oh, ein bisher unentdeckter Thread. Also es gibt da ein absolut empfehlenswertes Buch zum diesem Thema aus der Reihe der Schleswig Grabungen:
Steuer, Heiko: Waagen und Gewichte aus dem mittelalterlichen Schleswig. Funde des 11. bis 13. Jahrhunderts aus Europa als Quellen zur Handels- und Währungsgeschichte. Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters, Beiheft 10, Köln-Bonn 1997.
In diesem dicken und sehr gut gemachten Band wirst Du wirklich fast alles über Waagen finden. Gerade zu Früh- und Hochmittelalter, insbesondere viele Vergleichsfunde (also nicht nur die Dokumentation der Schleswiger Funde). Nur zu den Gewichten war zu wenig (in meinen Augen) für Hochmittelalter drin.
im Ausstellungskatalog zur Kreuzzugs Ausstellung in Mainz ist eine extremst genaue Waage aus dem Orient abgebildet und beschrieben. Leider hab ich das Buch im Moment verliehen und komm so schnell auch nicht wieder dran.
Also, aus dem FrüMi sind uns eine ganze Reihe von Feinwaagen vom Balkentyp (lange als ‘Apothekerwaagen’, heute meist als ‘Haschwaagen’ bekannt) erhalten, die sehr genau wiegen können (Replikate können auf 1/100 Gramm genau arbeiten, aber das natürlich mit modernen Gewichten). Genau mussten sie aber schon seion, wenn man bedenkt, dass man 585 für eine Goldmünze mit einem Feingehalt von weniger als 2 Gramm 34 Liter Wein kaufen konnte. Da lohnte es sich schon, zu feilen.
Was die Gewichte angeht, so war es theoretisch sicher möglich, mit genauen Waagen ein Referenzgewicht zu verwenden um andere danach zu eichen (soweit ich mich erinnere ist das im ‘Buch des Eparchos’ beschrieben, aber nagelt mich nicht drauf fest ich habe die Quelle nicht hier). Ob das in der Praxis gängig war, darf bezweifelt werden. Auf jeden Fall können Münzen aus der Zeit im Gewicht wesentlich (bis zu 1/4) voneinander abweichen.
In einem anderen Thread habe ich gelesen dass die Kerne einer bestimmten Frucht als Grundlage für das Karat diendten, da sie sehr regelmäßig im Gewicht waren.