Es mag ja sein, dass die Vorpostings sachliche Fehler oder unzulässige Vereinfachungen enthalten, aber auch nach mehrmaligem Lesen kann ich keine “munter(en) Faschosprüche und/oder NeoHeiden-Rundumschläge” erkennen.
Georg, sei bitte selbst vorsichtig mit solchen Vorwürfen.
Da werden munter Faschosprüche und/oder NeoHeiden-Rundumschläge abgelassen, deren Hintergründe eher von Sachkenntnis ungetrübte Fantasie zu sein scheint.
Rezente ethnische Gruppen sind ein besonderer Studienfall zum Beispiel in der Ethnographie und eine schwierige Sache. Hier kommen so ´lustige` Sachen wie Chaostheorie und andere äußerst komplexe mathematische Modelle zum Tragen, falls Mechanismen, die zum Rückzug von ethnischen Gruppen führen, beschrieben werden müssen. Das ist eine ungeheuer komplexe Angelegenheit, die nur schwerlich mit ein, zwei Sätzen abgefertigt werden kann. Schon gar nicht mit sprachlichen Allgemeinplätzen.
Ich warne nur vor allzu schnellen und versimplifizierten Denkweisen, die in ihrer Linearität der tatsächlichen Problematik auf keinen Fall angemessen sind.
Richtig, Ulli! Der Druck kommt inzwischen nicht mehr von außen sondern von innen, sprich, der Nachwuchs ist schwer für die alte Kultur zu begeistern, heiratet vielleicht nach draußen, zieht weg, was auch immer. Folge: diese Kultur stirbt mehr und mehr aus.
Ich las neulich übrigens, daß viele der “härtesten” Spreewälder Nachfahren preußischer Offiziere sind, denen damals Land in dieser unwirklichen Region zugeteilt wurde, die aber von den Sorben, um Andrews Aussage mit einem weiteren Beispiel zu belegen, nach und nach assimiliert wurden.
die Menge macht’s und die Art der Machtausübung. Wer die Eliten nicht vernichtet (nicht vernichten kann), nicht vertreibt (nicht vertreiben kann) oder nicht massiv unterdrückt (nicht massiv unterdrücken kann) wird selber assimiliert. Beispiele gibt es dafür noch mehr. Je kleiner die die “überfallene” Einheit ist, um so einfacher ist es, aber manchmal klappt es nicht oder soll gar nicht klappen, da sonst die selbst für die Eroberer notwendige Infrastruktur zerbricht.
Die Wenden (auch Sorben genannt), das kleine slawische Völkchen in der Lausitz, genießen übrigens den besonderen Schutz der Landesverfassung Brandenburgs. Alle amtlichen Schilder und Briefköpfe in der Gegend sind zweisprachig (z.B. Cottbus/Chosebuz). Ob das den Untergang dieses Volkes aufhalten wird, wage ich allerdings nicht zu prognostizieren …
Als Gegenbeispiel seien die Bulgaren genannt. Diese waren immerhin die Eroberer, welche nach ihrer die neue Führungsschicht eine Staates bildeten. Aber hier waren sie es, die durch die Masse ihres Volkes slawisiert wurden. Als Folge verschwand die (Turk)sprache der Eroberer, und noch heute sprechen die Bulgaren eine slawische Sprache.
Im Prinzip lässt sich Machtausübung von Siegern immer in die gleiche Abfolge bringen:
- Ermordung der Eliten (mal mehr mal weniger)
- Vertreibung der Unliebsamen mit Gefolge
- Unterdrückung des Restes der Sesshaften
- Assimilation dieses Restes
Die kulturellen Spuren des eroberten “Volkes”, Stammes etc. vergehen dann mehr oder weniger, sind mehr oder weniger nachweisbar.
Am genannten Beispiel der “Kelten” (wie schon richtig gesagt über Kultur verbundene Stämme) lassen sich die Abstufungen gut sehen je nach Region.
Hierzu ein Buchtipp: beim 2001-Versand das Buch über die Kelten. Netter ßberblick über die lange Entwicklung, das langsame Vergehen, die Unterdrückung (Bretagne, Wales, Irland) bis heute und die versuchte “Wiederbelebung” seit 100 bzw. 30 Jahren.
Nun, um es vorsichtig auszudrücken, diese Frage ist sehr allgemein gehalten.
Ein Beispiel, die Slawen, Wenden, wie auch immer hier in der Mark Brandenburg. Die wurden nicht ausgerottet und lebten weiter in den gleichen Siedlungen wie die deutschen Eroberer. Wohl aber wurden sie benachteiligt. Ihre Sprache wurde z.B. verboten, hielt sich aber bis in die Neuzeit hinein. Der eigentliche “Todesstoß” kam mit Beginn der Schulpflicht in Preußen, denn da wurde nur deutsch gesprochen. Und viele Eltern ließen ihre Kinder Deutsch erziehen, damit sie z.B. später ein Amt innehabe durften. Und so starb ihre Kultur allmählich aus. Aber im bekannten Spreewald hielt sie sich z.B. bis heute.
Zu den Kelten kann ich dir was sagen. Du solltest dir die Kelten nie als ein eigenständiges Volk vorstellen, sondern als eine lose Gruppierung von verschiedenen Stämme, die einige sprachliche und kulturelle Gemeinsamkeiten hatte.
Und als die Römer das deutsche und französische Gebiet der Kelten eroberten, da gingen diese Gemeinsamkeiten zugunsten der römischen Sitte verloren. Und als sich die Römer aus Frankreich und Deutschland zurückzogen, da gab es nur noch verschiedene Stämme und kein Volk mehr.
Das ganze ist nur eine recht grobe Erklärung, aber Feinheiten würden den Rahmen des Forums sprengen.
es mag sich erstmal etwas seltsam anhören diese Frage, aber wo sind eigentlich alten Völker letztendlich geblieben? Darüber habe ich mir schon öfters den Kopf zerbrochen, aber gibt es irgendwelche Hinweise?
Also - zum Beispiel - hier in unserer Gegend waren die Kelten recht fleißig, haben munter Viereckschanzen gebaut… Dann kamen die Alemannen… aber wo sind dann die Kelten abgeblieben? Wie muß man sich das vorstellen? Wurden die vorher ansässigen Menschen vertrieben? Oder ausgerottet? Oder waren die Eindringlinge einfach in der ßberzahl und die Vor-Einwohner gingen als Minderheit in dem neuen Volk unter, wurden integriert?