Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Weihrauch & Räucherwerk

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Eintrag #1 vom 16. Mai. 2000 12:38 Uhr Tilo Hörter   Nachricht

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Hilfe!!! Mal wieder was, was ich nicht weiß… Weiß jemand, mit was um 1250 geräuchert wurde (Weihrauch und/oder Kräuter?), wo geräuchert wurde (zu liturgischen Zwecken?, als Teil von Heilbehandlungen?, nur so als Geruchsschutz?), wo das Zeug herkam und wie es in den west-/nordeuropäischen Raum gelangte? Für Literaturhinweise bin ich ebenfalls dankbar… Schönen Schrank schon einmal.
Vater Erasmus

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Eintrag #2 vom 16. Mai. 2000 20:00 Uhr Dirk Jerusalem  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dirk Jerusalem eine Nachricht zu schreiben.

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Also wo es herkommt ist relativ einfasch zu klären. Die Haupt“abbau”gebiete liegen um das Horn von Afrika rum. Jemen und Oman, aber auch ßthiopien exportieren Weihrauch, auch heute noch. Die Weihrauchstrasse führte von dort aus durch Arabien und Jordanien und das schon verdammt lang (ca. 4000 Jahre schon???). So recht bekannte Städte wie Petra und Palmyra erblühten in der Antike dadurch mitten in der Wüste, zumal dort auch der Seiden- und Gewürzhandel durchging. Korrigiert mich bitte, habe da zur Zeit keine Quelle zugreifbar. Nur zu Anwendung und Handel im Mittelalter kann ich da leider nichts sagen. Die einzige Mutmassung ist, dass der Handel im 12.-13. JH vielleicht über ßgypten via Schiff lief, wie das angeblich bei den Gewürzen der Fall gewesen sein soll. Für Quellenangaben wäre ich hier auch dankbar! Die heutige (Alternativ?)-Medizin sieht Weihrauch wohl als entzündungshemmend an. Er wird aber anscheinend oral verabreicht, als Pulver!
Derigh

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Eintrag #3 vom 16. Mai. 2000 22:03 Uhr Oliver Aumüller  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Oliver Aumüller eine Nachricht zu schreiben.

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Guten Tag! Du kannst davon ausgehen, daß 90% der reinen Harze, die heute bekannt sind, auch damals schon bekannt waren, wenn auch nicht gerade überall. Wie unten schon sehr gut beschrieben, kam das Zeug grundsätzlich aus dem Orient über die Weihrauchstraße zu uns. Erste Funde bei uns von Harzresten, stammen aus dem sehr frühen Mittelalter, nämlich von den Römern, die ja bekanntlich auch am Rhein waren. Im 12./13. Jahrhundert dürfte Weihrauch ein exklusives Gut gewesen sein, und ausschließlich zu liturgischen Zwecken verwendet worden sein. Korrigiert mich, ich weiß es nicht supergenau. Ob und welche Kräuter man im HM geräuchert hat, weis ich leider auch nicht. Aber vielleicht weis die gute Hildegard von Bingen ja was dazu.
AULUS

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Eintrag #4 vom 16. Mai. 2000 22:37 Uhr Nikolaj Thon  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Nikolaj Thon eine Nachricht zu schreiben.

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Weihrauch (d.h. im Eigentlichen der eingetrocknete Wundsaft von Boswellia-Bäumen) wurde schon in der Antike - wie bereits gesagt - vor allem aus dem Süden der arabischen Halbinsel und der somalischen Küste, aber auch aus ßthiopien sowohl in Körnerform wie mit anderen Harzen vermischt in den Bereich des Römischen Reiches importiert. Im FMA scheint ein Rückgang des Weihrauchhandels zu konstatieren, wurde dann aber im HMA - vor allem über Venedig und Genua - wieder intensiver (direkt aus Palästina, Syrien und ßgypten. Verwandt wurde er natürlich vor allem im Gottesdienst, aber die MA-Medizin kannte auch den Gebrauch von Weihrauch (lat. olibanum genannt) als Medikament wie als Räuchermittel.
mit besten Grüßen und Wünschen Nikolaj aka Arglwydd Rhisiart

