….wie wäre es denn mit Gänseblümchen (Stiele spalten und so leicht zu flechten) oder Erdbeerblüten oder Vergissmeinicht?…. oder Holunderdolden (die müssen im Mai schon blühen)….
ich würde dir empfehlen, dir einfach eine naturbelassene Wiese (also keinen Rasen :o) ) zu suchen, und dann schaust du was du dort findest( Löwenzahn, Schafgarbe, etc.). Eigentlich dürftest du damit nichts falsch machen. Ansonsten wirds schwierig, schließlich muß die Pflanze sich ja auch technisch zum Flechten eignen. Die Margerite (Chrysanthemum leucanthemum = Wiesenmargerite) würde sich eignen, ist aber frühestens im Juni mit dem Blühen an der Reihe.
Für eine Aufführung Mitte Mai möchte ich mir einen Blumenkranz machen. Welche heute (in diesem Jahrhundert, aber auch Mitte Mai) noch gut erhältliche Blume könnte dafür geeignet sein?
Wir haben mal eine Liste der Zierpflanzen mit Angabe des Jahrhunderts des Erstnachweises zusammengestellt. Der Begriff Zierpflanze darf allerdings nicht zu eng gesehen werden, da auch eine Reihe dieser Pflanzen medizinische Anwendungen hatte.
grundsätzlich gab´es im Mittelalter 2 Formen in Bezug auf Pflanzenanbau/-verwendung (von “Unkräutern” mal abgesehen ;-) )
1) Nutzpflanzen (Kräuter, Gemüse, Obst etc…)
2) Symbolträger
Im christlichen Glauben gab´es bereits damals (oder insbesondere damals) zahlreiche symbolträchtige Pflanzen, was vermuten läßt, daß man eben in erster Linie auch diese als Zierde im Garten angepflanzt hat, bzw. sie so häufig in der Natur (schließt zu damaliger Zeit in gewisser Weise den Garten mit ein) vorkamen, daß sie praktisch allgegenwärtig waren. Oftmals stammten sie auch noch aus heidnischen Bräuchen, die sich die “neue” Religion aneignete, bzw. übernahm, da diese nicht komplett auszutreiben waren.
Bsp:
-Erdbeeren, deren dreigeteilte Blätter die Dreifaltigkeit darstellten
-Lilien als Symbol für Unschuld/Reinheit
-Rosen als Ebenbild Marias
-Holunder: Widerspruch von Christen (süße Früchte) und Juden (bittere Blätter), die doch beide aus einr Wurzel (Welt) treiben
(Solche “Stellvertreter” des christlichen Glaubens legten auch den Grundstein für den heutigen Kirchenschmuck. Sie wurden i.d.R.in Küchengefäßen (Kannen, Becher) auf den Alter gestellt.)
Viele Pflanzen sind auch beiden Gruppen zuzuordnen!
Dazuzusagen ist, daß man im Spätmittelalter langsam auch vereinzelt (wieder?!) damit begann, Pflanzen des bloßen Anblicks wegen zu ziehen. Da man sich aber vorstellen kann, daß der “Ottonormalmensch” entweder keine Zeit, bzw. keinen Platz (kleine Gärten in der Stadt dürften wohl ausschließlich zum Selbstversorgen genutzt worden sein) für solche Späße hatte, dürfte es sich um ein Vergnügen der Reicheren und Höhergestellten gehandelt haben. (Wobei diese auch bald wieder einen recht moderenen Aspekrt entdeckten, nämlich den Schmuck zu Feierlichkeiten (mit Blüten benähte Wandteppiche, sogenannte Questen (an eine zwischen Pfosten gespannte Schnur gehängte Grünbüschel), Blütenstreuen (Vorläufer des heutigen Hochzeitsbrauches))
Als wichtiges Element erachte ich Immergrünes, also Nadelbäume/Koniferen. (Galt (und gilt) insbesondere im Winter als Symbol für Licht und Wärme, ganz generell für Wiedergeburt und ewiges Leben)
Achtung: nicht alles, was uns heute als typisch wild und “natürlich” vorkommt, paßt. (Bestes Beispiel: die leider auf fast jedem Markt allgegenwärtige Sonnenblume… ärgs, hat sich wohl aus Amerika rübergebeemt ;-) )
Und grob ausgedrückt: Thuja ist nicht gleich Thuja (blödes Beispiel). Es gibt große Unterschiede in der Herkunft (läßt sich oftmals schon aus dem Artnamen herauslesen: chinensis=aus China, japonica=aus Japan usw…) und natürlich unzählige verschiedene Zuchtformen, die mit der ursprünglichen Form nicht mehr viel gemein haben (gut zu erkennen z.B. an Rosen, selbst heute riesige Unterschiede zwischen “klassisch-barocken” Gartenrosen und den netten knuddeligen Teeröschen)
Hm, um das Ganze mal zum Ende zu bringen, nochmal eine Liste mit Pflanzen, die im gesamten MA grundsätzlich OK sind (im Detail halt aufpassen): Lilien, Rosen, Equisetum (Schachtelhalmarten), Lavendel, Erdbeeren, Arkanthus, Wachholder, Stechpalme, Kiefer, Eibe, Holunder, Iris, Salbei, Bux, Goldlack, Rittersporn, Fingerhut.
