Mir fällt dabei nur auf, dass die Fundlage in den verschiedenen Regionen unterschiedlich ausfällt. Wo in Haithabu Leinen gefunden wurde ist es in Birka zumeist Wolle - hat möglicherweise aber immer auch mit den konkreten Fundumständen zu tun - unter bestimmten Bedingungen verrotten Pflanzenfasern im Boden schneller als Wolle. Die ursprünglichen Farben sind da organischen Ursprungs idR ja auch nicht immer erhalten - ähnliches ist bei den Knochen zu finden - einige Gräber in Birka enthielten nahezu vollständige Skelette, andere waren bis auf eine Fibel oder Pfeilspitze quasi “leer” - vieles war sicher trotzdem ursprünglich in den Gräbern, ist aber nicht enthalten, also lässt die Fundlage nicht immer (nie?) “vollständige” Rückschlüsse auf die ursprüngliche Situation zum Zeitpunkt der Grablegung zu.
Wenn mich mein Schwedisch nicht täuscht, geht Inga Hägg in “Kvinnodräkten i Birka” davon aus, daß ein Großteil der “Röcke” (und auch der sonstigen Kleidung? weiß nicht mehr…) aus sehr feinem, aus Syrien importiertem Wollstoff hergestellt wurde.
Gibt es dazu inzwischen Gegendarstellungen/-argumente? OK, man muß bedenken, daß sie nur Textilfragmente untersuchen konnte, die sich unter den Ovalfibeln fanden - und damit an Frauen aus einer eher wohlhabenden Schicht. Und daß die Wikinger weitreichende Handelsbeziehungen hatten… Und daß Birka generell einer _der_ Orte der WIkingerzeit war… Aber trotzdem will es mir nicht ganz in den Kopf…. Syrien! :)
Ah, und macht sie überhaupt Angaben, wie fein diese Stoffe nun genau waren? Also Anzahl der Fäden pro cm oder so?
Ich habe vorhin nochmals Quellen gewälzt und bin zu folgendem (vorläufigem) Schluß gekommen (Achtung: Wikingerzeit sind immerhin ca. 200 Jahre, da hat sich so einiges getan!)
Gemusterte Stoffe sind besonders für die frühe Zeit vorhanden und nachgewiesen. Aber in reichen Bestattungen und in der späteren Zeit scheinen die Kleider eher einfarbig zu werden, wohl auch bedingt durch modische Einflüsse aus dem fränkischen Gebiet und aus dem Orient. Aufwendige Besätze, Postament und Borten sind vielfach nachgewiesen (siehe Quellenangaben). Selbst Stoffe mit aufwendigen Webarten scheinen einfarbig gewesen zu sein, wie z.B. der bekannte Rautenköper aus den Birka-Gräbern. Vielfach sind orientalische - gemusterte - Seidenstoffe als Besatz oder Import-Kleidungsstücke nachgewiesen. Babei handelt es sich um auch um tradierte Muster (Lebensba, Grantapfel etc.). Besonders beliebt mit Goldlahnfäden :-))
Recht bekannt und wohl auch beispielhaft ist die sog. Mammen-Tracht.
Sylvia
Projekt Folgari
Quellen:
Inga Hägg
- Die wikingerzeitl. Frauentracht von Birka
- Textilfragmente aus dem Hafen von Haitabu - Aspekte und Interpretationen (offa 41)
- Einige Beobachtungen zur Birka-Tracht
- Die Textilfunde aus der Siedlung und aus den Gräbern von Haithabu (Wachholtz, Neumünster)
um nocheinmal auf die Textilbindungen zurückzukommen, man hat in Haithabu nicht nur Gleichgratköper oder Diamantköper (Rautenköper) gefunden sondern auch Spitzköper (besser bekannt unter Frischgratmuster).
Was karierte Stoffe angeht, so hat Gorm vollkommen recht.
Alles nachzulesen in: Ausgrabungen in Haithabu, Bericht 20, Die Textilfunde aus dem Hafen von Haithabu, Wachholtz Verlag. ISBN 3 529 1920 8
habe ich, gleiche Buchreihe, aber diesmal Bericht 29: Textilfunde aus der Siedlung und aus den Gräbern von Haithabu, ISBN 3 529-019291, Seite 212:
…die karierte Leinwand… Das Grundgewebe ist blau, ripsartig und mit z-gedrehten Fäden in Kette und schuß. Auf dem blauen Grund zeichnen sich s-gedrehte, rote Fäden ab, die das Gewebe in beide Richtungen in kleine Karos unterteilen. … Bei der Leinwand aus Grab nr. … wechseln je zehn blaue z-gedrehte Fäden mit einem weißen z-gedrehten Faden in beiden Richtungen ab.
steht in “Berichte über die Ausgrabungen in Haithabu, Bericht 20: Die Textilfunde aus dem Hafen von Haithabu” von Inga Hägg, Karl Wachtholz-Verlag, ISBN 3 529 1920 8 auf Seite 210: …Dieser Gruppe sind auch die feinsten mehrfarbigen Gewandteile - der karierte ßberwurf und die Pumphose - zuzurechnen.
ßber bedruckte Gewebe habe ich allerdings nichts gefunden.
wer so komplexe Sachen wie 150-Brettchen-Weite Webborte mit verschiedenen Farben drin ( aha! ) gemacht hat, wird sehr wahrscheinlich auch vergleichsweise simple Tuchweberei schoen Fabenfroh gestaltet haben… leider muss ich bei der Spekulation bleiben, da ich keinen expliziten Nachweis anfuehren kann…
wenn da steht, dass die Stoffe recht bunt GEFßRBT waren, was sagt das über Karos aus? ich denke nichts, denn Karos werden imho gewebt und nicht gefärbt, oder?!?!
Außerdem finde ich die Formulierung “volle Freiheit solange es gefaerbt und nicht gedruckt ist” mehr als unglücklich! Nur weil etwas machbar war, heißt es noch lange nicht, dass es getan wurde.
ist zwar jetzt nicht Wiki direkt, aber im Germanischen Nationalmuseum in Nuernberg steht zum Thema antike, germanische Stoffe geschrieben, dass diese sehr farbenfroh und bunt gefaerbt waren. Sprich: volle Freiheit solange es gefaerbt und nicht gedruckt ist. Das ham se nu wirklich nicht belegt.
Was die alte Diskussion um Webformen angeht, berufe ich mich auf meinen Gruppengermanenkollegen und Archaeologen Martin, der gesagt hat man habe sogar Koeper und Diamantkoeper gefunden. Und das mit der Baumwolle war zwar damals extrem teuer, aber durchaus vorhanden. Mal abgesehen davon dass man im vorbeigehen den Unterschied von feinem Hanfleinen und grober Baumwolle eh nicht bemerkt.