Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Wikinger und die Seefahrt

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Eintrag #1 vom 17. Aug. 2004 22:41 Uhr Florian Gysin  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Florian Gysin eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Einige Fragen zu den Wikingern als Seefahrer

Ich hab da einige spezifische Fragen über die Wikinger als Seefahrer die etwas über die allgemeinen Informationen hinausgehen die man immer wieder bekommt.
Soweit ich weiss war die Wikinger mit ihren Schiffen meist in Küstennähe - heisst das, dass sie die Nacht an Land verbrachten? Wenn ja wie sicherten sie ihr Schiff? (Anker? An Land ziehen?)
Wenn nein, wie sah es mit den Schlafplätzen für die Mannschaft aus?
Die Langboote der Wikinger wurden ja (u.a.) gerudert… Weiss jemand wie lange so ne Ruder-Schicht ging? Gabs da doppelte Belegung die sich abwechselte?
Wer waren die Typen auf den Schiffen überhaupt?
Man erfährt immer wieder das die Wikinger Händler/Räuber und vor allem Bauern waren.
Waren das stehende “Räuber-/Piraten-Banden/-Heere” oder wurden da alle paar Wochen die Männer einiger Dörfer Zwecks Raubüberfall einberufen?
Wenn ersteres (stehende Banden) der Fall ist: Wovon lebten die Krieger/Seeleute? Bekamen sie einen Anteil an der Beute oder pauschalen Sold?
Was machten sie, wenn sie nicht auf Beutezug waren? (z.B. wären den Winterstürmen u.ä.)
Wem gehörten die Schiffe? (Einem Dorf, bzw. der Gemeinschaft, einem Wohlhabenden, Anführer?)
Ich hoffe ihr könnt mir trotz meinem unübersichtlichen Fragen-Haufen einige Antworten liefern…
Irion

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Eintrag #2 vom 18. Aug. 2004 10:45 Uhr Florian Treml   Nachricht

