Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Wer schickt die Bauern in den Krieg?

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Eintrag #1 vom 05. Jun. 2003 19:08 Uhr Manuel Manhard   Nachricht

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Ich habe ein paar kleine Fragen über den “Bauernkreuzzug” von 1096:
Wer hat letztendlich das Volk auf den Krieg vorbereitet? Ich meine jetzt nicht die Synode von Clermont, da hat wohl wenige der kleinen Männer zugehört, sondern hauptsächlich Fürsten und Geistliche… wie ist das erstmal an die Bevölkerung geraten? Gut, die reine Info würde sich natürlich ‘rumsprechen, aber deswegen sind ja noch lange keine Heere organisiert (geschweige denn “ausgerüstet”).
Das Volk musste sich doch wohl irgendwo sammeln; mussten sie dazu in die nächste Stadt gehen? Hat sie irgendjemand richtig dazu angeleitet? Durch Mund-zu-Mund-Propaganda allein kann’s ja wohl nicht geschehen sein…
Ich meine jetzt auch nicht so jemanden wie Peter von Amiens, der wird sich nicht bei der Anwerbung in was weiss ich wie vielen Dörfern verausgabt haben, um die Leute zusammenzutrommeln. Ich brauche nicht unbedingt Namen der einzelnen Grossen, sondern will lediglich wissen, was das für Leute waren, die das Volk “zusammengetrieben” haben. Ausgewählte aus dem Volk? Bedienstete irgendwelcher Fürsten? Soldaten? Söldner? Wer?
Wäre nett wenn mir hier jemand etwas Auskunft geben könnte, aber sowohl Bücher als auch Webseiten sind in diesem Punkt furchtbar ungenau… zwei, drei Namen und es reicht - nützt mir aber nicht viel. Ich will wissen, wie ungefähr diese ganze Anwerbung, Zusammenstellung und Koordination der “Heere” für einen Bauern ausgesehen haben müssen, der wohl nicht viel von irgendeinem Peter von Amiens oder so mitgekriegt haben dürfte!
Danke gleich mal im vorraus… ich hoffe hier kann mir jemand helfen.
EEL

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Eintrag #2 vom 05. Jun. 2003 23:38 Uhr Ranes Haduwolff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ranes Haduwolff eine Nachricht zu schreiben.

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Grüß Euch
der erste Kreuzzugf war , ums ganz pauschal zu sagen, eine üble Betrugs-Nummer der Herrschaften um den Peter von Amiens. NIEMAND schickte Bauern weg, sondern dieser Kreuzzug war das Ergebnis einer beginnenden Sozialkrise.
Auf den Weg machten sich am wenigsten die zufriedenen Bauern, sondern der Pöbel aus den Städten, vor allem aus dem rheinischen Bereich, und all diejenigen, die ansonsten keinen Platz in der im Umbruch befindlichen Gesellschaft zur Jahrhundertwende hatten.
Die Herrschenden waren sogar recht zufrieden, das Heer der Armen und Unzufriedenen, der nicht erbfähigen Söhne und der unehelichen Blagen loszuwerden.
Dieser Zug war in keinster Weise militärisch organisiert, und es gab nur ganz wenig geschulte Soldaten.
Genau in dieser Zeit fielen die Bauern und niederen Stände sowieso aus der Heerschildordnung raus, d.h. es gab diese oft in der MA-Szene beschworenen Bauernaufgebote nicht mehr.
Dieser Pöbelhaufen war in nichts mit den wohlorganisierten Truppen zu vergleichen, die dann Jerusalem eroberten…
miles roma ! miles imperatore ! Euer Haduwolff

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Eintrag #3 vom 06. Jun. 2003 07:22 Uhr Joachim Meinicke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Meinicke eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht einfach so weg?

