In der Berliner Zeitung von heute (S. 21) fand ich folgende Meldung:
“Alter Weg für deutsche und polnische Pilger
Der mittelalterliche Bischofsweg von Magdebeurg ins polnische Gniezno soll zum ßkumenischen Kirchentag 2003 in Berlin als deutsch-polnischer Pilgerweg neu belebt werden. Das teilte der evangelische Superintendent Justus Werdin in Angermünde mit. In Abständen von 25km würden Gemeindehäuser und Schulen als Herbergen dienen. Die Route über Brandenburg/Havel, Berlin, Lebus und Poznan werde zweisprachig ausgewiesen. Der Weg biete auch Chancen zur historischen Bildung. So kreuze er die Route der Todesmärsche der KZ-Häftlinge und die Strecke der menschenkette von Stralsund nach Zittau, mit der Bürgerrechteler am 1. Advent 1989 für demokratische Reformen in der DDR demonstrierten. (epd)”
Drittes Reich und Wende sind zwar nicht ganz unser Thema, aber da hier ein Bezug zum Mittelalter hergestellt wird, wollte ich Euch den Artikel nicht vorenthalten.
Hallo, Steffi, Marburg war auch noch ein Wallfahrtsort des 13. Jh.. Dort liegt in der Elisabethenkirche die namensgebende Elisabeth, die sich besonders um Kranke bemüht haben soll. Die “Erhebung der Gebeine” datiert auf 1236. Auch die Kirche ist sehenswert, sie gilt als die älteste Hallenkirche in Deutschland, Baubeginn 1235. Allerdings ist die Kirche seit dem 16. Jh. protestantisch, so daß dort kein übliches Wallfahrtsbrimborium stattfindet. Auch erhebt die jetzige Gemeinde für Besichtigungen Eintritt. Jedoch bieten wohl einige katholische Kirchen der Gegend Ersatz, eine rühmt sich sogar einer Reliquie der Elisabeth. Ne Seite gibt´s auch: www.elisabethkirche.de/rundgang/index.htm Herzlichen Gruß Sascha
Hallo, noch etwas zur Liudgerverehrung und dem Wallfahrtsort Werden. Nachdem Liudger auf seinen besonderen Wunsch hin in Werden bestattet worden war, ist sein Grab noch im 9. Jh. für Pilger hergerichtet worden. Bedeutung gewann der Bestattungswunsch da Liudger in der Nähe von Münster, wo er Bischof war, verstarb. Daher hätten man ihn am liebsten in Münster bestattet, die Heiligsprechung war ja geradezu zwanghaft. Allerdings scheint es Liudger vorgezogen zu haben, im ruhigen Hinterland des damals noch unsicheren Missionsgebietes bestattet zu sein. Dort setzte seine Verehrung offenbar noch ein, bevor Liudger zum Heiligen wurde. Bis zur Mitte des 11. Jh. ist sein werdener Grab dann - das nun gegen seinen ursprünglichen Wunsch - in die Kirche verlegt worden. Seither war ihm der Hochaltar geweiht. Dort konnten die Pilger nun, wie auch heute noch, in der Ringanlage der Krypta an seinem Sarkophag vorbeiziehen. Auch hat man zu diesem Zeitpunkt Reliquien des Heiligen nach Münster gebracht, so daß seitdem auch dort in St. Mauritz Liudger verehrt wurde. Der Liudgerkult hat sich dann seit dem 12. Jh. weiter verbreitet. Herzlichen Gruß Sascha
Tach zusammen, der Landschaftsverband Rheinland hat in jüngster Zeit einen Pilgerweg durch Rheinland mit stählernen Stehlen gekennzeichnet. Der Weg ist der Beginn des Pilgerweges nach Santiago und führt nach Aachen. ßber den genauen Verlauf kann ich leider nichts sagen. Frank
Cheerio Steffi! Die Idee mit der Wallfahrt klingt super!!!!!! Mit den zwei Wochen ist die Kurztrip-Variante ja auch nicht schlecht: Rheinland(so was wie Siegburg, aber früh anmelden!!!!)und Essen-Werden(das ist mit Pferden ganz gut machbar in der Gegend)sollte da drin sein.
