Dieser Geoffrey de Anjou starb 1151. Seine Grabplatte mit dem bekannten Wappen stammt (nach derzeitigem Forschungsstand) aus der Zeit um 1172. Somit fällt sein Wappenschild durchaus in den Rahmen der frühen Heraldik. Wohlgemerkt: Wappenschilde kamen zunächst beim Hochadel auf.
Der - noch Wappenlose - Waffenrock erschien Ende des 12. Jahrhundert (ca. in den 1180-ern) zuerst beim höheren Adel. Im 1.¼ des 13. Jahrhunderts wurde der Waffenrock Allgemeingut.
das was ich im letzten absatz geschrieben habe bezieht sich auf das zweite viertel des 12. jhd. in der manesse (ende 13. anfang 14. jhd.) findest du eine abbildung von Walter von Klingen in voller rüstung mit decke und allem pi pa po
Vielleicht nochmal zum Hintergrund meiner Frage…grundsätzlich habe ich bereits eine Darstellung aus der Zeit um 1190 (Ordensdarstellung)…
Da ich aber nun eine “zivile” 2.-Darstellung eben in dieser Zeit in unseren Breitengraden aufbauen will, versuche ich mir eben klarzuwerden, wie sich Adlige/Ritter/Soldaten kennzeichneten.
Es bringt ja nix, wenn ich auf Gut Glück mir irgendein dolles Wappen auf meinen Schild male und das gleichzeitig auf Surcot / Wappenrock trage, obwohl diese Tragweisen für diese Zeit einfach nicht belegbar sind.
Bisher war meine Tendenz, einen Schild mit Wappen zu tragen und den Surcot/Wappenrock bestenfalls in der gleichen Grundfarbe.
Wappenröcke kamen meines Wissens nach erst gegen Ende des 12. Jhds auf, wurden aber wohl erst später mit Wappen gekennzeichnet (von daher wohl eher ein ßrmelloser Surcot)
Bitte korrigiert mich, wenn ich da jetzt Blödsinn geschrieben habe
hier müsste man zuerst die alte frage (wer? wo?) klären, da die heraldik im westeuropäischen, also anglo-fränkischen raum bereits etwas früher auftritt.
das früheste mir bekannte wappen eines adeligen, der nicht gleichzeitig auch landesherr und könig ist, ist das von gottfried v. von anjou, begründer der dynastie der plantagenets.
es existiert eine abbildung, die gottfried mit wappenschild zeigt. diese ist meines wissens auf irgendwas um 1130 oder 1140 datiert, mir aber grad nicht zur hand.
für den deutschsprachigen raum taucht die sitte seinen schild zu bemalen afaik erst mit dem ende des 12., überwiegend sogar erst im laufe des 13. jhd. auf.
was auch nicht zuletzt mit der tatsache zu tun hatte, dass helme, die das gesicht verbargen, auch wiederum im reich erst später auftauchten.
in der “wappenfibel” handbuch der heraldik 1981 findet man auf seite 20 deine antwort:
es ist davon auszugehen,daß die wappen im zweiten viertel des 12. jhd. entstanden sind…
die wappen verdanken ihrer entstehung dem praktischen bedürfnis, den im kampf infolge der vollständigkeit und gleichheit der rüstungen unkenntlichen krieger durch weithin sichtbare kennzeichen für freund und feind zu unterscheiden…die geeignetste fläche für die anbringung der kennzeichen bot der schild,…
so wurde in den turnieren durch die auf weite sicht erkennbaren heraldischen zeichen auf schilden, waffenröcken, helmzierden und pferdedecken gekennzeichnet.