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Eintrag #5 vom 17. Mai. 2000 08:29 Uhr Ameli (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ameli eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Derigh, Du hast recht, Weihrauch in Pulverform wird tatsächlich bei chronischen Entzündungen (z.B. Gelenkentzündungen) eingesetzt. Hauptsächlich aus dem indischen Raum ist diese Behandlungsmethode bekannt. Erfolgschancen? Vielen hilft´s, zumal die Nebenwirkungen langfristig geringer sind als bei Cortisonen. Allerdings läßt sich bei der Herkunft des medizinischen Weihrauchs leider nicht viel über die Belastung mir Pestiziden u.ä. sagen :-(. Gruß
Ameli/Elisabeth von Tannenberg

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Eintrag #6 vom 17. Mai. 2000 21:03 Uhr Günther Heidelbeer   Nachricht

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Ich hab mal was über Stechapfelberäucherung gehört. Fällt aber mit Sicherheit nicht in den medizinischen Bereich :-) der extraVagant

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Eintrag #7 vom 18. Mai. 2000 21:23 Uhr Stephan Bucher   Nachricht

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gott zum grusse! ich weiss nur, dass man in unserer Gegend früher in den Rauhnächten(irgendwann im winter, 12 tage glaub ich)- die häuser und Ställe mit den Kräuterbüscheln der Kräuterweihe ausgeräuchert hat.(Um die Ruhestätten von Mensch und Tier von bösen Geistern freizuhalten) -recherche läuft :-)
mfG Stephan von Emmershofen

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Eintrag #8 vom 19. Mai. 2000 08:27 Uhr Ameli (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ameli eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Stephan, die Rauhnächte waren die 12 Nächte nach der längsten Nacht, d.h. ab dem 22.12.. Zu dieser Zeit sollte man nicht nach Einbruch der Dunkelheit draußen sein und man nutzte allerhand Schutzzauber, um Attacken böser Geister abzuwehren. Die ßhnlichkeit des Weihnachtsfestes (24.12.) mit seinen vielen Lichtern um die Nächte zu erhellen und dem Dreikönigstag (12 Tage später!) mit seiner Segnung der Haushalte und dem Anbringen der Formel C+M+B + Jahreszahl kommt sicher nicht von ungefähr. Oder liege ich da falsch mit meiner Vermutung, daß sich mal wieder heidnische und christliche Bräuche überlagern? Gruß
Ameli/Elisabeth von Tannenberg

