vielen dank für diese unproduktiven Beträge. Nur hatte ich eigentlich nicht eine ISO-Norm für Living History im Sinn, da habt ihr das Thema gründlich mißverstanden.
Es geht mir gerade NICHT um eine allgemeingültige Definition von Living History, sondern um das persönliche Verständnis des Begriffs.
Selbst bei den wenigen brauchbaren Beiträgen bisher zeigt sich nämlich, dass es große Unterschiede im Verständnis des Begriffes gibt.
In der Unkenntnis dieser Unterschiede liegt ein großes Konfliktpotential. Deshalb finde ich es wichtig, sich mit diesem Begriff “Living History” auseinanderzusetzen.
Das forsche Postulat “ich will Qualität, ich will darstellen” hat keine Aussage. Qualität wobei? Was darstellen?
Auch in dem Bewusstsein jemand zu sein, dem es eigentlich nicht zusteht, das zu komemntieren:
Wenn mancher sich mehr Zeit um die Umsetzung seiner Darstellung und Kommunikative Fähigkeiten denn um Begriffsdefinition kümmern würde, wäre die Szene viel weiter.
Wer mag, kann gerne weiter versuchen, alles in eine ISO-Norm zu zwängen. Ich versucher derweil darzustellen, egal wie es heisst.
Sie sind nicht bindend und jeder kann sich mit Schlagworten eindecken, wie er will.
Das hatten wir ja schon, mit dem Reenactment und jeder hatte es sich plötzlich auf die Fahnen geschrieben.
Was im Gespräch zwischen Fachkräften gut ist, um lange und unnötige Erklärungen zu ersparen,
ist hier ein Wettlauf mit der Zeit, bis es jeder gebraucht, daran ändern hier Diskussionen und Definitionen auch nichts.
Ich versuche solche Schlagworte inzwischen zu meiden, auch wenn es nicht immer klappt.
Ich will mich auf die Leute konzentrieren die etwas zu sagen und zeigen haben!
Sie nach dem beurteilen, wie sie Probleme lösen und wie gut etwas umgesetzt wird, aber nicht wie A oder B sie sind.
Wenn man sich immer nur daran orientiert, ob man etwas als A oder B benennen kann kommt man noch lange nicht zu den wirklichen Problemen, sondern bleibt weit vorher stecken, in diversen Grabenkämpfen, welche Motivation kosten, Zeit verschlingen und unnötige Grenzen setzen.
Wenn Ihr Dennoch so was haben wollt, gründet ein Verein, last euch einen Begriff schützen und verteilt Zertifikate.
Das geht! Siehe ISO 9000 und deren Nachfolger oder ein Stempel aller Bioprodukt.
Auf das alle Leute demnächst einen Stempel haben ich bin aus einer Qualitätszucht. ;-)
Ich will Qualität und der Name dazu ist mir s***egal.
Ich weiß dabei , wo ich stehe( am Anfang) und wo ich hin will! Ob ich Fuzzi, Sitzritter, A-Papst, Reenactor oder Bundeskanzler dabei genannt werde ist so wichtig wie ein warmer Darmwind.
P.S.. Sorry für die Wortwahl.
In Anlehnung an alle anderen Diskussionen wie Grenzen, Donnerbalken, Kampf oder Krampf.
Für mein Empfinden bewegen wir uns auf einem Zeitstrang, d.h. gibt ein “woher” und “wohin”, dass mit der Jetztzeit verflochten ist.
Es tauchen immer wieder Schlüsselmomente auf, wie die Feststellung, dass Lederer die gleichen Knoten wie Chrirurgen verwenden oder das bestimmte Erkrankungen von Tieren schon 400 nach Christus von Asypteros nach den gleichen Prinzipien behandelt worden sind wie heute.
Wenn es nun offensichtlich dazwischen Brüche in der Weiterentwicklung gab, entsteht die Frage nach dem “Warum”. Das alles führt dann zu einem besseren Verstehen, mehr Interesse, meist auch zu Focussierung auf eine bestimmte Zeit und zum “Darstellen” wollen (nein, nicht die Asypteros-Behandlung). Insgesamt finde ich Geschichte jedoch so komplex, dass ich Angelpunkte aus meiner Gegenwart mitnehme, die ich brauche, um den Lückentext drumherum, so gut es eben geht, auszufüllen. Dabei gibt’s zwangsläufig Perioden und Tätigkeiten, die mich gar nicht interessieren.
