Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Welche Farben kannten die Römer?

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Eintrag #1 vom 23. Mai. 2004 12:27 Uhr Angelina Von Borcke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Angelina Von Borcke eine Nachricht zu schreiben.

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Hi,
auf den meisten Römerfesten sieht man sehr kräftige bunte Farben. Entsprach das der Wirklichkeit? Welche Farbstoffe für Kleidung kannten die Römer? Und wie sah es hier in den römsichen Provinzen aus? Wurden exotische Farbstoffe entsprechend importiert? Wenn ja, welche? Oder wurde in den Provizenzen eher mit einheimischen Farben gearbeitet?
Fragen über Fragen…
Angy.

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Eintrag #2 vom 25. Mai. 2004 15:13 Uhr Ingo Ludwig  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ingo Ludwig eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Angelina,
natürlich ist da vor allem erst einmal der bekannteste Farbstoff aus römischer Zeit zu nennen: Purpur.
Die Phönizier fingen die Purpurschnecken (Brandhorn, Purpurschnecke [Murex trunculus] und Rotmund-Maulbeere) und gewannen daraus drei verschiedene Rottöne. Daher erklärt sich der griechische Name für Phönizien, er bedeutet “Purpurland”.
Der Farbstoff ist chemisch dem Indigo ähnlich (hohe Leuchtkraft und Lichtechtheit).
Bei den Römern war der teure Purpurfarbstoff den Senatoren und Kaisern vorbehalten. Nur der Cäsar durfte ein mit Purpur gefärbtes Gewand tragen, die Senatoren mussten sich mit einem purpurnen Streifen an ihrer Toga begnügen.
Der hohe Preis des Farbstoffes ist aus der kostspieligen Extraktion zu erklären. Für ein Gramm Farbstoff sind bis zu 8000 Schnecken nötig (die jeweils nur einen winzigen Tropfen davon enthalten)
In Rom stand die Purpurfärberei unter staatlicher Aufsicht, die Kaiser waren an den Gewinnen selbst beteiligt. Quasi die ersten Staatsbetriebe der Menschheitsgeschichte.
Mit dem Ende des römischen Reiches gelangte der Farbstoff zwar noch nach Konstantinopel, geriet aber dann allmählich in Vergessenheit.
Im Mittelalter wurde dann wieder versucht, als preisgünstigeren Ersatz das Färben mit Krapp anzuwenden. Mit Erfolg, auch wenn die Farben weniger dauerhaft sind und weniger leuchtend ausfallen.
Gruß, Ingo

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Eintrag #3 vom 26. Mai. 2004 00:01 Uhr Julia Gräf  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Julia Gräf eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo,
neben dem auserordentlich teuren Schneckenpurpur war auch noch der fast genauso teure Kermesfarbstoff bekannt. Auch hier handelt es sich um einen tierischen Farbstofflieferanten (eine Schildlausart: Kermes vermilio). Diese Farbe wurde als “coccina” bezeichnet (ist ebenfalls rot).
Weiterhin wurden zum Rotfärben auch Krapp (=Rubia, laut Plinius wurde um 50 n.Chr. bei Rom Krapp angebaut) und Orseille (ein Flechtenfarbstoff aus der Rocella tinctoria) verwendet. Häufig auch als ZUsatz zur richtigen Schneckenpurpurfärbung um diese billiger zu machen. Man nannte diese Mischungen “Conchylienpurpur”-färbungen.
Eine Imitation von Schneckepurpur konnte auch durch eine Farbstoffmischung aus Krapp und Indigo hergestellt werden, das ist dann der sogenannte “ßgyptische Purpur”.
Gerade weil Rotfärbungen relativ teuer waren, war diese Farbe lange Zeit bestimmten Bevölkerungsschichten (hohe Stattsbeamte, Priester…) vorbehalten.
An gelbfärbenden Pflanzen wurden nachgewiesen: Orseille (fucus), Safran (Crocus sativus), “herba lutea” (wahrscheinlich Wau (Reseda luteola)), Curcuma.
An Blaufärbemitteln war wahrscheinlich der Waid (Isatis tinctoria) beliebter als das ebenfalls bekannte, aber aus Indien importierte(!) Indigo (Indigofera tinctoria), da die Färbung einfacher und der Rohstoff billiger war.
Zur Schwarzfärbung wurden verwendet: Extrakte von Eichengallen und Akazienrinde (Acacia nilotica) auf Eisenbeize.
Grün wurde hergestellt durch ßberfärben einer Waidfärbung mit Wau.
Außerdem wurde auch der Walnußbaum (Juglans regia)schon im 1.Jh. v. Chr. in Italien eingeführt und angebaut. Verwendet wurden nachweislich die unreifen grünen Schalen.
Alle Infos habe ich aus H. Schweppe, Handbuch der Naturfarbstoffe (Landsberg/Lech 1993), S.54-57.
Liebe Grüße
Blidhild

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Eintrag #4 vom 27. Mai. 2004 12:30 Uhr Angelina Von Borcke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Angelina Von Borcke eine Nachricht zu schreiben.

