wendegenaht ist doch klar. Aber das Gros, der in Deutschland gefundenen Hoch- und Spätmittelalterlichen Schuhe wurden über Leisten gefertigt. Das lässt sich über kleine Nagellöcher in der Sohle sowie über einige Leistenfunde nachweisen.
ich will hier auf keinen Fall jemanden schlechtreden oder ähnliches, aber wenn die Dame soviel Kompetenz besitzt, sollte sie über diesen Satz auf der Homepage nochmal nachdenken:
“Unsere Schuhe sind wie Ihre hochmittelalterlichen Vorbilder ohne Leisten wendegenäht.”
Dort bekommst du Kontakt zur Jeanette, der du den Fund aus Lemgo vorlegen kannst. Die ist in solchen Sachen fachkompetent und hat Improvisationstalent.
Von Lemgo nach BI zur Anprobe ist ja auch nicht so weit, oder?
Was ist das für eine Ausstellung im Lipperland/Lemgo? Bin selber Lipper, allerdings nicht mehr so oft im Ländle…
Am besten gelingt das nach einer ausführlichen Recherche zu Schuhformen in Europa in deiner Zeit.
Hört sich aufwendiger an als es ist, mit vier fünf Bücher aus der Bibliothek hast du schon einen guten ßberblick.
Es gibt durchaus Schuhformen, die sich quer durch Europa wiederholen (auch durch die beiden Jahrhunderte), die sind dann m.E. natürlich auch für verschiedene Orte verwendbar.
Du wirst bei aller Sympathie zur Reginalität, nicht alle notwendigen Gegenstände aus deinem Ort als Fundgut haben…leider…
Hier mal ein paar Literaturtipps bez. der Schuhe:
Volken, M.und S. Die Lederfunde der Ausgrabung Hundestraße 95 in Lübeck. In: Archäologische Untersuchungen auf dem Lübecker Stadthügel: Funde und Befunde. (Lübecker Schriften zu Archäologie und Kulturgeschichte, 26) Bonn, 2002. S. 473-502
Schnack, Christiane. Die mittelalterlichen Schuhe aus Schleswig (Ausgrabungen in Schleswig, Berichte und Studien 12). Neumünster 1992
Schnack, Christiane. Mittelalterliche Lederfunde aus Schleswig - Futterale, Riemen, Taschen und andere Objekte, Ausgrabung Schild 1971 - 1975 (Ausgrabungen in Schleswig, Berichte und Studien 13). Neumünster 1998
Schnack, Christiane. Mittelalterliche Lederfunde aus Konstanz (Grabung Fischmarkt). Stuttgart 1994
Goubitz/ Driel- Murray/ Groenman- van Wateringe. Stepping through time. Archaeological footwear from prehistoric times until 1800. Zwolle, Stichting Promotie Archeologie, 2001
Grew/ De Neergaard. Shoes and Pattens (Medieval Finds from Excavations in London 2 )London, 1988.
Neben diesen, gibt es unzählige Einzelfunde von Schuhen, im ganzen Land verstreut…
Der Fund sieht ganz nett aus, scheint aber meiner Meinung nach kaum Informationen für eine Rekonstruktion herzugeben. Du könntest die Sohlenform kopieren, was aber keinen Sinn macht, da diese deinem Fuß angepasst werden muss. Die konkrete Form des Oberleders und damit die Schuhform an sich kann man aus den gezeigten Fragmenten nicht entnehmen. Daher solltest du auf Literatur zurückgreifen und eine Schuhform wählen, in die du diesen Fund hinein interpretieren kannst.
Kann mir mal jemand erklären, warum das Fersenleder rechts oben Nahtlöcher aufweist??? Ist das nicht verkehrt herum?
Also pauschal würde ich das nicht beantworten wollen.
Für das konkrete Beispiel:
Wenn es für deine Zeit und Region keine Schuhfunde gibt, dann würde ich einen zeitlich passenden, in vielen Regionen aufgefunden Schuh als optimale Lösung betrachten.
Ebenfalls denkbar wäre ein älterer Schuh aus deiner Region, solang er nicht deutlich zu alt wird.
Doch grob verallgemeinert:
Prinzipiell halte ich zeitlich passende Objekte für die einzig vertretbaren Ausrüstungsgegenstände.
Es gab im Mittelalter Handel, es gab diverse andere Gründe, überregional unterwegs zu sein und Anregungen, Stile, und Gegenstände mitzunehmen.
Solang dies in sinnvollem Rahmen (die eigene Definition von “sinnvoll” bitte verantwortungsbewußt treffen) geschieht (also norddeutsche Schuhe in Süddeutschland), und nicht ausufert (chin. Kurzschwert in Haitabu) ist das denke ich vertrebar.
Die Reise 100 Jahre in die Zukunft und zurück ist allerdings niemand möglich gewesen, und sollte deshalb entfallen.
Diese eher theorethische Frage kam bei mir auf, als ich ein paar Photos von Ausstellungstücken, die im Moment bei mir im Ort zu sehen sind.
Man versucht ja, sich so nahe wie möglich in seiner Darstellung geographisch und zeitlich einzugrenzen. Manchmal hat man aber das Problem, daß es für die gewählte Zeit und Ort Lücken gibt, so daß man auf Kompromisse zurück greifen muss.
Zum Konkreten Beispiel: Für usnere Region ist es mit Schuhen relativ Mau. Also wäre der eine Kompromiss, Schuhe zu wählen, die für diese Zeit, aber für eine andere Region belegt sind, zu nehmen.
Jetzt habe ich in den Ausstellungsexponaten einen Schuhfund gefunden, der frühestens aufs 14. Jahrhundert datiert werden konnte. Für unsere Darstellung also um die 100 Jahre zu spät. Dafür hätter er aber den Vorteil direkt aus meiner Stadt zu kommen..
Also kurz noch mal zusammengefasst:
Lieber zeitlich korrekt, dafür geographisch ungenau
oder zeitlich inkorrekt, dafür geographisch genau?