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Eintrag #9 vom 20. Mai. 2000 16:12 Uhr Matthias Doettlaff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Matthias Doettlaff eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo alle, Räucherungen gehören zum Repertoire des mittelalterlichen Arztes. In der Cirurgie des Arztes Roger von Salerno (13. Jh.) gibt es eine Abbildung, die einen Arzt zeigt, der einen Patienten mit dem Kopf über eine Schale hält, aus der Flammen züngeln. Dieses Bild stellt eine Bilsenkrautfumigation dar, eine frühe Form der Anästhesie. Düfte gehörten zu den wichtigsten Mitteln um die Pest zu vertreiben, bzw. sich davor zu schützen. Pestepidemien gibt es in Europa allerdings nicht während des HMA. Johann Dryander beruft sich im 16.Jh auf seinen Zeitgenossen Bock, wenn er gegen die Pestilenz empfielt: “Die gesunden sollen in gutem trucknen Lufft/ so von Auffgang der Sonnen kompt/zuwohnen sich befleissen / ihre Gemach stets lassen beräuchen mit gedörtem Weckholter holtz/ oder mit Kinn oder Tannen holtz/ Dann das feuwr für sich selbst reinigt und rechtfertigt den trüben faulen lufft. Man mag auch auß Weckholterbeerlin unn Weirauch gut riechende räuch machen.” Dryander empfiehlt auch, wohlriechende Kräuter und Blumen in die Wohnung zu hängen. Die Beschaffbarkeit dürfte für die exotischeren Dinge wie Weihrauch, gummi arabicum, gummi mastix etc. schwierig gewesen sein. Diese Harze tauchen in der Antike schon im Raum des römischen Reiches auf und wurden mit der Kirche auch nach Deutschland gebracht. Im 13 Jh gab es relativ gute Seeverbindungen in den arabischen Raum, v.a. durch Handelsbeziehungen der Städte Venedig, Pisa, Genua, Neapel, Palermo, Messina und Konstantinopel. Befahren wurde der gesamte Mittelmeerraum und das schwarze Meer. Der Landhandel setzte sich dann aber in erster Linie rechts und links an den Alpen vorbei: Von Norditalien über die Champagne nach Paris, Brügge und Metz, von dort überMainz und Frankfurt weiter gen Norden. Und von Norditalien und Konstantinopel über Buda, Preßburg und Wien nach Krakau und von dort weiter nach Norden gen Danzig und Stettin. Was Kräutersegen betrifft, so eher selten geräuchert, statt dessen aber an den Türpfosten der Ställe genagelt oder in Stall und Wohnung gehängt, um böse Geister (ab dem HMA in Deutschland Teufel) oder Schadenszauber der Strigae (ab 1419 Hexen), die sich mit Krankheiten oder ähnlich unangenehmen Anzeichnen bemerkbar machen, draußen zu halten. Solche Kräutersegen findet man zu verschiedenen Feiertagen des Jahres, besonders in der Winterzeit, aber auch zu Johannis, einem der magischten Tage im europäischen Volksglauben. Räucherungen kommen anscheinend auch zu diesem Zweck vor, doch fehlen mir dazu konkrete Quellen. Grußvoll, Matthias Topasius

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Eintrag #10 vom 21. Mai. 2000 21:34 Uhr Carsten Baumann   Nachricht

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Zu 8, Amelie Granz (ohne Bezug zur eigentlichen Fragestellung dieses Threads): Meine Eltern und Großeltern, vor allem auch meine Lieblingstante, haben mir vermittelt, daß es sich bei den Raunächten um die Zeit zwischen dem Heiligen Abend und der Silvesternacht handelt. In dieser Zeit sollte man den Verzehr von Hülsenfrüchten meiden, da dies zum Ausbruch von Krankheiten führen könne. Gefährlich sei es auch, in diesem Zeitrahmen Wäsche aufzuhängen (vor allem außerhalb des Hauses), da die “Wilde Jagd” umgehe und die Wäsche “verhexe”. Das hat aber mit der Räucherei natürlich nichts zu tun!
Gruß von Carsten

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Eintrag #11 vom 25. Mai. 2000 16:21 Uhr Andreas (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Andreas eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Alle, ich habe mal gehört (leider keine Quelle)daß im ganz frühen MA der liturgische Gebrauch von Weihrauch gleich Null war (Weihrauch war als Geruchstöter bei heidnischen Opfern eingesetzt worden und deshalb verpöhnt). Erst später konnte er sich dann durchsetzen (Vermutung meinerseitz: Einfluß von Byzanz?). Jetzt meine Frage: kann mir jemand (am besten durch Quellen) die obige Aussage bestätigen oder widerlegen. Wer weiß ungefähr, ab wann der Weihrauch in die christliche Liturgie Einzug hielt? Gruß,
Indy

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Eintrag #12 vom 25. Mai. 2000 23:51 Uhr Sascha Sturm   Nachricht

