Mich würde interessieren ob nicht noch andere Abhängigkeiten dazu führen würden das Schwert nur (oder überwiegend) Links zu tragen. Hier zum Beispiel der Fall: “Aufs Pferd Steigen”. Das in vielen Reitlehren bevorzugte Aufsteigen von Rechts kommt doch meines Wissens daher, dass man das Schwert / Degen o.ä. ebenfalls Links trug - Ist hier vielleicht auch nachträglich eine Abhängigkeit in der anderen Richtung, sprich ich steige Rechts auf, also trage ich das Schwert beim aufsteigen lieber Links zu suchen? Nur ein Gedankenanstoß…
Ich denke man sollte das ganze nicht überbewerten. Diese Darstellungen unterliegen ja oft einer gewissen künstlerischen Freiheit die einfach dazu dient die Bewaffnung o.ä. nicht durch die Figur zu verdecken, bzw. die ikonografische Deutung Links=Böse ist ebenso möglich.
Desweiteren könnte es sich wirklich um Linkshänder handeln (die einen als Rechtshänder im Kampf doch manchmal arg is schwitzen kommen lassen)
Ich denke man sollte da für seine Darstellung eher praxisorientiert rangehen - warum sollte man sich das ziehen seiner *Lebensversicherung* unnötig erschweren. Die Menschen damals werden ähnlich gedacht haben.
“Und der ”römische“ Knecht hier drückt Jesus ein Schilfrohr in die Hand, das als ”Szepter“ fungiert, um ihn zu verhöhnen, wie auch die Dronenkrone, die ihn als ”König der Juden“ verspotten soll.”
Ah, ok das hab ich so nicht erkannt - dachte, der würde ihm Luft zufächern.
“[…] Ausserdem vielleicht mal ne Textquelle, die das ganze stützt.”
Guckt doch mal genau hin. Der läuft vom Betrachter weg, hat das Schwert auf rechts, und den Oberkörper um ca. 90° gedreht. Nix mit im Schritt und 180°
Und der “römische” Knecht hier: www.flickr.com/photos/46414289@N02/[ ]/dateposted drückt Jesus ein Schilfrohr in die Hand, das als “Szepter” fungiert, um ihn zu verhöhnen, wie auch die Dronenkrone, die ihn als “König der Juden” verspotten soll.
Bei der Quellkritik sollte man schon betrachten, was überhaupt dargestellt wird.
Ansonsten würde ich versuchen, Bilder ohne einen Kontext mit darstellender Tendenz als Grundlage zu benutzen, zu überlegen, wie das in enger Formation funktionieren wird, und wie es sich mit belegbaren Techniken für den gleichzeitigen Einsatz einer Primärwaffe- z.B. Halmparte- in eben selbigen verträgt.
Ausserdem vielleicht mal ne Textquelle, die das ganze stützt.
Und der scheint ja einer von den “Guten” zu sein, was dann gegen die “böse Linkshänder”-Theorie sprechen würde. Wenn ich da jetzt nicht gerade den Judas erwischt habe, so genau kenne ich mich mit dem Altar leider nicht aus.
Danke für den Link jedenfalls, den merke ich mir mal.
Nun, der Munderkinger Altar enthält ja einige Tafeln, welche meinst Du denn genau?
Bei der Passionsgeschichte werden ja Szenen dargestellt, bei denen viele Personen immer wiederkehren - z.B. Jesus;-) aber eben auch Folterknechte, die Jünger etc. Deshalb: handelt es sich womöglich um den gleichen Folterknecht?
Vielleicht kannst Du da Deine Protagonisten herausdeuten?
Zum Stangenblock: in einem solchen Block werden immer alle konform die Waffe auf einer Seite tragen, ansonsten sind koordinierte Manöver ziemlich schwierig. Aber es gibt eben Darstellungen, wo eben “der Block” komplett die Waffe auf der linken Seite trägt.