Dürfte eine Reihe Leute geben, die versuchen, etwas ganz anderes als in ihrem Alltag zu machen?
In 200 Jahren würde’s mir nie in den Sinn kommen, einen Busfahrer darstellen zu würden - ich habe absoute Hochachtung vor Bus- und Lastkraftfahrern, denn diesbezüglich bin ich unfähig!
Hmm, die Diskussion scheint mir etwas zaghaft. Jetzt, wo “lh” in fast aller Munde ist, ist mir das etwas unverständlich.
Mich interessiert hier nicht, wie der Begriff in der Literatur definiert wird - das ist wohlbekannt - sondern vielmehr, wie das die Leute für sich selbst sehen.
Dietrich hat einen schönen Anfang gefmacht, aber es wird da doch noch mehr Meinungen geben?
Eintrag #9 vom 18. Aug. 2003 18:11 Uhr
Robin (Werner) Guha Thakurta (Schelm von Bergen) Bitte einloggen, um Robin (Werner) Guha Thakurta (Schelm von Bergen) eine Nachricht zu schreiben.
Sorry, so langsam kriege ich den Eindruck, die Diskussionen drehen sich nach wie vor um dieselben zwei Punkte.
1)Wie nenne ich das Kind?
2)Wie mache ich das Ganze verkaufbar und gebe ihm einen historisch anspruchsvollen Anstrich?
Mir bleibt das Inhaltliche zu sehr auf der Strecke. Ich sehe bei den meisten Themen und den meisten Mitdiskutanten in den meisten Threads um diesen Themenkomplex immer nur denselben Seich: Phrasen, Phrasen, Phrasen.
Phrasen, um sich selbst am besten darzustellen.
Phrasen, um den “minderwertigeren” Ansatz bei anderen zu “entlarven” und sich selbst als besser darzustellen oder in TV zu profilieren.
Phrasen mit dem Grundzug “wir jetzt auch”.
Und das ist GßHN!
“Geschichte erleben” durch LARP-Strukturen.
Dengelsport als “historische Kampfkunst”.
Zusammengeklaute Strukturen als innovative Eigengewächse verkaufen.
Stylin´n´Profilin´.
TV als Selbstdarstellerbühne (“Aber wir im Freilichtmuseum…”).
Bitte unter einer geilen ßberschrift.
Und sonst?
Es langweilt mich nach längerer Tv-“Dienstzeit”, und den potentiellen Neueinsteigern erschwert Ihr die ßbersicht.
Joris,
netter und berechtigter Einwand und mit belgischen Verhältnissen das nachvollziehbarste und verständlichste der Welt.
Leider haben wir in Deutschland mehrheitlich das “Parallelmittelalter” der “Mittelalter”-Märkte und sehr wenig tatsächliche Mittelalterdarstellung, die diese Bezeichnung verdient. Und da die Neueinsteiger im Hobby meistens über die Märkte einsteigen und viele Marktgruppen ihr individuelles Mittelalter auch als “lebendige/erlebbare/erlebte Geschichte” annoncieren und bevorzugt Feintuning an ihrer Eigenwerbung, aber seltenst in der Praxis vornehmen…drehen sich diese Debatten seit ca. 3-4 Jahren um sich selbst. Nämlich um die Punkte, warum
1)Das, was man schon seit Jahren als “Geschichtsdarstellung” vermittelt bekommen hat, von “intoleranten” Leuten als Schrott/Gromi etc. bezeichnet wird, und
2)Wo sich eine klare Grenze oder ein Wendepunkt definieren läßt, ab dem man endlich kein Gromi mehr ist und sich in einen Geschichtsdarsteller verwandelt.
Die Begriffe sind mittlerweile in aller Munde, ob auf Deutsch oder als modischer Anglizismus. Ab und an erfindet jemand was neues (“retro combat”).
Nur inhaltlich tut sich denkbar wenig. Die meisten interessieren sich lediglich für die “Mindestanforderungen”, am liebsten als Bastelbogen frei Haus, um sich dann, als “Guter”, bequem zurückzulehnen und eines Fachbegriffes “würdig” zu sein.
Bei uns überwiegen leider prestigegesteuerte Szenemechanismen, und mit Eigeninitiative und echtem Interesse für Details etwas Sauberes auf die Beine zu stellen, steht bei der Mehrheit weniger hoch im Kurs.