Und wenn überhaupt dürften sie sich ihrem jeweiligen Lehnsherr angeschlossen haben. Und der wird sich gut überlegt haben, wen er mitnimmt und wen besser nicht, weil er z.B. für das Unternehmen untauglich ist oder auf dem heimatlichen Lehen dringender benötigt wird. Ist ja nun nicht so, daß im MA jeder Bauer einfach so losmarschieren konnte, wenn ihm der Sinn danach war, wo kommen wir den da hin.
Joachim

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Eintrag #4 vom 06. Jun. 2003 07:28 Uhr Joachim Meinicke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Meinicke eine Nachricht zu schreiben.

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Im übrigen höre ich den Begriff “Bauernkreuzzug” in diesem Zusammenhang zum ersten mal und ich habe ja nun doch so ein paar Bücher zum Thema zu Hause rumlungern.
Ich halte diesen Begriff sogar für gefährlich. Wenn die Bauern das lesen, kommen sie nur wieder auf merkwürdige Ideen wider ihren rechtmäßigen Herren. Das kann ich nicht gutheißen :-)
Joachim, besorgt

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Eintrag #5 vom 06. Jun. 2003 10:41 Uhr Heiko Marquardt  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Heiko Marquardt eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Grübel

Also dieser Ausdruck “Bauernkreuzzug” bzw “Kreuzzug der Armen” kommt aber häufiger, als bezeichnung für das “Heer” des Peter von Amiens und Johann Habenichts, in der Literatur vor.
Das eigendliche Kreuzzugsheer welches Jerusalem eroberte zog ja erst ein paar Monate später los.
Aber zu der Frage: Ich denke schon das sich Prediger/ Boten/ Kuriere/ Mundpropagandisten auf den Weg gemacht haben von dem Kreuzzug zu künden und das sich viele einfach dem Zug angeschlossen haben als dieser durch ihre Gegend zog. Es gibt Berichte die sagen das mancher Bauer seinen Pflug auf dem Feld gelassen hat und einfach mit dem Zug mitgegangen ist.
Die Idee des Kreuzzuges hat sich bestimmt sehr schnell verbreitet, ich glaube das man in dieser Hinsicht die Kommunikations- und Informationsstrukturen zu dieser Zeit nicht unterschätzen darf.
Viele Grüße >8o)

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Eintrag #6 vom 06. Jun. 2003 10:45 Uhr Heiko Marquardt  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Heiko Marquardt eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Ach so...

… die Bezeichnung “Kreuzzug” für dieses erste unterfangen wurde erst viel später erfunden. Im ersten Kreuzzug sprach man von PILGERFAHRT.
Und so viel ich weiss konnte sich jeder auf den Weg zu einer Pilgerfahrt begeben. Selbst wenn es Reiseverbot für Bauern gegeben hätte, wäre es im Rahmen einer Pilgerfahrt aufgehoben.
Viele Grüße >8o)

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Eintrag #7 vom 06. Jun. 2003 15:26 Uhr Manuel Manhard   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Dann eben: Wie werden die Armen in den Kampf gegangen...?

@Ranes Haduwolff und Joachim Meinicke:
Gut, da hab’ ich mich wohl etwas unklar ausgedrückt… ich verwende zwar den Begriff “Bauernkreuzzug” (der so wie auch “Kreuzzug der Armen” durchaus nicht selten gebraucht wird), aber erwähne sonst hauptsächlich nur “das Volk”… die ßberschrift ist zugegebenermassen etwas irritierend, wenn nicht schlicht und einfach falsch, t’schuldigung!
Trotzdem danke für alle Hinweise, da Mittelalter leider nicht gerade mein Gebiet ist… deswegen die Frage.
@Heiko Marquardt:
Danke, das hilft schon mal eine ganze Menge… der eigentliche Kreuzzug interessiert mich im Moment auch nicht so sehr, sondern eben diese Meute um Peter von Amiens. Wenn die ganze Aktion als Pilgerfahrt erklärt wurde, erklärt das einiges.
Gut, mit geschulten Soldaten hätte ich auch nicht gerechnet, genausowenig mit einer militärischen Organisation - aber ich glaube nicht, dass dieser EINE MANN (obwohl ich Wanderpredigern viel zutrauen würde ;-) ) im Alleingang dieses “Heer” zusammenstellte und diesen, wohl leicht undisziplinierten und unzufriedenen, Haufen auch nur einigermassen im Zaum halten konnte… wenn auch nur am Anfang. Er MUSS doch praktisch irgendwelche Helfer gehabt haben, auch wenn es nur ebenfalls ein Haufen Pöbel war, der auf den anderen Pöbel aufpasste…
Ich stütze mich nur nicht gern auf meine eigenen Vermutungen und will lieber mal andere zu Rat ziehen… ich bin natürlich auch dankbar für Hinweise auf Quellen, die genauer darüber berichten.
EEL

