurf der Eiche) besonders wichtig, hierfür wurden die Eichen im weiten Abstand gehalten, damit sie großkroniger wurden und besser Fruktifizierten.
Dadurch entwickelte sich eine dichte Grasschicht, welche die anderen Tiere versorgte. Natürlich wurden auch Sträucher und Baumschösslinge gefressen (besonders Ziege).
Tamnek

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Eintrag #9 vom 10. Dez. 2003 18:53 Uhr Karen Thöle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Karen Thöle eine Nachricht zu schreiben.

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Wenn Du zufällig an
Alltag im Mittelalter: natürliches Lebensumfeld und menschliches Miteinander von Ernst Schubert. Darmstadt: Wiss. Buchges., 2002, ISBN:3-534-15999-3
drankommst, schau mal rein. Schubert geht da sehr auf die natürlichen Resourcen der Menschen ein, besonders Wald und Wasser. Ich weiß allerdings nicht mehr, ob er da nur auf die Bedeutung des Waldes als Brennholzlieferant beschreibt, oder ob er auch zur Weidewirtschaft was schreibt.
Bis denn
Karen Thöle

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Eintrag #10 vom 13. Dez. 2003 19:56 Uhr Claudia Henn  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Claudia Henn eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Waldweide

Danke für die Infos.
Besonders das Weiden mit den Ziegen im Wald war schon die ganze Zeit eine Frage für mich, da mir schon bewust ist, dass Ziegen einen sehr tiefen Verbiss haben und so alles anfressen was in ihrer Umgebung so wächst. Womit sie starken Einfluss auf die Gestaltung ihrer Umwelt nehmen.
Damit müsste man also davon ausgehen, dass der übliche Wald in Siedlungsnähe ein reiner Wirtschaftswald ist.
Auch die Frage der mittelalterlichen Stalleinstreu wäre durch die Laubheuverwendung auch hinreichend erklärt.
turba-delirantium.skyrocket.de
Claudia

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Eintrag #11 vom 15. Dez. 2003 13:52 Uhr Florian Voigt  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Florian Voigt eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Nachtrag Ziegen, Laubstreu

Die Ziegen sind deshalb so schädlich für den Wald, weil sie zum einen (wie alle anderen Weidetiere auch) die Blätter, Knospen und Triebe der Jungen Bäume Fressen, aber vor allem, weil Ziegen auch die Rinde vieler Gehölzpflanzen schälen.
Gehölzpflanzen können Verbiss in erstaunlich hohem Masse überleben aber wenn sie ringsum geschält werden sterben sie ab.
Zur Streunutzung wäre noch zu erwähnen, dass neben der Laubstreunutzung noch die so genante Plackennutzung verbreitet war. Hierfür wurde der Waldboden mit einer extra breiten Harke ca. 10cm tief abgetragen. Dieser Oberboden ist besonders Humusreich und somit saugfähig. Außerdem sind hier die meisten Nährstoffe gespeichert.
Diese Placken wurden dann in den Stall gebracht, banden den Mist und wurden als hochwertiger Düngen auf die Felder gebracht.
Doch der Wald wurde durch diese Nutzung so extrem wie durch keine andere Nutzung geschädigt und verjüngte sich auf vielen Standorten nicht mehr. Viele Heidelandschaften in Europa sind auf diese Nutzungsform zurückzuführen.
Tamnek

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Eintrag #12 vom 15. Dez. 2003 15:01 Uhr Florian Voigt  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Florian Voigt eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Laubheu

Neben dem Begriff der Laubstreu existiert noch die Nutzung von Laubheu. Dies meint die Nutzung von Blättern als Winterfutter.
Um den höchsten Nährwert der Blätter auszunutzen wurden im Sommer einige ßste von stehenden Laubbäumen abgeschnitten (sog. Schneiteln). Diese hängte man dann zum Trocknen an freistehende Holzgerüste (sog. Laube, als Gartenlaube in Lustgärten erst im Zuge der Romantik).
Durch das Ernten von Laubstreu und das Schneiden von stärkeren ßsten an stehenden Bäumen zur Brennholzgewinnung waren viele Bäume stark verstümmelt. Solche charakteristischen Nutzungen sind, in späterer Zeit, bei vielen Malern der Romantik zu sehen (z.B. Eichendorff).
Tamnek

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