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Hallo zusammen! Weihrauch soll seit dem 4. Jh. in der christlichen Liturgie verwendet werden. Ob dies für die ganze “Christenheit” gilt, kann ich allerdings nicht sagen. Was ich sicher sagen kann ist, daß Weihrauch auch im FMA als Arznei gebräuchlich war. Er findet sich im karolingerzeitlichen Lorscher Arzneibuch gegen Schlaganfälle und Epilepsie. Allerdings gegen letztere auch in Verbindung mit geweihtem ßl und Weihwasser, dazu kommt beide Male noch eine gewisse Mondmystik. Der religiöse Aspekt der Substanz scheint hier also in den Vordergrund zu rücken, sonst war man sicherlich eher machtlos bei diesen Krankheiten. Die könnte immerhin ein Hinweis auf liturgischen Gebrauch des Weihrauchs auch in dieser Zeit sein, daß kann ich aber nur vermuten. Dann habe ich noch gefunden, daß dem Weihrauch (zumindest heute) auch Myrrhe zugesetzt wird. Das finde ich wiederum interessant, weil sowohl Weihrauch als auch Myrrhe im Lorscher Arzneibuch zur Wunddesinfektion eingesetzt wurden - und Myrrhe dient sogar noch heute als entzündungshemmendes Heilmittel für den Mund- und Rachenraum. ßbrigens ist auch Myrrhe ein Wundharz eines sehr eng mit den Weihrauchlieferanten verwandten Sträuchern der Gattung Commiphora. Herzlichen Gruß Sascha

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Eintrag #13 vom 26. Mai. 2000 10:06 Uhr Matthias Doettlaff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Matthias Doettlaff eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Andreas, Weihrauch, wie auch Myrrhe, wurden bei den religiösen Veranstaltungen im römischen Einflußbereich verwendet. Ich denke, die Bibelautoren hätten Christus in der Geschichte von seiner Geburt nicht mit Weihrauch und Myrrhe, importiert aus dem Osten, beschenken lassen, wenn es nicht zu einem der höchsten religiösen Ereignisse gepaßt hätte. Ich halte es für Quatsch, daß Weihrauch als “Geruchstöter” bei römisch-heidnischen Veranstaltungen verwendet worden sein soll. Dafür war es einerseits viel zu teuer, andererseits enthält Weihrauch psychoaktive Substanzen, was man sich bei Orakelhandlungen zunutze machte. Quellen dazu müßte ich erst wieder in der Uni ausgraben - das kann momentan eine ganze Weile dauern… Sascha, weißt Du etwas über den THC-Gehalt des Weihrauchs? Neulich sagte jemand etwas über eine Analyse, die dem Weihrauchharz anscheinend einen Gehalt von bis zu 30% THC bei manchen Sorten bescheinigt. Das erscheint mir doch ziemlich viel! Grußvoll, Matthias Topasius

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Eintrag #14 vom 31. Mai. 2000 23:13 Uhr Ines Hardy  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ines Hardy eine Nachricht zu schreiben.

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Oh mein Lieblingsthema - Rumräuchern! Also geräuchert wurde schon immer und überall - seit es Feuer gibt! Viele Sachen sind ja schon gesagt, hier paar neue Einwürfe: Der Weihrauchersatz armer Leute war Fichtenharz, der veredelt wurde indem er einige Zeit in einen Ameisenhaufen deponiert wurde. Danach soll er ähnlich frisch riechen wie eben Weihrauch. Und ja in den Rauhnächten vom 21. Dezember bis 3. Januar wurde viel Wacholder und andere heilige Kräuter, die zur Sommersonnenwende gesammelt wurden, verräuchert, um die Tiere fruchtbar zu machen und vor Krankheiten zu schützen. Wacholder hat ja auch stark desinfizierende Wirkung und wurde daher auch zu Pestzeiten überall verräuchert und verbrannt. Was den THC-Gehalt von Weihrauch angeht, hab ich das auch gehört. Da muß vor etwa 2 Jahren mal ein Bericht in einer dieser Zeitschriften - Focus, Stern oder ich weiß nicht was - drin gewesen sein. Ich habs bloß gemerkt, wie die Punks bei uns in der Umgebung plötzlich wie die Wahnies bei mir Weihrauch gekauft haben und meinten das hauen sie sich jetzt auf die Herdplatte :-) Hat aber auch schnell nachgelassen der Trend. Und was ich noch gerne wissen würde: In meinem Räucherbuch wird von einer Räucherpfanne gesprochen, die in den Alpenländern im Einsatz war. Einfach eine Pfanne mit einem Deckel mit Löchern drin. In der Pfanne liegt dann ein glühender Zunderpilz auf den das Rauchwerk gestreut wurde. Hat jemand so was schon mal gesehen oder weiß gar woher man eine bekommen kann? Außer selberbasteln versteht sich… Und hat jemand Erfahrung mit Zunderpilz? Ein gewöhnlicher Baumpilz kann es wohl nicht sein? Woran erkennt man den Unterschied? Ach, und Literaturtips: Susanne Fischer-Rizzi “Botschaft an den Himmel” Rätsch “Räucherstoffe - Der Atem des Drachen” Meine beiden Lieblingsbücher zum Thema.
Ines, die Duftge von Mittgard

