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Eintrag #1 vom 30. Okt. 2006 09:36 Uhr Andreas Pilz   Nachricht

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So, ich habe mich schon durch Google durchgewälzt und interessiert die beiden Threads zur Zahnpflege und Körperhygiene gelesen.
Aber meine Frage, wie die Zahnqualität des Mittelalters war ist noch nicht so ganz geklärt.
Man kennt ja den typischen Ausspruch “Im Mittelalter haben die immer alles weichgekocht, weil die so schlechte Zähne hatten”.
Bis jetzt habe ich zwei Texte von der FU Berlin gefunden, die ziemlich deutlich darauf hin weisen, daß die Zahnqualität wohl eher zur Neuzeit hin abgenommen hat.
web.fu-berlin.de/presse/wissenschaft/[…]/pdw_99_00[…]
www2.biologie.fu-berlin.de/humanbio/neutres.htm
Gibts da noch weitere Untersuchungen, die ähnliches in anderen Gebieten Deutschland/ Europas bestätigen.
Ach ja und eine kleine Zusatzfrage, inwieweit die Zahneinkerbungen der Wikis schon bekannt sind?
www.wissen-news.de/news/230707012006.php
liebe grüße, Andreas

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Eintrag #2 vom 30. Okt. 2006 11:54 Uhr Karen Thöle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Karen Thöle eine Nachricht zu schreiben.

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Ich habe vor ein paar Jahren mal eine ganze Reihe von zahnmedizinischen Dissertationen gelesen, die sich mit mittelalterlichen Funden beschäftigen. Und ich muß sagen, sie waren nicht einfach zu lesen, bestätigen aber das, was deine ersten beiden Links schon schreiben.
Typisch für mittelalterliche Zähne sind die sogenannten Abrasionen, die die “Berg- und Tal-Landschaften” normaler Backenzähne mit der Zeit immer weiter einebnen, so daß im Alter irgendwann eine gerade Fläche entsteht. Das kann im Extremfall sogar so weit gehen, daß soviel Zahnsubstanz abgeschliffen wird, daß die Wurzeln freigelegt werden. Ich kann mir vorstellen, daß sowas auch schmerzhaft ist. Ich habe allerdings jetzt auch nicht mehr im Kopf, wie häufig das in welcher Zeit war. Das war allerdings auch nicht so einfach nachzuvollziehen, weil die einzelnen Autoren teils unterschiedliche Einteilungen nach Abnutzungsgrad hatten, das “Fachchinesisch” für Nicht-Dentisten auch nicht so leicht nachvollziehbar ist, und von den Büchern, die ich gelesen hatte, auch nur eines einleuchtende Grafiken hatte, die zeigten, wie Zähne der verschiedenen Abnutzungsgrade aussehen.
Karies gab es kaum, jedenfalls kaum auf der Kaufläche. Ich stelle mir vor, daß auf einer zunehmend glatter werdenden Fläche, die zudem bei jeder Mahlzeit abgeschmirgelt wird, auch nur schwer Karies entstehen kann.
Es gab zumindest einen Autoren, der bei den von ihm untersuchten Zähnen auch regelmäßig Zahnhalskaries gefunden hat. Aber ein anderer Autor ist bei der Beurteilung von Schäden an den Zahnhälsen sehr vorsichtig gewesen mit dem Argument, man könne da nur schwer unterscheiden, was davon zu Lebzeiten des Besitzers entstanden wäre und was in den Jahrhunderten danach im Erdboden.
Fehlende Zähne gab es auch, meist bei älteren und alten Leuten, aber weniger, als das Klischee von den “schlechten Zähnen” einen auf Anhieb glauben läßt. Hier kann man übrigens auch ganz gut unterscheiden, ob der Zahnverlust vor oder nach dem Tode stattfand.
Wie gesagt, sind die Ergebnisse schwer miteinander zu vergleichen, weil die Autoren unterschiedlich viele Unterteilungen vornehmen und für die einzelnen Kategorien unterschiedliche Werte ansetzen. Aber soweit die Autoren selber ihre Funde mit Funden aus anderen Publikationen vergleichen, scheint der Trend, den Deine Links schon erwähnen, auch schon das Mittelalter hindurch zu wirken: je später, desto weniger
Abrasionen, desto mehr Karies.
Bis denn
Karen Thöle

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Eintrag #3 vom 30. Okt. 2006 12:14 Uhr Alexander Klenner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Klenner eine Nachricht zu schreiben.

