ich dachte, Weißgerbung ist alles, was nicht Rotgerbung ist (Sämisch-, Glacé-, Alaungerbung). Zumindest in ßsterreich wird der Begriff so verwendet. Nur der Begriff “Ungarische Weißgerbung” ist für Alaungares Leder (mit viel Fett) reserviert.
Zum Sämischgerben sind meines Wissens nur die dünneren Häute gut geeignet, mit Lohe kann man alle Häute (auch sehr dicke) gerben. Es wäre aber unvernünftig, schöne, narbenreine Schaf- und Ziegenhäute für Sämischgerbung zu verwenden (wo doch der Narben bei dieser Methode abgestoßen wird) und andererseits unreine narbenbeschädigte Wildleder lohgar (i.d.R. mit Narben als Buchbinder- oder Taschnerleder…) zuzurichten. Darum macht mans üblicherweise umgekehrt.
Du verwendest tatsächlich altgrubengegerbtes Leder? Alle Achtung! Das müssen ja wirklich schöne Stücke werden. Da wird man fast ein wenig neugierig auf ein paar Bildchen oder so…
@ Alexandra Krug:
Man hat schon (in der Neuzeit) Schaf- und Ziegenhäute sämisch gegerbt, der weitaus größte Anteil ist aber aus Wildleder (s. o.). Im Mittelalter wurden die glatten Häute der Haustiere außerdem noch für die Produktion von Pergament gebraucht.
@Beate Ellmers:
Die Hirngerbung ist ein traditionelles Verfahren bei nordamerikanischen Indiandern. Bei uns ist diese Technik erst vor Kurzem in Mode gekommen. Ich glaube fürs Mittelalter ist sie ungeeignet.
wir wollen gerade eine Sammelbestellung für Lohgar machen. Es ist grubengegerbt. Kostet 93,- - der qm. Auf einer Haut sind ca. 5 qm. Wer daran Interesse hat, möge sich bei Caro, Sattlerei Zaum & Zügel (www.zaumundzuegel.de) melden. Besser anrufen als über e-mail, weil Caro immer sehr beschäftigt ist und kaum an den Computer kommt.
Du bringst da einige Dinge durcheinander: “Weißgerbung” ist die sog. Alaungerbung, nicht die Sämischgerbung. Sämischgerben läßt sich im Prinzip jedes Leder, manche Lederarten mögen aber umgekehrt die vegetabile Gerbung nicht wirklich gerne (z.B. Hirschleder), so daß man dabei auf die Sämischgerbung zurückgreift.
“Lohgar”, also die sog. Lohgerbung ist eine vegetabile Gerbung, die auch bereits angesprochen wurde. Praktisch alle heutigen vegetabil gegerbten Leder sind jedoch chromvorgegerbt bzw. mit starken Tanninen vorgegerbt. Die eigentliche Rindengerbung passiert dann innerhalb von wenigen Wochen.
Echtes, grubengegerbtes Leder, das über 20-24 Monate in Gruben mit immer stärkeren Gerbbädern (v.a. aus Eichenrinde) gegerbt wird, liegt leider im Preisbereich “sauteuer”, wenn man auf geprüfte Ware aus Europa zurückgreift.
Ware aus Asien oder Afrika ist deutlich preiswerter, allerdings wird dieses Leder oft unter Mißachtung der meisten Umwelt- und Arbeitsschutzrichtlinien hergestellt.
Falls jemand (nachweislich!) grubengegerbtes Leder aus Deutschland zu einem noch vernünftigen Preis anbieten kann, ich habe großes Interesse!
Ist es eigentlich nicht so, daß nur Wildleder (Hirschleder etc.) sämisch, d.h. weiß gegerbt wird?
Was noch nicht angesprochen wurde, daß auch lohgar möglich ist. Das wird dann mit Eichenrinde gegerbt. Dieses Leder wird heute noch für Kutschendächer und Geschirre verwendet.
wenn mans genau nimmt, sollte man nur “altsämisch”, d.h. ausschließlich mit Tran gegerbtes Leder verwenden. Bei der “neusämischen” Gerbung wird ein unterschiedlich großer Anteil an moderner Cemie (v.a. Aldehyden) verwendet.
… bekommt man auch bei der Gerberei Trautwein in 77761 Schiltach. Wenn man den Damen im Verkaufsraum erklärt, was man will (nämlich keine Trachtenlederjacken oder sowas), dann schicken sie einen zum Chef ins Lager, und DA wirds dann interessant. Das Leder ist traumhaft schön und ziemlich teuer.
naja, ich würd die Idee von grau-weissem Velourleder im (späten) SpäMi nicht ganz wegschmeisen. Im Germanischen Museum in Nürnberg ist das Beutelbuch aus dem 15. Jh., das zum aufräumen einfach wieder in seinen grau-schwarzen Ledersack aus Velourleder, an dem es festgemacht war, eingepackt wurde. Inwieweit Velourleder aber Verwendung fand, vermag ich nicht zu sagen, da es meines Wissens nur dieses eine Stück gibt.