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Eintrag #15 vom 02. Jun. 2000 09:10 Uhr Alexander Klenner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Klenner eine Nachricht zu schreiben.

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Ines: Doch, der Zunderpilz ist der Baumpilz. Allerdings meist vorher noch behandelt. Schau mal in Nr. 667 “Feuerstein und Zunder” Eine Idee wegen der Räucherpfanne: Frag doch mal in einem Zubehörladen fürs Klerikale Berufe nach. (Keine Ahnung, wie die richtige Bezeichnung ist) Wenn ich mich nicht sehr irre, hat Ulrich Scheunemann (Johanniterdarsteller) sich dort mal nach einem kleinen Weihrauchschwenker umgesehn. Sein Kommentar war allerdings “viel zu teuer”.
Gruß, Ivain

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Eintrag #16 vom 06. Jun. 2000 19:58 Uhr Ines Hardy  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ines Hardy eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Alex! Ja klar ist der Zunderpilz der Baumpilz, aber ich dachte, die würden unterschieden je nachdem an welchem Baum sie wachsen? Oder? Vielleicht muß man sie auch einfach lange genug trocknen… Muß ich mal ausprobieren. Denkste wirklich ich kriege eine schweizerische Räucherpfanne in einem klerikalen Laden? Die haben doch bestimmt nur Schwenker. Außerdem gibt´s solcherlei Läden bestimmt bloß in Bayern, oder? ;-) Na dann bis bald, vielleicht riecht man sich mal…
Ines, die Duftge von Mittgard

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Eintrag #17 vom 08. Jun. 2000 12:21 Uhr Christiane   Nachricht

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Hallo Ines… Wegen dem Baumpilz (Herstellung von Zunder): Schau doch mal auf die Seite vom Museumsdorf Düppel, die haben dort eine Anleitung zum Herstellen von Zunder.
Gruß Julchen

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Eintrag #18 vom 14. Jun. 2000 22:17 Uhr Michael Kittlaus   Nachricht

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Seid gegrüßt. Weil vorhin schon mal was von THC zu lesen war. Kann mir jemand sagen wie es sich damals mit dem Rauchen von Hanf aussah? Ist ja im Grunde auch nen medizinischen Kraut.
Gehabt euch Wohl …. Nilrem, der glücklose Alchimist

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Eintrag #19 vom 14. Jun. 2000 23:45 Uhr Ines Hardy  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ines Hardy eine Nachricht zu schreiben.

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Ja, das würde mich jetzt aber auch interessieren. Nicht nur Hanf, auch Kräuter allgemein. Ist die Pfeife wirklich erst so spät erfunden bzw. in Amiland entdeckt worden?
Ines, die Duftge von Mittgard

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Eintrag #20 vom 15. Jun. 2000 08:41 Uhr Ranes Haduwolff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ranes Haduwolff eine Nachricht zu schreiben.