Meines Wissens etwas unklar über die genaue Einführung (zwischen dem 12 und 15. Jhdt.) sind u.A. Majoran, Zitronenmelisse, Schneeglöckchen, Christrose, Silberling.
Hm, ich hoffe ich konnte weiterhelfen, falls noch Fragen bestehen kann man mir auch gerne mailen. (Hab noch einen Haufen Infos über in Steinmetzarbeiten dargestellte Symbolpflanzen, deren Bedeutung, damalige Verwendung+ was nach modernen medizinischen Erkenntnissen wirklich dran ist… leider (noch) nicht komplett im Kopf+ auch nicht griffbereit.)
Ihr fragt ja explizit nach Zierpflanzen, und da fallen mir auf Anhieb zwei ein:
die Rose und die Lilie. Wie die nun damals ausgesehen haben, weiß ich auch nicht. Vielleicht weiß ja einer eine schöne Buchmalerei, vielleicht sogar noch vor 1500. Aber gegeben hat es sie - sonst wäre der “Roman de la rose” nicht geschrieben worden und die Lilie nicht im französischen Wappen aufgetaucht beziehungsweise als Symbol für Reinheit und Unschuld verwendet worden. Krokus wäre vielleicht auch keine schlechte Idee. Aus irgendeiner Krokusart wurde nämlich Safran gewonnen, und deshalb kam diese Pflanze im Verlauf des Mittelalters auch über die Alpen.
wie gesagt - bei uns hier gibt es einige schöne Klostergärten, die noch im alten Stil, also in der Art eines Bauerngartens, bepflanzt werden. Meist findet man so etwas in “Ausflugs”-Klostern, wo viele Touristen etc. unterwegs sind. Auch Mönche sind schließlich auf einen guten Eindruck bedacht :))
Auch noch ne Quelle: Stadtbücherei, Ecke “Garten” - da gibt’s sicher auch was über Bauerngärten.
Wie groß ist den der Garten? Verträgt der einiges an Elementen? ßberleg Dir, ob Platz für eine Kräuterspirale ist. Ist zwar eher “neumodisch”, also nicht MA :)) Aber eine interessante Kulturform, und irgendwo schön “urig”.
eine gute Quelle, neben diversen Büchern zum Thema “Bauerngärten”, sowie dem obligatorischen Kalender der Raiffeisenkasse ;)) sind Klostergärten. Hier im Süden wüßte ich einige (z.B. Kloster Reichenau). Auch auf Gartenschauen sowie in Freilichtmuseen finden sich immer wieder hübsch angelegt Bauerngärten.
Wenn Du auf alte Sorten zielst, würde ich auf alle Fälle Salbei, Lavendel (wurde schon erwähnt), Kapuzinerkresse, Ringelblumen, Akelei, Königskerzen, Bienenweide empfehlen :))
in einem Bericht über alte Bauerngärten hieß es: “Zierblumen” wurden häufig als Beeteinfassung gepflanzt, um z.B. das Erdreich festzuhalten, empfindlicheren Nutzpflanzen Schutz zu bieten u.ä. Die Moderatorin konnte sich den Kommentar nicht verkneifen, daß “die Bauersfrau wohl damit ihren Mann überzeugt hat, auch mal nur schön blühende Pflanzen zu dulden”… nunja….
In Büchern über Bauerngärten dürftest Du fündig werden, welche Pflanzen schön und nützlich zugleich sind. Ich habe z.B. gute Erfahrung mit Lavendel und Rosen im gleichen Topf gemacht - weniger Blattlausbefall.
Oder diverse Pflanzen zur Bodenaufbereitung - Kapuzinerkresse, glaube ich -, Blumen, die Bienen anlocken und damit die Bienenstöcke mit Honig füllen *g*
Seit kurzem haben wir eine Wohnung in einem alten Fachwerkhaus mit kleinem Gärtchen. Dieses möchten wir nun bepflanzen, aber nicht mit Bambus und Geranien…
Wir überlegen, wie so ein Gärtchen wohl früher ausgesehen haben könnte. Sicherlich gab es einen Küchen- bzw. Kräutergarten. Hierzu haben wir schon einige Infos gefunden.
Aber wie sah es mit Zierpflanzen, vor allem Blumen aus?
Weiß jemand etwas darüber, oder hat vielleicht einen guten Buchtip? Am liebsten mit ganz vielen Abbildungen ;-)
Im Moment steht nur eine alte Kastanie in dem Garten, die leider nicht erzählen kann…