Hallo Wolfgang, danke für die Info. Was den Stangenblock angeht, tragen da alle ihre Waffe auf der linken Seite oder nur einige? Im ersten Fall läge dann ja die Vermutung nahe, dass es sich vielleicht um irgendein spezielles Manöver oder Ähnliches handelt. (Natürlich nur, falls das Bild diese Interpretation zulässt.) Bei Stangenwaffen kenne ich mich leider nicht so gut aus.
Deine letzte Frage verstehe ich allerdings leider nicht so ganz - auf welche beiden Soldaten beziehst du dich genau?
Aus verschiedenen - teils übereinstimmenden - Formulierungen in einigen der erhaltenen Fechtbüchern aus dem späten 14. bis 16. Jhdt. ergibt sich, dass offenbar Linkshänder als Fechter durchaus bekannt waren. Auch bei Illustrationen gibt es durchaus Variationen, ich habe schon- wenn auch vereinzelt - Schlachtendarstellungen im Kopf, wo linkshändig gefochten wurde. Es gibt etwa Darstellungen, bei denen spätmittelalterliche Stangenwaffenblöcke gezeigt werden, bei denen die Stangenwaffe an der linken Seite getragen wird.
Ich würde also die Möglichkeit, dass schlicht ein Linkshänder abgebildet ist, nicht ausschließen.
Handelt es sich denn - der Kleidung/Rüstung nach - um den gleichen Soldaten der Passionsdarstellung?
Ich habe mir einige Bilder des Altars noch einmal angeschaut, und mir fällt auf, dass die Figuren, die das Schwert rechts tragen, meistens auch nach nach rechts schreiten oder blicken. Vielleicht wollte der Maler das Schwert immer gut sichtbar darstellen.
Im Grunde genau man ein Schwert gewöhnlich links tragen würde, nur eben auf der anderen Seite.
Andrej: An künstlerische Freiheit habe ich auch schon gedacht. Linkshänder hatte ich zuerst ausgeschlossen, aber genau aus dem von dir genannten Grund wäre das ja wieder durchaus nachvollziehbar. Interessant.
In der Masse der Schwerter die auf der rechten Seite gretragen wurden gehen zwei Bilder ein wenig unter.
Es kann sich natürlich um einen Fehler des malers handeln ebensogut kann es sein das er die Schergen die Jesus verhaften oder peinigen als Linkshänder darstellen wollte um ihren schlechten Charakter zu unterstreichen.
Daraus zu schließen man habe wirklich ein solch langes Schwert auf der rechten Seite getragen halte ich für sehr gewagt.
Zumal gerade die Munderkinger Passion so einiges darstellt was ganz offenischtlich Ikonographisch belegt ist und nicht die Realität darstellen soll.
Soweit ich weiß, ist es die übliche Methode, sein Schwert auf der linken Seite zu tragen - so kann man es schnell mit der rechten Hand ziehen.
Jetzt ist mir aber auf einem Bild des Munderkinger Altars ein Soldat aufgefallen, der sein Schwert offenbar auf der rechten Seite trägt. (Habe online kein Bild gefunden, tut mir leid.) Bei einhändig geführten Schwertern sollte das beim Ziehen ja auch kein Problem darstellen, hier handelt es sich aber um ein langes Schwert.
Ich habe es vorhin mal ausprobiert - ich kann meines ziehen, muss mich aber schon ein wenig strecken. Und ich bin mit 1,85m nochmal rund zehn Zentimeter größer als die Leute damals im Durchschnitt. Von flüssigem Ziehen kann hier also meiner Meinung nach keine Rede sein.
Ein weiterer Soldat trägt ein langes Messer, von etwa gleicher Länge, ebenfalls auf der rechten Seite.
Da frage ich mich, wo da der Sinn liegt?
Der einzige Zweck, den ich mir vorstellen könnte, wäre der, dass man auf dem Pferd dann nicht beim Ziehen Gefahr läuft, den linken Arm, die Zügel oder den Hals des Tieres zu durchtrennen. Allerdings handelt es sich bei dem Soldaten der Ausrüstung nach wohl nicht um einen (abgesessenen) Reiter. Insofern also reine, nicht anwendbare Spekulation.
Ich habe diese Thematik auch noch nie irgendwo behandelt werden gesehen - weiß da wer was?