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Grüß Euch, interessante Frage. Mir sind da keine irgendwie gearteten Funde bekannt, weder Pfeifen noch anderes ähnliches. Aber man kann auch Räuchern, Kochen, Kauen usw… Andererseits…muß das sein? Es wird schon genug geraucht, gekifft und gesoffen auf den Veranstaltungen.
Euer Haduwolff

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Eintrag #21 vom 15. Jun. 2000 12:37 Uhr Micha Barth   Nachricht

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Tag auch, zum Thema Hanf und Räuchern im MA möchte ich nur kurz folgendes rezitieren: »In galloromanischen Gräbern wurden Pfeifen gefunden, die zum Rauchen von Hanf bestimmt waren. In keltischen und germanischen Gräbern wurden auch Blütenstände entdeckt. Aus mittelalterlichen Quellen geht hervor, daß bei Festen große Mengen Hanfkraut ins Feuer geworfen wurden, um die Stimmung zu heben. ßhnliche Räuchereien wurden in Deutschland (Europa) bis ins 19. Jhd. durchgeführt. Der deutsche Hanf war genauso wie der indische Hanf von berauschender Wirkung…«(aus: Rätsch, Christian; Räucherstoffe-Der Atem des Drachen; Aarau 1996; S. 87). Fragen zu Hanf im MA gerne an obige Adresse, da ich 1. das Thema Hanf im MA derzeit überarbeite und 2. als Tröpfelhändler der Zunft Tuche und Specereyen in Sachen Hanf unterwegs bin.
Grüße Micha

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Eintrag #22 vom 15. Jun. 2000 15:46 Uhr Sascha Sturm   Nachricht

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Hallo, hier ist ja noch eine Frage an mich offen. Nein, zu Tetrahydrocannabinol (THC) in Weihrauch habe ich auch noch nichts gelesen. Mag sein, das die Analysen hier etwas verschweigen, aber auch die als unbekannt aufgeführten Bestandteile liegen nur bei wenigen Prozent. 30% halte ich für eine ausgesprochen hohe Angabe. Könnte es sich vielleicht um “Räuchermischungen” mit 1/3 Cannabisprodukten gehandelt haben? Weihrauch soll allerdings eine leichte beruhigende und stimmungsaufhellende Wirkung haben. Damit kommt er aber wohl mehr in die Kategorie “Johanniskraut” - und das raucht ja auch niemand;-) In der modernen Heilkunde dient Weihrauch auch wieder zur Linderung chronischer entzündlicher Prozesse, etwa im Darmbereich oder bei Polyarthritis. An der Uniklinik in Mannheim wurden dazu Studien durchgeführt. Die Idee ist aus der indischen Medizin übernommen und der den Mittel zugrundeliegende Weihrauch stammt auch von einer indischen Weihrauchbaumart. Hanf ist ein sehr altes Heil- und Schmerzmittel. Das Lorscher Arzneibuch nennt Hanfsamen und - blätter als Bestandteil eines Gichtmittels. Hildegard von Bingen empfiehlt Hanfsamen als gesunde Speise und Umschläge mit gekochtem Hanf bei Magenerkrankungen. Die Wirksamkeit der Umschläge läßt sich natürlich schlecht überprüfen, dafür brauchte man ja eine Sondergenehmigung;-) Selbst Kräuterbücher des frühen 20. Jh. führen in Deutschland Hanf noch ganz selbstverständlich auf, dort dient er überwiegend zur Behandlung von Blasenleiden. Unter dem Gesichtspunkt wäre natürlich der Genuß in Tütenform eher ein Medikamentenmißbrauch;-) Vor einiger Zeit ist übrigens auch wieder ein Schmerzmittel auf Hanfbasis in Deutschland zugelassen worden. Natürlich ohne “breitende” Inhaltsstoffe. Die Frage, Hadu, ob nun a. - oder nicht a. auf Märkten gekifft werde, erübrigt sich allerdings, da der Konsum nun mal in der BRD grundsätzlich untersagt ist. Also wird er auch nicht öffentlich darstellerisch stattfinden. Diese Diskussion wird also rein theoretisch bleiben müssen… Ansonsten wäre Hanf sicherlich überzeugender in der mittelalterlichen Darstellung als etwa der amerikanische Tabak. Nun, selbst wenn Hanfzubereitungen sicherlich weniger schädlich sind als etwa Alkohol, haben sie nun einmal doch Nebenwirkungen. Die Frage nach der Notwendigkeit der Anwendung ist sicherlich berechtigt. Wer sich besäuft, schadet zwar vielleicht seinem Ruf und sicher seinem Gehirn, darf beides aber ganz legal. Daß Hasch bei regelmäßigem Konsum das Kurzzeitgedächtnis beeinträchtigt, ist, denke ich, allgemein bekannt und daß, wer THChaltiges geraucht hat, nicht mehr Auto fahren soll, steht nicht nur im Gesetz, sondern sollte wohl auch selbstverständlich sein, da die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt wird. Herzlichen Gruß Sascha