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Dem Punkt von Karen »je später, desto weniger Abrasionen, desto mehr Karies.«
würde ich zustimmen wollen.
Leider kann ich das folgende nicht mit Literatur untermauern, da es aus einer Führung zum Mühlentag stammt, deswegen möchte ich es nur als Arbeitsthese, zu der evtl Daten oder Quellen liefern kann, äußern:
Der Abrieb an den Zähnen ist eine direkte Folge der Qualität der Mühlsteine, und sinkt bei steigender Qualität.
Handmühlen und frühe Mühlsteine gaben bei der Arbeit viel Sand in das Mehl, welcher den Abrieb beim Verspeisen der Produkte erzeugte.
Bessere Mühlen und die Verdrängung der Handmühlen durch professionelle Müller senkten diesen Effekt.
Gruß, Ivain

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Eintrag #4 vom 30. Okt. 2006 17:48 Uhr Sina Klausnitz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Sina Klausnitz eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo,
Karen, hast Du zufällig noch eine Literaturliste dieser Dissertationen? Es würde mir bei meinem Diplom echt weiterhelfen….
Hinsichtlich der Qualität der Zähne kann ich mich nur Karen und Alexander, soweit mein Kenntnisstand reicht, anschließen.
Im Spätmittelalter setzt durch Bevölkerungswachstum und klimatische Veränderungen eine mehr als deutliche VErschlechterung der Ernährungsituation für viele Menschen unterschiedlicher sozialer Schichten ein. Somit schlagen nicht nur die direkt aus Mangelernährung resultierenden Schäden an den Zähnen sich nieder, sondern auch die vor allem aus der in Hungersnöten epidemisch auftretenden Krankheitsbilder im Mundbereich durch den Scorbut.
Folgende Links könnte ich noch anbieten:
cma.gbv.de/dr,cma,008,2005,a,03.pdf
rcswww.urz.tu-dresden.de/~frnz/trinken/essen1.htm
www.igm-bosch.de/download/juemedgg15.pdf
Zahnmedizinische Literatur gibt es schon aus dem mittelalterlichen und arabischen Bereich, die “richtige” wissenschaftliche Auseinandersetzung fängt erst im 16.Jahrhundert an. Bis ins 17.Jahrhundert hinein ist man der Meinung, Zahnschmerzen werden durch Zahnwürmer verursacht, welche man mit Bilsenkrauträucherungen austreiben wollte.
Ich hab relativ viele volksmedizinische “Rezepte” für Zahnschmerzen, falls jemand Lust hat dieselben mit Krötenblut bei Vollmond zu kurieren - einfach melden..
Mit vielen Grüßen, Sina

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Eintrag #5 vom 30. Okt. 2006 19:05 Uhr Karen Thöle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Karen Thöle eine Nachricht zu schreiben.

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Tut mir leid, ich habe das damals nicht aufgeschrieben. Ist auch schon eine Weile her, 2003 war das. Es waren auf jeden Fall Bücher, die ich in Göttingen in der Uni-Bibliothek gefunden hatte. Geh mal auf die Seite der Uni-Bibliothek www.sub.uni-goettingen.de und gib im Online-Katalog die Begriffe zahn? und mittelalter? ein (mit Fragezeichen); das ergibt 35 Titel, vielleicht sind die Bücher, die ich gelesen habe, ja dabei.
Bis denn
Karen Thöle

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