Das wollte ich auch nicht in Abrede stellen oder - noch schlimmer - als “Entschuldigung” für die Verwendung von modernem Leder anführen. Deshalb habe ich mein Posting auch bewußt “sehr vorsichtig” Formuliert (hoffe ich).
Also: Nehmt bitte entsprechende Ledersorten und färbt diese ein, wenn es bunt sein soll. Das ist einfach, macht Spaß und bringt ganz nebenbei noch Erfahrung mit alten Farben!
Ich bin selbst halt immer wieder überrascht, was für brilliante Farbtöne sich nach alten Rezepten machen lassen…
“Die deutsche Stadt im Spätmittelalter 1250 - 1500”, von E. Isenmann.
Es werden da Verstöße seitens (Nürnberger?) Schuhmachern erwähnt (mit Hinweis auf die Originaltexte), wo diese mit Hunde- und sogar Katzenleder (!) herumgepfuscht haben.
Sorry, da war mein Kopf irgendwo anders, glaub ich..
Richtig, man kann Leder mit einer ganzen Reihe im MA bekannten Färbemittel färben und auch farbiges Beizen (Roterle, Schwarzerle etc.) ist möglich.
Danach wurde aber nicht gefragt und ich bleibe bei meiner Aussage, daß heue käuflich erwerbbares farbiges Leder für die Darstellung ungeeignet ist, weil sowohl bei durchgefärbtem als auch bei deckgefärbtem Leder praktisch ausschließlich Anilinfarben zum Einsatz kommen.
Leder nimmt fast jede Art von im Mittelalter bekannten Farben sehr gut und haltbar an, es muß nicht wie Textilien aufwändig gefärbt werden. Holzbeizen (auch nach alten Rezepten!) funktionieren ebenfalls prächtig. Das bitte ich zu bedenken, wo die Farben nun schon mal angesprochen worden sind.
@Roland: Bei Christine Schnack? In welcher Publikation? Ich hatte letztens erst mal wieder das Schleswiger Buch durchgesehen, dort wird nur von Rind und Ziege/Schaf gesprochen.
die vegetabile (also pflanzliche) Gerbung mittels Rinden etc. stellte während des gesamten Mittelalters (und auch noch lange danach) die Hauptgerbungsart dar. Nichtsdestotrotz war auch die Alaungerbung und Fettgerbung (Sämischgerbung) bekannt.
An Ledersorten wurden Rind- und Ziegenleder benutzt, Schweineleder eignet sich aufgrund der durchgehenden Poren und der geringen Reißfestigkeit nur bedingt für Bekleidungs- oder Ausrüstungszwecke (Ausnahmen wie Bolzenköcher aus Wildschweinleder bestätigen die Regel).
Alle modernen Leder mit Ausnahme der explizit als “vegetabil gegerbt”, “alaungegerbt”, “sämisch gegerbt” o.ä. gekennzeichneten sind somit für eine korrekte mittelalterliche Darstellung unbrauchbar. Dazu zählen alle farbigen Leder (mit den o.g. Methoden lassen sich nur Weiß/Grau und Brauntöne erzeugen) und alle geprägten Leder sowie alles, was den Hinweis “chromgegerbt” und/oder “anilingefärbt” enthält.
im Spätmittelalter wurde Vegetabiles Leder verwendet. Vegetabile Gerbung bedeute rein pflanzlich gegerbtes Leder herzustellen. Vorwiegend Rinderleder, Schweineleder und Ziegenleder fand Verwendung. Naja, nun kannst du dir fast denken was ich von Nappaleder , bedrucktes Leder usw. in einer Spätmittealalterlichen Darstellunge halten würde. NIX! ;-)
kurze Schilderung meines Problems: Ich habe 30kg Lederreste erstanden (Ebay), weil ich dachte, es könnte ja nicht schaden mal was da zu haben. Wie sich herausstellte sind 70% weiß-graues Velour (was, was ich schon in Erfahrung gebracht habe, nicht im MA vertreten war, Pech!!). Was ist aber mit geprägtem Leder (Nappa?)? Man möge natürlich sagen, ist der doof! Stimmt! Aber vielleicht hab ich ja dochh noch etwas Glück. Kann mir da jmd. weiterhelfen?????