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Eintrag #5 vom 17. Sep. 2000 15:51 Uhr Ranes Haduwolff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ranes Haduwolff eine Nachricht zu schreiben.

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Grüß Euch, lieber Marcus, nenne es nicht Kaufkraft, sondern Tauschkraft. Der einfache Mensch des MA, ausser in den Städten, hat zumeist seine Geschäfte im Tauschhandel getätigt. Kaum ein Bauer besass überhaupt Geld, vielleicht ein paar Pfennig für alle Fälle. Das Ei gegen die Nadel, die Kuh gegen ein Haus, das Schwein gegen Tuch und Kochkessel, so sah es wohl aus. Die Arbeitskraft wurde selten in Geld entlohnt. Der Bauer war meist Pächter, und lieferte für seine Pacht Naturalien ab, der Ritter tat seinen Dienst für das Lehen, und so mancher Handwerker werkelte für eine angemessene Gegenleistung. Das nannte sich Naturalwirtschaft, und die bestand bis ins 14. Jhdt. etwa hinein, bis sie weitgehend durch die immensen Menschenverluste durch die Pest zusammenbrach. Danach zählte die Kaufkraft des Geldes mehr. Andererseits wuchsen grade im ausgehenden 12. und in der 1. Hälfte des 13. Jhdts. die Märkte und Marktflecken zu jungen Gemeinden und Städten, weil sie dem aufstrebenden Handel eine Plattform für das Gedeihen bot. So konnte der Bauer auch mal auf den Markt gehen, und für ein paar Kupferstücke oder Weisspfennige etwas Tuch kaufen, sein Schweinderl an den Städter bringen, und vor allem die neuesten Nachrichten hören. Die Details dieser Seite des mittelalterlichen Lebens kannst Du am besten im Katalog “Stadtluft, Hirsebrei und Bettelmönch” nachlesen. ISBN 3-8062-1059-4 Theiss-Verlag Stuttgart 1992/3, ich glaub, das Ding gibts noch. Absolut geniales Buch!!!
Euer Haduwolff

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Eintrag #4 vom 17. Sep. 2000 15:13 Uhr Marcus Wilms   Nachricht

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Hallo zusammen, danke schonmal für die netten Antworten. Aber könnte mir jemand beantworten was denn so ein normaler Arbeiter bzw. Bauer denn so ungefähr verdiente. Was konnte er sich leisten, wenn überhaubt. Wäre toll wenn ihr das auch auf die angegebene Werteliste hier im Posting beziehen könntet, damit ich einen besseren Eindruck von der Kaufkraft eines Mittelaltermenschen bekomme. Danke… Gruß Marcus

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Eintrag #3 vom 17. Sep. 2000 12:15 Uhr Ranes Haduwolff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ranes Haduwolff eine Nachricht zu schreiben.

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Grüß Euch, Matthias, Deiner Darstellung, daß das Gold in der 2. Hälfte des 13. Jhdt erst Bedeutung erhalten hat, muß ich widersprechen. Zu nenne ist da u.A. der Gold-Byzantiner, der “Besant”, der zur Bezeichnung eines eigenen Ritter-Söldnerstandes wurde, und in Outremer/Palästina/Mittelmeerraum zum allgemein anerakannten Zahlungsmittel wurde. Ebenso wurde schon in Köln im frühen 12. Jhdt. weitverbreitetes Goldmünzgeld geprägt. Noch wichtiger ist die in der damaligen christlichen Welt der von Friedrich II. von Hohenstaufen geprägte Augustale, die in den zwanzigern des 13. Jhdt. zur Staatswährung im italisch/sizilischen Reich wurde, und aufgrund seiner Zuverlässigkeit in Gewicht und Wert hohes Ansehen gewann. (Mein Münzbuch ist derzeit verliehen, daher nicht mehr.) Ansonsten schau mal in den Stauferzeit -Katalog.
Euer Haduwolff