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Eintrag #8 vom 12. Jun. 2003 07:59 Uhr Joachim Meinicke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Meinicke eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Wanderprediger

Habe gestern mal ein wenig in meinen Büchern geblättert. Den Begriff “Bauernkreuzzug” habe ich zwar nicht gefunden, dafür aber in Peter Milger´s >Die Kreuzzüge< ein paar Hinweise.
Urban II hatte zur allg. Kreuzzug-Predigt (der Begriff entstand übrigens eigentlich wirklich erst später) aufgerufen. Hier ist jetzt zu unterscheiden. Denn es gab offizielle an Adel und Klerus gerichtete Aufrufe. Aber auch ohne Aufsicht der Kirche, nahmen sich (vor allem) Wanderprediger der Sache an und trafen die verarmte sowie verängstigte (eine Art Endzeitstimmung hatte sich durch alle Schichten breitgemacht) Bevölkerung mitten ins Herz. Berühmt/berüchtigt wurde ja der schon erwähnte Peter der Einsiedler, selber Priester und früherer Einsiedler.
Jerusalem wurde mit dem Paradies gleichgesetzt. In den Predigten wurde es in greifbare Nähe gerückt, das irdische Jammertal schien plötzlich überwindbar. Für Reiche war die Pilgerfahrt gen Jerusalem übrigens schon vorher durchaus populär. Doch jetzt kam es zur Massenbewegung.
Der Chronist Wilhelm von Tyrus schrieb dazu:
Da trennte sich der Mann vom Weib und das Weib vom Mann, der Vater vom Sohn und der Sohn vom Vater, da war kein Band der Liebe, das diesen Eifer behindert hätte. Sogar Mönche kamen aus ihren Klöstern… Doch waren nicht alle durch die Liebe zu Gott zu ihrem Entschluß gekommen…viele schlossen sich an, um ihre Freunde nicht zu verlassen, oder um nicht als träge zu gelten, oder aus Leichtsinn, oder damit die Gläubiger, bei denen sie schwer verschuldet waren, das Nachsehen hätten… verschieden waren also die Beweggründe, aber alles eilte herbei.
Also noch mal kurz und knapp: Die Kirche richtete sich eher an Adel/Klerus, da sie eine gesteuerte und organisierte Pilgerfahrt im Auge hatte. Doch die Sache wurde relativ ungesteuert zur Massenbewegung. Eine Stelle, wonach Bauern diese Pilgerfahrt dominiert hätten, habe ich nicht gefunden. Aber die Landbevölkerung wird zahlenmäßig einen großen Teil ausgemacht haben.
Gruß aus der Mark
Joachim
von
Marca brandenburgensis AD 1260
Märkisches Leben zur Zeit der Askanier www.brandenburg1260.de

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Eintrag #9 vom 12. Jun. 2003 10:17 Uhr Heiko Marquardt  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Heiko Marquardt eine Nachricht zu schreiben.

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Dieser als 1. Kreuzzug in die Geschichte eingegangene Kreuzzug bestand aus zwei “Heeren” dieses “Heer” der armen unter Führung von Peter zog Monate vor dem Adel und dem Klerus los und wurde bei Nikäa vernichtend geschlagen. Unter debn wenigen die dieses gemetzel überlebte gehörte auch Peter von Amiens.
In diesem Heer waren es Bauern und Arme Leute die das Gros ausmachten. Charakteristisch für diese Pilgergruppe waren die ßbergriffe auf die Jüdische Bevölkerung in ghroßen Städten wie zB Köln.
Viele Grüße >8o)

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