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Also sind die Farben der einfacheren Bevölkerung (Händler, Handwerker) auch eher “natürlich” gewesen, während die kfäftigen leuchtenden Farben den höheren Ständen vorbehalten waren.
Weiß noch jemand etwas über die Provinzen? Eher einheimische vorort vorkommende Farben, oder Import aus fernen Ländern?
Und wie sieht’s mit den Stoffen aus? Leinen und Wolle, oder auch Baumwolle? Gab es entsprechende Handelsbeziehungen, oder ist das auch eher Schutzbehauptung?
Mahlzeit! Angy.

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Eintrag #5 vom 27. Mai. 2004 16:11 Uhr Sylvia Crumbach  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Sylvia Crumbach eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Angy,
einen Teil der “Exporte” ins Barbarium, besonders aus Gallien, haben wahrscheinlich “Mantelrohlinge” ausgemacht. Geht man davon aus, das der sog. Vennemoormantel. (dat. 2. Jahrh. u.Z) dazu gehört, kommt man auf spannende Farben. Das gute Stück ist eher fliederfarbig gewesen. In meinen Artikel zu den germanischen Mänteln findest Du Details und die Literaturangabe.

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Eintrag #6 vom 18. Sep. 2004 16:24 Uhr Volker Bach  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Volker Bach eine Nachricht zu schreiben.

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Zum Import von Stofffarben; ziemlich sicher. Farbige Kleidung war ja ein wesentliches Statussymbol, und wenn man sich z.B. die Farbreste auf Grabsteinen oder Altären ansieht (einer aus Stockstadt ist rekonstruiert worden und sieht ziemlich knallbunt aus) dann gewinnt man den Eindruck, dass Farbe den Römern wichtig war. Allerdings hat die Mehrzahl der Leute an den meisten Tagen wohl naturfarbige oder mit lokal vorkommenden Pflanzenfarben gefärbte Kleidung getragen.Plinius gibt sogar eine Aufzählung der vorkommenden Naturtöne von Wolle bestimmter Schafrassen (Nat hist. 8.73.191), was darauf hinweist, das sie ungefärbt verarbeitet wurden.
An sich kann man mit Naturfarben fast jeden Farbton hinbekommen, sofern es nicht neonfarben werden soll. Das Problem ist, dass viele Töne schneller ausbleichen oder auswaschen (auch wenn die römischen Färber ihr Handwerk besser verstanden als ein Reenactor mit Badewanne, moderne Chemie ist meist farbstabiler).
Allgemein wird davon ausgegangen, dass Wolle in Italien und im westlichen Teil des Reiches der übliche Kleiderstoff war. Man hat damals auch Wollstoffe in einer Feinheit hergestellt, die heute nicht mehr üblich ist und die man auch im apulischen Sommer tragen konnte. Leinen war auch verbreitet (es scheint, dass im östlichen Teil des Reiches Leinen typische Sommerkleidung und Wolle Winterkleidung war). Seide war bekannt, aber sehr teuer (oft in Form von Mischgeweben mit wolle oder Leinen kombiniert - möglicherweise war die ‘Koische Seide’ so etwas). Baumwolle ist so ein Problemfall: A.T.Croom (Roman Clothing and Fashion) erwähnt sie ohne weiteren Nachweis. Archäologische Nachweise gibt es aus Südasien und Ostafrika seit vorgeschichtlicher Zeit, also ist es nicht unmöglich, dass die Römer sie kannten. Plinius erwähnt /gossympini/, einen Stoff, der aus ßgypten kommen soll und meist mit Gossypium arboreum (einer Baumwollart) identifiziert wird. Leider gibt es in dieser Zeit auch die Annahme, dass Seide in China auf Bäumen wächst, so dass ich z.B. nicht sicher bin, ob Strabos ‘Baumwolle’ nicht Seide meint. Mit Sicherheit war Baumwolle nicht weit verbreitet. In Spanien gab es dazu noch Kleiderstoffe aus Espartogras und in ßgypten Byssusstoff aus den Fäden, mnit denen sich Muscheln an Steinen festsetzen.
Ianus

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Eintrag #7 vom 18. Sep. 2004 19:54 Uhr Martin (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Martin eine Nachricht zu schreiben.

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Naja man muß sich nur die römischen Fresken
in Pompeji ansehen, dann hat man schon mal eine recht gute Vortellung welche Farben gefragt waren und welch eher weniger.
Schmierfink

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