Das Weltbild des Mittelalters war weitgehend von religiösen, glaubensorientierten - christlichen und älteren - Vorstellungen dominiert. Eben hauptsächlich von VORSTELLUNGEN. Weitaus geringer von Erfahrungen, individuellen Erlebnissen - geschweige denn von empirischen Erkenntnissen. Das Individuum war ohnehin keine Bezugsgröße. (Empfehlenswert hierzu: Gurjewitsch, Aaron: “Das Weltbild des mittelalterlichen Menschen” und Wöhler: “Geschichte der Philosophie im Mittelalter”).
Dementsprechend waren auch die “Rollenbilder”, von Mann und Frau weitgehend glaubensbedingt und im christlichen Hochmittelalter auf antike, biblische und christliche Vorbilder bezogen (wie auch die Vorstellung vom “Guten Hirten/ Priester” oder die vom “Guten Herrscher”). ßberliefert worden sind diese u.a. in den Epen, “Höfischen Romanen” und der Lyrik, eben in der höfischen Literatur und in anderen literarischen Zeugnissen.
Meine Frage hier: Gab es so etwas wie ein “Selbstverständnis der Männer” Wenn ja: wie sah das aus, welche Attribute, Eigenschaften und Handlungsweisen wurden erwartet, bzw. zugeschrieben?
Oder konnte es so etwas gar nicht geben? Wurde ein Mann (wie auch die Frau) ausschließlich über den Stand, Alter und Funktion begriffen? Die Frau als Mädchen (Magdelin), Frouwelin (Fräulein - unverheiratete Frau), Frouwe (Frau), als Gräfin, Bäuerin, Schneiderin, Brauerin usf., der Mann als Knabe (Knappe), Jungelin (Jungherr/Junker), Graf, Ritter, Bauer, Schmied, Küfer etc.?
(Ich werfe hier (z.T. mhd.) Bezeichnungen nicht durcheinander, sondern reihe sie hintereinander an).