Morgen, Nur kurz dazu … 3SAT 3.9.00,18:00 “Tagebuch” Das Osnabrücker Land steht im Mittelpunkt einer Ausstellung mit dem Titel ´Kloster-Kunst-Landschaft´, an der sich neun internationale Künstler beteiligen. In den sechs ehemaligen Benediktiner- und Zisterzienserklöstern in Börstel, Bersenbrück, Malgarten, Rulle, Gertrudenberg und Iburg entstanden künstlerische Arbeiten in direkter Beziehung zu dem Ort. Ausgangspunkt dabei ist die kultur- und landschaftsprägende Bedeutung der Klöster und die Ideenwelt der jeweiligen Orden. Ein wahres Kleinod mittelalterlicher Klosterkultur ist das Stift Börstel. Einsam im Börsteler Wald gelegen, vermittelt die Klosteranlage noch heute einen Eindruck vom kontemplativen Leben der Zisterzienserinnen. Für das Kloster Rulle haben Gerhard Bartsch und die Koreanerin Eun Nim Ro, beide Professoren an der Hamburger Fachhochschule, eine Installation entwickelt, die sich auf die Anziehungskraft dieses alten Wallfahrtortes bezieht. Mal anschauen .. Gruß Nikolaus
Hallo Stephanie, frag doch mal den Prior Beda vom Zisterzienserkloster in Bochum-Stiepel. Der hat immer ein offenes Ohr für ausgefallene Wallfahrten. Soviell ich weis konnt der gerade selber von eine Motorad- wallfahrt aus Lourd wieder. Santiago war de wohl auch schon. www.bistum-essen.de/bochum/zisterzienser/index.htm Noch was zum hl.Luidger, seine Grabstätte ist die Basilika in Essen-Werden, sehenswert, aber eher ein Kurztrip.
Hallo Steffi et al unter www.user.xpoint.at/doeller/index.htm findet sich eine recht gute Darstzellung über die Pilgerei. Leider auf AUT zentriert und im hinteren Teil etwas esoterisch. Was Pilgerorte betrifft läßt sich bei der Vielfalt bestimmt was finden. In diesen großen Bildbänden“ Die Welt des Mittelalters” gibt es auch ein Kapitel über die Pilgerei und eine Karte mit Orten und Wegen. Gruß
Hallo Steffi, ich hab unter www.hu.shuttle.de/hu/ohs/pilger ein paar Infos samt Literaturhinweisen zum Thema gefunden. Hab die Sachen wegen Zeitmangel allerdings bisher nur überflogen. Vielleicht was passendes, um sich für dieses Thema “warmzumachen”. Ein vom Domfest noch immer leicht benommener Martin
Das Thema der Pilger- bzw. Wallfahrt ist natürlich so umfangreich, dass es in einem Posting kaum behandelt werden kann (selbst nicht in einem meiner Megapostings!). Daher sei als erstes auf ein 1994 erschienenes und recht informatives Buch verwiesen: N. Ohler, Pilgerleben im MA. Auch der Ausstellungskatalog “Wallfahrt kennt keine Grenzen” (hrsg. von L. Kriss-Rettenbeck, 1984) sollte genannt werden. Hier also nur einige Anmerkungen: Neben Jerusalem und Rom bzw. Santiago spielen im HMA auch zunehmend nähere Wallfahrtsorte eine Rolle, nicht zuletzt nach 1204, als von abendländischen Kreuzfahrern bei ihrer Plünderung Konstantinopels zahlreiche Reliquien geraubt und nach Frankreich, teils England bzw. ins Sacrum Imperium gebracht wurden. Im näheren Raum war schon vorher etwa Gnesen, wohin Kaiser Otto III. zu dem Grab des hl. Adalbert pilgerte, sodann, nämlich seit der ßbertragung der Gebeine der