…mir würde eher die Bezeichnung “Gelebte Geschichte” gefallen, da ist das Erleben und das aktive Tun mit drin…
Ansonsten hat Dietrich eigentlich so alles gesagt.
Achso, als Anmerkung: Gelebte Geschichte ist nicht automatisch Reenactment, das ist ein anders zu betrachtender Begriff (siehe der dazugehörige Thread).
Aber ein entsprechend organisiertes und durchgeführtes Reenactment kann durchaus Bestandteil von “Gelebte Geschichte” sein.
ich persönlich gebe keinesfalls einer englischen Bezeichnung den Vorrang vor einer gleichwertigen deutschen; aber in diesem speziellen Falle trifft “Living History” den Kern der Sache besser. Denn es bedeutet ja nicht nur “Lebendige Geschichte”, sondern auch “Geschichte (er)leben”. Was die ganze Geschichte sowohl aus Sicht eines Betrachters oder Besuchers trifft, denn er hat ja Gelegenheit, sich mal lebendig gewordene Geschichte abzusehen; als auch aus Sicht des Akteurs, denn er “erlebt” ja wirklich, wie das Leben damals höchstwahrscheinlich gewesen ist.
Meine persönliche Definition von “Living History”: Der Versuch, auf Grundlage des aktuellen Wissensstandes eine bestimmte Lebenssituation in einer genau festgelegten Zeitepoche darzustellen bzw. für sich selbst zu erleben. Das beinhaltet die originalgetreue Ausstattung der Darsteller oder Akteure mit Kleidung und Material, die Durchführung zeitgenössischer Tätigkeiten und, im Idealfall, auch das Agieren nach historischen sittlichen und sozialen Bräuchen.
Klingt kompliziert und hochtrabend, heißt aber nix anderes als: Wir ziehen uns an wie die Leute damals, tun, WAS sie taten und WIE sie es taten und verhalten uns, wie sie sich verhalten hätten. Sofern wir wissen, wie es war. Was bedeutet: Wir können nur Dinge zeigen, von denen wir wissen, daß es sie gegeben hat; und nicht Dinge, von denen wir glauben, daß es sie gegeben haben könnte. Das grenzt die Möglichkeiten einerseits ein, zwingt uns andererseits aber auch dazu, bei neuen Erkenntnissen nachzubessern und ggf. den ganzen alten Kram in die Tonne zu kloppen.
Meine Zielsetzung bei “Living History” ist, in eine andere Welt einzutauchen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu meinem “modernen” Leben zu erfahren und zu erleben und diese Erfahrungen auch, aber nicht nur interessierten Zuschauern nahezubringen und zu demonstrieren.
Wenn man in Deutschland intelligent, flott und modern wirken will muss man diese Anglizismen verwenden. Deswegen gibt es hier auch so kuriose Dinge wie Rucksäcke die als Body Bags (Leichensäcke) verkauft werden! >;o)Ein typische Fall wo Rucksack nicht mehr Englisch genug klingt und irgend wetwas anderes gefunden werden muss!
Liebt ihr Deutsche so gerne die Englische Sprache dass ihr unbedingt immer wieder redet über Living History statt Lebendige Geschichte?
Unsere Definition findet mann hier :
www.liebaart.org/vegevr_e.htm (in Englisch ja! Wir sind Flamen und haben denselben Seite auch in unsere Niederländische Sprache).
Der Sommer ist heiß, in der Natur ebenso wie in der Taverne.
Als ich so die populärsten Kontroversen der letzten Wochen beobachtete, kristallisierte sich ein Problem heraus, das für mich weniger mit der Ernsthaftigkeit der historischen Darstellung zusammenhängt, als denn mit einem schon mittelalterlichen Problem der Kommunikation: “Ich frage nach Epffeln und du antwortest mir von Birn”!
Tatsächlich scheint es mir notwenig, bevor man sinnvoll z.B. über die obere und untere Grenze einer historischen Darstellung reden kann, zunächst zu ergründen, was living history eigentlich bedeutet.
Besonders interessant finde ich dabei den ganz persönlichen Aspekt. Wie definiert ihr also den zunächst etwas schwammigen Begriff “living history”
Was ist für euch das Wesen der living history, was sie von anderen Hobbies unterscheidet?