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»»Soweit ich weiss war die Wikinger mit ihren Schiffen meist in Küstennähe - heisst das, dass sie die Nacht an Land verbrachten? Wenn ja wie sicherten sie ihr Schiff? (Anker? An Land ziehen?)
Wenn nein, wie sah es mit den Schlafplätzen für die Mannschaft aus?»»
Das kam darauf an.
Man schlief auch durchaus an Bord des Schiffes, über das Schiff selbst konnte man ja eine Plane oder auch das Segel so drapieren, dass es eine Art Behelfszelt abgab.
Auf dem Schiff zu schlafen war an Küsten, wo man mit einigem Abstand zum Ufer sicher ankern konnte wesentlich sicherer gegen ßberraschungen vom Land her.
Wenn die Wikinger an Land übernachteten, dann wenn möglich auf Inseln, z.B. auf Flussinseln oder auf kleineren Inseln vor der Küste. Gleicher Punkt: Sicherheit vor eventuellen Gegnern.
Sie bauten aber auch Lager an Land, sowohl mit Zelten als auch mit improvisierten Hütten oder Blockhäusern, es kam bei Fahrten auch vor, dass sie in Fremden Landen überwinterten und dann für den Winter Häuser errichteten, so z.B. die Siedlung in Neufandland, bei L’Anse aux Meadows.
Das ist ja auch einfach eine Gewichtsfrage, statt mehrere schwerer Lederzelte kann ich mir mit nur wenig Aufwand mit Abgetrennten Zweigen oder Rinde schnell Hütten improvisieren die es genau so tun. Daher vermute ich, dass die Wikinger auch häufig eben wenn sie an Land schliefen einfach solche improvisierten Unterkünfte verwendeten, vorausgesetzt das Wetter machte solche überhaupt nötig.
»»Die Langboote der Wikinger wurden ja (u.a.) gerudert… Weiss jemand wie lange so ne Ruder-Schicht ging? Gabs da doppelte Belegung die sich abwechselte?»»
Wenn gerudert werden mußte, weil Flaute war, dann gab es sicher ein Schichtensystem, wir kennen dergleichen ja von den Galeeren in der Antike und im Spätmittelalter, ABER: man ruderte nur wenn man es mußte, auf Langstrecken und über das offene Meer wurde wenn Wind ging primär gesegelt.
Gerudert wurde im Kampf, in Küstennähe, auf Flüssen und bei Flaute. Auf Flüssen und bei Flaute bietet es sich an, die Mannschaft zweizuteilen, die eine Hälfte rudert, während die andere ausruht, man hat dann aber ja auch nur die Hälfte der Ruderkraft und damit Geschwindigkeit, daher im Kampf sicher immer die gesamte Mannschaft. Bei Seeschlachten die aber sehr selten waren verhielten sich viele Wikinger sehr passiv, sie banden dann z.B. ihre Schiffe zusammen und blieben unbeweglich, unter Kampf muß man also vor allem den Strandhieb, also den Blitzartigen Angriff gegen die feindliche Küste oder einen Fluß hinauf verstehen.
Die Wikinger bauten dann das Segel aus Tarnungsgründen, um ihre Opfer zu überraschen ab und ruderten dann so schnell wie möglich auf die Küste zu oder den Fluß hinauf oder hinunter. In diesem Fall wurden die Ruder eingesetzt, und dann ruderten alle um so schnell wie möglich zu sein. Auf dem Meer selbst aber wurde primär gesegelt.
»»Wer waren die Typen auf den Schiffen überhaupt?
Man erfährt immer wieder das die Wikinger Händler/Räuber und vor allem Bauern waren.
Waren das stehende “Räuber-/Piraten-Banden/-Heere” oder wurden da alle paar Wochen die Männer einiger Dörfer Zwecks Raubüberfall einberufen?»»
Das varrierte mit der Zeit.
Das waren zum Teil kleinere Unternehmen, die von einem Dorf durchgeführt wurden, vor allem anfangs, aber recht bald bildeten sich Gruppen die dann nur noch dieses Geschäft betrieben und die dann auch dauerhaft im Einsatz blieben und im Feindesland jahrelang kämpften und plünderten ehe sie zurückkehrten. Aus diesen Gruppen bildeten sich dann sogar ganze Heere und Armeen die auch als Söldner kämpften und in der Machtpolitik der damaligen Zeit mitspielten. Aus solchen Heeren und Gruppen heraus gab es auch dann in der Folge eine ganze Reihe Siedlungsversuche, die Wikinger versuchten auch im Ausland dauerhaft Fuß zu fassen, erfolgreich z.B. in der Normandie oder im Danelag in England.
Von der ursprünglichen Herkunft her waren die Wikinger im Endeffekt vor allem Bauern und Fischer. Der Handel entwickelte sich erst mit diesen Raubzügen, vor den Wikingern hatten z.B. Friesen den Handel mit dem Norden, also mit den Wikingern unter ihre Kontrolle, folgerichtig wurden die Friesen mit die ersten Opfer.
Das professionelle Söldner und Räubertum entwickelte sich dann erst mit diesen Raubzügen. Die erste richtige Wikingerarmee war das Heer König Göttriks das Friesland invasierte und schon um die 10 000 Mann umfasste. Dann bildete sich in Schottland das sogenannte Große Heer, dass bereits 20 000 Krieger umfasste. Die Armee die 885/86 Paris belagerte war dann schon nach verlässlichen Schätzungen 30 000 Mann stark. Das setzt zudem eine hochwirksame Organisation und eine strenge Disziplin und Kommandostruktur voraus. Solche Wikingertruppen schlossen sich dann auch viele an, die von der Herkunft her gar nicht aus Skandinavien kamen, so z.B. Friesen oder Angelsachsen oder Iren, nicht alle Wikinger waren also in der Folge dann auch wirklich echte Nordmänner, die Wikinger hatten auch de facto kaum rassische oder völkische Vorurteile gegen andere.
