Hallo, Gruß an alle Interessierten zum Kett/ Schuss/ Alltag
Als kühler Maschinenbauer habe ich trotzdem eine stille Liebe zum ursprünglichen Textilgestalten.
Begonnen hat das in meinen ersten Jahren als selbständiger Kleinunternehmer: Ich wurde Gebietsvertreter für Werkraumeinrichtungen und habe es mir nie nehmen lassen, hier alle Geräte -auch die Webrahmen und- stühle in Betrieb zu nehmen und anzuarbeiten. Keiner meiner Kollegen hatte dazu die Lust, somit war ich auch für sie tätig, was mir reichlich Geschick und Erfahrung beschehrte.
So begeistern mich die Mechanik des Spinnrades über die Geschicklichkeit der Anatolische Marktfrauen im Umgang mit der Kaukasaischen Spinn-Spindel genauso wie ein gefüllter Warenbaum mit dessen Rückschlagklinke an einem Webstuhl.
Kurzum möchte ich diese Urformen der Textilen Schöpfung auch in unserem hi-tech Alltag für Erwachsene und Jugendliche aufleben lassen zum
sinnlichen Erfahren mit Finger und Hand, wie schön doch Werkstoffe sein können.
Während der Eisenzeit gab’s Gewichtwebstühle, ebenso bei den Wikis…. Aber wie sah es während der Völkerwanderung aus?
Kleidung wurde in der Zeit ja ebenso hergestellt, also musste auch gewoben werden. Aber unhandliche Webstühle wie Gewichtwebstühle lassen sich nicht so ohne weiteres transportieren.
Hat jemand eine Idee, wie das Problem damals gelöst wurde?
Grüße, Angy, die anderthalb Wochen mit Webstuhl und Spinnrad im Wohnwagen hinter sich hat…..
ich möchte, um meine selbstgesponnene Wolle zu verwerten, für den Hausgebrauch einen Webstuhl selber bauen.
Und wenn ich mir schon die Mühe machen, wär’s natürlich fein, ich könnte mir gleich ein Modell basteln, was man auch mal auf einen Markt o.ä. mitnehmen kann.
Webbreite sollte bis 80cm sein (dann kann man auch mal ein Kleidungsstück drauß nähen), es sollte ins 13.Jhd passen (oder davor - man wird damals sicher auch nicht alles, was “unmodern” war, weggeworfen haben…) und möglich irgendwie transportierbar.
Also - welche Webstuhlmodelle wurden wann verwendet? Ich habe in einem Buch über moderne Webstühle sowohl Flach- als auch Hochwebstühle aus ßsten gefunden. Was wäre passender? Wie sah es mit der Fachbildung aus?
Wie sah’s eigentlich “freiem Weben” aus? In fast allen älteren Kulturen der Welt kannte man das Aufspannen der Kette zwischen einem festen Punkt (Baum, Wandhaken) und einem Gürtel am Weber - nicht zu verwechseln mit Brettchenweben. Heute gibt es diese Webart u.a. noch in Südamerika.
ich habe auch einen Link gefunden. Die Seite befast sich unter anderem mit den Modetrens im Mittelalter. Unter “Die Mode im Hochmittelalter” gibts auch was über die Bindungsarten zu lesen, die es wohl damals gegeben hat.
www.asn-ibk.ac.at/bildung/faecher/[ ]/mittelalter
dazu kann ich Euch die ZAM (Zeitschrift f. Archäologie d. Mittelalters) empfehlen.
In irgendeinem Beiheft war ein großer Bericht über Ausgrabungen in Süddeutschland/Zürich über Webhäuser bzw. Keller 13-15Jh. Sehr genaue Beschreibung und Hintergrundwissen. z.B.: Um einen Weber permanent bei der Arbeit zu halten benötigte man bis zu 10 Spinner :-).
Leider weis ich nicht mehr welche Ausgabe das war. Ist aber über Fernleihe zu erfahren und zu beziehen. Es lohnt sich wirklich diese Zeitschrift mal zu beobachten. Auch für andere Bereiche und Wissensgebiete.
der folgende Link ist zwar auch eher zum Thema FMA, aber sehr zu empfehlen. Unter anderem geht es auch um verschiedene belegte Bindungsarten mit den entsprechenden Fundorten.
www.viking-experience.co.uk siehe unter Authenticity
leider kenne ich mich im Hochmittelalter nicht sonderlich gut aus was die Bindungen anbelangt, doch ich weiß das die Wikinger schon Fischgrat und Diamantköper benutzten. In wie weit das nun im Hochmittelalter getragen wurde weiß ich nicht. Bei der Atlasbindung bin ich nun gänzlich überfragt möchte einem Anfänger jedoch erstmal raten mit Leinwand oder Köperbindung zu beginnen, da diese leichter im Einzug und in der Handhabung der Schäfte ist.
Ich hoffe ich konnte Dir schon mal etwas helfen, Ragna
Meine Frau und ich beschäftigen uns mit mittelalterlicher Handarbeit (sie Spinnen, ich Brettchenweben) und nur wollen wir uns auch mit weiteren Aspekten des Handwebens - sprich Weben am Gewichtswebstuhl - beschäftigen. Dabei ist die Frage aufgetaucht, welche Bindungsarten im Mittelalter wohl schon bekannt waren und genutzt worden sind.
Vom Brettchenweben her weiss ich, dass es die Köperbindung schon gegeben haben muss. Auch die Leinwandbindung wird es wohl trivialerweise gegeben haben. Aber wie sieht es mit anderen, etwas komplexeren Bindungsarten aus: Atlasbindung, Fischgrat usw.?
Weiss hier jemand Bescheid oder kann uns Quellennachweise nennen?
ich habe auch einen Gewichtswebstuhl. Welche Bindungsarten man weben kann hängt davon ab wieviele Litzenstäbe man unterbringen kann. Unten ist ja ein Trennstab, der ein natürliches Fach bildet. Man benötigt für eine einfache Leinwandbindung einen Litzenstab. Für einen vierbindigen Köper drei und für einen dreibindigen Köper zwei Litzenstäbe.
In den “Textielfunden aus der Siedlung von Haithabu” ist eine der häufigsten Bindungen ein Köper 2/2. Kette und Schuß hatten häufiger verschiedene Drehrichtungen, Kette in Z und Schuß in S-Richtung gedreht.
Meistens wurde wohl Wolle verwendet aber auch Leinen.
Als Bücher kann ich folgendes empfehlen:
Ausgrabungen in Haithabu
Textilfunde aus dem Hafen von Haithabu
und
Textilfunde aus der Siedlung und aus den Gräbern von Haithabu
beide erschienen im Karl Wachholz Verlag Neumünster.
Ein Kollege und ich wollen eigene Stoffe weben (evtl. sogar spinnen) und zwar auf einem Webrahmen wie in Haithabu, also zum an die Wand lehnen. Was muß man dabei beachten, also Bauanregungen, welche Wolle (sonstige Gewebe?), Bindungsarten, etc…
Wir denken dabei an Stoff für Mäntel und ähnliches, also nicht sehr feines Gewebe, aber auch nicht Zeltstoff.