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Eintrag #2 vom 16. Sep. 2000 16:25 Uhr Matthias Doettlaff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Matthias Doettlaff eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Marcus, das ist nicht leicht zu beantworten. Das Hauptzahlungsmittel des Mittelalters ist neben Naturalien Silber. Die Wikinger bewerteten es nach Gewicht und zerhackten dabei Münzen, Barren etc. Aus dem Museumskatalog von Haithabu stammt folgende Aufstellung: Westeuropa: 1kg Getreide: 3g Messer: 3g Schnalle: 5g Sporen: 20g Lanze: 51g Steigbügel: 126g Schwert: 126g Mitteleuropa: Schild und Lanze: 137g Kuh oder Ochse: 137g Helm: 410g Pferd: 478g Schwert mit Scheide: 478g Kettenhemd: 820g Nordeuropa: 10 Hühner: 1g Mantel: 12g Sklave: 306g Pferd: 306g Osteuropa: Schaf: 15g Schwein: 30g Kuh: 100g Ochse: 125g Sklavin: 204g Pferd: 300g Für das Frühmittelalter ist das zumindest schonmal ein Anhaltspunkt. Mit der Kaufkraft von heute ist das aber kaum zu vergleichen. 1g Silber kostet heute ungefähr 1,50DM, ein Pferd aber doch etwas mehr als 450,-DM und für 1,50DM gibt es nichtmal 1 Huhn. Noch ein Beispiel aus Lüneburg: im 14. Jh entspricht ein einfaches, eingeschossiges Einfamilienhaus in der Stadt einem Gegenwert von einem halben Faß Salz. Ein paar solcher Häuschen aus dem 16. Jh sind dort noch erhalten. Gold hat im Mittelalter erstmals ab der zweiten Hälfte des 13. Jh eine größere Bedeutung. Nach der Römerzeit prägte Genua ab 1252 wieder Golddenare, Florenz im gleichen Jahr Florins, in Frankreich tauchen ab 1266 erstmals Goldtaler auf und Venedig führt ab 1284 Dukaten. Flandern, Kastilien und Böhmen folgen im 14. Jh dieser Entwicklung. Gold ist im Mittelalter in erster Linie ein Metall für die Herstellung kostbarer Gegenstände und Schmuck. Es ist zu der Zeit aufgrund der rückläufigen Versorgung aus Afrika ziemlich selten. Kupfermünzen werden allgemein recht skeptisch betrachtet, besonders in ländlichen Gebieten, da der Nennwert nur selten mit dem Materialwert in Verbindung stand. Diese landeten dann schon weit eher im Opferstock der Kirchen, als Münzen aus Edelmetallen. Die Umrechnung der einzelnen Währungen ist recht komplex und lokal unterschiedlich. Ein Beispiel aus dem Sachsenspiegel zum Thema Schmerzensgeld (3. Buch, Art. 45): “§1. Nun vernehmet aller Leute Wehrgeld und Buße. Fürsten, freie Herren, schöffenbare Leute, die sind gleich an Buße und an Wehrgeld. Doch ehret man die Dürsten und freien Herren mit Gold zu geben und gibt ihnen zwölf goldene Pfennige zur Buße; deren Gewicht soll jeder drei Pfennig-Gewicht Silbers wiegen. Das Pfennig-Gewicht Goldes nahm man da für zehn Silbers. So waren die zwölf Pfennige dreißig Schillinge wert. Den schöffenbaren und freien Leuten gibt man zur Buße 30 Schillinge pfündiger Pfennige; deren sollen 20 Schilling eine Mark wiegen. Ihr Wehrgeld sind achtzehn Pfund ”pfündiger Pfennige“. §2. Jegliches Weib hat ihres Mannes halbe Buße und Wehrgeld. Jegliche Jungfrau und unverheiratete Frau auch hat halbe Buße, je nachdem, daß sie geboren ist. Der Wert des Geldes weist aufgrund von Messen, Konvois und Staatsausgaben auch bereits in der frühen Neuzeit jahreszeitliche Schwankungen auf und anscheinend gibt es auch für das Mittelalter Hinweise auf solche ökonoimischen Schwankungen. Ein venezianischer Kaufmann dazu im 15.Jh: ”In Genua ist Geld im September, Januar und April teuer, weil dann die Schiffe auslaufen […] in Rom oder überall, wo der Papst sich aufhält, schwankt der Geldpreis gemäß der Zahl der vakanten Benbefizien und der Reisen des Papstes, der den Geldpreis überall dort in dei Höhe treibt, wo er sich aufhält […] in Valencia verteuert sich Geld im Juli und August wegen Weizen und Reis […] in Montpellier gibt es drei Messen, die das Geld sehr teuer machen […].“ Literatur: Hildegard Elsner: ”Wikinger Museum Haithabu: Schaufenster einer frühen Stadt“ Jaques le Goff: ”Kaufleute und Bankiers im Mittelalter“, Fischer Taschenbuch Verlag 1989 Jean Favier: ”Gold und Gewürze“, Junius Verlag 1992 ”Sachsenspiegel - sächsisches Landrecht Anno 1220 - 1230", Reprint Verlag Leipzig Grußvoll, Matthias Topasius

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Eintrag #1 vom 16. Sep. 2000 14:26 Uhr Marcus Wilms   Nachricht

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Hallo Freunde des Mittelalters, Da ich einen Händler-Charakter verkörpere, arbeite ich gerade an einer Wertliste. Dabei bin ich aber leider auf keine Aussagekräftigen Quellen gestoßen. Vielleicht könnt Ihr mir ja helfen. Welcher Kaufkraft entsprach im Mittelalter: 1 Unze Gold, 1 Unze Silber, 1 Unze Kupfer, Verschiedene Edelsteine nach Karat, Wäre schön wenn Ihr die Kaufkraft vielleicht auch mit dem heutigen DM Wert vergleichen könntet. (1Unze= 30g, 1Karat=0,2g) Danke Schonmal… Gruß Marcus

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