Drei Könige 1164 aus Mailand, Köln eine wichtige Wallfahrtsstätte; nach der Ermordung Erzbischofs Annos II. von Köln entwickelte sich die Abtei Siegburg zum Pilgerort. Hinzu kamen zahlreiche regionale oder lokale Stätten, die oft mit einer (legendären) Wundererzählung verbunden waren und teils auch nur eine kurze Attraktionsdauer hatten. Bleibend waren etwa für England Canterbury (hl. Thomas Becket), der Marienwallfahrtsort Walsingham und in Wales St. David mit den Reliquien des Heiligen gleichen Namens. Die Münsterländer Marienwallfahrtsstätte Telgte geht zwar auf eine vom hl. Liudger um 800 gegründete Kirche zurück, ist als Pilgerort aber erst 1455 erstmals bezeugt. Das Gnadenbild stammt ebenfalls erst aus der Zeit um 1370 (aus Lindenholz mit der beachtlichen Größe von 1,45 m). ßberhaupt lässt sich erst im SMA eine intensive Verstärkung der Wallfahrten zu lokalen Orten konstatieren; zuvor galten immer noch die “klassischen” Ziele, besonders das Heilige Land, als Hauptziele der Pilger. Nicht übersehen werden sollte auch, dass die Kreuzzüge u.a. als eine Art “bewaffneter Wallfahrt” verstanden wurden, auch wenn die Realität sicher oft anders aussah. Zur Erleichterung der Pilgerfahrten dienten zahlreiche Hospize auch an den beliebten Wegstrecken, die i.d.R. kostenlose Unterkunft und Verpflegung boten. Diese Leistungen waren so umfangreich, dass teilweise der Aufenthalt begrenzt werden musste, da allzu viele Bettler sich so als Pilger eine Versorgung besorgten. Von daher bekommt (vor allem seit dem SMA) auch die kirchliche Segnung der Pilger ihre Bedeutung. Das Kirchenrecht garantierte den Pilgern (zumindest zu den “großen” Städten wie Jerusalem, Rom, Santiago, später auch Canterbury) seit dem 12. Jh. spezielle Privilegien, vor allem Schutz von Leib und Gut auf der Reise und des Besitzes zu Hause. Hut, Stab und Tasche sowie am Zielort erworbene Pilgerandenken (vor allem die ursprünglich aus Santiago bezogene, dann aber immer allgemeiner gebräuchliche Pilgermuschel am Hut) kennzeichneten deutlich die Pilger, die in der Mehrzahl in kleinen Gruppen (auch mit Frauen und Kindern) unterwegs waren, wobei darunter Angehörige aller Stände, vom König bis zum Bettler, waren. Spezielle Segnungen für die Pilger bzw. ihre Attribute (Stab vor allem) finden sich in den entsprechenden liturgischen Büchern. Soviel erst einmal als erster Einstieg in ein fast endloses Thema! Mit besten Wünschen für das Gelingen des frommen Tuns
mit besten Grüßen und Wünschen Nikolaj aka Argl. Rhisiart ap Maredudd
Moin, uns spukt für nächstes Jahr die Idee einer Pilgerfahrt in Gewandung und mit Packpferd durch den Kopf. Deshalb frage ich hier mal in die Runde, welche heute noch existierenden Wallfahrtsorte es im frühen 13. Jhd. gab, welche Regeln ein Pilger beachten muß, etc, gab es bestimmte (Kleider-)Merkmale, die einen Pilger auszeichneten, etc.? Wir haben mal grob zwei Wochen eingeplant (weshalb Santiago, Rom und Jerusalem leider nicht in Frage kommen) und wollen so a. wie möglich unterwegs sein. Auf Hilfe hoffend Steffi