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Eintrag #23 vom 15. Jun. 2000 19:34 Uhr Matthias Doettlaff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Matthias Doettlaff eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo alle! Sascha, danke für die Infos! Die mündliche Quelle, die ich bisher dazu hatte, bezog sich auf einen Bericht der Sendung “ßkotest”, der offenbar vor geraumer Zeit im ZDF lief. Die Leute haben da offenbar verschiedene Sorten getestet. Da ist natürlich nicht auszuschließen, daß ein Verschnitt mit Marihuana bei einigen Sorten vorlag. Solche Mischungen sind seit dem 1. Jahrtausend v.Chr. offenbar nicht unbekannt. Im Netz fand ich hier (www.omikron-online.de/cyberchem/aroinfo/verbenol.htm) folgendes: MARTINETZ et al. [6] stellten eine interessante Theorie bezüglich des im arabischen und indischen Weihrauch (in dessen ätherischen ßl) enthaltenen Verbenols auf: In Verbindung mit phenolischen Substanzen, welche ebenfalls im echten Weihrauch vorkommen, könnte beim Räuchern oder Kauen des Harzes die Bildung des dem Haschischinhaltsstoff THC isomeren delta-8-Tetrahydrocannabinol stattfinden: Sofern diese Theorie zutrifft, wäre damit eine plausible Erklärung für die stimulierende und gleichzeitig betäubende, man kann auch sagen “magische” Wirksamkeit des Olibanumharzes gefunden. Zwar sind die zu erwartenden Mengen des THC-Isomers sehr niedrig (sonst hätte die Gesetzgebung den Weihrauch vielleicht als Betäubungsmittel eingestuft), doch sollen nach Dr. med. BALFANZ schon Fälle von “Weihrauch-Abhängigkeit” vorgekommen sein (zit. in [6]). Das scheint sich insoweit bestätigt zu haben, daß THC aus Weihrauch derzeit bei Arteriosklerose getestet werden und Cannabis vorgezogen wird, da die rund 420 Inhaltsstoffe des Hanfs zu viele Möglichkeiten für Wechselwirkungen darstellen. Hadu, auch wenn erst Papst Innozenz VIII in der “Hexenbulle” von 1484 den Gebrauch von Hanf verboten hat, geht mir hier nicht um eine “Legitimation” des Kiffens auf Märkten oder anderen Veranstaltungen durch Umgehen des BtmG. Mein Interesse ist rein akademischer Natur. Grußvoll, Matthias Topasius

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Eintrag #24 vom 26. Jun. 2000 21:47 Uhr Alex Kraus  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alex Kraus eine Nachricht zu schreiben.

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Weihrauch hat in der Tat eine antientzündliche Potenz. Die in ihm enthaltenen Boswelliasäuren greifen in die Synthese von Leukotrienen (das sind entzündungsvermittelnde Stoffe) aus Arachidonsäure durch Lipoxygenase ein. Es sind auch zwei Weihrauchpräparate auf dem Markt, gegen Schuppenflechte und rheumatische Entzündungen. Einen THC-Gehalt von 30% halte auch ich für übertrieben. Selbst wenn dem Weihrauch Hanfprodukte zugesetzt wurden. Haschisch enthält selbst “nur” ca. 5-10% THC. Außerdem: für eine deutliche Rauschwirkung braucht man ca. 10 mg THC, das würde bedeutet, das man mit 30-40 mg Weihrauch high werden könnte. Doch eher unwahrscheinlich. Heißt natürlich nicht, daß geringe Mengen THC nich doch im Weihrauch sind. Grüße,
Alex.

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