Aus diesen disziplinierten Raubarmeen bildeten sich dann die überlegenen regulären Armeen mit denn Sven Gabelbart oder Knut der Große ihre Reiche errichteten. Die Wikinger waren nicht zuletzt in ihrer Hochzeit ihren Gegnern auch numerisch überlegen, sie hatten schlicht und einfach mehr Truppen als die anderen Staaten dieser Zeit.
Erst mit den Erfolgen und mit der Bildung großer Heere wurden die Wikinger dann auch zu den wichtigsten Händlern zwischen Bagdad und Grönland, und dann auch zu Kolonisten in den verheerten Gebieten.
»»>Wenn ersteres (stehende Banden) der Fall ist: Wovon lebten die Krieger/Seeleute? Bekamen sie einen Anteil an der Beute oder pauschalen Sold?»»
Anfänglich erhielten diese Räuber eine Beutebeteiligung oder die Beute wurde frei gewonnen, d.h. jeder erhielt was er erplündern konnte. Mit der zunehmenden Straffung der Kommandostruktur und der Disziplin ging dann die Verteilung der Beute immer geregelter voran und ein Gros der Einnahmen wurden dann auch die Danegelder, also Schutzgelder die man erpresste und die bezahlt wurden, um einen Einfall der Wikinger zu verhindern. Diese Gelder wurden dann anteilig je nach Rang unter die Armee verteilt.
Ganz später gab es Vorauszahlungen auf die Beute und bei den stehenden Heeren von Gabelbart oder Knut auch teilweise regelrechte Soldzahlungen.
»»Was machten sie, wenn sie nicht auf Beutezug waren? (z.B. wären den Winterstürmen u.ä.)»»
Wenn die Kriegszüge noch nicht so weit von der Heimat entfernt stattfanden, dann kehrten sie wieder in diese zurück und überwinterten dort. Dann bauten sie Schiffe und fällten Holz, was im Winter besser ist da dann das Holz keinen Saft enthält, gingen auf die Jagd, flickten und fertigten Ausrüstung an und lebten auch von der Beute. Anfangs blieben auch immer welche zu Hause die dann die Felder bestellten und man kehrte eventuell noch früh genug zur Erntezeit zurück um mitzuhelfen, mit den vielen Sklaven die man in der Folge erbeutete und mit nach Hause brachte übernahmen dann diese mit die Arbeit so dass man länger weg bleiben konnte.
In der Folge überwinterten immer mehr Krieger im Ausland oder blieben Jahrelang oder für immer dort. Es gab anfangs auch im Ausland regelrechte Gebiete in denen man sich dann für den Winter sammelte, so z.B. eine Insel vor der Mündung der Seine. Auch dort wurden im Winter die Schiffe geflickt oder Neue gebaut, und das weniger behindert durch Schnee und Kälte. Wobei Eis und Kälte zum Holztransport sehr gut geeignet sind, man konnte früher eigentlich nur so Bäume wirtschaftlich aus den Hängen ins Tal bringen, indem man sie eine Rutsche hinabrutschen ließ.
»»Wem gehörten die Schiffe? (Einem Dorf, bzw. der Gemeinschaft, einem Wohlhabenden, Anführer?)»>
Häufig einer reicheren Person der Oberschicht oder einem Adligen, dieser heuerte dann eine Mannschaft an und erhielt dafür das er das Schiff stellte Befehlsgewalt und einen größeren Beuteanteil. Später gehörten mächtigen Anführern mehrere Schiffe und zur Zeit des Dänischen Reiches gehörten viele Schiffe dem König und wurden dann mit de facto regulärem Militär bemannt. Ob es Schiffe in Gemeinbesitz gab ist mir nicht bekannt, aber ich kann es mir für die Anfangszeit vorstellen. Auch später besaßen manchmal zwei oder drei Personen oder mehrere gemeinsam ein Schiff.
Alle Informationen ohne Gewähr für Richtigkeit aber im Vikingforum solltest du auf jeden Fall fundierte Infor dazu finden:
72.rapidforum.com
Mit besten Grüßen

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Eintrag #3 vom 18. Aug. 2004 15:02 Uhr Regina (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Regina eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Ein schönes Buch zum Thema

Hallo,
ich habe hier ein schönes Buch zum Thema Wikinger und die Seefahrt aus dem letzten Dänemarkurlaub mitgebracht. :o)
Max Vinner “Mit Dem Wikingerlotsen an den dänischen Küsten” ISBN 87 85180 33 5 Herrausgegeben vom Museum Vikingeskibshallen in Roskilde www.swmaritime.org.uk/article.php?articleid=17&atype=r
Viele Grüße, Ragna

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Eintrag #4 vom 18. Aug. 2004 22:12 Uhr Florian Gysin  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Florian Gysin eine Nachricht zu schreiben.

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Vielen Dank, diese Infos haben mir echt geholfen. Werd mich auch mal in dem Forum umsehen…
MfG Irion

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